Inhalt
Einleitung 3
1. Das neue Programm: Die „Philosophischen Untersuchungen“ 3
1.1 Bedeutung 5
1.2 Sprachspiele und Regelfolgen 6
2. Die Aufgabe der Philosophie. 8
Literatur. 10
2
Einleitung
Die Philosophie Wittgensteins manifestiert sich in zwei scheinbar unterschiedlichen Ansätzen: zum einen im Tractatus logico-philosophicus, seinem Frühwerk (erschienen 1921) und zum anderen in den „Philosophischen Untersuchungen, seinem Spätwerk, das erst zwei Jahre nach seinem Tod 1953 veröffentlicht wurde. Den beiden Werken ist gemein, dass sie beide Irrtümer bezüglich der Verwendung der Sprache aufzuklären versuchen. Allerdings auf höchst unterschiedliche Art und Weise. Während Wittgenstein in seiner frühen Schaffensphase noch der Überzeugung war, dass die Sprache in direktem Zusammenhang mit der tatsächlichen Wirklichkeit steht, verwirft er diesen Gedanken in den „Philosophischen Untersuchungen“ und arbeitet statt dessen heraus, wie die Sprache immer nur auf sich selbst verweisen kann und damit in keiner Beziehung zur objektiven Wirklichkeit steht. Somit erscheint es unmöglich verifizierbare Aussagen über die Welt zu machen. In den „Philosophischen Untersuchungen“ macht Wittgenstein schließlich deutlich, dass Aussagen nur in ihrem sozialen Kontext bestätigt werden können, was letztlich zu der Erkenntnis führt, das der Ort des Verstehens ein sozialer Ort ist.
Im Verlauf der Arbeit versuche ich nun zu erörtern, welche Probleme für Wittgenstein mit diesen Erkenntnissen verbunden sind und welche Auswirkungen diese auf die philosophische Arbeit haben. Dazu werde ich zunächst zentrale Aspekte der Wende in der Philosophie Wittgensteins skizzieren, also Unterschiede zwischen Tractatus logico-philosophicus (i.F.: TLP) und den „Philosophischen Untersuchungen“ (i.F.: PU) deutlich machen, sowie die neuen zentralen Themen herausarbeiten. Hierbei scheinen mir vor allem die neue Bedeutungstheorie, das „Regelfolgen“, sowie die damit verbundenen Ausführungen über Lebensformen und soziale Kontexte von Bedeutung für das Thema der Arbeit. Darauf folgend werde ich die, aus den zuvor genannten Themen resultierenden, Probleme und Konsequenzen für die philosophische Arbeit herausarbeiten. Wie schon im TLP wird auch in den PU besonders deutlich, was die Philosophie gerade nicht leisten kann.
1. Das neue Programm: Die „Philosophischen Untersuchungen“
Von Anfang an steht die Sprache im Zentrum der Philosophie Wittgensteins. Schon im TLP geht es ihm „um die Grenzen des sinnvollen Sprechens“ 1 . Wie bereits erwähnt versucht Wittgenstein Irrtümer bezüglich des Sprachgebrauchs auszuräumen. So erläutert er, dass Gedanken nur sehr schwer ohne Verzerrungen in die Form der Sprache übertragen werden
1 Römpp, Georg: Ludwig Wittgenstein. Eine philosophische Einführung. UTB Böhlau, Köln/Weimar 2010, S. 12
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können. Man könne sich die Sprache als eine Art Kleid vorstellen, die den Gedanken umhüllt und es so nicht mehr ermöglicht auf die eigentliche Form des Gedankens schließen zu können. 2 Erklärtes Ziel sei es nun eine „ideale Sprache“ 3 auszubilden, die ohne eben erwähnte Verzerrungen operiert. Im Hinblick auf diese Arbeit ist dabei vor allem die Abbildtheorie interessant, die seine Thesen im TLP zwar untermauert, von der er sich in den PU allerdings radikal abkehrt. Da eine ideale Sprache Erkenntnisse über die Wirklichkeit hervorbringen soll, muss sie in irgendeiner Form mit ihr in Verbindung stehen, sie repräsentieren, „d.h. für einen sinnvollen Satz ist es notwendig, dass man ihn mit der Wirklichkeit in Beziehung setzen und auf diese Weise bestimmen kann, ob er wahr ist“ 4 . Diese Sätze nennt Wittgenstein Elementarsätze und sie kommen seiner Ansicht nach nur in den Naturwissenschaften vor. Ist Wittgenstein im TLP also noch zu dem Entschluss gekommen, dass die Sprache „nur aufgrund ihrer Beziehung zur Welt der Tatsachen“ 5 in der Lage ist wahr und falsch zu unterscheiden, revidiert er diese Aussage in den PU. Nun heißt es, dass „ein Satz nur mit einem Satz verglichen werden“ 6 könne. Er kommt also zu der Erkenntnis, dass das Sprachsystem kein geeignetes Instrument ist, um Gegebenheiten der empirischen Wirklichkeit verifizieren zu können und „sieht nun, daß seine Voraussetzung, daß Denken, Sprache und Wirklichkeit ihrer logischen Form nach übereinstimmen, nicht tragfähig ist“ 7 . Vielmehr können sprachliche Ausdrücke nur durch andere sprachliche Ausdrücke verifiziert werden. Ein Satz ist für ihn demnach genau dann wahr, wenn er intersubjektiv nachvollzogen werden kann, d.h. aufgrund gemeinsamer Urteile, Anschauungen oder Lebensformen als wahr akzeptiert wird. Die neue Aufgabe der Philosophie besteht nun also gerade nicht in der Konzeption einer idealen Sprache, abgehoben von der alltäglichen Sprache, sondern die Alltagssprache rückt in den Mittelpunkt der Analyse, während dies im TLP noch scharf kritisiert wurde. 8 Man müsse sich fragen, wie die Sätze und Wörter denn tatsächlich im Sprachgebrauch verwendet werden und er weist der Philosophie damit eine deskriptiven Arbeitsauftrag zu: „Wir führen die Wörter von ihrer metaphysischen, wieder auf ihre alltägliche Verwendung zurück“ 9 . Um dieses Programm weiter zu konkretisieren schauen wir uns zunächst an wie der Sprache Bedeutung verliehen wird.
2 Vgl. Römpp: Ludwig Wittgenstein, S. 14
3 Römpp: Ludwig Wittgenstein, S. 8
4 Römpp: Ludwig Wittgenstein, S.22
5 Römpp: Ludwig Wittgenstein, S.60
6 Römpp: Ludwig Wittgenstein, S.63
7 Vossenkuhl, Wilhelm: Ludwig Wittgenstein. Verlag C.H. Beck, München 1995, S. 138
8 Vgl. Römpp: Ludwig Wittgenstein, S.76ff
9 Wittenstein, Ludwig: Philosophische Untersuchungen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1971, § 116
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Arbeit zitieren:
Kai Dreschmitt, 2011, Welche Fragen sind nach Wittgenstein philosophische Fragen und worin sieht er zentrale Probleme ihrer Klärung?, München, GRIN Verlag GmbH
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