Erlebnispädagogik
mit
psychisch
erkrankten
Menschen
ein
didaktischer
Entwurf
Seite
I
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis ... 2
1
Die Einleitung ... 1
2
Die institutionellen Faktoren ... 3
2.1
Allgemeine
Daten
...
3
2.2
Die
Zielvorstellung
des
Wohnheimes
...
4
2.3
Die
Zielgruppe
...
4
2.4
Die
Medikation
...
6
3
Die Gesellschafts-politischen Faktoren ... 7
3.1
Die
Theorie
der
erlernten
Hilflosigkeit
...
8
3.2
Das
Empowerment
-
Konzept
...
9
4
Die Methodik ... 11
4.1
Die
Definition
der
Erlebnispädagogik
...
11
4.2
Die
Erlebnispädagogik
als
Lerngegenstand
...
12
4.3
Die
Bedeutung
der
Erlebnispädagogik
...
13
5
Die Relevanz der Erlebnispädagogik für die Zielgruppe ... 14
5.1
Die
Wirkfelder/Ziele
des
erlebnispädagogischen
Projektes
...
14
5.2
Aktivierung
und
körperliche
Bewegung
...
16
5.3
Das
Ausmaß
und
die
Veränderungen
der
sozialen
Integration
und
.
Kohäsion
...
16
5.4
Rollenstrukturen
und
ihre
Entwicklung
...
17
6
Die Umsetzung des erlebnispädagogischen Konzeptes ... 17
Ein
Konkretes
Modulbeispiel
und
seine
Wirkung
...
19
7
Die Motivation ... 21
8
Die Evaluation ... 23
Literaturverzeichnis ... 25
Seite
II
Abkürzungsverzeichnis
bzw. = beziehungsweise
ca.
= zirka
d.h. = das heißt
e.V. = eingetragener Verein
ff
= fortfolgend
LWV = Landeswohlfahrtsverband
S.
= Seite
u.a. = und andere
u.ä. = und ähnliche
usw. = und so weiter
vgl. = vergleiche
z.B. = zum Beispiel
1 Die Einleitung
In
den
90er
Jahren
wurde
von
SozialpädagogInnen
und
ErziehungswissenschaftlerInnen ein ,,Licht am Ende des Tunnels" entdeckt:
Die Erlebnispädagogik.
Lauffeuerartig breitet sich seither die Einsicht aus, dass Erlebnispädagogik
auch dann weiterhilft, wenn die traditionelle Pädagogik alleine nicht mehr
weiter hilft. Mittlerweile ist die moderne Erlebnispädagogik in nahezu allen
erzieherischen Feldern salonfähig geworden. Vom Kindergarten bis in die
Hochschulen, von der Jugendhilfe bis in die Manageretagen, von Kanada bis
Kamtschatka genießt die moderne Erlebnispädagogik heute höchstes
Ansehen und Popularität. Doch warum ist das so? Was ist Erlebnispädagogik
überhaupt und worin liegt das Besondere daran? Besteht ein
Zusammenhang zu der heutigen Generation, welche mehr denn je nach
Abenteuern und Erlebnissen sucht?
In Scharen strömen Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene in Filme wie
,,Harry Potter", ,,Herr der Ringe", ,,Narnia" und andere Fantasy-Kultfilme oder
verbringen Stunden vor ihren Computern oder anderen Spielekonsolen.
Doch erleben sie dort lediglich visuelle Reize. Mit eigener und unmittelbarer
(Körper-)Erfahrung hat das nur wenig zu tun. Wie und warum die
Erlebnispädagogik gegen solche ,,Verfallerscheinungen" (vgl. Kurt Hahn
1
)
wirken kann und weswegen durch das Stoßen an intellektuelle oder
psychische Grenzen die Wahrnehmung der Teilnehmenden erweitert wird,
thematisiert Kapitel 5.
Bisher
selten,
jedoch
bereits
mit
Erfolg
durchgeführt
2
,
sind
erlebnispädagogische
Projekte
mit
psychisch
Kranken.
Die
1
Geistiger Vater und Begründer der Erlebnispädagogik ist der Reformpädagoge Kurt Hahn (1886-1974). Er
integrierte 1920 erlebnispädagogische Elemente in den Stundenplan (körperliches Training, Expedition,
Projekte). 1941 gründet er eine Schule in Wales. Sein Ziel: Junge Menschen müssen gerüstet sein mit dem Leben
fertig zu werden. Hahn analysierte die Gesellschaft und stellte fest, dass sie unter so genannten
"Zivilisationskrankheiten" leidet (Mangel an menschlicher Anteilnahme und zwischen menschlicher Beziehung,
Verfall der körperlichen Tauglichkeit etc.). Dagegen setzte Hahn: körperliches Training - Wandern, Laufen,
Spielen; Kunstübungen, wie Zeichnen und Modellieren; praktische Arbeiten im Garten, auf dem Feld, auf dem
Bauplatz usw. Diese Ideen/Konzepte Hahns wurden später weiterentwickelt (vgl. Michl 2009).
2
Siehe
hierzu
exemplarisch:
http://www.sovieswohnen.de
(Abruf
am
18.7.2011)
oder
Polz
2009,
S.
138ff.
Seite
2
Erlebnispädagogik hält zahlreiche wichtige Wirkungsimpulse für Menschen
mit psychischen Störungen bereit. Dabei unterscheiden sich die
festgestellten Impulse nicht grundsätzlich von denen, die sich auch für
andere Zielgruppen ergeben können. Allerdings erhalten Wirkungsimpulse,
wie z.B. das Gefühl der Freiheit im Rahmen der psychischen Erkrankung
einen deutlich anderen Stellenwert. Wie dieser im Detail aussehen kann wird
in Kapitel 6 beschrieben.
Die
Rahmenbedingungen
des
hier
vorgestellten
Projektes
,Erlebnispädagogik mit psychisch Kranken`, werden in Kapitel 2 beschrieben.
Dabei handelt es sich zunächst um die Vorstellung des Trägers, der
Wohngruppe mit ihren BewohnerInnen welche an diesem Projekt teilnehmen
sollen, sowie dem Krankheitsbild der Teilnehmenden. Wichtig hierbei ist
anzumerken, dass sich an den erlebnispädagogischen Aktivitäten nur
Bewohner beteiligen können, die sich im Moment nicht in einem akuten
Krankheitsstadium, zum Beispiel einer psychotischen Phase mit visuellen
oder akustischen Halluzinationen, befinden. Dies könnte unvorhergesehene
Ängste bei den Bewohnern auslösen und so zu einer Eigen- und/oder
Fremdgefährdung führen.
Nun stellt sich die Frage, welche Qualität das erlebnispädagogische Projekt
mit psychisch kranken Menschen hat. Warum stellt ausgerechnet dieses
Projekt etwas Besonderes dar? Und welche Faktoren spielen dabei eine
Rolle? In Kapitel 3 wird die Bedeutsamkeit dieses Vorhabens anhand des
Empowerment-Konzeptes sowie der Theorie der erlernten Hilflosigkeit
genauer erklärt.
Soll das in dieser Arbeit vorgestellte Projekt durchgeführt werden,
müssen/sollten die BewohnerInnen motiviert werden daran teilzunehmen.
Doch wie sieht das in der Erlebnispädagogik aus? ,,Muss man dafür
motivieren oder kommt das von ganz alleine? Oder ist es gar nicht wichtig ob
motiviert oder nicht. Am Ende haben doch alle das Selbe erlebt." Ob diese
provokante Behauptung von uns zutrifft oder nicht wird in Kapitel 6 erörtert.
Seite
3
Den Schluss dieser Arbeit (Kapitel 7) bildet schließlich eine Erörterung der
vorgesehenen Evaluationsmethodik des gesamten erlebnispädagogischen
Projektes.
2 Die institutionellen Faktoren
2.1 Allgemeine Daten
Die Einrichtung ist ein psychosozialer Hilfsverein und ein freier
gemeinnütziger Träger der psychosozialen Versorgung im Kreis ***. Ziel ist
es, akute und kontinuierliche Hilfe für psychisch und seelisch erkrankte
Menschen bereitzustellen. Der Verein umfasst derzeit 149 Mitglieder und 80
festangestellte Mitarbeiter. Der ehrenamtliche Vorstand besteht aus fünf
Personen. Der *** wird finanziell vom Landeswohlfahrtsverband Hessen
(LWV), und wird vom Land Hessen getragen. Weitere finanzielle Mittel durch
Spenden, Bußgelder, Mitgliedsbeiträge und erwirtschaftete Überschüsse
fließen in die direkte Unterstützung und Förderung der Klienten des *** ein
und werden zur Teilfinanzierung von geplanten Projekten sowie als
Betriebsmittelrücklage verwendet. Zu den wesentlichen Aufgaben des *** als
Hilfsverein gehören unter anderem die direkten finanziellen Hilfen für
beispielsweise
zinslose
Darlehen,
Wohnungsrenovierungen
und
Finanzierungen von Freizeitprogrammen. Ein weiterer Punkt ist die
Öffentlichkeitsarbeit und das Bereitstellen von Häusern und Wohnungen zur
Vermietung an psychisch erkrankte Menschen. Zu den Aufgaben des
Vereins gehören das Betreute Wohnen, die Psychosoziale Kontakt- und
Beratungsstelle,
die
Wohnheime,
die
Tagesstätten,
der
Integrationsfachdienst, die Sozialpädagogische Familienhilfe und das
Begleitete Wohnen von behinderten Menschen in Familie.
Dabei wird auf vier Grundsätze, die für die Arbeit und Planung von hoher
Wichtigkeit sind, verwiesen:
1. Ambulante vor stationärer Hilfe
2. Achtung vor den individuellen Bedürfnissen der Hilfesuchenden
3. Respekt vor der Geschichte und der Krankheit des einzelnen
4. Kontinuität bei der Betreuung (vgl. Jahresbericht 2010)
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4
2.2 Die Zielvorstellung des Wohnheimes
Wesentliche Zielsetzung der Wohnheime sind die nach dem
Normalisierungsprinzip ausgerichteten Lebensmöglichkeiten von chronisch
psychisch kranken und seelisch behinderten Menschen. Die BewohnerInnen
sollten innerhalb der Einrichtung die Möglichkeit haben, einen möglichst
hohen Grad an selbstbestimmten Leben bei einer größtmöglichen
individuellen Lebensqualität zu erlangen und zu erhalten.
Die Einrichtung unterstützen besonders alle Maßnahmen und Aktivitäten, die
außerhalb des Wohnbereiches stattfinden und fördern jede Entwicklung in
Richtung eines eigenständigen Lebens in der Gemeinde.
Die
Einrichtung
hat
sich
zur
Aufgabe
gemacht,
Empfinden,
Lebenszufriedenheit und Lebensqualität zu verbessern. Die Atmosphäre des
Wohnheimes soll für alle Beteiligten in hohem Maße Vertrauen schaffen und
erhalten. Dabei werden Selbstbestimmung und Eigenständigkeit der
Bewohner
bewahrt
und
Selbstverantwortung
berücksichtigt.
Die
Unterstützung, Betreuung und Begleitung in der Alltagsbewältigung der
BewohnerInnen haben das Ziel, die individuelle und soziale Entwicklung, in
Rahmen
ihrer
Möglichkeiten,
zu
einer
eigenverantwortlichen,
selbstbestimmten und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu fördern. (vgl.
Konzeption der Wohnheime)
2.3
Die Zielgruppe
Für das erlebnispädagogische Projekt wurden die zehn Bewohner (vier
weibliche
und
sechs
männliche)
eines
Wohnheimes
des
Sozialpsychiatrischen Vereins, welches im weiteren Verlauf noch näher
beschrieben wird, ausgewählt. Die Bewohner sind zwischen 20 und 55 Jahre
alt. Die Bewohnern leiden an schizophrenen Erkrankung oder affektiven
Störungen in wechselnder Intensität und sind dadurch in ihren subjektiven
Empfinden, ihrer Fähigkeit und Selbstorganisation und zum sozialen Handeln
stark beeinträchtigt.
Die Zielgruppe lebt in dieser Zusammensetzung seit etwa einem Jahr
zusammen. In dieser Zeit kam es aus verschiedenen Gründen häufig zu
verbalen Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnern.
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5
In dem Wohnheim arbeiten zwei Sozialarbeiterinnen, ein Sozialpädagoge
und eine Fachschwester für Psychiatrie. Bei den erlebnispädagogischen
Aktivitäten wäre es empfehlenswert, wenn jeweils zwei der MitarbeiterInnen
das Projekt begleiten würden. Es ist wichtig, dass die MitarbeiterInnen die
BewohnerInnen während den Unternehmungen im Auge behalten und
Veränderungen, wie zum Beispiel Ängste, Wahngedanken o.ä. beobachten.
Weiterhin geben die MitarbeiterInnen den Bewohnern ein Gefühl der
Sicherheit, wenn sie die Projekte begleiten. Zudem können durch die
Kooperations- und Interaktionsspiele die Beziehung zwischen den
Bewohnerinnen und MitarbeiterInnen gestärkt werden. Während den
verschiedenen Spielen wird die asymmetrische Rollenbeziehung (Betreuer
und Klient) aufgehoben und beide Parteien arbeiten zusammen auf ein Ziel
hin. Diese Erfahrungen können längerfristig auch die alltägliche Arbeit
zusammen mit den BewohnerInnen verbessern.
Kurze Definition der Schizophrenie
,,Die schizophrenen Störungen sind im Allgemeinen durch grundlegende und
charakteristische Störungen von Denken und Wahrnehmung sowie durch
eine inadäquate oder verflachte Affektivität gekennzeichnet" (vgl. Steden,
2003).
Schizophrene Psychosen sind mehr oder weniger tiefgreifende Störungen
der Gesamtpersönlichkeit. So sind durch die Erkrankung die
Grundfunktionen der Wahrnehmung, des Denkens, des Körperempfindens,
des Ich-Erlebens und Fühlens betroffen. Diese vielfältigen Störungen haben
Auswirkungen auf das Verhalten der Betroffenen. Auf das soziale Umfeld
kann das Verhalten des Erkrankten fremd wirken und ist nicht mehr so gut
einschätzbar und vorhersehbar. In Extremsituationen kann es bis hin zu
Eigen- und Fremdgefährdungen führen (vgl. Wienberg,1997, S. 20 und 21).
Dies schränkt im Normalfall die intellektuellen Fähigkeiten nicht ein. Typische
Symptome der Schizophrenie sind unter anderem Wahn, Halluzinationen,
psychomotorische Störungen und Affektstörungen. Häufig geht den
Betroffenen die Fähigkeit verloren zwischen äußeren Einflüssen und dem
inneren Erleben zu unterscheiden. Die schizophrene Erkrankung kann sehr
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