Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Thematik 2
2. Klärung begrifflicher Grundlagen 4
2.1. Weiblichkeit aus feministischer Perspektive 4
2.2. Liebe aus feministischer Perspektive 6
3. Zur Konstruktion von Weiblichkeit 8
3.1. Doing gender - doing difference? 8
3.2. „Man kommt nicht als Frau zur Welt “ - Erziehung, Sozialisation und Geschlecht 10
4. Mutterschaft und Hausarbeit aus Liebe? 11
4.1. Die „Bestimmung als Hausfrau und Mutter“? 11
4.2. Mutterrolle als Konstrukt? - Argumente wider ihrer Natürlichkeit 13
4.2.1. Von der Mutterliebe zur Vaterliebe? 16
5. Schlussfolgerungen und persönliche Stellungnahme 17
Bibliografie 20
1
1. Einführung in die Thematik
Die Liebe, als menschliches Grundbedürfnis, kann subjektiv empfunden vieles sein: Wundervoll, schmerzhaft, aufwühlend, leidenschaftlich, platonisch. Eines scheint sie jedoch nicht zu erfüllen: für beide Geschlechter gleichbedeutend zu sein. Doch worauf lässt sich dieser Umstand zurückführen? Lange Zeit wurde mit dem Naturbegriff argumentiert und behauptet, dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau natürlich gegeben seien. Daraus resultierte die vermeintlich logische Schlussfolgerung, dass Frauen aufgrund ihrer biologischen Nähe zur Natur - sprich ihrer Fähigkeit zu gebären - liebliche, sanfte und nach Freud masochistische und passive Wesen seien (vgl. Badinter 1991, S.267ff). Aus diesem Grund wurde zum einen eine sexistische Unterdrückung der Frau legitimiert und dieser zum anderen der Zutritt zur öffentlichen Sphäre und in weiterer Folge beruflicher Erfolg untersagt. Das weibliche Geschlecht war stets dem Reproduktionsbereich zugeordnet und wurde, wie es Simone de Beauvoir (1949) zum Ausdruck brachte, als „das andere Geschlecht“ angesehen, während der Mann das „Absolute“ repräsentierte (vgl. Beauvoir 1949/1987, S.11). Dieser Ansicht nach erscheine die Frau „dem Mann in erster Linie als Sexualwesen. […] Sie wird bestimmt und unterschieden mit Bezug auf den Mann, dieser aber nicht mit Bezug auf sie; sie ist das Unwesentliche angesichts des Wesentlichen“ (vgl. ebd.). Daraus folgend war die Frau stets schlechter gestellt als der Mann, welcher seine Vorherrschaft in Gesetzen, Gebeten o. Ä. genoss, hatte weniger Erfolgschancen und zeichnete sich nach und nach durch eine Unterwerfungsbereitschaft aus (vgl. ebd., S.11f). Im Zuge der industriellen Entwicklung wurde zunehmend deutlich, dass Frauen, welche allmählich an der Produktion teilhaben wollten, zurück „an den Herd“ gedrängt werden und sich der Kindererziehung widmen sollten (vgl. ebd., S.12). Mutterliebe wurde als ein Instinkt der „weiblichen Natur“ oder als ein Sozialverhalten dargestellt (vgl. Badinter 1991, o. S.), an dem sich Frauen zu orientieren und dem sie sich zu fügen hatten. Rousseau wie auch Freud interpretierten die Hingabe und Opferbereitschaft der Frau „als Wesensmerkmale“ derselben (ebd.). Als sich jedoch in den 1960er Jahren eine feministische Bewegung, welche sich von den USA ausgehend in der ‚westlichen
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Welt’ ausbreitete, mit der Frage nach der Konstruiertheit scheinbarer Wesensmerkmale auseinandersetzte, begann der Freudsche Mythos ins Wanken zu geraten und an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Frauenrechtlerinnen plädierten für neue weibliche Verhaltensweisen und einen gesellschaftlich strukturellen Wandel, der mit der Gleichbehandlung der Geschlechter einhergehen sollte. Freuds Theorien gerieten ins Visier vieler Feministinnen und wurden einer Kritik unterzogen. Besonders die phallogozentrischen Normvorstellungen der Psychoanalyse hätten dazu beigetragen, dass Frauen als passiv und narzisstisch angesehen wurden. Der Mann war dieser Theorie zufolge stets der Aktive, während die Frau in ihrer Passivität verharrte (vgl. ebd., S.268f) - oder (mit den Worten von Beauvoir) in der Immanenz 1 zurückblieb (vgl. Beauvoir 1992, S. 799ff). Freud, der von einem Penisneid der Frau ausging, sah das Gebären lediglich als dessen Kompensation an und schrieb der Frau einen natürlichen Masochismus zu, indem er der Auffassung war, dass sie die Schmerzen beim Gebären und Stillen als Lust und Freude empfinden würde. Ihre Erfüllung könne die Frau weiters nur in ihren Kindern finden und sie sei die Hauptverantwortliche für das Wohl und Glück des Nachwuchses (vgl. Badinter 1991, S. 268ff). Was hier jedoch vernachlässigt wurde, sind Einflussfaktoren, wie Sozialisation und Erziehung, welche eine nicht unwesentliche Rolle bei der Entwicklung der Geschlechtsidentität spielen. Elisabeth Badinter (1991) versucht in ihrem Werk „Die Mutterliebe. Geschichte eines Gefühls vom 17. Jahrhundert bis heute“ die Mutterrolle als ein Konstrukt zu entlarven. In diesem Sinne beschäftigt sich die vorliegende Seminararbeit u. a. mit der Argumentation Badinters gegen die Natürlichkeit der Mutterliebe. Im Folgenden wird der Frage nachgegangen, wie Weiblichkeit in der ‚westlichen Welt’ konstruiert wird und was dies für die Mutterrolle bedeutet. In Anlehnung an Badinter soll, nach einer Erläuterung wichtiger Grundbegriffe, geklärt werden, ob Mutterschaft als ein Mittel zur sexistischen Unterjochung der Frau fungiert und somit das Verlangen danach ein soziales Konstrukt darstellt, oder ob in der Tat ein weiblicher Instinkt hierfür verantwortlich ist. Es wird aufgezeigt, wie Frauen ihre „Bestimmung als Hausfrau und Mutter“ fanden und was hinter diesem Mythos steckt. Abgeschlossen wird die
1 Anmerkung: Unterscheidung zwischen Immanenz und Transzendenz: Der Zustand der Transzendenz könne laut Simone de Beauvoir nur vom Mann erreicht werden. Dieser Begriff beinhalte Ziele im Lebensentwurf, Pläne, Geistiges, Kulturelles, Selbsterfüllung etc. Immanenz hingegen sei ein Stadium, in dem die Frau verhaftet bleiben würde - ein bloßes Dasein unter Beherrschung des Mannes (vgl. de Beauvoir, 1987).
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vorliegende Arbeit mit einer Konklusion über gewonnene Erkenntnisse und einer persönlichen Stellungnahme zu dieser Thematik.
2. Klärung begrifflicher Grundlagen
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Klärung zentraler Begriffe, die in weiterer Folge häufig Erwähnung finden und soll somit dem besseren Verständnis der vorliegenden Arbeit dienlich sein.
2.1. Weiblichkeit aus feministischer Perspektive
„’Weiblich’ gehört wohl zu den meist missbrauchten Begriffen. Männer […] haben sich seit Jahrtausenden ernsthaft dazu geäussert (!) und tun es heute noch, […] dies oft mit katastrophalen Folgen für Frauen. Es ist kaum mehr als ein Jahrtausend her, seit Geist, Wort und Schrift nicht länger als eigentliche Männerdomäne gelten […]. Viele Frauen unseres Zeitalters beweisen den entwürdigenden Unsinn von männlichen Zuschreibungen wie Materie (Aristoteles) oder Häuslichkeit / Privatheit (Hegel)“ (Brüllmann 2005, S.117).
Zum Verständnis von Weiblichkeit gibt es die unterschiedlichsten Ansichten. Um nur einige zu nennen: Die „Mutter der feministischen Philosophie“ (Young 1989, S.37), Simone de Beauvoir (1949), geht beispielsweise davon aus, dass Weiblichkeit eine Erfindung des Mannes sei. Somit würde die Frau lediglich der Subjektwerdung des Mannes - der Hervorbringung von Männlichkeit - dienen, ihn gleichzeitig jedoch in den Zustand der Immanenz zurückholen. Beauvoir ist der Auffassung, dass es „das Andere“ nicht geben dürfte - es solle demnach nur ein Geschlecht existieren, welches das Stadium der Transzendenz erreichen könne. Sie sieht das Weibliche als ein künstliches Konstrukt an, als etwas, das man abstreifen müsse (vgl. de Beauvoir 1949/1987, S.190ff). Auch „die Hauptvertreterin der Theorie der sexuellen Differenz“ (Stoller 2011, S.11) Luce Irigaray (1979) geht davon aus, dass Männlichkeit stets als die Norm angesehen werde. Anders als Beauvoir, die der Auffassung ist, dass Weiblichkeit jemanden einschränken und eingrenzen würde und dass das Mensch - Sein bloß männlich bestimmt sei, meint Irigaray jedoch, dass das Weibliche überhaupt erst benannt werden müsse. Irigaray legt vor allem Wert auf eine positive Beschreibung des Weiblichen, auf eine Ermöglichung des autonomen weiblichen sexuellen Begehrens. Sie weist darauf hin, dass sich das weibliche Begehren fundamental vom männlichen unterscheiden würde und es daher von großer Wichtigkeit sei, herauszufinden, was die Lust der Frau sei und wie
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das Weibliche aufgewertet werden könne (vgl. Irigaray 1979, S.22ff), um Geschlechtersymmetrie herstellen zu können. In ihren Werken „Ethik der sexuellen Differenz“ und „I love to you“ plädiert sie zudem dafür, dass eine Liebesbeziehung „den anderen“ nicht zum Gegenstand haben sollte, sondern „es geht in erster Linie um ein Denken der ‚Beziehung zu…’ in der liebenden Hinwendung“ (Stoller 2011, S.11). Auch Iris Young (1989) erhebt Kritik an Simone de Beauvoirs Ansichten von Weiblichkeit. Sie kritisiert die Gleichsetzung von Mensch - Sein mit Männlichkeit; des Weiteren würden in Beauvoirs Analysen gewisse Wertvorstellungen unangetastet bleiben. Rationalität und Macht würden von Beauvoir nicht in Frage gestellt werden. Reproduktive Tätigkeiten würden zudem eine Abwertung erfahren. Young stellt in ihrer Arbeit den Humanistischen Feminismus (Vertreterinnen: z.B. Simone de Beauvoir sowie die meisten Feministinnen des 19. und 20. Jahrhunderts) dem Gynozentrischen Feminismus (Vertreterinnen: z.B. Carol Gilligan, Mary O´Brien, Nancy Hartsock etc.) gegenüber:
„Der humanistische Feminismus definiert Weiblichkeit als die Ursache der Unterdrückung der Frau und verlangt, daß (!) die von Männern getragenen Institutionen auch Frauen den vollen Zugang zu den weltbestimmenden Aktivitäten von Industrie, Kunst und Wissenschaft gewähren. Im Gegensatz dazu stellt der gynozentrische Feminismus den Wert dieser traditionell öffentlichen, männlichen Unternehmungen in Frage. Die Repression der Frau besteht nicht darin, daß (!) sie von ihrer Selbstverwirklichung abgehalten wird, sondern in der Negation und Abwertung spezifisch weiblicher Tugenden und Tätigkeiten durch eine übermäßig instrumentelle und autoritäre männliche Kultur. Weiblichkeit ist für den gynozentrischen Feminismus nicht das Problem; vielmehr ist sie der Ausgangspunkt einer Vision der Gesellschaft und des Subjekts, die nicht nur Frauen, sondern alle Personen befreien kann“ (Young 1989, S.55f).
Vor allem der Sachverhalt, dass die Auffassungen von Weiblichkeit kulturell und sozial geprägt und somit konstruiert sind, ist für die vorliegende Seminararbeit grundlegend. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, wie dem weiblichen Geschlecht die Rolle der liebenden Mutter und Hausfrau über Jahrhunderte hinweg unhinterfragt zugeschrieben wurde und welche Rolle dabei das Verständnis von Liebe spielt.
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Arbeit zitieren:
Eva Maria Calvi, 2011, Die soziale Konstruktion von Weiblichkeit in der ‚westlichen Gesellschaft’ aufgezeigt am Beispiel der Mutterliebe, München, GRIN Verlag GmbH
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