Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Analyse der bilanzpolitischen Problemstellung aus informations-
ökonomischer Perspektive. 2
3 Grundlagen der Bilanzpolitik 4
3.1 Begriff und bilanzpolitisches Instrumentarium. 4
3.2 Systematisierung der bilanzpolitischen Ziele. 5
4 Modelle und Empirie zum Nachweis von Bilanzpolitik 6
4.1 Vorbemerkungen. 6
4.2 Modelle der diskretionären Periodenabgrenzungen. 7
4.3 Empirische Erkenntnisse und praktische Relevanz. 9
4.4 Alternativer Nachweis durch Gewinnverteilungsmodelle 11
5 Grenzen der Bilanzpolitik 13
6 Zusammenfassung und Ausblick. 14
Literaturverzeichnis. 15
II
1 Einleitung
In Finanzberichten können merkwürdige Dinge geschehen. Das Investmenthaus Morgan Stanley zum Beispiel hat im Zuge der Umfirmierung des Konzerns zu einer Großbank das Geschäftsjahr verschoben. Das alte endete im November 2008, das neue begann im Januar 2009. Der Dezember verschwand mitsamt den in diesem Monat verbuchten Schulden. Allianz und Commerzbank strichen gar den 3,9 Milliarden Euro schweren Verlust der Dresdner Bank aus dem Schlussquartal 2008. Die alte Eigentümerin Allianz konsolidierte die Dresdner Bank als Tochtergesellschaft nur bis August in ihrer Einkommensrechnung, die Commerzbank als neue Muttergesellschaft erst ab Januar 2009 (vgl. Kaiser (2009), S. 1). Die bewusste Gestaltung der Finanzberichte durch Wahlrechte und Ermessensspielräume ist für unternehmensexterne Adressaten indes wenig offenkundig. Das Hauptziel der vorliegenden Seminararbeit ist daher einen wissenschaftlich basierten Überblick über die Anreize von Unternehmen zu Bilanzpolitik zu liefern und aufzuzeigen, welche Schwierigkeiten sich dadurch für die Adressaten ergeben. Im nächsten Kapitel erfolgt zunächst eine detaillierte Auseinandersetzung mit der bilanzpolitischen Problemstellung aus informationsökonomischer Perspektive. Daran anschließend werden im dritten Abschnitt die Grundlagen der Bilanzpolitik, bestehend aus Begriffsdefinition, Abgrenzung zur Bilanzfälschung, bilanzpolitischem Instrumentarium und Systematisierung der mit Bilanzpolitik verfolgten Ziele, dargestellt. Diese beiden Themenabschnitte sollen dem Leser Erkenntnisse über bilanzpolitische Motive liefern und somit die Ursachen für die Anwendung von Bilanzpolitik aufzeigen. Kapitel vier beinhaltet eine kritische Analyse bedeutender statistischer Modelle und deren Anwendung in empirischen Untersuchungen. Das primäre Anliegen dieses Abschnitts ist es, der Forschungsfrage, wie Bilanzpolitik gemessen werden kann, nachzugehen und die Zweckmäßigkeit der Modelle diesbezüglich zu beurteilen. Im Vordergrund stehen die Modelle zu diskretionären Periodenabgrenzungen und der Verteilung ausgewiesener Gewinne. Dass der bilanzpolitisch motivierten Gestaltung und Abbildung von Sachverhalten Grenzen gesetzt sind, wird in Kapitel fünf nachgewiesen. Die Seminararbeit schließt mit einer Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und einem kurzen Ausblick auf die Folgen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) für die Bilanzpolitik.
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2 Eine Analyse der bilanzpolitischen Problemstellung aus
informationsökonomischer Perspektive
Informationsökonomisch betrachtet verfolgen Finanzberichte das Ziel, das wirtschaftliche Geschehen eines Unternehmens so abzubilden, dass ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Einkommenslage vermittelt wird. Den Adressaten der Rechnungslegung werden entscheidungsnützliche Informationen (decision usefulness) über die erwartete künftige Entwicklung des Unternehmens zur Verfügung gestellt. Dazu ist ein Mindestgrad an Zuverlässigkeit der Unternehmensrechnung erforderlich. Daneben werden durch Rechnungslegungsinformationen gesetzliche und vertragliche Ansprüche (stewardship) bestimmt (vgl. Wagenhofer/Ewert (2007), S. 5-7). Alle für die Finanzberichterstattung relevanten Sachverhalte im Unternehmen müssen dafür ihren tatsächlichen Verhältnissen entsprechend abgebildet werden. Das Grundproblem besteht darin, dass bilanzpolitisch motivierte Maßnahmen die Vergleichbarkeit und den Informationsgehalt von Finanzberichten einschränken. Bei der Analyse der Abschlussinformationen können vor allem externe Adressaten über die tatsächliche Entwicklung eines Unternehmens getäuscht und zu wirtschaftlichen Fehlentscheidungen verleitet werden (vgl. Healy/Wahlen (1999), S. 368). Ein erstes Teilproblem in diesem Zusammenhang besteht darin, dass unternehmensexterne Adressaten Art und Umfang von Bilanzpolitik schwer erkennen und bereinigen können (vgl. Wagenhofer/Ewert (2007), S. 250; Beneish (2001), S. 1). Eine Abgrenzungsproblematik resultiert aus der Überlegung heraus, dass dem Unternehmen bzw. dessen Management Spielräume eröffnet werden, die es einerseits im Sinne des Erstellers der Rechnungslegungsnormen, andererseits zur Erreichung bilanzpolitischer Ziele nutzen kann. Aus Sicht des Kapitalmarktes bedeutet regelkonformes Verhalten die Bekanntgabe möglichst vieler wertrelevanter Informationen, einschließlich der Erwartungen des Managements über die zukünftige Situation des Unternehmens (Performance Measure Hypothesis). Zugleich eröffnet der Rückgriff der Kapitalmarktakteure auf eben diese Erwartungen des Managements einen Spielraum, eine Situation zu suggerieren, die zu einem positiven Effekt für das Unternehmen führt, wenn der Kapitalmarkt die Informationen des Managements in der Preisbildung berücksichtigt (Opportunistic Accrual Management Hypothesis). Aus Sicht des Managements hingegen erfüllt Bilanzpolitik gegenüber unternehmensexternen
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Adressaten nur dann ihren Zweck, wenn sie nicht leicht erkennbar und rückführbar ist (vgl. Wagenhofer/Ewert (2007), S. 249-250). Eine Abschaffung aller Wahlrechte und Ermessensspielräume wäre aber zu kurz gedacht. Denn just diese Spielräume ermöglichen trotz einer hohen Standardisierung in der Rechnungslegung eine individuelle Darstellung der spezifischen Unternehmenssituation (vgl. Wagenhofer/Ewert (2007), S. 14).
In engem Zusammenhang mit dieser Problematik steht das zweite Teilproblem der Bilanzpolitik aus informationsökonomischer Perspektive: Das Management legt mit Finanzberichten Rechenschaft über die eigenen Leistungen ab. Vor dem Hintergrund der Prinzipal-Agent-Theorie ist zu erwarten, dass die Manager als rational handelnde Entscheidungsträger bei der Rechenschaftslegung bestrebt sind, ihren eigenen Nutzen zu maximieren. Durch die asymmetrische Informationsverteilung zwischen Agent (Manager) und Prinzipal (Anteilseigner) entsteht das sogenannte moral hazard problem. Abschlussinformationen können bewusst zugunsten der Unternehmensleitung und zuungunsten des Anteilseigners und anderer Adressaten gestaltet werden (vgl. Haller (1994), S. 598-599). Insbesondere bei der Ausschüttungsbemessung kommt es zu Interessenkonflikten zwischen Management und Eignern, weil letztere die Ausschüttung des erwirtschafteten Einkommens präferieren, wohingegen die Manager den größten Teil thesaurieren wollen, um ihre Handlungsmöglichkeiten im Unternehmen zu maximieren. Die Bilanzpolitik kann zu dieser Zielsetzung des Managements dadurch beitragen, indem durch die Gestaltung der Finanzberichte Einfluss auf die Einkommensermittlung und damit auf die Ausschüttung genommen wird. Bevor einige ausgewählte empirische Modelle mit dem Ziel untersucht werden können, deren Zweckmäßigkeit im Hinblick auf die in diesem Kapitel skizzierte Problemstellung kritisch zu hinterfragen, bedarf es einer genauen Betrachtung der bilanzpolitischen Instrumente und der vom Unternehmen verfolgten Ziele.
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3 Grundlagen der Bilanzpolitik
3.1 Begriff und bilanzpolitisches Instrumentarium
Wagenhofer/Ewert definieren Bilanzpolitik als „jede Entscheidung des Managements über die Ausnutzung eines ihm eingeräumten Entscheidungsspielraumes zur Darstellung der Lage des Unternehmens in der Rechnungslegung“ (Wagenhofer/Ewert (2007), S. 237-238). In der internationalen Fachliteratur wird der Terminus zumeist mit den Bezeichnungen earnings management, creative accounting oder financial engineering belegt, die inhaltlich im Wesentlichen dem Begriff der Bilanzpolitik bei Wagenhofer/Ewert entsprechen (vgl. Beneish (2001), S. 2; Dechow/Skinner (2000), S. 238; Healy/Wahlen (1999), S. 368). Da sich die Gestaltungsmöglichkeiten des Managements nicht nur auf die Bilanz beziehen, sondern definitionsgemäß auf alle Finanzberichte, wird im betriebswirtschaftlichen Schrifttum auch der Ausdruck Rechnungslegungspolitik 1 verwendet. Bilanzpolitik soll als die bewusste und zielgerichtete Gestaltung abschlussbezogener Informationen mit bestimmten Instrumentarien im Rahmen des rechtlich Zulässigen verstanden werden (vgl. Ziesemer/Baetge (2002), S. 11-12). Hieraus ergibt sich die Abgrenzung zu einer Abschlusspolitik unter Rechtsverstoß, die zwar theoretisch eindeutig scheint, aber in der Bilanzierungspraxis häufig von einer nicht zu unterschätzenden Grauzone gekennzeichnet ist (vgl. Wagenhofer/Ewert (2007), S. 238). Gesetzes- oder vertragswidrige Manipulationen im Rahmen der Bilanzverschleierung und Bilanzfälschung wie in den bekannten Fällen Enron oder Worldcom werden im Sinne der Autoren nicht zur Bilanzpolitik gezählt. Die regelkonformen bilanzpolitischen Möglichkeiten des Managements zur Erreichung bestimmter Zielvorstellungen können indes in reale und buchmäßige Maßnahmen untergliedert werden und unterscheiden sich hinsichtlich nachfolgender Kriterien: Flexibilität und Schnelligkeit ihrer Wirkung, Sichtbarkeit nach außen, Folgewirkungen auf ähnliche Sachverhalte und spätere Perioden sowie durch die Kosten, die durch ihre Verwendung entstehen (vgl. Wagenhofer/Ewert (2007), S. 244-245, 271).
1 Aufgrund der weiten Verbreitung des Begriffs Bilanzpolitik und der Verwendung im zugrunde-
liegenden Kapitel von Wagenhofer/Ewert wird dieser jedoch im Rahmen der vorliegenden
Seminararbeit beibehalten.
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Arbeit zitieren:
Markus Matthes, 2009, Grundlagen der Bilanzpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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