Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte der Rhetorik und Argumentation
3. Produktionsstadien einer Rede
4. Redeteile und die Funktionen
5. Wirkungsfunktionen
6. Redeschmuck
7. Einordnung der Rede und des Vortrags in ein Mehrebenenmodell
8. Zusammenfassung / Fazit
9. Literaturverzeichnis
2
1. Einleitung
In der griechischen und römischen Antike entwickelte sich die Kunst des Redens. Die Griechen und Römer bezeichneten diese, als Rhetorik und Argumentation. Im Laufe der Zeit erfreute sich die Rhetorik immer größer werdender Beliebtheit. In Gerichtsprozessen wurde sie zum Teil zur Wahrheitsfindung eingesetzt, aber auch zu der Verschleierung. Somit erfuhr die Rhetorik einen regelrechten Aufschwung. Neue Berufszweige gründeten sich mit ihrem Erscheinen. Professionelle Gerichtsredenschreiber und Redner kristallisierten sich mit der Etablierung der Rhetorik heraus. Somit wurde die Kunst des Redens und Argumentierens, ständig weiterentwickelt. Aber auch Kritiker, wie Platon traten zu Tage. Im Verlauf des frühen und späten Mittelalters, wurde die Rhetorik in die sieben freien Künste integriert und somit an Schulen und Universitäten gelehrt. Diese fand im trivium 1 ihre Anwendung. Aus heutiger Sicht, wird die Rhetorik und Argumentation eingebettet im Deutschunterricht vermittelt. Sie hilft bei der Interpretation von Texten, der Figurenanalyse sowie bei Vorträgen und Diskussionen. Diese Studienarbeit soll über die Entstehung der Textsorte „Rede“, Aufschluss geben. Hierbei sollen der Aufbau, sowie die Charakteristika einer Rede vorgestellt und untersucht werden. Diese soll dazu dienen, die Rede als eine eigenständige Textsorte, von ähnlichen abzugrenzen. Ebenso soll die Frage geklärt werden, welche Unterschiede es zwischen den Textsorten „Vortrag“ und „Rede“ gibt und welche Gemeinsamkeiten. Dies soll mit Hilfe einer Einordnung der beiden Textsorten in ein Mehrebenenmodell geschehen. Der heutige Stand der Forschung ist sich über eine Abgrenzung der Textsortenspezifikation uneinig, was zum einen daran liegt dass dieses Thema abstrakt ist und zum anderen theoretische Forschung beinhaltet. Diese Arbeit soll einen Versuch darstellen, die Textsorte „Rede“ vorzustellen und sie von der Textsorte „Vortrag“ abzugrenzen.
1 Der Dreiweg umfasst die drei sprachlichen Fächer der sieben freien Künste, welche bereits in der Antike gelehrt wurden. Diese waren die Rhetorik, Dialektik und die Grammatik.
3
2. Geschichte der Rhetorik und Argumentation
Bevor sich die Rhetorik und somit die Argumentation in der griechischen Antike durchsetzen konnte und zur Blütezeit kam, bedurfte es Gesellschaftspolitischen Veränderungen und Voraussetzungen. Im 5. Jahrhundert vor Christus Geburt etablierten sich die ersten Züge demokratischer Strukturen. 2 Mit der Abschaffung der Tyrannis, entwickelten sich erste Volksgerichte. Diese entstanden beispielsweise in Athen. Durch Los Bestimmte Bürger, wurden für einen Prozess zum Richter bestimmt. Damit durch die spätere Abstimmung der Schuldfrage, keine Racheakte an dem Richter vorgenommen werden konnten, wurden je nach Prozess zwischen 200 bzw. 1500 Richter ernannt. 3 Diese Strukturen ähneln den heutigen Geschworenengerichten in den Vereinigten Staaten. Eine Enthaltung war den damaligen Richtern allerdings untersagt, diese stimmten entweder für schuldig oder nicht schuldig. Damit eine Beeinflussung sowie die Gedanken der Korruption unterbunden wurden, wurden die Richter einen Abend vor dem Prozess durch das Los bestimmt. Zu der Entwicklung der Rhetorik und Argumentation trug der Umstand entscheidend bei, dass die Prozessparteien ihr Anliegen persönlich vor dem Gericht vortrugen. Dadurch entwickelten sich Logographen für Gerichtsreden. Diese schrieben für die Parteien Gerichtsreden, wobei die Richter von der Unschuld bzw. Schuld überzeugt werden sollten. Für die Logographen spielte hierbei die Schuldfrage keine Rolle, die Rede sollte lediglich durch Argumente und der Rhetorik überzeugen. Somit kam es vor das die eigentliche Wahrheitsfindung nicht mehr relevant war, sondern der Umstand wie der Angeklagte bzw. Ankläger argumentierten. 4 Somit erlebte die Rhetorik und Argumentation ihren Aufschwung und kam auch bei einigen bedeutenden Persönlichkeiten in Verruf, da man durch die Kunst der Rhetorik Menschen manipulieren konnte und kann. Einer der bedeutendsten Sophisten, war Gorgias von Leontini (480 v.Chr. - 380 v.Chr.). Er zog als Gelehrter durch Griechenland und gab Rhetorikunterricht anhand von Musterreden. Er erkannte auch das Sprache als ein rein formales System angesehen werden muss, welche sowohl zum Guten als auch zum Schlechten dienen kann. Er reflektierte verschiedene Gerichtsreden und kam somit zu dem
2 Rahild Neuburger: Rhetorik. Überzeugend formulieren bei jedem Anlass. Comact Verlag 2008, Seite 7.
3 Linda-Marie Günther: Griechische Antike. Tübingen 2008, Seite 181-184.
4 Jan Henning Schulze: Proseminar Rhetorik und Argumentation. Wintersemester 2010/2011. Bamberg 2010, Seite 3.
4
Schluss, dass Menschen allein durch Argumentation und Rhetorik, sowie durch die Darstellungsweise manipuliert werden konnten. Diesen Umstand machten sich die Gerichtsredner zum Vorteil, wobei die Rhetorik zu einer „Dunklen“ Kunst wurde, welche ihre Blütezeit erlebte. Durch diesen Umstand wandte sich auch Platon (427 v. Chr. - 347 v.Chr.) von der Rhetorik ab. 5 Dieser versuchte durch Logik zu einem Ergebnis zu kommen. 6 Anders als die Rhetorik setzte die Logik (Dialektik) auf Objektivität. Platon kam zum Schluss, dass Rhetorik eine interessengeleitete Schmeichelei ist und nur den Schein der Wahrheit hatte. Auch Platon lehrte seine Methodik Schülern indem er ihnen solange Fragen stellte, bis diese selbst zum Schluss der Wahrheit kamen. Platon erkannte die Gefahren der Rhetorik und der Argumentation und wollte durch Logik diesen Umstand umgehen. Der berühmteste Schüler Platons setzte sich ebenfalls mit den Problemen der Rhetorik auseinander. Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.) kam zu dem Schluss, dass sich die Dialektik mit dem logischen und die Rhetorik mit den wahrscheinlichsten Schlüssen befasst. Er unterschied zwischen wahren ersten Sätzen, die nicht mehr bewiesen werden müssen und den wahrscheinlichen Sätzen, welche den Weisen sowie den meisten Gelehrten als glaubhaft galten. Somit kam er zu seinem Schluss, der Wahrheitsfindung. Aristoteles nahm ebenso eine Kategorisierung der Reden vor. Er unterteilte diese in die Gerichtsrede, Beratungsrede und der Festrede. Ebenso teilte er den Reden eine Funktion zu. Diese Einteilung der Reden hat noch in der heutigen Zeit ihre Daseinsberechtigung. 7
An die griechische Antike, knüpfte die römische Antike an. Cicero und Quintilian zählen hier zu den bedeutendsten Rhetorikern ihrer Zeit. Cicero (106 v.Chr. - 43 v.Chr.) war Politiker und Anwalt und hielt einige der berühmtesten Reden in der römischen Antike. Sein Lehrdialog „De oratore“ (Über den Redner), gibt einen Gesamtüberblick der rhetorischen Theorie und Technik wieder. Cicero verlangte von dem Redner, ein umfassendes Weltwissen, sowie Kenntnisse in der Geographie, Geschichte, der Gesetze und der Politik. Ebenso kam er zu dem Schluss, dass ein guter Redner gewisse Naturanlagen besitzen muss. Dazu zählen neben Scharfsinn, auch geistige Beweglichkeit, sowie körperliche Fitness. Eine tugendhafte Erziehung des Redners, soll die Rhetorik vor Missbrauch schützen. Cicero war
5 Brian Vickers: Mächtige Worte-Antike Rhetorik und europäische Literatur. Berlin 2008, Seite 27.
6 Paul Oskar Kristeller: Studien zur Geschichte der Rhetorik und zum Begriff des Menschen in der Renaissance. Göttingen 1981, Seite 15.
7 Karl-Heinz Göttert: Einführung in die Rhetorik. Grundbegriffe-Geschichte-Rezeption. Paderborn 2009, Seite 21.
5
Arbeit zitieren:
Stefan Sebastian Bahn, 2011, Die Rede - Ein Versuch der Textsorteneinordnung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Germanistik - Sonstiges: Die Rede - Ein Versuch der Textsorteneinordnung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Germanistik - Sonstiges: neuer Titel erschienen: Die Rede - Ein Versuch der Textsorteneinordnung
Stefan Sebastian Bahn hat einen neuen Text hochgeladen
What Is Punishment for and How Does It Relate to the Concept of Commun...
Her Royal Highness the Princess Royal, H R H the Princess Anne, H R H the Princess Royal
A Tale of Three Cities: The 1993 Rede Lecture and Related Summit Decla...
L. M. Singhvi, Singhvi L. M.
Comparative Politics. Six Lectures Read Before the Royal Institution i...
Edward Augustus Freeman
0 Kommentare