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1. Einleitung
1.1. Motivation und Ziel der Arbeit
Der demographische Wandel und dessen Folgen für die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft sind allgegenwärtig. Schlagworte wie „Vergreisung der Gesellschaft“, „ Demographische Bombe“ oder „Pflegeheim Deutschland“ beherrschen die Medien. Mit der Debatte um diese Materie rücken ebenfalls die Pflege, sowie die Herausforderungen der demographischen Bevölkerungsentwicklung an diese, ins öffentliche Bewusstsein. Bereits seit geraumer Zeit werden die Auswirkungen unserer alternden Gesellschaft auf die Finanzierung der Pflegeversicherung, auf den Pflegeberuf, auf die Pflegeeinrichtungen und auf das Pflegepersonal diskutiert und analysiert.
Die Aktualität dieser Thematik, sowie mein Wunsch als zukünftige Sozialpädagogin im Bereich der Pflege tätig zu sein, gaben mir den Anstoß mich mit der Frage auseinanderzusetzen, welchen Herausforderungen sich die Pflege in einer Zeit des demographischen Wandels stellen muss.
Das Ziel meiner Arbeit ist einerseits aufzuzeigen wie sich die deutsche Bevölkerung im Zuge des demographischen Wandels entwickelt. Andererseits möchte ich eine Antwort auf die Frage, nach den Herausforderungen der demographischen Entwicklung für die Pflege, finden.
1.2. Aufbau der Arbeit
Zunächst möchte ich erläutern was unter den Begrifflichkeiten der Demographie und des Demographischen Wandels zu verstehen ist. Daraufhin soll aufgezeigt werden wie sich der demographische Wandel in Deutschland vollzieht und wie sich unsere Bevölkerung zukünftig entwickeln wird. Anschließend soll die gegenwärtige Pflegesituation dargestellt werden. Darauf Bezug nehmend wird unter anderem erläutert wie sich die Pflegeversicherung finanziert, welche Leistungen sie anbietet und wie sie organisiert ist. Darüber hinaus werden Daten und Fakten zur heutigen und gegenwärtigen Pflegesituation dargestellt. Letztendlich soll der Frage nach den Herausforderungen der Bevölkerungsentwicklung an die Pflege nachgegangen werden. Dabei werden die Problematik der Umlagefinanzierung der Pflegeversicherung, der Pflegefachkräftemangel, sowie die Situation älterer Arbeitnehmer beleuchtet. Zum Schluss ist anzumerken, dass der demographische Wandel in der Pflege eine sehr komplexe Thematik darstellt und es im Rahmen dieser Arbeit lediglich möglich ist einen komprimierten Einblick in die Materie zu geben.
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2. Begriffsbestimmungen
2.1. Definition Demographie
Die Demographie ist eine eigenständige, wissenschaftliche Disziplin, welche die Bevölkerung hinsichtlich ihrer Größe, ihrer Verteilung, ihrer Entwicklung, ihrer Dynamik und ihrer Strukturen (Alter, Geschlecht, Kinderzahl etc.) erforscht und analysiert, sowie mit Hilfe von Zahlen und Indikatoren beschreibt wie sich diese aufgrund vielfältiger Ereignisse (Kinder bekommen, heiraten, Wohnort wechseln etc.) verändert. 1
Desweiteren prognostiziert die Demographie zukünftige Tendenzen bezüglich des Bevölke-rungszustandes und schlussfolgert daraus Konsequenzen, die sich für die Gesellschaft ergeben. Jene Erkenntnisse, die in Form von Daten gesammelt oder als wissenschaftliche Studien aufbereitet werden, stellt die Demographie der Politik, der Wirtschaft oder dem Sozialwesen als Grundlage für Entscheidungsprozesse, zur Verfügung. 2
2.2. Definition Demographischer Wandel
Ein Phänomen mit dem sich die Demographie unter anderem befasst ist der demographische Wandel.
Dieser beschreibt die „Anpassung der Altersstruktur einer Bevölkerung an die Veränderungen in den Lebensumständen.“ 3 Demzufolge wird ein Wandel in der Zusammensetzung der Altersstruktur durch verschiedenste Gegebenheiten, wie beispielsweise Krieg, Umweltkatastrophen, Veränderungen der Geburtenzahl oder einer verbesserten medizinischen Versorgung, bewirkt. Entsprechend ist der demographische Wandel vorerst weder positiv noch negativ zu betrachten. Er kann sowohl eine Zunahme, als auch eine Abnahme der Bevölkerung bezeichnen. 4
Der demographische Wandel einer Bevölkerung wird im Wesentlichen durch drei zentrale Parameter beeinflusst: Fertilität (Geburtenrate), Mortalität (Sterblichkeit), Migration (Wanderungen).
1 vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 2004, S.7
2 vgl. Rostocker Zentrum für demographischen Wandel Stand 2011 3 Linz/Stula 2010, S.2 4 vgl. Pack/Buck/Kistler u.a. 2000, S.8
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3. Demographischer Wandel in Deutschland
3.1. Fertilität
Die Fertilität zeigt die durchschnittliche Zahl der Kinder an, die eine Frau im Verlauf ihres Lebens zur Welt bringen würde, wenn ihr Geburtenverhalten innerhalb ihrer fruchtbaren Lebensjahre, welche statistisch gesehen zwischen 15 und 49 Jahren liegen, so wäre wie das aller Frauen im jeweils betrachteten Jahr. 5
Die Zahl der Geburten sinkt in Deutschland seit 1965. Seit mehr als über 30 Jahren liegt die durchschnittliche Kinderzahl bei 1,4 Kindern pro Frau. In der 12. koordinierten Bevölkerungs-vorausberechnung geht das statistische Bundesamt in einer Hauptannahme, in welcher ein Fortbestehen der langwierigen Tendenzen bis 2020 unterstellt wird, davon aus, dass die Geburtenzahl auch künftig konstant bei 1,4 Kindern je Frau liegen wird. Weiterhin kommt es zu einem Anstieg des Gebäralters um 1,6 Jahre. Zahlreiche Frauen werden erst nach ihrem 30. Geburtstag zum ersten Mal Mutter. Gleichzeitig sinkt die Geburtenhäufigkeit junger Frauen und ein Großteil dieser bleibt darüber hinaus ohne Kinder. Auf Grund dessen wird davon ausgegangen, dass die Zahl der Frauen mit drei oder mehr Kindern ebenfalls sinken wird. 6 Das Bestandserhaltungsniveau liegt momentan in Deutschland bei 2,1 Kindern pro Frau. Die Fertilitätsrate liegt somit unter dem Bestandserhaltungsniveau, das heißt unter der durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau, welche notwendig ist um einen kontinuierlichen Bevölkerungsbe-stand bei gegebenen Sterblichkeitsverhältnissen aufrechtzuerhalten. 7 Folglich wird die deutsche Bevölkerung kleiner.
3.2. Mortalität und Lebenserwartung
Die Mortalität bzw. die Sterblichkeit gibt an wie hoch die Anzahl der Todesfälle im Verhältnis zur Bevölkerung ist. Im Zusammenhang mit dem Begriff der Sterblichkeit sollte ebenfalls die Kennzahl der Lebenserwartung genannt werden. Diese gibt Auskunft über die Jahre, die eine Person eines bestimmten Alters nach den zeitgemäß geltenden Sterblichkeitsverhältnissen wahrscheinlich noch zu leben hat. 8
Seit 130 Jahren verzeichnet Deutschland eine rückgängige Sterblichkeit und auf Grund verbesserter medizinischer Versorgung, besserer Lebens-und Arbeitsbedingungen, sowie eines ge-
5 vgl.Münz für Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2007, S.1
6 vgl. Statistisches Bundesamt 2009, S.27 7 vgl. Rostocker Zentrum für demographischen Wandel Stand 2011 8 vgl. Statistisches Bundesamt Stand 2011
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stiegenen materiellen Wohlstandes eine zunehmende Lebenserwartung. Diesbezüglich errechnet das Statistische Bundesamt für das Jahr 2060, in einer Basisannahme, für Jungen bei Geburt eine durchschnittliche Lebenserwartung von 85,0 Jahren und für Mädchen bei Geburt von 89,2 Jahren. Im Vergleich dazu lag 2006/2008 die Lebenserwartung für Jungen bei 77,2 Jahren und für Mädchen bei 82,4 Jahren. 9 In Bezug auf die Pflege könnte ein Anstieg der Lebenserwartung ebenfalls einen Anstieg der pflegebedürftigen Menschen implizieren.
3.3. Migration
Unter der Migration wird die „geographische Ortsveränderung von Menschen“ 10 verstanden. Hierbei wird zwischen zwei grundsätzlichen Formen der Wanderung unterschieden. Als Bin-nenwanderung wird eine Wanderung über eine Teilgrenze, die sich innerhalb der Grenzen eines Landes befindet, verstanden. Eine Außenwanderung hingegen, ist eine Wanderung über die Grenzen eines Landes hinaus. Die Grundlage für die Messung der Migration bildet die Zählung der Zu-und Fortzüge. Die Differenz zwischen den Zu- und den Fortzügen wird als Wanderungssaldo bezeichnet. 11 Dieser war in den letzten Jahren positiv und lag zwischen 129.000 und 354.000 Personen jährlich. Seit circa 5 Jahren ist der Saldo rückläufig. Ursachen hierfür sind einerseits bei den Fortzügen hauptsächlich junger Deutscher, andererseits bei den Rückgängen der Zuzüge von deutschen Auswanderern und den schwachen Zuzügen von Ausländern zu suchen. Grundsätzlich lassen sich aus den bisherigen Wanderungssalden kaum Trends erkennen. Es sind lediglich Neigungen feststellbar, die für die Zukunft beachtet werden sollten. Das statistische Bundesamt geht davon aus, dass der Wanderungssaldo in den nächsten Jahren langsam ansteigen und ab dem Jahr 2020 bei ungefähr 200.000 Personen pro Jahr liegen wird. Dementsprechend wird angenommen, dass es zu einer Verringerung von Fortzügen deutscher Bewohner, auf Grund sinkender Anzahl von jungen Menschen, kommt. Weiterhin wird unterstellt dass die Zuzüge von ausländischen Personen wieder ansteigen. 12
3.4. Rückgang der Bevölkerung
Seit ungefähr 8 Jahren nimmt die deutsche Bevölkerung beständig ab. Während im Jahr 2008 noch circa 82 Millionen Menschen in Deutschland lebten, geht das statistische Bundesamt da von aus, dass es im Jahr 2060 nur noch 65 bis 70 Millionen Menschen sein werden. Als Ursachen für diesen Bevölkerungsrückgang sind die bereits erwähnte, sinkende Geburtenzahl und die steigende Zahl der Todesfälle zu sehen. Dementsprechend lag die Zahl der Geburten im
9 vgl. Statistisches Bundesamt 2009, S. 29f
10 Schimany 2007, S. 23 11 vgl. ebenda, S. 23 12 vgl. Statistisches Bundesamt 2009, S. 31ff
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Jahr 2008 bei schätzungsweise 683.000 Geborenen. Im Jahr 2060 wird allerdings nur noch von 465.000 Geborenen ausgegangen. Hingegen wird die Anzahl der Sterbefälle, trotz steigender Lebenserwartung, stetig zunehmen, da die geburtenstarken Generationen im Jahr 2060 in das hohe Alter gelangen, indem die Sterblichkeit größer ist. Das statistische Bundesamt nimmt an, dass die Zahl der Sterbefälle von 844.000 im Jahr 2008 auf 1018.000 im Jahr 2060 ansteigen wird. Diesbezüglich werden im Vorausberechnungszeitraum 2060 vermutlich 553.000 mehr Personen sterben, als Kinder geboren werden. 13
3.5. Veränderungen im Altersaufbau
Momentan setzt sich die deutsche Bevölkerung zu 19% aus Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren, zu 61% aus den 20 bis unter 65-Jährigen, zu 15 % aus den 65 bis unter 80-Jährigen und zu 5% aus den über 80-jährigen Menschen zusammen. Bis zum Vorausberechnungszeitraum 2060 wird sich die Altersstruktur Deutschlands spürbar verändert haben. Im Jahr 2060 wird der Anteil der unter 20-Jährigen an der Bevölkerung auf voraussichtlich 16% sinken. Die 20 bis 65-Jährigen werden 50 %, und die 65 bis unter 80-Jährigen werden 20% der Bevölkerung ausmachen. Besonders gravierend wirkt sich die Alterung in Deutschland auf die Zahlen der über 80- Jährigen aus. Diese werden im Jahr 2060 einen Anteil von 14% in der Bevölkerung einnehmen. Diesbezüglich wird es im Jahr 2060 nur etwa 1 Million mehr Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren, als 80-jährige und ältere Menschen geben. 14
3.6. Rückgang und Alterung der erwerbsfähigen Bevölkerung
Als erwerbsfähige Bevölkerung wird die Gruppe der 20 bis unter 65-Jährigen verstanden, zu welcher gegenwärtig etwa 50 Millionen Personen gehören.
Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass diese Altersklasse besonders stark von der Abnahme und der Alterung der deutschen Bevölkerung betroffen ist und ihre Zahl, schätzungsweise ab dem Jahr 2020, rapide zurückgehen wird. Folglich werden im Jahr 2060 annähernd 36 Millionen Menschen, dies sind 27% weniger als heute, im erwerbsfähigen Alter sein. Zu dieser Annahme kommt es jedoch nur, wenn Deutschland eine Zuwanderung von 200.000 Personen pro Jahr verzeichnen kann. Sollte die Zuwanderung nur halb so hoch ausfallen, sinkt die Zahl der erwerbsfähigen Altersgruppe noch stärker. 15
13 vgl. Statistisches Bundesamt 2009, S. 12f
14 vgl. ebenda, S. 14ff 15 vgl. ebenda, S.17
Arbeit zitieren:
Kathleen Pickert, 2011, Pflege im demographischen Wandel, München, GRIN Verlag GmbH
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