Inhalt
1. Einleitung 2
2. Marienverehrung im Mittelalter 2
2.1. Sozialgeschichtlicher Hintergrund 2
2.2. Das mittelalterliche Marienbild 3
2.3. Maria in der Kunst des Mittelalters 8
3. Marienverehrung heute 8
3.1. Eine heimliche Krise 8
3.2. Begründungen für die heutige Marienverehrung 10
4. Fazit: Mittelalter versus Gegenwart 13
5. Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit soll die mittelalterliche Marienverehrung mit der heutigen verglichen werden. Diesbezüglich soll zuerst der
sozialgeschichtliche Hintergrund des Mittelalters dargelegt werden. Des Weiteren wird das Bild Mariens im Mittelalter besprochen, welches in dieser Epoche sehr mannigfaltig ausfiel. Inwiefern beeinflusste Literatur und Kunst die mittelalterliche Marienverehrung? Diese Frage soll anhand neu entstandener Gattungen in der Literatur und mithilfe von Beispielen aus dem Bereich der Kunst veranschaulicht werden. Soweit möglich, soll dabei auf mittelalterliche Mariengestalten eingegangen werden. Des Weiteren stellen sich die Fragen: Kann man die heutige Marienverehrung mit der im Mittelalter gleichsetzen? Wie findet Marienverehrung heute statt?
2. Marienverehrung im Mittelalter
2.1. Sozialgeschichtlicher Hintergrund
Im Hochmittelalter waren gesellschaftliche Macht und Machtprozesse mit Marienverehrung eng verbunden. 1 Es entstand ein Marienkult, mit welchem der Klerus Hierarchisierungs- und Zentralisierungsbestrebungen ausdrücken wollte. Dieser Kult meinte aber mehr die Kirche als „die Figur der Maria“ 2 und weist Züge gegen das Mönchtum auf. Selbst dort, wo sich Maria als sponsa - Braut - in der Tradition des Hohelieds „ihrem Bräutigam Christus liebevoll zuwendet“ 3 , sind machtpolitische und auch machtlegitimatorische Absichten zu erkennen. Eben diesem bedienten sich das römische Papsttum und das französische Königtum, um ihre jeweilige Bedeutung als Stellvertreter Christi zu unterstreichen, welcher sich mit der Gemeinschaft der Gläubigen verbunden fühlt. 4 In der Gesellschaft des Mittelalters ist außerdem erstmals eine ständische und geschlechtsspezifische Spezifizierung der Marienverehrung ausmachbar. So zeigen sich in Frankreich beispielsweise „Unterschiede zwischen Stadt
1 Vgl. RÖCKELEIN, H./OPITZ, C., Für eine Sozialgeschichte mittelalterlicher Marienverehrung, 13
2 Ebd.
3 Ebd.
4 Vgl. RÖCKELEIN, H./OPITZ, C., Für eine Sozialgeschichte mittelalterlicher Marienverehrung, 14
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und Land, zwischen Armen und Reichen, zwischen Frauen und Männern“. 5 Jedoch ist die Figur der Maria in Südfrankreich eine verführerische, höfische Dame, die „den Bedürfnissen einer kriegerischen Männergesellschaft angepaßt ist“ 6 , während Maria in Nordfrankreich als strafende Mutterfigur dargestellt wird. Marienfrömmigkeit im Mittelalter hatte vielfältige Formen und Funktionen, bei denen es gilt die Einflussfaktoren des Raumes, der Schichten, Gruppen und des Geschlechtes zu beachten. Im Spätmittelalter wurde Maria beispielsweise als die Mutter Gottes angesehen, die allmächtig und schützend ihren Mantel über alle Gesellschaften ausbreitet. 7 Wie entwickelte sich das Marienbild und Marienverehrung nun im Mittelalter, welche anderen Bilder Mariens gab es neben dem des Schutzbildes?
2.2. Das mittelalterliche Marienbild
Die frühesten Anzeichen der Marienverehrung sind in der Existenz von Kirchen zu finden, welche „zu Ehren der seligen Maria“ 8 erbaut wurden und in denen wohl auch Wunder stattfanden. Es soll sich dabei aber vielmehr um einen Kirchenkult statt einen Heiligenkult gehandelt haben. Das 10. Jahrhundert erfuhr einen marianischen Durchbruch und stand unter den Zeichen der Kirche, Politik und verschiedenen Ereignissen. 9 Man kann hier nicht nur von einem Durchbruch sprechen, sondern auch von einem marianischen Erwachen - denn viele Bilder Mariens entstanden: Maria „als Königin des Himmels, bald als Mutter der Barmherzigkeit oder als allerreinste Jungfrau, meist aber noch als Gottesgebärerin, begleitet Maria nunmehr Bischöfe, Äbte, Mönche, Kanoniker, etwas seltener auch Nonnen, in ihrem jenseitsbezogenen Alltag.“ 10 In dieser Zeit entwickelte sich eine weltliche Marienverehrung in wundertätigen Marienkirchen. 11 Maria wurde hauptsächlich als mediatrix als Mittlerin - und erstmals als Mater misericoridae - als Mutter der
5 RÖCKELEIN, H./OPITZ, C., Für eine Sozialgeschichte mittelalterlicher Marienverehrung, 14
6 Ebd.
7 Vgl. SIGNORI, GABRIELA, Marienbilder im Vergleich, 58
8 SIGNORI, GABRIELA, Marienbilder im Vergleich, 59
9 Vgl. SIGNORI, GABRIELA, Marienbilder im Vergleich, 60
10 SIGNORI, GABRIELA, Marienbilder im Vergleich, 61
11 Vgl. ebd.
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Barmherzigkeit - verehrt. 12 Dieses Marienbild entstand aus „den zwei älteren Typen der oratrix und der Regina coeli“. 13 Zusätzlich wurde Maria als Zuflucht für Sünder und als Fürbitterin angesehen. 14 Im 11. Jahrhundert kam es zum Aufbruch der Marienverehrung und man bezeichnete Maria als „Hoffnung der Welt, glorreiche Herrin des Himmels und Wiederbringerin des Lebens.“ 15 Maria die Gottesmutter wurde als eine Wundertäterin, eine mächtige Versöhnerin und Trösterin, aber auch wie im 10. Jahrhundert als Mittlerin und Fürbitterin dargestellt. Man glaubte, dass selbst der größte Sünder „durch die Vermittlung der Gottesmutter bei Gott Verzeihung finde.“ 16 So entwickelten sich die Marienlehre und der Marienkult im 11. Jahrhundert weiter. Die Funktion der Mittlerschaft Mariens wurde verstärkt betont und Maria wurde als „der hauptsächliche Grund unseres Heils“ 17 verstanden. Christen wurden aufgefordert, Maria als die advocata nostra - unsere Fürsprecherin - um Vermittlung zu bitten, da sie allen zu Hilfe kommen würde. 18 Fulbert von Chartres vertrat die Meinung, „daß Maria Helferin und Zuflucht der Sünder sei, und daß ihre Fürsprache und mächtige Interzession die Sünden der sie Anrufenden nichtig machen könne“ 19 - sie würde für die Sünder Fürsprache einlegen und für ihre Schuld eintreten. Neben diesem Marienbild wurden aber auch Übertreibungen angestellt. So könne „die Mutter des Herrn als die in himmlischer Herrlichkeit Regierende selbst die Engel aussenden und nach ihrem Belieben auch Verträge mit der Hölle ungültig machen“. 20 Die Mater misericordiae des 10. Jahrhunderts blieb dennoch erhalten und spiegelte auch im 11. Jahrhundert die Mittlerschaft Mariens wider. Ihre Stellung als Mittlerin wurde wie folgt begründet: „Weil sie der Weg Christi in die Zeit hinein ist, verläuft auch der Weg zu Christus über sie“. 21 Folglich ist sie Miterlöserin der Menschheit. Anselm von Canterbury bezeichnete sie des Weiteren als die Mutter des Heils und als den Tempel der Barmherzigkeit, welche durch ihre Gebete und Verdienste
12 Vgl. GÓRECKA, M., Das Bild Mariens in der Deutschen Mystik des Mittelalters, 72
13 GÓRECKA, M., Das Bild Mariens in der Deutschen Mystik des Mittelalters, 95
14 Vgl. GÓRECKA, M., Das Bild Mariens in der Deutschen Mystik des Mittelalters, 73
15 Ebd.
16 Ebd.
17 GÓRECKA, M., Das Bild Mariens in der Deutschen Mystik des Mittelalters, 74
18 Vgl. ebd.
19 Ebd.
20 GÓRECKA, M., Das Bild Mariens in der Deutschen Mystik des Mittelalters, 74 f.
21 GÓRECKA, M., Das Bild Mariens in der Deutschen Mystik des Mittelalters, 77
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Arbeit zitieren:
Antonia Zentgraf, 2011, Marienverehrung und das Marienbild im sozialgeschichtlichen Hintergrund des Mittelalters im Vergleich zu heute, München, GRIN Verlag GmbH
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