I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis. III
Abk ürzungsverzeichnis IV
1 Einleitung. 1
2 Grundlagen zum E-Government 3
2.1 Begriff E-Government und New Public Management 3
2.1.1 Definition E-Government 4
2.1.2 Anwendungsfelder von E-Government 5
2.1.3 Akteursperspektiven 7
2.1.4 E-Government und New Public Management 10
2.2 Potenziale von E-Government 12
2.2.1 Zielaspekte von E-Government 13
2.2.2 Prozesse in der Verwaltung 16
2.2.3 Nutzen von E-Government 19
2.3 Gestaltungsfelder für ein wirkungsvolles E-Government. 22
2.3.1 Politik und Verwaltungsführung. 24
2.3.2 Verwaltungs-Engineering. 26
2.3.3 Querschnittaufgaben 29
3 Prozessoptimierungen in einer Förderbank. 31
3.1 Untersuchungsort und Anwendungssysteme. 31
3.1.1 Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz GmbH 32
3.1.2 Haushaltsmanagementsystem Web-IRMA 35
3.1.3 Modul ABAKUS 37
3.2 Projekt: Einführung von Web-IRMA in einer Förderbank. 39
3.2.1 Prozess: Einrichtung von Haushaltsstellen 42
3.2.2 Prozess: Mittelauszahlung von Infrastrukturmaßnahmen. 45
3.2.3 Prozess: Rückforderung von Fördermitteln 49
II
4 Bewertung 54
4.1 Analyse der Erfolgsfaktoren. 55
4.1.1 Gestaltungsfeld Politik und Verwaltungsführung 56
4.1.2 Gestaltungsfeld Verwaltungs-Engineering 58
4.1.3 Gestaltungsfeld Querschnittaufgaben. 62
4.2 Prozessorientierte Verbesserungsvorschläge 65
4.2.1 Prozess: Einrichtung von Haushaltsstellen 66
4.2.2 Prozess: Mittelauszahlung von Infrastrukturmaßnahmen. 66
4.2.3 Prozess: Rückforderung von Fördermitteln. 68
5 Fazit. 71
Literaturverzeichnis. V
Anlagen XII
Anlage 1: Die Gestaltung von E-Government. XII
Anlage 2: Navigationsmenü von Web-IRMA XIII
Anlage 3: Bewirtschaftung von Förderprogrammen XIV
Anlage 4: Vordruck einer Annahme-Anordnung XV
Anlage 5: Auszahlungsvorblatt. XVI
Anlage 6: Liste Einzelpositionen und Gesamtsumme. XVII
Anlage 7: Erstellung einer Kassenanordnung über Web-IRMA XVIII
III
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis
Abbildung 1: Kapitelübersicht.
Abbildung 2: Begriff E-Government.
Abbildung 3: Interaktionsarten von E-Government
Abbildung 4: Akteure und Verwaltungsbeziehungen im E-Government.
Abbildung 5: Potenziale von E-Government.
Abbildung 6: Zieldreieck von E-Government
Abbildung 7: Nutzen von E-Government
Abbildung 8: Gestaltungsfelder und Kriterien
Abbildung 9: Gestaltungsfelder von E-Government.
Abbildung 10: Kriterien zum Gestaltungsfeld Politik und Verwaltungsführung
Abbildung 11: Kriterien zum Gestaltungsfeld Verwaltungs-Engineering
Abbildung 12: Kriterien zum Gestaltungsfeld Querschnittaufgaben.
Abbildung 13: Mittelherkunft und Mittelverwendung
Abbildung 14: Schnittstelle Web-IRMA und HKR-Kassensystem
Abbildung 15: Projektverlauf
Abbildung 16: Ausgewählte Prozesse zum Projekt
Abbildung 17: Gestaltungsfelder und Kriterien von E-Government-Projekten.
Abbildung 18: Bewertungskala.
Abbildung 19: Bewertung der Kriterien zum Gestaltungsfeld Politik und Verwaltungsführung
Abbildung 20: Bewertung der Kriterien zum Gestaltungsfeld Verwaltungs-Engineering
Abbildung 21: Bewertung der Kriterien zum Gestaltungsfeld Querschnittaufgaben.
Abbildung 22: Ergebnis der Projekteinführung
1
1 Einleitung
Das Internet und die neuen Medien setzen mit ihrer Effizienz und Schnelligkeit neue Maßstäbe - ob im Arbeitsleben, im privaten Bereich, in der Gesundheitsvorsorge oder in der politischen Kommunikation. Das Internet und die damit verbundene digitale Kommunikation werden mehr und mehr zu selbstverständlich genutzten Instrumenten des täglichen Lebens. 1 Ein Medium, das weltweit Akteure vernetzt und Kommunikation mit minimalen Transaktionskosten erlaubt, wirkt sich zwangsläufig auf die Funktionsweisen von Wirtschaft und Gesellschaft aus. 2 Daher kommt dem Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung eine wesentliche Funktion zu. Dieser Umgestaltungsprozess wird als Electronic Government (E-Government) bezeichnet. Für diesen Prozess ist die Einbettung in ein umfassendes Gesamtkonzept entscheidend. Schließlich stellt nicht jede IKT-Anwendung im öffentlichen Sektor für sich genommen bereits E-Government dar. Neu ist dabei, dass der Einsatz von IKT erstmals in einen Gesamtzusammenhang staatlicher Modernisierung gestellt wird, der gleichermaßen die interne Organisation wie auch die Außenbeziehungen öffentlicher Institutionen erfasst und miteinander verknüpft. 3 Somit resultiert der Antrieb für die Einführung von E-Government in der öffentlichen Verwaltung und dem damit verbundenen Umbau aus einem übergeordneten sozioökonomischen Wandlungsprozess der Gesellschaft, die an der Schwelle des Austritts aus der Industriegesellschaft und Eintritts in das Informationszeitalter steht. 4 Dies leitet zur Frage über, welche Vorgaben zu beachten sind, um die öffentliche Verwaltung auf die geänderten Anforderungen einer Informationsgesellschaft erfolgreich auszurichten?
Die Thesis „E-Government zur Prozessoptimierung am Beispiel einer Förderbank“ greift diese Frage auf und bestimmt eindeutige Erfolgsfaktoren, um wirkungsvolles E-Government unterscheiden zu können. Eine besondere Herausforderung liegt zum einen im grundlegenden Zusammenhang von dem Potenzial der Informationstechnik und den Aufgaben und Arbeitsweisen der öffentlichen Verwaltung sowie
1 Vgl. Friedrichs/Hart/Schmidt (2002), S. 12.
2 Vgl. Friedrichs/Hart/Schmidt (2002), S. 13.
3 Vgl. Haldenwang (2002), S. 1.
4 Vgl. Behjat (2003), S. 4-5.
2
zum Anderen in der Art und Weise der Einbettung in ein umfassendes Gesamtkonzept. Dazu werden Bereiche der informations- und verwaltungswissenschaftlichen Theoriebildung herangezogen.
Im weiteren Teil dieser Arbeit werden die Ergebnisse zu einer Analyse von durchgeführten Prozessoptimierungen in einer Förderbank herangezogen. Es handelt sich dabei um die Einführung eines Haushaltsbewirtschaftungssystems in einer Förderbank.
Ziel dieser Arbeit ist eine Beurteilung von Prozessoptimierungsmaßnahmen. Dazu werden theoretische Grundlagen zum E-Government vorgestellt, Gestaltungsfelder und deren Spezifizierung betrachtet, praktische Umsetzungen von durchgeführten Prozessoptimierungen in einer Förderbank untersucht, Schwachstellen analysiert und prozessorientierte Verbesserungsmaßnahmen aufgezeigt.
Abbildung 1: Kapitelübersicht
Gestartet wird mit der Vermittlung von Grundlagen zum Begriff E-Government und der Gestaltung von E-Government-Projekten. Anschließend wird die Prozessoptimierungsmaßnahme in einer Förderbank vorgestellt. Es handelt sich um das Projekt „Einführung von Web-IRMA“, welches in dem Zeitraum 2006 und 2007 in einer Förderbank durchgeführt wurde.
Schlussendlich erfolgt eine Bewertung der Optimierungsmaßnahmen anhand der erarbeiten Kriterien und Handlungsanweisungen für ein wirkungsvolles E-Government. Eine Zusammenfassung schließt die Thesis ab. Abbildung 1 skizziert den Ab- lauf.
3
2 Grundlagen zum E-Government
Um das Anliegen dieser Arbeit nachvollziehen zu können, ist es notwendig, einige zentrale Gesichtspunkte näher zu definieren, Zusammenhänge zu verdeutlichen und einheitliche Begriffe einzuführen, die in dieser Arbeit durchgängig benutzt werden.
2.1 Begriff E-Government und New Public Management
Zunächst wird der Begriff E-Government definiert (Kapitel 2.1.1). Anschließend folgt eine Betrachtung der Anwendungsfelder von E-Government, da erst die vielfältigen Anwendungen auf Grundlage der Informationstechnik neue Wege und Kanäle der Interaktion bilden (Kapitel 2.1.2).
5 Abbildung 2: Begriff E-Government
Darauf aufbauend wird der Einsatz von Anwendungen entlang der unterschiedlichen Bedürfnisse und Anforderungen einer modernen Informationsgesellschaft erläutert. Differenziert werden die Beziehungen der Beteiligten und Akteure untereinander dargestellt (Kapitel 2.1.3). Abschließend wird für das weiterführende Verständnis von E-Government eine Einordnung zum Reformansatz New Public Management vorgenommen (Kapitel 2.1.4). Abbildung 2 skizziert die beschriebene Vorgehensweise.
5 eigene Darstellung.
4
2.1.1 Definition E-Government
Von den vielen, in der Fachliteratur diskutierten, Definitionen seien hier exemplarisch die wichtigsten angeführt:
Electronic Government ist eine Organisationsform des Staates, welche die Interaktion und Wechselbeziehungen zwischen dem Staat und den Bürgern, privaten Unternehmungen, Kunden und öffentlichen Institutionen durch den Einsatz von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien integriert. 6 Im viel beachteten Memorandum „Electronic Government als Schlüssel zur Modernisierung von Staat und Verwaltung“ wurde folgende Definition veröffentlicht: „Unter Electronic Government wird im Folgenden verstanden die Durchführung von Prozessen der öffentlichen Willensbildung, der Entscheidung und der Leistungserstellung in Politik, Staat und Verwaltung unter sehr intensiver Nutzung der Informationstechnik. Eingeschlossen sind in diese Definition selbstverständlich zahlreiche Hilfs-und Managementprozesse, sowie Prozesse der politischen und finanziellen Rechenschaftslegung.“ 7
Im Sinne der sogenannten Speyerer Definition wird E-Government verstanden als „die Abwicklung geschäftlicher Prozesse im Zusammenhang mit Regieren und Verwalten (Government) mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechniken 8 Der Geltungsbereich reicht von der kommunalen, re-über elektronische Medien.“
gionalen oder Landesebene, bis zur nationalen oder Bundesebene sowie die supranationale und globale Ebene. Tangiert ist dabei der gesamte öffentliche Sektor, also neben der Exekutive ebenso die Legislative und Judikative, wie auch öffentliche Unternehmen. 9
Während die vorgestellte „Speyerer Definition“ in erster Linie E-Government als Abwicklung geschäftlicher Prozesse im Zusammenhang von Regieren und Verwalten mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechniken über elektronische Medien versteht, umfasst, nach dem im Rahmen der Durchführung des Projekts “Media@Komm“ entwickelten Verständnis, Electronic Government alle Aspekte des
6 Vgl. Schedler/Summermatter/Schmidt (2003), S. 6.
7 Vgl. Gesellschaft für Informatik (2000), S. 3.
8 Reinermann/Lucke (2002), S. 1.
9 Vgl. Reinermann/Lucke (2002), S. 1.
5
Regierens und Verwaltens (öffentliche Willensbildung, Entscheidungsfindung, Leistungserstellung und -erbringung, Partizipation), sofern sie durch die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien unterstützt und verbessert werden können. 10
Dahinter steht die Auffassung, dass „E-Government das Alltagshandeln der Verwaltung und die demokratische Politik durchdringt. Mithin geht es um alle wechselseitigen Beziehungen zwischen Bürgern, Wirtschaftsunternehmen, Einrichtungen im Non-Profit-Sektor, Politik, Regierung und Verwaltung, für die völlig neue Strukturen zu schaffen sind.“ 11
Somit darf E-Government nicht nur als eine neue Entwicklung der Informationstechnik verstanden werden. „Die Einführung […] umschließt viel mehr als nur die gelungene Hardware- und Software-Ausstattung und entsprechende Schulungen.“ 12 E-Government entfaltet sein wahres Potenzial erst durch den Aufbau eines elektronischen Leistungsangebotes von Politik und Verwaltung für Kunden und Interessenten, eine Anpassung verwaltungsinterner Prozesse im Sinne einer durchgehenden Prozessgestaltung an diese neue gestaltete Kundenschnittstelle und durch neue, erweiterte Formen der Bürgerbeteiligung. 13
2.1.2 Anwendungsfelder von E-Government
Bei der Anwendung von Konzepten für das E-Government lassen sich drei Interaktionsarten unterscheiden: Bereitstellung von Information, Kommunikation und Transaktion. Abbildung 3 stellt die Anwendungsfelder in einer Übersicht dar. Diese Unterscheidung ist sinnvoll, da an die jeweilige Interaktion unterschiedliche Anforderungen im Bezug auf die Gestaltung, wie auch auf die technischen wie rechtlichen Restriktionen gestellt werden.
Unter ‚Information’ fallen alle Anwendungen von Informationsdiensten (E-Information). Sie stellen Dokumente bereit oder erlauben den dynamischen und interak-
10 Vgl.Drücke (2003), S. 13.
11 Drücke (2003), S. 13.
12 Drücke (2003), S. 13.
13 Vgl. Frick/Hokkeler (2004), S. 13f.
6
tiven Zugriff auf Datenbanken. 14 Das Beziehungssystem ist jedoch einseitig organisiert, das heißt es gibt keinen wechselseitigen Austausch von Informationen. 15 „Dazu zählen Bürgerinformationssysteme für die Bevölkerung, Touristinformationssysteme zur Förderung des Fremdenverkehrs, Wirtschaftsinformationssysteme im Rahmen der Wirtschaftsförderung [...] und sonstige Wissensdatenbanken.“ 16
17 Abbildung 3: Interaktionsarten von E-Government
Kommunikationsdienste ermöglichen den dialogorientierten Austausch von Informationen. 18 Dies betrifft Informationsdienste, die um Kommunikationslösungen (E-Communication) mit Dialog- und Partizipationsmöglichkeiten, vor allem über eMail und Telefon, ergänzt werden. Die Kommunikation (E-Communication) bietet die Grundlage für Dialog- und Partizipationsmöglichkeiten, die auch in Kombination mit Informationsdiensten genutzt wird, so zum Beispiel Chats, Foren und Anwendungen auf Audio- und Videobasis.
Transaktion im engeren Sinne bezeichnet den Übergang von digital formatierten Gütern oder Dienstleistungen zwischen Prozessbeteiligten. 19 Im erweiterten Sinne umfasst er zusätzlich die Gesamtheit der zur Erstellung eines Gutes notwendigen Tätigkeiten und Schritte. 20 Transaktionen lassen sich in E-Forms, E-Transactions, E-Commerce und E-Service einteilen. E-Forms sind standardisierte Formulare, mit deren Hilfe über Transaktionen Zahlungsvorgänge abgewickelt werden. Es handelt sich hierbei um Formularlösungen, die über das Internet angeboten werden können, angefangen von der einfachen Bereitstellung von Formularen zum Download und Ausdruck im HTML- oder PDF-Format, über „‘intelligente’ Offline-Lösungen, die
14 Vgl. Müller (2005), S. 15.
15 Vgl. Booz Allen Hamilton (2002), S. 24.
16 Reinermann/Lucke (2002), S. 3.
17 entnommen aus: Reinermann/Lucke (2002), S. 3.
18 Vgl. Müller (2005), S. 15.
19 Vgl. Müller (2005), S. 15.
20 Vgl. Müller (2005), S. 15.
7
nach Abschluss der Dateneingabe die Formulardaten per eMail oder EDI weiterleiten, bis hin zu Online-Formularen, die direkt ausgefüllt [...] und [...] versandt werden.“ 21
Auf diesen Formularlösungen bauen Online-Transaktionsdienste (E-Transactions) auf. Dabei werden Anträge nicht nur elektronisch zugeleitet und angenommen, die Daten können auch für die elektronische Bearbeitung des Anliegens genutzt werden. Schließlich gehört noch der „Vertrieb von Bescheiden, Dienstleistungen und Produkten öffentlicher Dienststellen (E-Service)“ 22 zu den Transaktionen. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem elektronische Bescheide, Lizenzen und Genehmigungen.
E-Workflow beschreibt die elektronische Abbildung von Geschäftsprozessen über alle genannten Interaktionsarten hinweg. 23 Diese zusätzliche Einteilung ist insofern wichtig, als damit verstärkt auf die grundlegende Bedeutung der prozessorientierten Betrachtung des Verwaltungshandelns hingewiesen wird. E-Workflow bietet Unterstützung der inneren und übergreifenden Verwaltungsprozesse zum Dokumentmanagement, zur Registrierung und Archivierung.
E-Democracy zielt auf die Verwendung von IT zur Unterstützung oder Durchführung demokratischer Prozesse. 24 Die Anwendungsbereiche reichen von der Informationsbereitstellung über Kommunikationssysteme (Umfragen, Diskussionsforen, Öffentlichkeitsbeteiligung in Verwaltungsverfahren) bis hin zu Abstimmungen (e-Voting) und Wahlen (e-Election). Hierbei geht es um Formen der Partizipation an der staatlichen Willensbildung.
2.1.3 Akteursperspektiven
Die Akteursperspektive spielt in Verwaltungsverfahren eine besondere Rolle. 25 Ein wirksames E-Government zeichnet sich dadurch aus, dass sowohl die Vielzahl der Beteiligten, die Vielschichtigkeit und die große Breite der Verwaltungskunden in den unterschiedlichen Verfahren, Berücksichtigung finden. Aus diesem Grund muss die
21 Reinermann/Lucke (2002), S. 3-4.
22 Reinermann/Lucke (2002), S. 4.
23 Vgl. Reinermann/Lucke (2002): S. 4-5.
24 Vgl. Müller (2005), S. 17.
25 Vgl. Klischewski/Wimmer (2005), S. 18.
8
Analyse der Besonderheiten, Charakteristika und Anforderungen der Nutzer des E-Governments ein besonderes Augenmerk geschenkt werden.
26 Abbildung 4: Akteure und Verwaltungsbeziehungen im E-Government
Abbildung 4 zeigt eine Überblick unterschiedlicher Akteure und deren Beziehung im Kontext zum E-Government. Die Grafik unterscheidet zwischen externer und interner Sicht. Bei der externen Sicht werden die Kundengruppen in Bürger, Unternehmen, Non-Profit-Organisationen und Intermediäre unterschieden. Intern wird zwischen Mitarbeitern der Behörden und den Mitarbeitern von Public Private Partnership Konstellationen differenziert. 27
„Die stärkste Beziehung der öffentlichen Verwaltung ist die zu den Bürgerinnen und Bürgern. Deren vollständige Einbindung in die Verwaltungs- und politischen Willensbildungsprozesse ist die Intention bei der Gestaltung dieser Beziehung.“ 28 Dabei soll die Verwaltung für den Bürger als „One-Stop-Shop“ bzw. „One Stop Government“ fungieren. 29 Damit ist gemeint, dass der Bürger seine Anfrage oder seinen Antrag bei einer Stelle abgeben soll und sich ab diesem Augenblick nicht mehr darum kümmert, welchen Weg der Vorgang nimmt. Der Bürger hat nur eine Kontaktstelle und nicht mehrere. Grundlegend für dieses Prinzip ist, die Bearbeitung in ein „Front Office“ als Schnittstelle zum Kunden, Bürger, Unternehmen oder zur
26 entnommen aus: Klischewski/Wimmer (2005), S. 19.
27 Vgl. Klischewski/Wimmer (2005), S. 18.
28 Behjat (2003), S. 25.
29 Vgl. Booz Allen Hamilton (2002), S. 25.
9
Verwaltung aufzunehmen, und ein „Back Office“, das den eigentlichen Bearbeitungsprozess einleitet. 30 Hier gilt es, die unterschiedlichen Nutzerprofile der Akteure und verschiedene Verfahrensformen aus unterschiedlichen Verwaltungsebenen in ein einziges Zugangskonzept einzubinden und zu integrieren. 31 Digitale Verknüpfungen zu Unternehmen sind aufgrund vorhandener technischer Voraussetzungen und eines großen Interesses beider Parteien schnell aufzubauen. Viele Verwaltungsvorgänge, die aufgrund Ihrer klaren gesetzlichen Grundlagen (Umsatzsteuerentwicklung) als standardisiert zu bezeichnen sind, können auf diesem Wege effizient abgewickelt werden. 32
Wenn durch die Nutzung der Internettechnologie die Eröffnung eines virtuellen Unternehmens innerhalb von wenigen Tagen möglich ist, sollte die Erledigung der gesetzlichen Vorschriften nicht Wochen und Monaten in Anspruch nehmen. Damit ergibt sich neben der Notwendigkeit des wirtschaftlichen Managements der öffentlichen Verwaltung auch ihre Anpassung an die schnelleren Prozesse. 33 Ähnlich wie bei den Beziehungen zu Unternehmen kann auch die Beziehung zwischen der öffentlichen Verwaltung und anderen Organisationen, wie Vereinen, Stiftungen oder Bürgerinitiativen elektronisch gestaltet werden. 34 Auch seitens der Verwaltungen ergeben sich für unterschiedliche Bereiche andere Anforderungen an die jeweiligen Sachbearbeiter. Beispielsweise werden Sachbearbeiter im Meldewesen andere Erwartungen an IKT-Unterstützung haben, als Sachbearbeiter im Sozialwesen. 35
Zusammenfassend ist also festzustellen, dass es letztendlich in jedem Einzelfall einer umfassenden Analyse bedarf, um die Besonderheiten der Akteure, Zielgruppen und Verwaltungsverfahren einander abzustimmen.
30 Vgl. Booz Allen Hamilton (2002), S. 26.
31 Vgl. Klischewski/Wimmer (2005), S. 19.
32 Vgl. Behjat (2003), S. 25.
33 Vgl. Behjat (2003), S. 25.
34 Vgl. Behjat (2003), S. 25.
35 Vgl. Klischewski/Wimmer (2005), S. 19.
10
2.1.4 E-Government und New Public Management
Dieses Kapitel stellt den Innovationsansatz des New Public Managements vor und erläutert den Einfluss von New Public Management (NPM) auf das E-Government. Das NPM ist als umfassende Reformidee zu verstehen, die den Problemen der Entwicklung der Verwaltungsmodernisierung begegnen will. NPM befasst sich mit der Modernisierung öffentlicher Einrichtungen und neuen Formen öffentlicher Verwaltungsführung. 36
Daher ist die Kenntnis des NPM zum Verständnis von E-Government unerlässlich. Schedler und Proeller sehen das NPM als „Oberbegriff der weltweit terminologisch einheitlichen Gesamtbewegung der Verwaltungsreformen, die auf einer institutionellen Sichtweise basieren. Charakteristisch für NPM-Reformen ist der Wechsel der Steuerung von der Input- zur Outputorientierung.“ 37
Schedler und Proeller definieren Bürokratien als staatliche Organisationen und Or-ganisationsformen, deren Strukturen sich nicht am Markt orientieren, sondern den von Max Weber identifizierten Charakteristiken folgen. 38 Als Charakristika identifiziert Weber unter anderem eine strenge Kompetenzzuordnung, die durch Normen festgelegt wird und eine feste Einbindung der Organisationen in eine Hierarchiestruktur verlangt. Deren Pflichten und Rechte sind genau umschrieben. 39 NPM ist vor allem als Kritik an der bestehenden bürokratischen Steuerung zu verstehen. Aus dieser Kritik heraus erwachsen die folgenden, für NPM wesentlichen Ziele bzw. Merkmale, wie die Entflechtung des öffentlichen Sektors, die Stärkung der Marktorientierung sowie des Wettbewerbdenkens, die Kundenorientierung, die Trennung von strategischer und operativer Verantwortung, die Prozessorientierung und Vernetzung, sowie eine organisatorische Dezentralisierung und ein Kontraktmanagement und abschließend die Bedeutung des persönlichen Einflusses und der persönlichen Verantwortung. 40
Von diesen Merkmalen ausgehend werden die verschiedenen Reformelemente des NPM abgeleitet. Diese Merkmale lassen sich zu den folgenden drei Kernelementen
36 Vgl. Schedler/Proeller (2000), S. 5.
37 Schedler/Proeller (2000), S. 5.
38 Vgl. Schedler/Proeller (2000), S. 17.
39 Vgl. Weber (1985), S. 551 f.
40 Vgl. Reichard/Röber (2001), S. 371.
11
von NPM subsumieren: Kernelemente von NPM sind der Aufbau einer dezentralen Führungs- und Organisationsstruktur, sowie der Aspekt der Outputsteuerung und abschließend die Aktivierung der beiden ersten Elemente durch den Wettbewerb. 41 Besonders deutlich wird die Verknüpfung von Verwaltungsmodernisierung und E-Government in den bereits genannten Zielelementen der Outputsteuerung (Prozess), die dadurch auslösende Veränderung der Organisationsstruktur (Institution) und der Kundenorientierung. Fokussiert man den Prozess, dann geht es um eine neue öffentliche Leistungskettengestaltung und -optimierung unter Einbeziehung der Gestaltungspotentiale, welche die neue IuK-Technik bietet. Aus Institutionensicht liegt der Fokus auf der Auswahl und dem Design institutioneller Rahmenbedingungen für die neuen Prozessmodelle. 42
„Durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien wurde in den letzten Jahren ein erheblicher Einfluss auf die Strategie von Organisationen ausgeübt.“ 43 Die beschriebenen Zielelemente, also die Ausrichtung auf Prozesse und die Kundenorientierung, sind die zentralen Einflussfaktoren des NPM auf das E-Government. Die Prozessorientierung optimiert die Leistungserstellung, während die Kundenorientierung die Leistungserstellung aus Kundensicht betrachtet. Da die Leistungserstellung der Verwaltung vornehmlich mit Hilfe von Informations-und Kommunikationstechnologie abgewickelt wird, ist somit die Verknüpfung zum E-Government vollzogen. Schließlich eröffnet erst die Verwendung dieser Technologie entscheidende Möglichkeiten, um die Leistungsfähigkeit und Effizienz der Leistungserstellung zu verbessern. Der Aspekt Kundenorientierung ist ein wichtiger Bestandteil dieses Veränderungsprozesses.
Im Rahmen der gegenwärtigen Fachdiskussion wird zunehmend die Auffassung vertreten, dass die umfassende Langzeitstrategie E-Government bereits den Ver-waltungsmodernisierungsprozess, der mit dem NPM begann, abgelöst hat. E-Government setzt den Umbau der öffentlichen Verwaltung, der mit dem so genannten Neuen Steuerungsmodell begann, unter den Bedingungen des Informationszeitalters fort. 44
41 Vgl. Jann (2001), S. 85.
42 Vgl. Schuppan/Reichard (2002), S. 1-2.
43 Schedler/Proeller (2000), S. 247.
44 Vgl. Reinermann (2002), S. 166.
12
2.2 Potenziale von E-Government
Das vorangegangene Kapitel definierte den Begriff E-Government und erläuterte weitere Grundlagen, um das hohe Reformpotenzial für die öffentliche Verwaltung zu erfassen. Klaus Lenk vertritt diesbezüglich die Auffassung, dass die Informationstechnik als Gestaltungskriterium hinter den Grundsätzen eines guten Verwaltens und Regierens zurück tritt, um nicht nur das technisch Machbare umzusetzen. 45 Gemeint ist damit, dass zwischen dem Potenzial der Informationstechnik und der ganzheitlichen Betrachtungsweise von Umfeld und Wirkung ein harmonischer Konsens gefunden wird. Eine entsprechende Ausgestaltung im Hinblick auf wirksames E-Government stellt dabei die besondere Herausforderung dar.
46 Abbildung 5: Potenziale von E-Government
Abbildung 5 ergänzt die bisherigen Erkenntnisse zum E-Government um die Aspekte Ziele, Prozesse und den Nutzen. Die folgenden Kapitel bauen auf diesen genannten Grundlagen auf und setzt sich mit dem konkreten Gestaltungsprozess auseinander. Eine besondere Herausforderung stellt dabei der Zusammenhang zwischen Technikpotenzial und einer ganzheitlichen Betrachtungsweise im Hinblick einer Einbettung in ein Gesamtkonzept dar.
Die Aspekte Ziele und Strategie implizieren die Frage nach den Zielen eines wirksamen E-Government und welche Strategie sie verfolgt (Kapitel 2.2.1). Der Aspekt Prozesse geht auf das Potenzial durch Optimierung der Arbeitsabläufe in der Verwaltung ein. Dies impliziert die Frage, was überhaupt die Aufgaben und Arbeits-
45 Vgl.Lenk (2004), S. 115.
46 eigene Darstellung.
13
weisen der öffentlichen Verwaltung sind und wie man sie beschreiben kann (Kapitel 2.2.2). Der Aspekt Nutzen von E-Government geht der Frage nach, was überhaupt der Nutzen für die Beteiligten und für die Verwaltung selbst ist (Kapitel 2.2.3).
2.2.1 Zielaspekte von E-Government
Als übergreifendes Ziel lässt sich der viel zitierte Satz anführen: „Die Daten sollen laufen, nicht die Bürger.“ 47 Anders ausgedrückt heißt das, dass E-Government „die große Chance bietet, unsere Verwaltung von Grund auf einfacher, schneller, effizienter, wirksamer und damit bürgerfreundlicher zu gestalten.“ 48 Das European Institute of Public Administration beschreibt im Bericht „eGovernment in Europe: The State of Affairs“ Zielparameter von E-Government als „democratization, coherence, effectiveness, transparency and accountability.“ 49 Und führt weiter aus: „E-Government is not only about modernising public administration […] but it is a key enabler in building of citizen-centric, cooperative, „seamless“, but polycentric, modern governance.“ 50
„Das Neue an E-Government besteht [...] darin, dass Aspekte der internen Ver-waltungsmodernisierung mit der Gestaltung der Außenbeziehungen staatlicher Institutionen und der demokratischen Teilhabe der Bürger in Bezug gebracht werden“. 51
Haldenwang unterscheidet für eine, einem Projekt zugrunde liegende, E-Government-Strategie drei Ziele. Und zwar die substantielle Effizienzsteigerung im öffentlichen Sektor (Prozessorientierung und -optimierung) mit der Aussicht auf durchschlagende Verbesserungen der öffentlichen Verwaltung für Bürger und Unternehmen (Kunden- und Dienstleistungsorientierung) sowie dem Versprechen erhöhter Transparenz und Zugänglichkeit politischer und administrativer Prozesse. 52 Diese Zielstruktur, spiegelt die Erwartungen wider, die in E-Government gelegt werden (Abbildung 6).
47 Hill (2002), S. 24.
48 Hill (2002), S. 24.
49 Leitner (2003), S. 9.
50 Leitner (2003), S. 14.
51 Haldenwang (2002), S. 9.
52 Vgl. Haldenwang (2002), S. 9.
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Daniel Hoffmann, 2009, E-Government zur Prozessoptimierung am Beispiel einer Förderbank, München, GRIN Verlag GmbH
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