Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Artemis im antiken Griechenland 3
2.1. Etymologie und Herkunftsmythos 4
2.2. Das Wesen und die Funktionen der Göttin 4
3. Heiligtum und Kult der Artemis Orthia 5
3.1. Entstehungsgeschichte des Artemis Orthia Heiligtums 6
3.2. Die Geißelung der Epheben 6
3.2.1. Die Legende des Artemis Orthia Kultes bei Pausanias 7
3.2.2. Ritual als sportlicher Agon 7
3.2.3. Geißelung als Teil der hellenistischen Agoge 8
3.2.3. Ergebnis der Quellenuntersuchung 8
4. Anthropologische und psychoanalytische Erklärung der Geißelung 8
4.1. Der Ursprung eines jeden religiösen Rituals 8
4.2. Fruchtbarkeitsverehrung 9
4.3. Neid, Schmerz und Geburt 10
4.4. Vergleich: Schizophrene Kinder - Kunapipi - Kakian - Artemis Orthia Kult 11
5. Schluss 12
6. Quellen und Literatur 13
6.1. Quellen 13
6.2. Sekundärliteratur 13
7. Anmerkungen 15
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1. Einleitung
Der Glaube an allumfassende Naturgötter ist genau so alt, wie die Menschheit selber. Nach altertümlichen Vorstellungen ließen sie die Früchte auf den Bäumen wachsen, die Wiesen erblühen, brachten die Tiere in die Wälder und schenkten den Menschen die Geburt und die Jugend 1 . Doch genau so, wie sie das Leben erschufen, nahmen sie dieses Leben auf mysteriöse Art und Weise wieder von der Erde weg. Gewaltige Zerstörungskräfte in Form von Naturkatastrophen und Krankheiten fegten durch die damals bekannte Welt und ließen jeden, der ihnen begegnete, vor göttlicher Ehrfurcht erstarren. In früheren Zeiten kannten die Menschen noch keine meteorologischen Vorhersagen, die sie vor Überschwemmungen und Stürmen warnten, und die Medizinmänner kannten noch kein Penicillin, das heute bei schweren Krankheiten eingesetzt wird. Der Glaube an allmächtige Götter und ihr Wirken auf der Erde war universell. Die Menschen hofften, sie durch Opfergaben und andere Verehrungsrituale gnädig zu stimmen und durch eine spirituelle Art und Weise ihr Leben in eine bestimmte Richtung zu lenken. Man veranstaltete diese Opferzeremonien an besonderen, heiligen Orten: auf den Höhen der Berge, in sumpfigen Tälern, in der Tiefe rauschender Wälder und an murmelnden Quellen 2 . Diese mysteriösen Plätze betrachtete man als göttliches Zuhause und gab ihnen, sowie auch den Göttern selbst, von Ort zu Ort verschiedene Namen. So entstanden die ersten lokalen Kulte. Die Art der Kultverehrung ergab sich aus den Betrachtungsweisen der ortsansässigen Menschen. Sie hoben entweder die segnende, bzw., die finstere Auffassung ihrer Naturmacht hervor oder verehrten eine besondere Seite ihres Waltens 3 . In der griechischen Mythologie lässt sich eine solche allumfassende Naturgottheit mit Artemis identifizieren. Sie, als ambivalentes göttliches Wesen, war in der Antike sehr populär und wurde in vielen lokalen griechischen und kleinasiatischen Kulten verehrt. Der Artemis Orthia Kult in Sparta gehörte zu den beliebtesten heiligen Stätten in der griechischen Antike. Seine Rituale faszinierten später auch die Römer.
Zuerst beschäftigt sich diese Hausarbeit mit den Ursprüngen der Artemis und ihrer Funktion in der antiken griechischen Welt. Danach gehen wir auf den Artemis Orthia Kult in Sparta näher ein, wobei die Entstehungsgeschichte des Heiligtums und die Rituale des Kultes erläutert werden. Im Anschluss werden wir nach Gründen suchen, weswegen die Spartaner das Ritual der Auspeitschung an ihrer Epheben praktiziert haben.
2. Artemis im antiken Griechenland
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der olympischen Göttin Artemis und erklärt ihre Geschichte und ihre Rolle in der antiken griechischen Welt. Die Informationen, die zur Vorstellung der Artemis benutzt wurden, stammen aus den homerischen Epen und dem Neuen Pauly. Die Geschichte der Göttin und die Beschreibung ihres Wesens sollen uns
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später das Verständnis der assoziativen Bezüge zwischen der Göttin, dem Artemis Orthia Kult und der spartanischen Gesellschaft ermöglichen.
2.1. Etymologie und Herkunftsmythos
Keine der zwölf großen olympischen Gottheiten war im antiken Griechenland so populär, wie Artemis 4 . Die Bedeutung und der Ursprung ihres Namens bleiben für uns dennoch ein Rätsel. Forscher, die sich mit der Etymologie der Artemis beschäftigt haben, fanden zahlreiche Anhaltspunkte dafür, dass der Name der Göttin, möglicherweise, aus Kleinasien stammt und „gesund“ oder „heil“ bedeutet 5 . Ein Beleg dafür ist ihre Beliebtheit in Anatolien, Lydien und Lykien, wo Artemis in der Antike häufig verehrt und mit zahlreichen Lokalgöttinnen identifiziert wurde 6 . Eindeutig lässt sich die genaue Herkunft und Bedeutung, wie bei den meisten anderen Namen des griechischen Olymps, aber nicht bestimmen.
In den homerischen Hymnen und bei dem antiken Geographen Strabon taucht Ortygia, ein Hain, in der Nähe von Ephesos in Kleinasien, als mythologischer Geburtsort der Artemis auf 7 . Eine andere Geburtsstätte, die für sie in Frage käme, wäre die Insel Delos im ägäischen Meer, wo sich neben dem Apollon Heiligtum auch ein Tempel der Artemis, der etwa 700 v. Chr. erbaut wurde, befindet 8 . Die Eltern von Artemis sind, wie der Dichter Hesiod in Theogenie schildert, der Göttervater Zeus und die Göttin Leto 9 . Außerdem hat sie noch einen göttlichen Zwillingsbruder, der in der griechischen Mythologie unter dem Namen Sonnengott Apollon bekannt ist 10 . Die Ereignisse, die die Geburt der beiden Zwillinge beschreiben, lassen sich aus Strabons Werk entnehmen: „(…) here (in Orygia) is the mythical scene, where the birth took place (...),(...) the Curetes stationed themselves, and with the din of their arms frightened Hera out of her with when she was jealousy spying on Leto, and when they helped Leto to conceal from Hera the birth of her children (...) 11 “. Geboren wurde Artemis am 6. Thargelion, einen Tag früher, als ihr Zwillingsbruder Apollon. Somit galt für Artemis jeder sechste Tag im Monat heilig 12 .
2.2. Das Wesen und die Funktionen der Göttin
Artemis besaß eine große Aufgabenfülle, da sie sich in den Kulten Griechenlands mit einer ganzen Reihe von Lokalgottheiten vereinigte 13 . Häufig wurde sie als Göttin der Jagd und als Beschützerin der wilden Tiere verehrt 14 . In den Epen Homers streift die jungfräuliche Artemis durch die Wälder und Berge Griechenlands und vergnügt sich mit ihren Nymphen, Ebern und Hirschen 15 . Künstler und Bildhauer unterstrichen ihre Rolle als Hüterin der Wildnis. Sie haben Artemis häufig mit Pfeil und Bogen, umringt von wilden Tieren, dargestellt 16 .
Einige der wichtigsten Funktionen der Göttin Artemis waren das Patronat bei der Geburt und die Initiation von jungen Frauen und Männern. Als Verehrungsritual sind
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Chortänze von jungen Mädchen häufig belegt. Sie hatten einen initiierenden Charakter und waren besonders auf der Peloponnes weit verbreitet 17 . Ähnliches finden wir auch in der Artemismythologie bei Homer, wo die Tochter des Zeus mit ihren Nymphen gerne fröhliche Spiele treibt, sie aber dabei nicht aus den Augen lässt und streng die Jungfräulichkeit ihrer Gefährtinnen hütet. Sexuelle Verstöße bestraft sie hart, wie uns das Beispiel der verbannten Kallisto zeigt 18 .
Artemis bringt mit ihren sanften Geschossen mehreren Frauen den Tod, wie im Ilias und in der Odyssee beschrieben wird 19 . Verwundert muss man dabei feststellen, dass sie aber auch gleichzeitig als Geburtsgöttin verehrt wurde. Sie überwacht die Schwangerschaft der Frauen und hilft den Wöchnerinnen, gesunde Kinder zur Welt zu bringen 20 .
Wie oben bereits erwähnt wurde, war Artemis, als „Göttin des Draußen“, ebenfalls für die Initiation der Männer zuständig. Neben dem Kult der Artemis Orthia in Sparta, auf den später noch ausführlich eingegangen wird, sind Waffentänze und blutige Rituale, zum Zweck der Initiation, im Heiligtum der Artemis Tauropolis, welches sich im attischen Helai Araphenides befindet, zu erwähnen 21 . Die peloponnesischen und arkadischen Kulte der Artemis zeigen eine nahe Verwandtschaft mit dem Baumkult und, wie es bei Baumkulten zu sein pflegt, mit der Fruchtbarkeit im Allgemeinen 22 . Artemis ambivalenter und launischer Charakter, der in homerischen Epen hervortritt, konnte aber auch alles Leben, was sie vorher erschuf, wieder zerstören. So hetzte sie den „Kalydonischen Eber“ auf Oineos, der vergessen hatte, ihr ein Opfer darzubringen. Der riesige Eber verwüstete blindwütig seine fruchtbaren Felder, und konnte erst nach einer langen Verfolgungsjagd getötet werden 23 . Folgende Geschichte unterstreicht besonders den Bezug zur menschlichen Fruchtbarkeit: Eines Tages legten einige spielende Kinder einen Strick um den Hals einer Artemisstatue und erhängten sie. Die Einwohner steinigten die Gotteslästernden, da daraufhin mehrere Fehlgeburten folgten. In den Folgejahren mussten die Menschen der Artemis am Grab der Kinder regelmäßig Opfer darbringen, um sie nicht wieder zu verärgern 24 .
Wir haben uns nun ein kurzes Bild von der Göttin Artemis und ihren Funktionen in der griechischen Welt gemacht, wobei ihre Ambivalenz besonders auffällt. Im nachfolgenden Kapitel werden wir uns mit einem ihrer beliebtesten Kulte auf der Peloponnes beschäftigen, und zwar, mit dem Artemis Orthia Kult in Sparta.
3. Heiligtum und Kult der Artemis Orthia
Die Kulte jeder antiken Stadt Griechenlands waren zu Ehren der Götter an die konkreten Bedürfnisse und die historische Entwicklung dieser Stadt geknüpft. In Sparta 25 bildete die Religiosität mit ihren Ritualen und Festen einen wesentlichen Bestandteil der sozialen, politischen und kulturellen Ordnung 26 . Der Glaube an die
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Andrej Wolf de Oliveira, 2007, Die Bedeutung der Ephebengeißelung im Heiligtum der Artemis Orthia von Sparta, München, GRIN Verlag GmbH
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