Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Das Theogonieproömium 3
3. Die Entstehung des Kosmos bis zu der Geburt der Aphrodite 4
4. Die Götterkämpfe und die Errichtung des Zeusreiches 6
5. Zeus in der Theogonie 8
6. Das religiöse Verständnis des Hesiod 10
7. Ergebnis der Untersuchung 13
8. Quellenverzeichnis 15
9. Literaturverzeichnis 15
1
1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit ist im Rahmen des Proseminars „Einführung in die Religionsgeschichte“ entstanden. Zu diesem Thema soll die Theogonie Hesiods unter religionsgeschichtlicher Fragestellung interpretiert werden.
Hesiod, ein Dichter bäuerlicher Herkunft aus dem mittelgriechischen Böotien, der um die Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. seine Theogonie schrieb und über dessen Leben wenig bekannt ist, gibt in seinem Hauptwerk an, von den göttlichen Musen inspiriert zu sein, die Herkunft und Abfolge der Göttergenerationen in genealogischer Form darzustellen. Bei der Hermeneutik der hesiodischen Theogonie ist es in der Forschung umstritten, ob der böotische Dichter das Werk als Ganzes verfasste, oder ob unbekannte Interpolatoren gewisse Passagen einfügten oder änderten. Für von Fritz rückt diese Fragestellung in den Hintergrund, wenn er betont, „dass die Interpretation vor jeder Interpolations-, Umstellungs- oder Schichten- und Entwicklungstheorie den Vorrang hat.“ 1 Auch für unsere Betrachtungen sollen Unschlüssigkeiten über etwaige spätere Veränderungen der ursprünglichen Originalfassung ausgeblendet sein und die Theogonie in ihren weiteren Zusammenhängen als zusammengehöriges Werk gedeutet werden. Welche religiösen Inhalte die Theogonie offenbart, welche thematischen Schwerpunkte Hesiod in ihr setzt und inwieweit das Gedicht Aufschluss gibt über die griechische Götterwelt und ihr Verständnis durch Hesiod, soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden.
Zunächst werden zentrale Abschnitte der Theogonie in ihrem Inhalt kurz skizziert und in ihrer Bedeutung für das Gesamtwerk erörtert. Das einleitende Vorwort, ein erster kosmogonischer Teil bis zu der Entmannung des Uranos durch Kronos und die Kämpfe unter den Göttern mit der Etablierung des Zeusreiches sollen dabei als Unterteilungspartien dienen, bevor die besondere Stellung des Zeus in der hesiodischen Götterwelt als ein Schwerpunkt der Theogonie thematisiert wird. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen schließlich zu einer Aussage über den religiösen Gehalt der Theogonie und über das allgemeine Religionsverständnis Hesiods verdichtet werden.
1 Fritz, Kurt von, Das Proömium der Hesiodischen Theogonie, in: Heitsch, Ernst (Hg.), Hesiod, Darmstadt 1966,
S. 295-315, hier: S. 295.
2
2. Das Theogonieproömium
In dem einleitenden Vorwort der Dichtung, dem sog. Proömium, wird der Dichter von den neun sog. Musen, olympischen Göttinnen, geweiht. Er nimmt ihre Gegenwart auf dem Berg Helikon wahr und fühlt sich von ihnen gebeten, die Abfolge der Göttergeschlechter bis hin zu der Entstehung der olympischen Ordnung als eine verbindliche Wahrheit zu besingen, nämlich „das Geschlecht der seligen [Götter] zu preisen, der ewig seienden, […]“ 2 . Durch diese göttliche Offenbarung und eine Aufzählung der von den Musen besungenen Gottheiten wird bereits zu Beginn der Theogonie ihr Thema vorbereitet; das Proömium kann daher als eine inhaltliche Angabe für die folgende Erzählung verstanden werden 3 . Die Verse, die Hesiod die Musen singen lässt, sind zudem das Lied, das er selbst singen wird; ihm wird verkündet, „was ist, was sein wird, und was vorher war“ 4 .
Der zweite Teil des Proömiums ist ein Hymnus auf die Musen selbst. Hesiod preist ihre Zartheit, Schönheit, Anmut und die Lieblichkeit ihrer Stimmen. In seiner Auslegung sind die Musen Wohl bringende Göttinnen, deren Wesen durch Eintracht gekennzeichnet sind. 5 Ihre anregende Wirkung auf die irdische Welt entspricht diesem Charakter. Durch die Gabe der Musen werden beispielsweise Poesie und festliche Stimmung, Musik und Tanz verbunden, das Verlangen der Menschen nach Dichtung geweckt, die Freude bei dem Hörer angeregt, Abwechslung geschaffen oder der Gesang über das Menschliche hinausgehoben 6 . Besonders die Gabe der letztgenannten Muse, Kalliope, ist zu betonen. Sie verleiht den menschlichen Königen, deren Amt von Zeus begründet ist, von Geburt an eine wohlklingende und gerechte Vortragsstimme. Wenn die Regenten als Richter auftreten, urteilen sie milde und gerecht durch Kalliopes Begabung der „süßen Rede“ 7 . Verallgemeinert lässt sich folgern, dass Poeten und Richter-Könige die von den Musen begnadeten Menschen sind 8 . Am Ende des Proömiums erbittet Hesiod von den Musen, ihm einzugeben, „wie zuerst die Götter und die Erde entstanden und die Flüsse und das endlose Meer, schäumend im Wogenschwall, und die leuchtenden Sterne und der weite Himmel darüber, (und) welche Götter aus diesen entstanden, die Geber des Guten, und wie sie den Reichtum (der Welt)
2 Hesiod, Theogonie. Herausgegeben, übersetzt und erläutert von Karl Albert, 7. überarb. Auflage, Sankt
Augustin 2005, V. 32 f.
3 Lamberton, Robert, Hesiod, New Haven 1988, S. 55.
4 Hesiod, Theogonie, V. 39.
5 Siegmann, Ernst, Zu Hesiods Theogonieproömium, in: Heitsch, Ernst (Hg.), Hesiod, Darmstadt 1966, S. 316-
323, hier: S. 317f.
6 Snell, Bruno, Die Welt der Götter bei Hesiod, in: Heitsch, Ernst (Hg.), Hesiod, Darmstadt 1966, S. 707-725,
hier: S. 708.
7 Hesiod, Theogonie, V. 80 ff.
8 Ebd., V. 96 ff.
3
verteilten und die Würden und wie sie zuerst den schluchtenreichen Olymp besetzten“ 9 . Der folgende Inhalt der Theogonie wird durch die göttliche Beauftragung der Musen in einen beinahe dogmatischen, für die Religion der Griechen allgemein verbindlichen Erzählrahmen eingebettet und erhält damit eine höhere, göttliche Legitimation.
3. Die Entstehung des Kosmos bis zu der Geburt der Aphrodite
Der erste Abschnitt der eigentlichen Theogonie umfasst die Entstehung des Kosmos, nämlich die Genese sichtbarer Naturerscheinungen durch die Urmächte Gaia, die Erde, und Chaos, das „klaffende Nichts“, aus denen sich alles Weitere entwickeln kann 10 . Aus den beiden Urmächten bilden sich zwei voneinander getrennte Stammbäume. Durch den göttlichen Zeugungstrieb Eros, eine dynamische, gestaltlose Gewalt, ergeben sich zunächst parthenogenetische Geburten 11 . In der Forschung ist umstritten, inwieweit Hesiod dem Eros als lokaler Gottheit seiner Heimatstadt Thespiai besondere Bedeutung zumaß 12 . In der Theogonie nimmt Eros, die übernatürliche Zeugungskraft, jedenfalls eine hervorgehobene Stellung für die gesamte Götterwelt ein. Chaos bringt durch seinen Einfluss z. B. das Dunkel und das Helle, den Tag und die Nacht hervor 13 . Neben dem formlosen Chaos steht in ausgeformter Gegensätzlichkeit die stoffliche Gaia, die durch den Zeugungstrieb Eros den Himmel Uranos gebiert, der sie umhüllt. Damit ist die Grundlage für weiteres Leben geschaffen, und die Erde kann sich entfalten. Der Erdgöttin Gaia entstehen die Berge und Pontos, das Meer 14 . Die Welt ist in ihren Grundzügen aufgebaut, die einzelnen Phänomene sind stofflich und in ihrer Deszendenz verwandt. In weiteren Genealogien entstehen beispielsweise der Nacht (Nyx) ihre Kinder, die als Schicksals- und Todesgewalten vorwiegend Leidensphänomene für das menschliche Leben darstellen, und aus der Verbindung der Gaia mit Pontos entstehen Meeresungeheuer, Flüsse und die verschiedenen Aspekte des Meeres, welche in der griechischen Seefahrerkultur eine wichtige Stellung einnahmen. Der sog. Nereidenkatalog, der die die Nautik beeinflussenden Töchter des weisen
9 Hesiod, Theogonie, V. 108ff.
10 Ebd., V. 116ff. Zu der Auslegung des Chaos-Begriffs vgl. Albert, Karl, Einführung zu Hesiod, Theogonie.
Herausgegeben, übersetzt und erläutert von Karl Albert, 7. überarb. Auflage, Sankt Augustin 2005, S. 9-39, hier:
S. 21f.
11 Schwabl, Hans, Hesiods Theogonie. Eine unitarische Analyse, in: Österreichische Akademie der
Wissenschaften, 250. Band, Wien 1966, S. 28.
12 Fritz, Kurt von, Das Proömium, S. 298.
13 Hesiod, Theogonie, V. 123f.
14 Ebd., V. 126 ff.
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Arbeit zitieren:
Joschka Riedel, 2008, Die Theogonie des Hesiod , München, GRIN Verlag GmbH
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