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Inhaltsverzeichnis
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I. Einleitung. 3
II. Der Intentionalismus. 4
III. Grice. 4
IV. Kritik an Grice 7
V. Meggle. 11
VI. Kritik an Meggle 13
VII. Zusammenfasssung: Kritik am Intentionalismus 13
VIII. Der Konventionalismus. 14
IX. Wittgenstein 15
X. Austin. 17
XI. Kritik an Austin. 20
XII. Zusammenfassung: Kritik am Konventionalismus 22
XIII. Fazit - Ist eine Mischform denkbar? 22
XIII. 22
I. Einleitung
Wie kann die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke definiert werden? Wie funktioniert Bedeutung? Dies sind Fragen, die die Sprachphilosophie spätestens seit Anfang des letzten Jahrhunderts bewegen und zu immer neuen Definitionen führen.
Eine Antwort auf diese Frage führt uns zum leitenden Prinzip des Pragmatismus: „Die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke wird nicht durch eine Zuordnung von Entitäten festgelegt, sondern ist durch den Gebrauch bestimmt, den wir von ihnen machen.“ 1 Bedeutung wird dieser Definition nach alleine über die besondere Verwendungsweise definiert und nicht, wie bei der realistischen Bedeutungstheorie, durch die Annahme, sprachliche Ausdrücke stünden für reale Gegenstände oder wie in der strukturalen Bedeutungstheorie, in der Bedeutung im Rahmen eines Sprachsystems, beispielsweise über Lexeme erfasst wird. 2 Innerhalb der Gruppe der gebrauchstheoretischen Bedeutungstheorien lassen sich zwei Richtungen herausarbeiten. Die eine bezieht sich auf den Gebrauch eines Zeichens, der durch eine Regel, sprich eine Konvention vorgegeben ist. Die zweite Gruppierung legt ihren Schwerpunkt auf die kommunikative Intension mit welcher das Zeichen gebraucht wird.
Konventionen und Intentionen stehen sich hier also konträr gegenüber. Welches dieser zwei Elemente ist das entscheidende und wichtige hinsichtlich der Bedeutung eines Zeichens? Viele Sprachphilosophen haben sich mit diesen Begrifflichkeiten
auseinandergesetzt. In dieser Arbeit sollen nun die unterschiedlichen Positionen der Hauptvertreter des Intentionalismuses sowie des Konventionalismus dargestellt und kritisch begutachtet werden.
Letztendlich soll die Frage aufgegriffen werden, ob eine eindeutige Abgrenzung überhaupt von Nöten ist oder ob durchaus auch eine Mischform des intentionalistischen mit dem konventionalistischen Ansatz denkbar ist.
1 Kutschera, Franz: Gebrauch und Bedeutung exemplarisch eingeführter Prädikate. Philosophisches Jahrbuch 77 (1970), Seite 355 - 377, hier Seite 355.
2 Vgl. Polenz, Peter: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Band 1. Einführung, Grundbegriffe: 14 bis 16. Jahrhundert, Berlin/New York² 2000, Seite 45.
II. Der Intentionalismus
Als Intentionalismus wird eine Lehre bezeichnet, die jede Handlung nach ihrer Absicht, also ihrer Intention und nicht nach ihrer Wirkung oder anderen Kriterien beurteilt. Die Bedeutung eines Zeichens wird demnach auf das Meinen übertragen, wobei sich die konkrete Bedeutung darauf bezieht, was der Sprecher damit meint. Kemmerling bringt es auf den Punkt: „Die Bedeutung eines Zeichens kennen, heißt wissen, welche Wirkung mit ihm beabsichtigt wird.“ 3 Der Intentionalismus ist also eine sprecherbezogene Bedeutungstheorie. Hauptvertreter des Intentionalismus sind Grice, Meggle, sowie Schiffer, Benett und Lewis. Im Rahmen dieser Arbeit soll explizit auf Grice und Meggle eingegangen werden. Die übrigen zeichnen sich im Besonderen dadurch aus, dass sie das Gricesche Grundmodell bearbeitet, konkretisiert und verbessert haben.
III. Grice
In seinem Aufsatz Meaning aus dem Jahr 1957 stellt Grice dar, was seiner Auffassung nach „Meinen“ bedeutet. Weitere Philosophen, wie Meggle, Schiffer, Benett und Lewis sind auf Grices intentionalistischen Ansatz eingegangen, haben diesen überarbeitet und erweitert.
Zunächst trifft Grice eine Unterscheidung zwischen einer natürlichen und nichtnatürlichen Bedeutung bezüglich der Verwendungsweise von meaning. Ein Beispiel für die natürliche Bedeutung ist der Satz: „Diese Flecken bedeuten (bedeuteten) Masern“. 4 In diesem Fall besteht zwischen dem Zeichen, also den Masern und der Bedeutung, ein naturwissenschaftlicher, empirisch nachweisbarer
3 Vgl. Kemmerling, Andreas: Bedeutung und Sprachverhalten, in: von Savigny, Eike (Hrsg.): Probleme der sprachlichen Bedeutung. Kronberg 1976, Seite 73 - 100, hier Seite 75.
4 Vgl. Grice, Herbert Paul: Intendieren, Meinen, Bedeuten, in: Meggle, Georg: Handlung, Kommunikation, Bedeutung. Frankfurt am Main 1979, Seite 2 - 15, hier Seite 2.
Zusammenhang. Anders stellt sich das bei Grices zweitem Beispiel dar: „Dieses dreimalige Läuten der Klingel (im Bus) bedeutet, daß der Bus voll ist.“ 5 In diesem Fall besteht, wie leicht zu erkennen ist, kein kausaler und empirischer Zusammenhang zwischen dem Läuten und dem vollen Bus. So ist das Läuten nicht gleichsam Ursache der Überfüllung (so wie die Flecken Ursache der Masern-Erkrankung sind), sondern vielmehr des Drückens des Fahrers, der aber auch aus anderen Gründen den Knopf hätte betätigen können.
Mit diesem Beispiel wird verdeutlicht, dass es sich um einen anderen Typus von Bedeutung handeln muss. Grice nennt dies die nicht-natürliche Bedeutung meaning nn
Ein anderes Beispiel bringt uns noch näher an die Unterscheidung heran. Eine Person steht auf dem Petersplatz in Rom und sieht weißen Rauch aufsteigen. Dieser weiße Rauch ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ein neuer Papst gewählt wurde. Diese Relation, es ist ein Zeichen für etwas ist eine nichtnatürliche und gleichsam eine konventionelle Relation - so ist es über die Jahre zur Konvention geworden, dass bei einer erfolgreichen Papstwahl durch das Verbrennen von trockenem Stroh angezeigt wird, das ein neues Kirchenoberhaupt bestimmt wurde. Das heißt Konventionen spielen scheinbar auch bei nichtnatürlichen Bedeutungen eine Rolle, aber auch eine wichtige? Diese Frage gilt es zu klären.
Bei Kemmerling wird dargestellt, dass es nicht zwingend notwendig ist, dass Bedeutung kraft Konvention bestimmt werden kann. 6 Dies schließt schon einmal die Existenz eines rein konventionalistischen Ansatzes aus. Doch was ist dann das maßgebliche Kriterium für Bedeutung? Grice führt die Sprecherabsicht als Kriterium an (dies macht ihn zu einem Intentionalisten) und stellt diese Theorie folgendermaßen dar: x bedeutete (nicht-natürlich) nur dann etwas, wenn x von dem Sprecher mit der Absicht geäußert wurde, bei einem Hörer eine Überzeugung hervorzurufen. Eine weitere Bedingung lautet: Der Sprecher soll beabsichtigen, dass ein Hörer die Absicht hinter der Äußerung erkennt und die Absicht muss ebenso erkannt werden. 7 Es gibt also quasi eine zweistufige Intension. Grice Beispiel vom Foto bzw. der Zeichnung einer verfänglichen Situation verdeutlicht dies. So stellt er folgende Fälle dar. Im ersten Fall zeigt eine Person
5 Vgl. Grice: Intendieren, Seite 3.
6 Vgl. Kemmerling: Bedeutung und Sprachverhalten, Seite 78.
7 Vgl. Grice: Intendieren, Seite 7.
einem Herrn X ein Foto, welches seine Frau in einer verfänglichen Situation mit einem anderen Herren darstellt. Im zweiten Fall erstellt eine Person eine Zeichnung, welche die identische Situation abbildet und legt es Herrn X vor. 8 In erstgenannter Situation ist die Absicht des Zeigenden vollkommen irrelevant. Herr X hätte die Situation auch in Gänze erfassen können, hätte man das Foto versehentlich im Zimmer vergessen. Bei der Zeichnung stellt sich das anders dar. In diesem Beispiel spielt die Absicht des Zeigenden und Zeichnenden eine große Rolle und sie muss auch als solche erkannt werden. Durch dieses Beispiel verdeutlicht lassen sich die zwei Stufen der Intension folgendermaßen zusammenfassen: Stufe 1 besagt, dass es der Sprecher beabsichtigt mit seiner Handlung bei seinem Gegenüber eine Überzeugung hervorzurufen. Auf der zweiten Stufe muss beabsichtigt werden, dass der Hörer die getroffene Absicht auch erkennt.
Grice charakterisiert die notwendige Absicht im Folgenden weiter, indem er darstellt, dass nur die primäre Intention eines Sprechers relevant ist. 9 Eine weiterführende Wirkung, die aus einer ersten Wirkung entsteht kann nicht von der Sprecherintention abhängig sein. Die Absicht ist also laut Grice das einzig maßgebliche für eine erfolgreiche Kommunikation. Sein ganzer Mechanismus funktioniert alleine durch die Intension und die Erkennung dieser Intention. Nichtsdestotrotz kann auch er die Existenz und Rolle der Konventionen nicht verschweigen. Grice äußert sich bezüglich dieses Themas folgendermaßen: „Man geht davon aus, daß der Betreffende mit seiner Äußerung das zu übermitteln beabsichtigt, was man mit dieser Äußerung normalerweise übermittelt (bzw. normalerweise zu übermitteln beabsichtigt).“ 10 Zwar spricht Grice hier nicht explizit von Konventionen, aber mit der Wortwahl „normalerweise“ benennt er genau dies. In den daran anschließenden Sätzen fallen weitere Begriffe wie „allgemein übliche Praxis“ 11 , die ebenso Rückschlüsse auf Konventionen zulassen. Trotzdem geht das Gricesche Modell von der Annahme aus, dass es keine solchen Konventionen gibt, die maßgeblich für den Gebrauch von Zeichen wären. Seine sprachlichen Zwecke involvieren keine Konventionalität. Ihr Kernpunkt liegt in der Gricelichkeit. Die benutzten sprachlichen Mittel sind zwar durchaus meist konventional, aber
8 Vgl. Grice: Intendieren, Seite 8.
9 Vgl. Grice: Intendieren, Seite 12.
10 Ebd., Seite 14.
11 Vgl. Ebd., Seite 14.
dies kann vernachlässigt werden, beziehungsweise sie kürzen das Verfahren höchsten ab, da der Gebrauch von konventionellen Zeichen das Erschließen der Sprecherintension erleichtert. Kemmerling fasst dies folgendermaßen zusammen: „Konventionen sind in unserer Sprachverständigungsmaschinerie eher das Schmieröl als irgendein besonderes Funktionselement. 12
IV. Kritik an Grice
Grice sah sich bereits kurz nach dem erstmaligen Erscheinen seiner Intentional-Analyse mit Kritik von mehreren Seiten konfrontiert. So versuchten sowohl Strawson, als auch Schiffer und Searle durch Gegenbeispiele die Bedeutung der Sprecherabsicht zu widerlegen, beziehungsweise ihrer Meinung nach notwendige Ergänzungen zu treffen. 13 Einige Einwände aus Peter Strawsons Intention and Convention in Speech Acts (1964) und Stephen R. Schiffers Meaning (1972) nahm Grice auf, um seine intentionale Theorie zu verbessern und sein Grundmodell zu überarbeiten. Andere Kritikpunkte hingegen akzeptierte er nicht als zutreffende Gegenbeispiele. 14
Im Folgenden soll zunächst kurz auf Searles Kritik am Griceschen Grundmodell eingegangen werden und daran anschließend Max Blacks Bearbeitung hinsichtlich der Frage, ob die Griceschen Bedingungen zwingend notwendig, beziehungsweise hinreichend seien, näher betrachtet werden. Diese liefert zusätzlich einen guten Überblick über mögliche und häufig angeführte Kritikpunkte.
Searles erster Kritikpunkt an Grice bezieht sich darauf, dass sich das Gricesche Modell hinsichtlich der Sprecherbedeutung rein auf perlokutionäre statt auf illokutionäre Akte beziehe. Dies ist seiner Meinung nach falsch, da das Verstehen
12 Vgl. Kemmerling, Andreas: Der bedeutungstheoretisch springende Punkt sprachlicher Verständigung, in: Lueken, Gert-Lueke (Hrsg.): Kommunikationsversuche. Theorien der Kommunikation. Leipzig 1997, Seite 60 - 106, hier Seite 101.
13 So fügt Strawson zu den drei Bedingungen des Griceschen Grundmodells eine vierte hinzu.
14 Vgl. Vossenkuhl, Wilhelm: Anatomie des Sprachgebrauchs. Stuttgart 1982, Seite 169.
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Svea Weinhold, 2010, Intention versus Konvention, München, GRIN Verlag GmbH
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