Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Hochzeit
2.1. Das Fest und das daraus entstehende Bild vom Artushof 4
2.2. Die fehlende Hochzeitsnacht und die Art der Liebe 7
2.3. Die Aufzählung der Gäste 9
2.4. Die Vergleiche 12
3. Fazit 13
Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
Hartmanns von Aue „Erec“ entstand ca. 1185 und ist der erste Artusroman in deutscher Sprache. Als Vorlage für die Erzählung diente Chrétien de Troyes Roman „Erec et Enide“, den Hartmann allerdings sehr frei bearbeitete. Hauptfigur des Romans ist der junge Artusritter Erec, fil de roy Lac, der - trotz vielversprechender Anlagen- zwei Mal in seinem Leben zu scheitern droht und sich letztlich doch seinen Aufgaben stellt, sie bewältigt und so das Leben zu meistern vermag. Nach einer anfänglichen Demütigung des Helden bricht dieser zu seiner ersten âventiure auf, besiegt im Zweikampf den Ritter Iders und erlangt somit sein verlorenes Ansehen zurück. Außerdem lernt er auf seiner Reise seine zukünftige Ehefrau Enite kennen. Die Geschichte des Helden führt weiterhin vom Einsetzen und Versagen als Herrscher in seiner Heimatstadt Karnant über eine Kette außerhöfischer âventiure-Stationen, durch die Erec sich allmählich rehabilitiert, zur zweiten feierlichen Inthronisation in Karnant. Am Ende des Romans überstrahlt das Bild von Erec als Friedenskönig alle zuvor erzählten Ereignisse und das wiederversöhnte Ehepaar kann als ideales Herrscherpaar das Volk regieren. 1 Thema der vorliegenden Arbeit ist die Hochzeit von Erec und Enite, die nach der ersten âventiure-Sequenz am Artushof stattfindet und mit einem Turnier, aus dem Erec als tapferster und ehrenhaftester Ritter hervorgeht, endet. „So unterbricht die Festschilderung den Weg des Helden, läßt innehalten und lenkt den Blick auf ein Gesellschaftsbild von hohem Niveau und Anspruch.“ 2 Danach reist er mit seiner Ehefrau zu seinem Vater nach Karnant um dort die Regentschaft zu übernehmen. Da die Darstellung der Hochzeitszeremonie selbst nur drei Verse umfasst, die der Titel dieser Arbeit zeigt, wird auch das Fest am Artushof mit einbezogen. Somit habe ich mich mit den Versen 1838 bis 2221 beschäftigt und werde die im Inhaltsverzeichnis erwähnten Themen außerdem mit der Vorlage Chrétiens vergleichen, da in einigen Punkten auffällige Abweichungen erkennbar sind, die auch von der Forschung intensiv diskutiert werden. Außerdem sind alle Übersetzungen des Hartmannschen Textes von mir unternommene Versuche so zu übersetzen, dass der Text so genau wie möglich wiedergegeben wird.
1 Bumke (1986), S. 550.
2 Haupt (1989), S. 144.
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2. Die Hochzeit
2.1. Das Fest und das daraus entstehende Bild vom Artushof ez geschach nie grœzer êre weder vordes noch sît
dan zuo der selben hôchzît (V. 2163-2165)
[„Niemals gab es größere Pracht, weder vorher noch danach, als bei dieser Hochzeit/ als bei diesem Fest.“]
Wie Hartmann hier beschreibt, wird das Hochzeitsfest von Erec und Enite als eines der prachtvollsten Feste dieser Zeit angesehen. Dabei steht aber nicht die Hochzeitszeremonie selbst im Vordergrund, sondern vielmehr das Fest, welches zu ihren Ehren am Artushof stattfindet. Bumke stellt fest, dass die Feierlichkeit die Gelegenheit bot, den höfischen Prunk und das höfische Zeremoniell darzustellen. 3 Es wird von der Großzügigkeit (man gap in allen genuoc [V. 2189]) und Fröhlichkeit (sô was ir vreude sus grôz. [V. 2147]) am Hof gesprochen und somit wird dem Leser ein bestimmtes Bild von Artus, seinem Hof und der dazugehörigen Gesellschaft vermittelt. Feste dienten im Mittelalter oft zur „Affirmation von Herrschaft“ 4 , so auch in diesem Roman. König Artus besteht in Hartmanns Fassung darauf, dass das Fest seinem Land zur Freude an seinem Hof gefeiert werden soll, wie die Verse 1889 bis 1892 zeigen. Er übernimmt die Organisation und versendet brieve und wortzeichen (V. 1895), die von der Hochzeit künden. So gewährleistet er, dass alle wichtigen Personen des Landes von der Hochzeit erfahren und seiner Einladung nachkommen. „In der deutschen Version findet sich nichts mehr von der latenten Drohung, die die Einladung zum Fest im französischen Text noch vermuten lassen konnte“ 5 . Auf der Gästeliste, auf die ich in dieser Arbeit später noch genauer eingehen werde, stehen also alle wichtigen Personen des Landes. Somit tritt der Artushof als Herrschaftszentrum von unermesslicher Reichweite in Erscheinung, das eine starke Anziehungskraft ausübt 6 .
Selbst die Habichtbeize, welche sonst ein Wettkampf ist, wird als eine friedliche und heitere Szene dargestellt 7 . Alles rund um das Fest geschieht
3 Bumke (2006), S. 31.
4 Lexikon des Mittelalters (1989), S. 399.
5 Haupt (1989), S. 143.
6 Haupt (1989), S. 145.
7 Scholz (2004), S. 708.f
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harmonisch und friedlich, niemand ist dem anderen gegenüber feindselig gestimmt, niemand muss länger unter der Armut leiden, niemand trauert. Hartmann zeigt gekonnt Artus Herrschaft als eine Zeit des dauerhaften Friedens 8 und der Zufriedenheit.
Chrétien stellt in seiner Fassung „Erec et Enide“ sowohl den Artushof und damit auch Artus, als auch das Hochzeitsfest in einer anderen Weise dar und folglich sieht auch das von ihm gezeichnete Bild anders aus. Es beginnt damit, dass Erec sich zum König begibt „sich die Erlaubnis zu holen, daß er ihn an seinem Hof die Hochzeit feiern lasse“ 9 (V. 1870-1872). Außerdem heißt es bei Chrétien: “So wagte denn auch keiner, fernzubleiben“ (V. 1878) nachdem dieser die Einladungen für die Hochzeit versandt hat. Hier ist das Wort „Einladungen“ vielleicht nicht angemessen, da er Boten durch sein Land schickt, die die Könige, Herzöge und Grafen zusammenrufen sollen. Im Gegensatz zu Hartmann erscheint Artus in Chrétiens Fassung viel agressiver, da jeder seinem Ruf folgt und auch Erec gegenüber scheint Artus bei Hartmann freundlicher gestimmt. Erec muss hier darum bitten, an Artus’ Hof seine Hochzeit feiern zu dürfen und scheinbar nur aus Furcht, Artus’ Zorn auf sich zu ziehen, erscheinen alle eingeladenen Gäste. Artus wirkt so zwar mächtig und gefürchtet, allerdings erweckt er nicht den Anschein eines Friedenskönigs wie in Hartmanns Version. Des Weiteren wird das Fest bei Chrétien weniger ausführlich beschrieben, sowohl vor der Zeremonie als auch danach. Als eines der familiäreren Feste führt die Hochzeit bei Chrétien aber ebenso zu großer Prunkentfaltung wie bei Hartmann 10 , bei beiden erscheint dem Leser das Leben am Hof als prunk- und prachtvoll.
Die Vermählung an sich ist identisch und umfasst auch bei Chrétien nur drei Verse, zum Vergleich: Hartmann Chrétien zesamene gap si dô Der Erzbischof von Canterbury, eines bischoves hant der an den Hof gekommen war, von Cantwarje ûz Engellant segnete sie, wie es seiner Pflicht entsprach. (V. 2123-2125) (V. 1980-1982)
8 Haupt (1989), S. 144.
9 Deutsche Übersetzung zitiert nach: Chrétien de Troyes, Erec et Enide, übersetzt von Albert Gier.
10 Sachwörterbuch der Mediävistik (1992), S. 243.
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Arbeit zitieren:
Lena Spiekermann, 2007, Die Hochzeit von Erec und Enite in Hartmanns von Aue 'Erec'-Roman, München, GRIN Verlag GmbH
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