Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Theoretische Grundlagen 4
2.1 Verwendete Begriffe 4
2.1.1 Arbeiterklasse 4
2.1.2 Rechtsextreme Partei 5
2.2 Erklärungsansatz und Hypothesen 5
3 Datenbasis und Operationalisierung 8
3.1 Operationalisierung der Klassenzugehörigkeit 9
3.2 Operationalisierung der wahrgenommenen Prekarität 9
3.3 Operationalisierung der wahrgenommenen Konkurrenz 10
3.4 Operationalisierung der Wahl einer rechtsextremen Partei 11
4 Fallauswahl 11
5 Deskriptive Befunde und Datenanalyse 12
5.1 Deskriptive Befunde 12
5.2 Analyse 14
5.2.1 Methode 15
5.2.2 Ergebnisse 15
6 Fazit 18
7 Literaturverzeichnis 19
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1 Einleitung
Die westlichen Parteiensysteme haben sich seit den 1970er Jahren gewandelt. Sprachen Seymour M. Lipset und Stein Rokkan Ende der 1960er Jahre noch von einem ‚Einfrieren‘ der Parteiensysteme, das sie daran festmachten, dass die Cleavages die Konflikte der 1920er Jahre widerspiegelten (vgl. Lipset/Rokkan 1967), konnte davon bereits ein Jahrzehnt später kaum noch die Rede sein. Im Zuge des von Oskar Niedermayer (2003) bestätigten Auftretens der neuen Konfliktlinie grün-libertär/ethnozentristisch-autoritär sind neue Parteien entstanden, die auch zügig Erfolge erzielen konnten: ‚Grüne‘ und die ‚Neue Rechte‘. Bei den letzten nationalen
Parlamentswahlen waren in zehn der siebzehn Länder Westeuropas 1 rechtsextreme Parteien erfolgreicher als grüne Parteien (Dänemark, Finnland, Frankreich,
Griechenland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweiz) 2 . Auffällig an den neuen rechtsextremen Parteien ist ihr überdurchschnittlich großer Erfolg bei Arbeitern. Diese wählen häufiger rechtsextreme Parteien als Mitglieder anderer Klassen. In meiner Hausarbeit möchte ich diesem Phänomen nachgehen. Meine Fragestellung lautet also: Warum wählen Mitglieder der Arbeiterklasse häufiger rechtsextreme Parteien als Mitglieder anderer Klassen? In der Forschung hat diese Frage bereits einige Aufmerksamkeit erhalten, was zu verschiedenen Erklärungsansätzen geführt hat (vgl. Falter 1994, Jaschke 2001, Stöss 2006, Scheuregger/Spier 2007, Oesch 2008, Spier 2010). Da die Erfolge der neuen rechtsextremen Parteien seit ihrem Bestehen kontinuierlich (wenn auch mit periodischen Einbrüchen) zugenommenen haben (Stöss 2006: 549 und eigene aktuelle Berechnungen), weisen Untersuchungen zu diesem Thema eine hohe Relevanz auf. Nur wenn die Motive für die Wahlentscheidung der Arbeiter bekannt sind, kann man darauf reagieren und somit weitere Erfolge rechtsextremer Parteien verhindern.
Ich erhebe nicht den Anspruch, eine umfassende Erklärung für das Wahlverhalten der Arbeiter zu finden, sondern werde Hypothesen testen, die sich lediglich auf die vermutete stärker wahrgenommene ökonomische Prekarität der Arbeiter beziehen. Die Untersuchung ist wie folgt aufgebaut: Im 2. Kapitel gebe ich einen Überblick über die verwendeten Begriffe und stelle den von mir genutzten
1 EU-15 einschließlich Norwegens und der Schweiz.
2 Quelle: Eigene Berechnung auf Basis der Daten unter http://www.parties-and-elections.de/ (abgerufen am 22.07.2011)
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Erklärungsansatz ausführlich vor. Auch die Hypothesen und Variablen werden hier erläutert. Kapitel 3 befasst sich mit der Datenbasis und der Operationalisierung der Variablen. In Kapitel 4 erläutere ich kurz meine Fallauswahl und nenne die rechtsextremen Parteien der untersuchten Länder. Das 5. Kapitel ist der Darstellung der deskriptiven Befunde und der anschließenden Analyse der Daten gewidmet. Schließlich findet sich in Kapitel 6 das Fazit.
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Verwendete Begriffe
2.1.1 Arbeiterklasse
Um den Begriff der Arbeiterklasse erläutern zu können, muss ich zunächst auf das hier verwendete Klassenkonzept selbst eingehen. Zur Wahl stehen die Klassenkonzepte von Karl Marx sowie von Max Weber; diese prägen die wissenschaftliche Diskussion über soziale Klassen bis heute. Ich habe mich gegen das Marx‘sche Konzept entschieden, da Marx lediglich von den Klassen Bourgeoisie (Bürgertum) und Proletariat (Arbeiterschaft) ausgeht, für die vorliegende Untersuchung aber eine genauere Differenzierung der Klassenzugehörigkeit zweckmäßig erscheint. Nach Weber lassen sich Personengruppen verschiedenen Klassenlagen zuordnen. Unter der Klassenlage versteht Weber
„die typische Chance 1. der Güterversorgung, 2. der äußeren Lebensstellung, 3. des inneren Lebensschicksals […], welche aus Maß und Art der Verfügungsgewalt (oder des Fehlens solcher) über Güter oder Leistungsqualifikationen und aus der gegebenen Art ihrer Verwertbarkeit für die Erzielung von Einkommen oder Einkünften innerhalb einer gegebenen Wirtschafts- ordnungfolgt“ (Weber 1972: 177).
Als Klasse soll wiederum „jede in einer gleichen Klassenlage befindliche Gruppe von Menschen“ (ebd.) bezeichnet werden. Doch Weber geht noch weiter und unterscheidet Besitzklasse, Erwerbsklasse und soziale Klasse. Von Interesse ist für die vorliegende Untersuchung die Erwerbsklasse, da hier die „Chancen der Marktverwertung von Gütern oder Leistungen [z.B. Arbeitskraft; Anm. d. Verf.] die Klassenlage primär bestimmen“ (ebd.).
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Unter Arbeiterklasse verstehe ich die Bevölkerungsgruppe, die berufliche Tätigkeiten ausübt, welche nur einen geringen Grad an Bildung voraussetzen und durch Routine gekennzeichnet sind. Da solche Tätigkeiten mit einem eher geringen Einkommen einhergehen, was wiederum zu einer schlechteren sozialen Lage und verschlechterten Lebenschancen führt, kann auf eine Eingrenzung nach diesen Kriterien hier verzichtet werden.
2.1.2 Rechtsextreme Partei
Die Bezeichnung der Parteien, die am äußeren rechten Rand des politischen Spektrums einzuordnen sind, wird innerhalb der Politikwissenschaft kontrovers diskutiert: rechtsextreme Partei, rechtsradikale Partei, rechtspopulistische Partei, far-right party, right-wing party, extreme-right party; dies sind nur einige der in der deutsch- und englischsprachigen Literatur am häufigsten verwendeten Begriffe. Doch mit all diesen Begriffen ist meist ein und dieselbe Art von Partei gemeint. Stöss verweist auf vier Merkmale, die allen modernen von ihm als rechtsextrem bezeichneten Parteien gemeinsam sind:
„[1.] Nationalismus, der nicht auf Großmachtbestrebungen oder Expansio- nismuszielt, sondern auf nationale Identität […] [2.] Neorassistische oder wenigstens doch fremdenfeindliche Haltungen […] [3.] Wohlstandschauvinismus […] [4.] autoritäre […] Politik“ (Stöss 2006: 526)
Parteien, die diese Merkmale aufweisen, werden auch von mir im Folgenden als rechtsextreme Parteien bezeichnet. Den im deutschsprachigen Raum ebenfalls häufig zu findenden Begriff rechtspopulistische Partei verwende ich nicht, da Rechtspopulismus eher den Politikstil rechtsextremer Parteien bezeichnet, als eine eigenständige Art von Partei (vgl. z.B. Beyme 2010). Alternativ könnte auch der Begriff rechtsradikale Partei Verwendung finden; da dieser Begriff aber zumindest in der wissenschaftlichen Literatur weitgehend synonym zum Begriff rechtsextreme Partei verwendet wird und letzterer in der Literatur häufiger vorzufinden ist, werde ich ebenfalls auf diesen Begriff zurückgreifen.
2.2 Erklärungsansatz und Hypothesen
Es gilt als gesichert, dass rechtsextreme Parteien überdurchschnittlich häufig von Arbeitern gewählt werden (vgl. Spier 2010; Scheuregger/Spier 2010; Stöss 2008; Inglehart 1998). Die Erklärungsansätze sind jedoch weniger eindeutig.
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Daniel Scheuregger und Tim Spier erklären in ihrem Aufsatz die Wahl rechtsextremer Parteien innerhalb der Arbeiterklasse mithilfe autoritärer psychischer Dispositionen und autoritärer Einstellungen der Mitglieder dieser Klasse (vgl. Scheuregger/Spier 2007). Dabei stützen sie sich auf die These Seymour Martin Lipsets, dass Arbeiter autoritärer seien als andere Gruppen (vgl. Lipset 1959). Scheuregger und Spier kommen zu dem Ergebnis, dass „sich die überdurchschnittliche Wahl solcher [rechtsextremer; Anm. d. Verf.] Parteien in der Arbeiterklasse zumindest partiell über deren Autoritarismus vermittelt“ (Scheuregger/Spier 2007: 59), wobei in besonderem Maße die autoritären psychischen Dispositionen als für die Wahlentscheidung ausschlaggebend angesehen werden können. (vgl. Scheuregger/Spier: 77) Im Anschluss verweisen sie aber darauf, dass die autoritären Einstellungen und psychischen Dispositionen allein den Erfolg rechtsextremer Parteien innerhalb der Arbeiterklasse nicht erklären können (vgl. a.a.O.: 77 f.).
Bereits fast zwanzig Jahre zuvor wies Ronald Inglehart darauf hin, dass „die neue Rechte Unterstützung bei den finanziell ungesicherten Segmenten der Arbeiterklasse findet“ (Inglehart 1989: 332). Damit ist ein meines Erachtens wichtiger Erklärungsfaktor angesprochen: die prekäre ökonomische Lage von Teilen der Arbeiterklasse. Mein Argument lautet, dass diese prekäre ökonomische Lage der Arbeiter für deren Wahl rechtsextremer Parteien mitentscheidend ist. Nehmen sie war, dass ihr Arbeitsplatz und damit ihre finanzielle Lage bedroht ist, verspüren Arbeiter in höherem Maße als andere Gruppen auf dem Arbeitsmarkt einen Konkurrenzdruck durch Immigranten, da diese meist gerade die Tätigkeiten ausüben, die zum Spektrum der ‚Arbeitertätigkeiten‘ zählen. Die einheimischen Arbeiter glauben dann häufig, dass ‚die Ausländer‘ ihnen ‚die Jobs wegnehmen‘ bzw. die Löhne sinken, weil sie für weniger Geld arbeiten. Rechtsextreme Parteien sind die einzigen Parteien, die die Immigration rigoros stoppen wollen und bilden so einen Anlaufpunkt für diese Arbeiter.
Auch Spier (2010) verwendet eine allgemeinere Form dieses Ansatzes; er testet die These, dass Arbeiter häufiger rechtsextreme Parteien wählen, weil sie zu den Modernisierungsverlierern zählen. Er fasst die Grundaussage der Modernisierungs-verlierer-Theorie kurz und bündig zusammen: „Gesellschaftliche Modernisierungs- prozesse[…] bringen Gewinner und Verlierer hervor […], letztere weisen wiederum eine erhöhte Wahrscheinlichkeit auf, rechtsradikale Parteien und Bewegungen zu
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unterstützen“ (Spier 2010: 56). Die Theorie beschränkt sich jedoch nicht auf die ökonomischen Faktoren, sondern bezieht sich auch beispielsweise auf psychologische Aspekte. Der in meiner Untersuchung verwendete Ansatz ist dagegen spezifisch auf die ökonomischen Faktoren ausgerichtet. Soll nun anhand dieses theoretischen Ansatzes die überdurchschnittlich häufige Wahl rechtsextremer Parteien durch Arbeiter erklärt werden, muss zunächst eine grundlegende Hypothese formuliert werden, welche die Verbindung zwischen wahrgenommener Prekarität und wahrgenommener Konkurrenz herstellt:
H1: Je stärker die subjektiv wahrgenommene Prekarität der ökonomischen Lage einer Person ist, desto höher ist bei dieser Person das Ausmaß der wahrgenommenen Konkurrenz zu Immigranten auf dem Arbeitsmarkt.
Außerdem muss eine Hypothese formuliert werden, die den Zusammenhang zwischen wahrgenommener Konkurrenz und der Wahl einer rechtsextremen Partei herleitet:
H2: Je höher eine Person die Konkurrenz zu Immigranten auf dem Arbeitsmarkt einschätzt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person eine rechtsextreme Partei wählt.
Diese beiden Hypothesen stellen allgemeine Zusammenhänge her, die mithilfe der folgenden Hypothesen für die Arbeiterklasse spezifiziert werden müssen:
H3: Arbeiter haben eher das Gefühl, sich in einer prekären ökonomischen Lage zu befinden als Mitglieder anderer Klassen.
H4: Arbeiter haben eher als Mitglieder anderer Klassen das Gefühl, mit Immigranten auf dem Arbeitsmarkt in Konkurrenz zu stehen.
Aus diesen Hypothesen ergibt sich schließlich:
H5: Arbeiter wählen eher rechtsextreme Parteien als Mitglieder anderer Klassen, da sie eher das Gefühl haben, sich in einer prekären ökonomischen Lage zu befinden und dadurch die wahrgenommene Konkurrenz zu Immigranten auf dem Arbeitsmarkt ausgeprägter ist.
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Die abhängige Variable ‚Wahl einer rechtsextremen Partei‘ soll also über die inter- venierendeVariable ‚wahrgenommene Konkurrenz zu Immigranten auf dem Arbeitsmarkt‘ und schließlich über die unabhängige Variable ‚wahrgenommene ökonomische Prekarität‘ erklärt werden.
Ich stelle hier auf die subjektive Wahrnehmung der Individuen ab, denn „[u]m politische Reaktionen zu provozieren, genügt bereits das Gefühl, die wirtschaftliche und soziale Existenz sei bedroht, gleichgültig, wie berechtigt dieses Gefühl ist“ (Falter 1994: 74). Ob eine Bedrohung objektiv besteht ist für die Erklärung des Wahlverhaltens insofern irrelevant, als einer Person nicht immer bekannt ist, dass eine solche Bedrohung besteht (vgl. Falter 1994: 74) Natürlich kann dieser Ansatz das Wahlverhalten der Arbeiter nicht in Gänze erklären. Viele weitere Faktoren spielen in die Wahlentscheidung von Individuen hinein: Bildungsniveau, Medien, Wohnsituation etc. (vgl. z.B. Jaschke 2001). Auch die Kultur und die historischen Erfahrungen sind von Bedeutung. So erklärt David Art die fehlenden Wahlerfolge der Republikaner in Deutschland z.B. unter anderem damit, dass Deutschland aus der Zeit des Nationalsozialismus gelernt habe und die Bevölkerung rechtsextreme Parteien ablehne (Art 2007: 338). Ferner hat auch das jeweilige Wahlsystem Einfluss auf die Wahlentscheidung, da dieses Schlüsse darauf zulässt, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Partei überhaupt Sitze im Parlament erreichen kann (vgl. z.B. Carter 2002).
3 Datenbasis und Operationalisierung
Die Untersuchung der Fragestellung erfolgt auf Basis der European Social Survey (ESS). Diese europaweite Erhebung - bisher in den Jahren 2002, 2004, 2006 und 2008 als persönliche Interviews durchgeführt - enthält vielfältige Daten zu politischen und religiösen Einstellungen der Befragten, zu ihrer sozio-ökonomischen Lage u.v.m. Ich werde jeweils die Daten der auf die letzte nationale Wahl eines Landes folgenden ESS-Erhebung nutzen, sofern eine solche zur Verfügung steht. Es handelt sich also um eine Querschnittanalyse.
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3.1 Operationalisierung der Klassenzugehörigkeit
Die Klassenzugehörigkeit der befragten Personen wird mithilfe der European Socioeconomic Classification 3 (ESeC) operationalisiert. Diese von Eric Harrison und David Rose an der University of Essex entwickelte Klassifikation weist die in den
ESS-Daten erhobenen ISCO88 (COM)-Berufsgruppen 4 neun verschiedenen Klassen zu. 5
Zum Zwecke dieser Untersuchung reduziere ich die Anzahl der Klassen auf vier (siehe Tabelle 1). Dadurch bleiben die Klassen ausreichend differenziert, aber die Fallzahl je Klasse erhöht sich, was bei der Analyse zu verlässlicheren Werten führt. Tabelle 1 - Klasseneinteilung
category-descriptions-and-operational-issues (abgerufen am 22.07.2011)
**In dieser Klasse sind die klassischen (Büro-)Angestellten vertreten.
3.2 Operationalisierung der wahrgenommenen Prekarität
Zur Operationalisierung der wahrgenommenen Prekarität der ökonomischen Lage ziehe ich die Antworten auf folgende Fragen heran: „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie innerhalb der nächsten 12 Monate arbeitslos werden und auf Jobsuche gehen müssen?“ sowie „Wie wahrscheinlich ist es, dass es innerhalb der nächsten 12 Monate Phasen geben wird, in denen Sie Ihre laufenden Ausgaben nicht begleichen können?“. Diese Fragen treffen meines Erachtens den Kern der subjektiven Prekarität einer Person und sind daher sehr gut zur Operationalisierung geeignet. Ich verwende einen Index, der sich wie in Tabelle 2 gezeigt zusammensetzt. Dieser Index wird über die den Antwortmöglichkeiten im ESS-Datensatz zugeordneten
3 Siehe http://www.iser.essex.ac.uk/archives/esec (abgerufen am 12.07.2011)
4 Die europäische Variante der International Standard Classification of Occupations in der Fassung von 1988 erfasst 390 Berufsgattungen.
5 Die zehnte Klasse (Erwerbslose) ist hier nicht von Bedeutung.
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Werte (1, 2, 3, 4) errechnet, woraus sich sechs Stufen ergeben, die ich auf vier reduziere und den Werten 0=keine, 1=gering, 2=mittel und 3=hoch zuordne. Tabelle 2 - Prekaritätsindex
Die Differenzierung der Werte keine und gering könnte man auch anders vornehmen. Da jedoch bei der Vorstellung der Befunde die Werte mittel und hoch im Mittelpunkt stehen werden - die recht eindeutig zugewiesen sind -, ist dies für die Untersuchung nicht entscheidend.
3.3 Operationalisierung der wahrgenommenen Konkurrenz
Ich beziehe mich auf die wahrgenommene Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Dass es ebenfalls eine wahrgenommene Konkurrenz um Wohnungen gibt (vgl. Jaschke 2001: 88), bleibt hier außer Acht, da diese nicht unmittelbar mit der ökonomischen Prekarität zusammenhängt.
Innerhalb des ESS-Datensatzes bieten sich zwei Variablen als Indikatoren für die wahrgenommene Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt an: der wahrgenommene Anteil an Immigranten im arbeitsfähigen Alter sowie die Antwort auf die Frage, ob Immigranten für die Wirtschaft des Landes gut oder schlecht seien. Die zweite Variable ist allerdings nicht ganz unproblematisch und bedarf der Erläuterung. Im ESS-Datensatz des Jahres 2002 fand sich eine Variable, die Auskunft über die Antworten auf die Frage „Führt Immigration zu einer Senkung der Löhne in diesem Land?“ gab. Diese Variable, die augenscheinlich besser als Indikator für die wahrgenommene Konkurrenz geeignet wäre, findet sich in den neueren Datensätzen nicht mehr. Die von mir ausgewählte Variable sollte aber einen adäquaten Ersatz bieten, da die Senkung der Löhne als ein Merkmal der Schädigung der Wirtschaft aufgefasst werden kann und die Aktualität der Daten gesichert ist. Zur Operationalisierung der Variablen muss ein Index erstellt werden. Der wahrgenommene Anteil der Immigranten im arbeitsfähigen Alter wird im ESS- Datensatzin elf Kategorien erfasst (1: 0-4%, 2: 5-9%, …, 11: 50% und mehr). Ob Immigranten als gut oder schlecht für die Wirtschaft angesehen werden, haben die
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Befragten auf einer Skala mit den Werten von 0 (Immigranten sind schlecht für die heimische Wirtschaft) bis 10 (Immigranten sind gut für die heimische Wirtschaft) angegeben. Ein sinnvoller Index sollte nun bei einem niedrigen Wert für geringe wahrgenommene Konkurrenz und bei einem hohen Wert für hohe wahrgenommene Konkurrenz stehen. Daraus ergibt sich, dass ein hoher Wert auf der Skala zum wahrgenommenen Anteil der Immigranten im arbeitsfähigen Alter in Verbindung mit einem niedrigen Wert auf der schlecht/gut-Skala zu einem hohen Wert auf der Konkurrenz-Skala führen muss. Tabelle 3 zeigt meinen Index dazu. Die Werte reichen von 0 (keine wahrgenommene Konkurrenz) bis 4 (starke wahrgenommene Konkurrenz). Tabelle 3 - Konkurrenzindex
3.4 Operationalisierung der Wahl einer rechtsextremen Partei
Die Wahl einer rechtsextremen Partei kann - da bereits klar ist, welche Art von Partei als rechtsextrem angesehen wird - problemlos operationalisiert werden. Wurde von einer Person in der zurückliegenden nationalen Wahl eine der als rechtsextrem eingestuften Parteien des jeweiligen Landes gewählt, wird der von mir dem Datensatz hinzugefügten dichotomen Variablen der Wert 1 zugewiesen. Wurde eine andere Partei gewählt, lautet der Wert entsprechend 0.
4 Fallauswahl
Als Vergleichsfälle bieten sich die Staaten Westeuropas (darunter verstehe ich die EU-15-Staaten einschließlich Norwegens und der Schweiz) an; diese haben eine gemeinsame Geschichte und gleichen sich in vielerlei Hinsicht auch kulturell. Außerdem finden sich in etwa der Hälfte dieser Länder sehr erfolgreiche
rechtsextreme Parteien, denn diese konnten seit 1973 6 in sieben Staaten Westeuropas häufige Erfolge verbuchen: in Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Norwegen, Österreich und der Schweiz (Stöss 2006: 529). Aufgrund der verhältnismäßig hohen
6 Richard Stöss „werte[t] das Gründungsjahr der dänischen und norwegischen Fortschrittsparteien 1973 aufgrund ihres Vorbildcharakters als Beginn der Ära des neuen Rechtsextremismus in Westeuropa“ (2006: 527).
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Anzahl an Wählern rechtsextremer Parteien in diesen Ländern, und den damit einhergehenden aussagekräftigen statistischen Daten, bieten sich insbesondere diese Länder als Vergleichsfälle an. Da für Italien und Österreich jedoch keine aktuellen
ESS-Daten vorliegen 7 , beschränke ich mich auf Belgien, Dänemark, Frankreich, Norwegen und die Schweiz. Die Untersuchung dieser fünf Fälle sollte bereits aufschlussreiche Ergebnisse liefern.
Als rechtsextreme Parteien werden die Parteien eingestuft, die auch Richard Stöss im Anschluss an seine Definition rechtsextremer Parteien als solche einstuft (Stöss 2006: 528). Es werden lediglich die Parteien nicht berücksichtigt, die im ESS- Datensatzdes Jahres 2008 nicht zu finden sind. Da diese Parteien jedoch kaum Wählerstimmen erhielten, kann auf sie verzichtet werden. Tabelle 4 - Rechtsextreme Parteien der untersuchten Länder
*bis 2004: Vlaams Blok
5 Deskriptive Befunde und Datenanalyse
5.1 Deskriptive Befunde
Bevor die Datenanalyse durchgeführt und damit die Fragestellung beantwortet werden kann, müssen die deskriptiven Befunde vorgestellt werden. Als Interpretationshilfe der folgenden Befunde sowie der Analyse sollen zunächst die Klassenstrukturen der ausgewählten Länder dargestellt werden. Tabelle 5 zeigt den prozentualen Anteil der jeweiligen Klassen an der erwerbstätigen Bevölkerung. Die Arbeiter haben in allen untersuchten Ländern den höchsten Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung. Tabelle 5 - Prozentualer Anteil der Klassen
7 Zu Italien liegen lediglich Daten der Jahre 2002 sowie 2004, zu Österreich nur Daten des Jahres 2006 vor.
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Nun soll die These, dass Arbeiter häufiger rechtsextreme Parteien wählen als Mitglieder anderer Klassen auch hier überprüft werden. Dies ist nötig, da eine Überprüfung anhand der ESS-Daten des Jahres 2008 bisher nicht stattgefunden hat, dieser Befund für die Untersuchung aber entscheidend ist. Tabelle 6 zeigt, dass die aktuellen Beobachtungen den bisherigen Ergebnissen entsprechen. Am deutlichsten sind die Unterschiede in Belgien und Norwegen. Auch die Schweiz und Dänemark weisen markante Differenzen auf, während Frankreich kaum ins Bild passt. Der Front National hat bei den Wahlen 2007 gegenüber den Wahlen von 2002 fast sieben Prozentpunkte eingebüßt (2002: 11,1%; 2007: 4,3%) 8 ; dadurch sind die Fallzahlen des Datensatzes sehr niedrig 9 , die Prozentangaben also weniger zuverlässig. An den Mittelwerten wird jedoch deutlich, dass Arbeiter etwa doppelt so häufig rechtsextreme Parteien wählen wie Nichtarbeiter.
Tabelle 6 - Prozentualer Anteil der Wähler rechtsextremer Parteien nach Klassen
Quelle: Eigene Berechnung auf Basis der ESS 2008
Nun geht es darum, zu prüfen, ob Arbeiter tatsächlich eher das Gefühl haben, sich in einer prekären ökonomischen Lage zu befinden als die Mitglieder der anderen Klassen. Tabelle 7 lässt sich entnehmen, dass Arbeiter etwa doppelt so häufig das Gefühl haben, sich in einer solchen Lage zu befinden. Tabelle 7 - Wahrgenommene Prekarität nach Klassen*
*Angegeben ist der prozentuale Anteil derer, deren subjektive prekäre Lage die Werte mittel oder hoch annimmt.
Bei dem Ausmaß der wahrgenommenen Konkurrenz zeigt sich ein ähnliches Bild, wie Tabelle 8 verdeutlicht. Arbeiter nehmen über doppelt so häufig eine starke Konkurrenz zu Immigranten wahr wie Nichtarbeiter.
8 Der Front National ist seither nicht mehr im französischen Parlament vertreten.
9 Insgesamt wiesen die ESS-Daten für Frankreich lediglich 30 Fälle auf, bei denen der Front National gewählt wurde.
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Tabelle 8 - Wahrgenommene Konkurrenz nach Klassen
*Angegeben ist der Anteil derer, deren subjektiv wahrgenommene Konkurrenz die Werte 3 oder 4 annimmt.
Die Beobachtungen zum vermuteten Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der wahrgenommen Preakriät und der Stärke der wahrgenommenen Konkurrenz zeigt Tabelle 9. Der Mittelwert verdeutlicht, dass Personen, die eine starke Prekarität wahrnehmen etwa doppelt so häufig eine starke Konkurrenz wahrnehmen wie Personen, die ihre ökonomische Lage als gar nicht oder nur wenig von Prekarität bedroht einschätzen.
Tabelle 9 - Stärke der wahrgenommenen Konkurrenz nach Ausmaß der wahrgenommenen Prekarität*
*Angegeben ist der Anteil derer, die eine starke Konkurrenz wahrnehmen.
Es wurden lediglich Personen einbezogen, denen ein ISCO88-Code zugewiesen ist, die also zur arbeitenden Bevölkerung zählen.
Wird die wahrgenommene Konkurrenz mit der Wahl einer rechtsextremen Partei in Verbindung gesetzt, lässt sich feststellen, dass Personen, die eine starke Konkurrenz wahrnehmen deutlich häufiger rechtsextreme Parteien gewählt haben als Personen, die keine oder nur eine geringe Konkurrenz wahrnehmen (Tabelle 10). Tabelle 10 - Wahl einer rechtsextremen Partei nach Ausmaß der wahrgenommenen Konkurrenz*
Quelle: Eigene Berechnung auf Basis der ESS 2008
*Angegeben ist der Anteil derer, die eine rechtsextreme Partei gewählt haben.
Es wurden lediglich Personen einbezogen, denen ein ISCO88-Code zugewiesen ist, die also zur arbeitenden Bevölkerung zählen.
5.2 Analyse
Der vorhergehende Abschnitt legt die Bestätigung der Hypothesen dieser Untersuchung auf deskriptiver Basis nahe. Doch allein auf dieser Basis können die Hypothesen weder bestätigt noch falsifiziert werden. Dazu bedarf es einer weitergehenden Analyse der bisherigen Ergebnisse.
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5.2.1 Methode
Bevor die Daten analysiert werden können, muss eine passende Analysemethode ausgewählt werden. Da es sich um statistische Daten handelt, kommen auch nur statistische Methoden in Frage. Zunächst bietet sich grundsätzlich die Regressionsanalyse an, da diese die Analyse von Zusammenhängen zwischen verschiedenen Variablen erlaubt. Da unterschiedliche Varianten dieser Methode existieren, muss die passende ausgewählt werden. Die lineare Regressionsanalyse scheidet aus, da es sich bei allen hier interessierenden Variablen um kategoriale
Variablen handelt. 10 Es bietet sich die binäre logistische Regressionsanalyse an, die sich auch mit einer dichotomen abhängigen Variable (hier: Wahl einer rechtsextremen Partei) anwenden lässt. Durch entsprechendes Umkodieren wird es außerdem möglich, auch alle anderen Variablen mit dieser Methode zu analysieren.
5.2.2 Ergebnisse
Zunächst erfolgt die Überprüfung der Hypothese H1: Je stärker die subjektiv wahrgenommene Prekarität der ökonomischen Lage einer Person ist, desto höher ist bei dieser Person das Ausmaß der wahrgenommenen Konkurrenz zu Immigranten auf dem Arbeitsmarkt. Tabelle 11 zeigt die dazugehörigen Werte der Regressionsanalyse. Tabelle 11 - Einfluss der wahrgenommenen Prekarität auf die wahrgenommene Konkurrenz
B = Regressionskoeffizient, R = Referenzkategorie; Fett hervorgehoben sind Werte, die auf dem 5%-Niveau signifikant sind. Es wurden lediglich Personen einbezogen, denen ein ISCO88-Code zugewiesen ist, die also zur arbeitenden Bevölkerung zählen.
Das Ausmaß der wahrgenommenen Prekarität scheint einen hohen positiven Einfluss auf das Ausmaß der wahrgenommenen Konkurrenz zu haben. Lediglich die Werte Norwegens weichen drastisch von den anderen Werten ab. Eine genauere Betrachtung der Daten Norwegens zeigt, dass keiner der Befragten, die eine hohe Prekarität wahrnehmen gleichzeitig auch eine hohe Konkurrenz wahrnehmen. Außerdem haben die deskriptiven Befunde aber auch gezeigt, dass nur wenige überhaupt eine hohe Prekarität oder eine starke Konkurrenz wahrnehmen. Die abweichenden Werte sind insofern nicht überraschend.
10 Eine lineare Regressionsanalyse erfordert metrische Variablen.
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Um nun zu überprüfen, ob das Ausmaß der wahrgenommenen Konkurrenz einen Effekt auf die Wahl einer rechtsextremen Partei hat, muss eine weitere Regressionsanalyse durchgeführt werden. Ich habe dazu den Konkurrenz-Index so umkodiert, dass er nur noch die beiden Werte 0 (keine oder geringe Konkurrenz) und 1 (mittlere
oder starke Konkurrenz) enthält. 11 Außerdem nutze ich die ebenfalls dichotome Variable zur Wahl oder Nichtwahl einer rechtsextremen Partei. Tabelle 12 zeigt die Ergebnisse der Analyse.
Tabelle 12 - Einfluss der wahrgenommenen Konkurrenz auf die Wahl einer rechtsextremen Partei
B = Regressionskoeffizient, R = Referenzkategorie; Fett hervorgehoben sind Werte, die auf dem 5%-Niveau signifikant sind. Es wurden lediglich Personen einbezogen, denen ein ISCO88-Code zugewiesen ist, die also zur arbeitenden Bevölkerung zählen.
Die Daten Belgiens, Dänemarks und Frankreichs weisen hochsignifikante Werte auf. Diese legen nahe, dass Personen, die eine stärkere Konkurrenz wahrnehmen eher zur Wahl einer rechtsextremen Partei neigen. Die Werte Norwegens und der Schweiz weisen niedrigere Werte auf, die nicht signifikant sind. In diesen Ländern finden sich die nach dem Wähleranteil in allen Klassen erfolgreichsten rechtsextremen Parteien, was darauf schließen lässt, dass es hier zusätzliche länderspezifische Erklärungsfaktoren gibt wie z.B. kulturelle Aspekte. Insgesamt kann aber auch die Hypothese H2 als vorläufig bestätigt gelten: Je höher eine Person die Konkurrenz zu Immigranten auf dem Arbeitsmarkt einschätzt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person eine rechtsextreme Partei wählt. Nun geht es darum, zu prüfen, ob die wahrgenommene Prekarität bei Arbeitern tatsächlich stärker ausgeprägt ist als bei den Mitgliedern anderer Klassen. Die deskriptiven Befunde legen dies nahe (siehe Tabelle 7). Der Prekaritäts-Index wurde zur Durchführbarkeit der binären logistischen Regression auf die Werte 0 und 1 reduziert; 0 steht nun für ‚keine oder gering wahrgenommene Prekarität‘, 1 steht für ‚mittel oder stark wahrgenommene Prekarität‘. Tabelle 13 zeigt die Ergebnisse der Analyse.
11 Die alten Werte 0, 1 und 2 werden dem neuen Wert 0 zugeordnet; die alten Werte 3 und 4 werden dem neuen Wert 1 zugeordnet.
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Tabelle 13 - Einfluss der Klassenzugehörigkeit auf die wahrgenommene Prekarität
B = Regressionskoeffizient, R = Referenzkategorie; Fett hervorgehoben sind Werte, die auf dem 5%-Niveau signifikant sind.
Die Regressionsanalyse bestätigt den deskriptiven Befund, dass die wahrgenommene Prekarität bei Mitgliedern der Arbeiterklasse stärker ausgeprägt ist als bei den Mitgliedern der anderen Klassen. Die Differenzen zu der Dienstklasse sind dabei besonders stark ausgeprägt und die Werte signifikant (Norwegen, Schweiz) oder hochsignifikant (Belgien, Dänemark, Frankreich). Lediglich die Werte der mittleren Klasse sowie der Selbstständigen in Dänemark passen nicht ins Bild. Ein Blick auf Tabelle 7 zeigt, dass sich die dänischen Arbeiter hinsichtlich der wahrgenommenen Prekarität substantiell nur von der Dienstklasse unterscheidet. Die Hypothese H3 kann dennoch insgesamt als bestätigt gelten: Arbeiter haben eher das Gefühl, sich in einer prekären ökonomischen Lage zu befinden als Mitglieder anderer Klassen. Um nun den Zusammenhang von Klassenzugehörigkeit und wahrgenommener Konkurrenz zu Immigranten überprüfen zu können, verwende ich wieder die dichotome Konkurrenz-Variable und führe die Regressionsanalyse durch. Man erhält die in Tabelle 14 dargestellten Ergebnisse.
Tabelle 14 - Einfluss der Klassenzugehörigkeit auf die wahrgenommene Konkurrenz
B = Regressionskoeffizient, R = Referenzkategorie; Fett hervorgehoben sind Werte, die auf dem 5%-Niveau signifikant sind.
Die Werte zeigen, dass tatsächlich ein Zusammenhang zwischen der wahrgenommenen Konkurrenz und der Klassenzugehörigkeit in dem Sinne besteht, dass Arbeiter eher eine starke Konkurrenz wahrnehmen als Mitglieder der anderen Klassen. Am stärksten unterscheiden sich die Arbeiter in dieser Hinsicht von den Mitgliedern der Dienstklasse, bei denen die Werte dazu auch noch durchweg hochsignifikant sind. Es zeigt sich aber auch, dass die Werte der mittleren Klasse sowie
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der Selbstständigen (mit Ausnahme von Norwegen bzw. Belgien) nicht signifikant von denen der Arbeiter abweichen. Während aber die mittlere Klasse (mit Ausnahme von Frankreich) zumindest auf dem 10%-Niveau signifikant mit recht hohen Werten von der Arbeiterklasse abweicht, ist dies bei den Selbstständigen nicht der Fall. Doch wie bereits gezeigt wurde, sind die Selbstständigen die Klasse, die am zweithäufigsten rechtsextreme Parteien wählt. Auch die Hypothese H4 kann somit als bestätigt angesehen werden: Arbeiter haben eher das Gefühl, auf dem Arbeitsmarkt mit Immigranten in Konkurrenz zu stehen als Mitglieder anderer Klassen. Kann nun auch Hypothese H5 bestätigt werden? Wählen Arbeiter häufiger rechtsextreme Parteien, weil sie sich subjektiv eher in einer prekären ökonomischen Lage befinden, was zu einer stärker wahrgenommenen Konkurrenz zu Immigranten auf dem Arbeitsmarkt führt? Da die basalen Hypothesen H1 bis H4 bestätigt werden konnten, kann davon ausgegangen werden, dass auch Hypothese H5 zumindest plausibel ist.
6 Fazit
Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, herauszufinden, warum Mitglieder der Arbeiterklasse häufiger rechtsextreme Parteien wählen als Mitglieder anderer Klassen. Der vermutete Zusammenhang zwischen wahrgenommener ökonomischer Prekarität und der Wahlentscheidung zugunsten einer rechtsextremen Partei konnte vorerst bestätigt werden. Je stärker die wahrgenommene Prekarität einer Person ist, desto eher nimmt sie eine starke Konkurrenz zu Immigranten auf dem Arbeitsmarkt wahr. Je größer diese wahrgenommene Konkurrenz aber ist, desto eher fällt die Wahlentscheidung für eine rechtsextreme Partei aus. Arbeiter nehmen nach den vorliegenden Ergebnissen eher eine prekäre ökonomische Lage wahr, sehen Immigranten daher eher als Bedrohung und wählen häufiger rechtsextreme Parteien. Es hat sich jedoch im Verlauf der Analyse auch gezeigt, dass es zusätzliche länderspezifische Erklärungsfaktoren geben muss (siehe z.B. Norwegen und die Schweiz in Tabelle 12). Welche das sind, sollte in weiteren Untersuchungen erforscht werden.
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7 Literaturverzeichnis
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Beyme, Klaus von. 2010. Populismus und Rechtsextremismus in postmodernen Parteiensystemen, in Gehne, David & Spier, Tim (Hg.): Krise oder Wandel der Parteiendemokratie? Wiesbaden, 177-189.
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Arbeit zitieren:
Florian Wollenschein, 2011, Warum wählen Arbeiter überdurchschnittlich häufig rechtsextreme Parteien?, München, GRIN Verlag GmbH
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