Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung................................................................................................................................. 3
2.Das Verhältnis zwischen Christopher und dem Protagonisten. 4
3.Die Begegnung mit Mavrocordato und der Tod Christophers. 6
4.Reformierung des Gedankensgutes oder das Ende in chinesischer Gefangenschaft. 8
5.Schlussbetrachtung. 9
6.Literaturverzeichnis. 11
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1. Einleitung
Seit Christian Kracht, 1966 in Gstaad (Schweiz) geboren, 1995 den Roman ‚Faserland’ veröffentlichte, gilt er bei vielen Kritikern als Wegbereiter und „Speerspitze“ der so genannten Popkultur.
Seine Werke zeichnen sich vor allem durch eine gewollte Distanz, einen trockenen, aber eindringlichen Ton und einen beinahe schon grotesken Sinn für Ästhetik aus, so auch in dem 2001 erschienen Roman ‚1979’, eine zutiefst zynische und trostlose Abhandlung; eine Parodie auf die dekadente Gesellschaft der westlichen Zivilisation, kollidierend mit dem Elend einer völlig fremden Welt.
Die Reise des namenlosen Ich-Erzählers, eines jungen, deutschen Innenarchitekten und seines Freundes Christopher beginnt in Teheran, am Vorabend der islamischen Revolution, und endet nach einer schicksalhaften Begegnung mit einem Rumänen namens Mavrocordato und dem Tod Christophers mit einer Pilgerfahrt nach Tibet und der Gefangennahme des Protagonisten. Die Geschichte einer Reise, wie sie seltsamer nicht sein könnte, heiserer, verzweifelter Aufschrei nach einer Auflösung des Selbst, nach Unterwerfung, Kasteiung, Auskostung der Angst. Kracht thematisiert die Dekadenz und Orientierungslosigkeit einer gesamten Generation durch die Auslassung von Hintergründen und einer sanftmütigen Teilnahmslosigkeit, mit der der Protagonist diesen Albtraum nicht nur vorbeiziehen lässt, sondern ihn auch bewusst miterlebt, gar genießt. Diese Arbeit beschäftigt sich nun mit dem Verhaltensmuster des Ich-Erzählers gegenüber seiner Umgebung, welches sich stets in den selben Bahnen bewegt, und mit der Steigerung der Unterwerfung bis zur völligen Zerstörung. Als Textvorlage dienen die Kapitel 1 - 7 sowie 10 - 12.
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2. Das Verhältnis zwischen Christopher und dem Protagonisten
Um das Verhältnis zwischen diesen beiden Figuren näher zu beleuchten und aufzuschlüsseln, ist es notwendig, sich vor allem der des Protagonisten zu widmen. Kracht selbst soll ihn laut einer Internetquelle 1 als „ein moralisches und physisches Intelligenzvakuum“ bezeichnet haben, und in der Tat ist diese Beschreibung mehr als treffend, erfährt man vom Ich-Erzähler doch kaum etwas über die durchaus interessanten politischen Ereignisse des Jahres 1979. Vielmehr beschäftigt er sich mit den einfachen, luxuriösen Dingen des Lebens, beschränkt sich auf die kleinsten Details seiner Umgebung, lernt Mandarin, um seinem Gefährten einen Gefallen zu tun und tritt sonst eher naiv und ungebildet auf.
Weder er noch sein Reisegefährte interessieren sich für die momentane Lage in Teheran („… denn seit September herrschte Kriegsrecht, was ja eigentlich nichts zu bedeuten hatte in diesen Ländern…“ S. 17 Kracht, Christian: 1979), sie nehmen nichts ernst außer sich selbst, wenn auch auf eine unterschiedliche Art und Weise. Ihre Themen beschränken sich auf Mode, Kunst, Design und dekadente Drogenparties, grotesk, beinahe schon lächerlich ausartend: „An der Wand […] hing in großes Portrait des Schahs in einem sehr schönen, schlichten Rahmen aus Ebenholz, er trug eine weiße Gala-Uniform…“ (S. 35 vgl. ebd.). Sie beide haben sich offenbar von der Welt abgewandt, haben nur noch Augen für Oberflächlichkeiten, denn eine ‚Seele’, eine Vergangenheit kann der Protagonist nicht nachweisen: „ … warum ich so leer war und ganz ohne eine Vergangenheit zu existieren schien …“ (S. 34 vgl. ebd.). Er ist also nicht mehr als eine Hülle, die sich mit kleinlichen Details einer dekadenten Welt beschäftigt, um die eigene Leere nicht spüren zu müssen, und gerade deshalb wirkt die Figur so unempfindlich, so abgestumpft; diese Wirkung steigert sich um Ende des Romans um ein Vielfaches, daher wird an späterer Stelle näher darauf eingegangen. Der Protagonist nimmt keine Wertung seiner Umgebung vor, keine Auflehnung, er sieht selbst im Zerfall etwas Positives; man könnte sogar soweit gehen zu behaupten, dass er den absoluten Zerfall als das Positive überhaupt betrachtet. Unterwerfung fungiert als Suche nach Sicherheit.
Arbeit zitieren:
Maria Reinhold, 2009, Macht und Ohnmacht am Beispiel von Christian Krachts Roman "1979", München, GRIN Verlag GmbH
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