Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Eurozentrismus 2
2.1. Definitionen zum Eurozentrismus 2
2.2. Eurozentrismus vs. Ethnozentrismus 4
3. Auftreten des Eurozentrismus in der Genderforschung 6
3.1. Eurozentristische Genderforschung 6
3.2. Postkoloniale Kritik an der eurozentristischen Genderforschung 7
3.3. Anderweitige Kritik am Eurozentrismus in der Genderforschung 11
4. Fazit 12
Literaturverzeichnis III
II
1. Einleitung
In der Einleitung zu seinem Buch “Die Gesellschaftstheorie und ihr Anderes“, in welchem Gerhard Hauck sich mit der Eurozentrismus-Problematik in den Sozialwissenschaften beschäftigt, kritisiert er die mit eurozentristischen Folgen häufig angewendete Vorgangsweise und eingeschränkte Perspektive der gegenwärtigen westlichen Forschung bei der Untersuchung anderer Kulturen, indem er ihnen vorwirft: "Sie implantieren den Handlungen der Menschen, die sie untersuchen, ungeprüft und unhinterfragt den Sinn, den sie selbst entsprechend den Festlegungen ihrer eigenen Kultur in ihnen sehen […]." 1 Dies bedeutet, dass die angesprochene Forschung 2 ihre entwickelten Theorien und Bilder unreflektiert und unkritisch als universal geltend auf den ganzen Globus überträgt. Ob dieser von Hauck eingebrachte Ansatz, der zugleich auch als ein Vorwurf zu sehen ist, in Bezug auf die Genderforschung beziehungsweise auf Teile der Genderforschung gültig ist, soll in dieser Arbeit nachgegangen werden.
Zuerst wird das Konzept des Eurozentrismus auf das Wesentlichste beschränkt dargestellt, erläutert und diskutiert, um einen theoretischen Rahmen für die zu untersuchende Frage zu generieren. Um dies zu erreichen, soll auf einige Definitionen sowie die Besonderheiten, die ihn unterscheiden von seinem konzeptuellen Gegenpart, dem Ethnozentrismus, der auch als Kritik an dem Eurozentrismus-Konzept verstanden werden kann, eingegangen werden.
Mit der errungenen Erkenntnis wird anschließend dann im darauf folgenden Kapitel auf die behandelte Fragestellung, ob in der modernen Genderforschung der Eurozentrismus auftritt bzw. berücksichtigt oder ignoriert wird, eingegangen. Dabei kann aber nicht die gesamte Genderforschung analysiert werden, weil dies für den Umfang dieser Arbeit ein zu großes Unterfan- 1 Vgl.Hauck 2003, S. 12f.
2 Im Folgenden ist mit "Forschung“ immer die "westliche Forschung“ gemeint, wobei die Kritik angebracht werden könnte, was überhaupt "westlich“ ist beziehungsweise was damit exakt gemeint ist. Da die Behandlung dieser Problematik jedoch den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde,
soll zur Vereinfachung mit "westlich“ der europäische und nordamerikanische Raum angesprochen werden.
1
gen wäre. 3 Es wird somit nur exemplarisch vorgegangen beziehungsweise muss auf Erkenntnisse anderer Arbeiten zurückgegriffen werden. Eine ausführliche Untersuchung der gesamten Genderforschung ist auch nicht nötig, weil schließlich nur das Auftreten und nicht das Ausmaß des Eurozentrismus behandelt wird.
2. Eurozentrismus
2.1. Definitionen zum Eurozentrismus
Bevor begonnen werden kann, zu untersuchen, ob in der modernen Ge-schlechterforschung Eurozentrismus auftritt oder nicht, muss geklärt werden, für was dieser Begriff steht und was die Kernaussagen beinhalten. In sämtlichen Arbeiten, in denen Eurozentrismus behandelt wird, verweisen bzw. beziehen sich deren Autoren auf das Buch “L`eurocentrisme: Critique d`une ideologie” 4 von Samir Amin, welches er Ende der 1980er Jahre veröffentlicht hatte. In seinem Werk definiert er Eurozentrismus als ein
culturalist phenomenon in the sense that it assumes the existence of irreducibly distinct cultural invariants that shape the historical paths of different peoples. Eurocentrism is therefore anti-universalist, since it is not interested in seeking possible general laws of human evolution. But it does present itself as universalist, for it claims that the imitation of the Western model by all peoples is the only solution to the challenges of our time. 5
Ein anderer, oft zitierter Autor, James Morris Blaut, beschreibt Eurozentrismus als den Glauben, dass
European civilization - „The West‟ - has had some unique historical advantage, some special quality of race or culture or environment or mind or spirit, which gives this human community a permanent superiority over all other communities, at all times in history and down to the present. 6
Bei beiden Autoren ist somit Eurozentrismus ein Phänomen und zugleich eine Sichtweise, die die westliche Zivilisation als die fortgeschrittenste beschreibt, und deren Errungenschaften über allen anderen stehen und somit als das Ziel der Menschheit anzusehen sind.
3 Daraus ergibt sich, dass die in dieser Arbeit erworbenen Erkenntnisse nicht für die gesamte Gender-forschung geltend gemacht werden können.
4 Die hier verwendete englische Übersetzung trägt den Titel “Eurocentrism”, übersetzt von Russel Moore.
5 Amin 1989, S. vii.
6 Blaut 1993, S. 1.
2
Eine Schlussfolgerung, zu der John Charles Hawley und Emmanuel Nelson in ihrer Enzyklopädie über postkoloniale Studien des Eurozentrismus ebenfalls kommen: “Eurocentric thinking remains in presumptions that there are no viable destinations other than those esped from the promontory that is Europe”. 7 Diese Sichtweise entspricht auch jener von Sebastian Conrad, der zu dem verdeutlicht, dass dabei die Komplexität der “Anderen” ignoriert und eine allgemein gültige Kultur festgelegt wird. 8 Eine Feststellung, die auch schon in den zuvor zitierten Definitionen von Amin und Blaut zu finden ist, die von einer Universalität durch den Eurozentrismus sprechen. In Anbetracht auf die Fokussierung auf die Kultur betont Oliver Kozlarek, genauer gesagt tritt er dafür ein, den Eurozentrismus nicht zu sehr auf die Geographie zu beziehen, sprich Europa als Kontinent im Mittelpunkt der Welt zu sehen, wie es in der Vergangenheit praktiziert wurde, 9 sondern vielmehr auf die entstandene Kultur, wenn er schreibt:
Heute ist der Verweis auf Europa nicht mehr so deutlich. Die beschriebenen institutionellen Dimensionen werden heute auch in anderen Regionen der Welt reproduziert, ohne dass Europa als direkter Anlass verantwortlich gemacht werden kann. Nur eine historisch-kulturelle Analyse der heute globalen Institutionen macht daher den historisch-kulturellen Verweis auf Europa noch evident. Das aktuelle Weltsystem stellt also ein institutionelles System dar, das vor allem historisch-kulturell Europa als ultimativen Referenzpunkt ausweist. 10
Dies zeigt sich auch darin, so schreibt er weiter, dass Amerika, die “Neue Welt”, als die weiterentwickelte, vollendete Version Europas, die “Alte Welt”, betrachtet wurde und somit eine geographische Konzentration des Eurozentrismus auf den europäischen Kontinent diesen Aspekt nicht berücksichtigen würde. 11 Neben der historisch-kulturellen Wirklichkeit existiert für ihn der Eu- rozentrismusauch als “historisch-soziale Wirklichkeit”, wenn er sich dafür einsetzt, dass „die gesellschaftliche Qualität der Wirklichkeit betont werden“ 12 soll, die durch den Eurozentrismus hervorgerufen wird. Insofern wird nicht nur das “kulturelle Andere”, sondern auch das “soziale Andere” durch den Eurozentrismus auf- respektive angegriffen.
7 Hawley, Nelson 2001, S. 161.
8 Conrad 2002, S. 12f.
9 Vgl. Pieterse 1992, S. 18ff.
10 Kozlarek 2000, S. 153.
11 Vgl. ebd., S. 130. 12 Ebd., S. 138.
3
Arbeit zitieren:
Wolfgang Müller, 2008, Eurozentristische Geschlechterforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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