Inhalt
Einleitung 1
1. Merkmale der Posaunenchöre 1
2. 'Posaunenchöre' vor dem 18. Jahrhundert. 2
2.1 Erwähnungen in der Bibel 2
2.2 Blechbläserformationen ab dem 16. Jahrhundert 2
3. Die Anfänge des geistlichen Blasens 3
3.1 Die Herrnhuter Brüdergemeinen. 3
3.2 Posaunenchöre innerhalb der Erweckungsbewegung 4
3.3 Die ersten Posaunenchöre 6
4. Geschichte der Posaunenchöre bis heute 7
4.1 Johannes Kuhlo und die neue Notation für Posaunenchöre 7
4.2 Posaunenchöre nach dem 1. Weltkrieg bis 1945 9
4.3 Organisation der Posaunenchöre nach dem 2. Weltkrieg 10
5. Repertoire der Posaunenchöre. 11
6. Das Instrumentarium der Posaunenchöre. 13
7. Schlussbetrachtungen 14
Literatur - und Quellenverzeichnis. 15
2
2
Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Entwicklung der Posaunenchöre. Dabei wird der Anfang der Posaunenchorbewegung aus verschiedenen Gesichtspunkten aufgezeigt. Wer waren Vorläufer und woher entstand der Wunsch nach einer instrumentalen Untermalung der evangelischen Gottesdienste durch eine Blechbläsergruppe? Darüber hinaus gehe ich der Frage nach, welche Aufgaben Posaunenchöre von Anfang an wahrnahmen und welche auch heute noch immanent für deren Ausübung sind. Es ist spannend, dabei auch das Wirken einiger wichtiger Personen wie Eduard und Johannes Kuhlo, Adolf Müller, Fritz Bachmann und Wilhelm Ehmann zu beleuchten, die mit ihrem Verdienst wesentlich zur Weiterentwicklung der Posaunenchöre beigetragen haben.
Die Notation, das Repertoire und auch die Auswahl der ‚richtigen‘ Blechblasinstrumente waren im Laufe der etwa 250-jährigen Geschichte der Posaunenchöre oftmals Umwälzungen ausgeliefert, die den Geist der jeweiligen Zeit widerspiegeln. Ich werde diese Entwicklungen chronologisch aufzeigen und möchte abschließend Vorschläge zu einer Vertiefung der Thematik in Hinblick auf meine Masterarbeit geben.
1. Merkmale der Posaunenchöre
Um aufzuzeigen, was Posaunenchöre ausmacht und auch um abgrenzen zu können, zu welchem Zeitpunkt diese Vereinigungen über einfache Bläserzünfte hinausgingen, ist es notwendig, sich die Merkmale der Posaunenchöre zu vergegenwärtigen. Zunächst sind die Spieler eines solchen Chores alle musizierende Laien beziehungsweise Musikliebhaber und keine professionellen Musiker, wie es die Stadtpfeifer zum Beispiel waren. Daraus ergibt sich auch direkt der finanzielle Aspekt, der nämlich in diesen Chören keine Rolle spielt. Die Musiker wurden und werden nicht adäquat finanziell unterstützt, kleinere Spenden werden jedoch zur Beschaffung der Notenbücher und zur Instandhaltung bzw. Anschaffung der Instrumente benutzt. Das Musizieren geht über rein liturgische Aufgaben hinaus: auch diakonische, missionarische und soziale Anlässe werden mit Posaunenchören musikalisch untermalt. Innerhalb der Posaunenchöre ist es zwar schon seit jeher unüblich nur Posaunen zu verwenden, dennoch wird immer eine reine Blechbläserbesetzung angestrebt. Der Schwerpunkt der gespielten Lieder liegt auf der Pflege des geistlichen Liedes, auch wenn man sich anderen Stilrichtungen mehr und
3
mehr öffnet. Ebenso ist es unabdingbar, dass die Posaunenchöre bis in die heutige Zeit direkt mit den christlich-kirchlichen Strukturen in Zusammenhang stehen. 1
2. 'Posaunenchöre' vor dem 18. Jahrhundert
2.1 Erwähnungen in der Bibel
Sucht man nach den allerersten Anfängen von Posaunenchören kann man im weitesten Sinne bis in die Zeit des Alten Testaments zurückgehen. Das Hauptinstrument in Israel war das Widderhorn, hebräisch: ָר שׁוֹפ (schofar). Luther übersetzt diese Vokabel regelmäßig mit „Posaune“. In der Bibel findet sich die Stelle wo sieben Priester sieben Tage lang mit ihren Posaunen um Jericho herumgezogen sind und Gott dann die Mauern einstürzen ließ, so dass Israel die Stadt erobern konnte. 2 Die Posaune ist dabei wie eine Prophetenstimme, mit ihr verherrlicht man Gott. 3 Nicht nur im Alten Testament kommt diesen Instrumenten eine besondere Bedeutung zu, auch im Neuen Testament wird Gottes Weltvollendung mit Posaunen angekündigt; der Menschensohn sendet seine Engel mit heller Posaune. 4 Es ist offensichtlich, dass die in der Bibel erwähnten Blasinstrumente weder dem heutigem Terminus „Posaune“ gerecht werden, noch dass in diesem Zusammenhang gar von einem Posaunenchor geredet werden kann. Aber es zeigt etwas viel Interessanteres: die lange Tradition von Blasinstrumenten zur Huldigung Gottes durch ihre bekräftigende Wirkung auf den Menschen.
2.2 Blechbläserformationen ab dem 16. Jahrhundert
Im Mittelalter war die Musik im Gottesdienst ohne Beteiligung der Gemeinde. Martin Luther schreibt in seiner Reformschrift zum Gottesdienst, dass man diesen feiern müsse, eine Wechselbeziehung zwischen Gott und der ganzen Gemeinde ist Ziel. Schon zu Reformationszeiten haben Blechblasinstrumente sogar im Gottesdienst mitgewirkt. Den
1 Vgl.: Schnabel, Wolfgang: Die Entwicklung der Posaunenchöre in Deutschland, In: Eismann, Irmgard; Nonnenmann, Hans-Ulrich [Hrsg.]: Praxis Posaunenchor. Handbuch für Bläserchorleitung, buch + musik, Stuttgart: 2007, S. 291.
2 Altes Testament: Josua, Kapitel 6, Verse 4 und 5.
3 Vgl.: Herrmann, Hans: Mit Drommeten und Posaunen - Geistliche Blasmusik vom Alten Testament bis zur Gemeinde heute, In: Schlemm, Horst Dietrisch [Hrsg.]: Beiträge zur Geschichte evangelischer Posaunenarbeit, Lieferung 1: Posaunen in der Bibel und bei uns vor 1843, Güterslohner Verlagshaus Gerd Mohn 1989, S. 10-14.
4 Neues Testament: Evangelium nach Matthäus, Kapitel 24, Vers 31.
4
Beweis dafür liefert das Titelbild von Hermann Finks „practica musica“ aus dem Jahre 1556 in Wittenberg. Dort singt eine Kantorei; ein Trompeter und zwei Krummhörner-Spieler wirken mit. 5 Bis ca. 1750 wurde das Zusammenspiel mehrerer Blechbläser ausschließlich von den Stadtpfeifern vollzogen. Die Musiker sollten bei den Einwohnern und natürlich besonders den Besuchern den Eindruck einer musenfrohen Stadt fördern. Der Pfeiferstuhl im Festsaal des alten Rathauses in Leipzig und der Bläserbalkon von 1599 am Turm des Gebäudes erinnern noch heute an die Wirksamkeit der Stadtpfeifer. Von dort blies man seit 1599 immer zweimal am Tag mit Zinken und Posaunen; bis 1861 blieb Leipzig dieses Ritual erhalten. 6
3. Die Anfänge des geistlichen Blasens
3.1 Die Herrnhuter Brüdergemeinen
Die Praxis der Posaunenchöre wird auf die Musikausübung in der Herrnhuter Brüdergemeinen 7 zurückgeführt; dort wurden schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts Polsterzungenensembles für liturgische Zwecke herangezogen und auch zur Verstärkung der Chorstimmen eingesetzt. Musik, vor allem das geistliche Lied, war das wichtigste Mittel in der Brüdergemeine um Gemeinschaft zu bilden, geistliche Inhalte zu vermitteln und Glaubensfreude zu äußern. Die Gemeine verstand sich also von Anfang an als eine singende Gemeinde. Herrnhut entstand aus einer Flüchtlingssiedlung protestantischer Christen aus Böhmen und Mähren. Sie brachten aus ihrer Heimat auch Musikinstrumente mit und in einem Brief aus dem Jahre 1729 von Christian David heißt es, dass dort gesungen wird, Orgel gespielt und dazu Waldhörner geblasen werden. 8 Die Aufgaben der (Posaunen-)Bläser sind schon sehr vielfältig gewesen, unter anderem nahmen sie an Folgendem teil: beim Ausblasen (ein Verstorbener wurde bei Sonnenuntergang bekannt
5 Das Bild siehe bei: Herrmann, Hans: Mit Drommeten und Posaunen - Geistliche Blasmusik vom Alten Testament bis zur Gemeinde heute, S. 16 f.
6 Vgl. Rudolf Wustmann: Musikgeschichte Leipzigs Band I: Musikgeschichte Leipzigs bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, Teubner: Leipzig 1909. Auf den Seiten 31 ff., 158 ff. wird besonders auf die finanzielle Lage der Stadtpfeifer und die Ausgaben des Rates für Instrumente etc. eingegangen.
7 Zum Herrnhutertum siehe in: Meyer, Dietrich [Hrsg.]: Pietismus - Herrnhutertum - Erweckungsbewegung. Festschrift für Erich Beyreuther, Rheinland-Verlag GmbH: Bonn 1982 (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte Band 70).
8 Vgl.: van den Bosch, Ben: Die Entstehung und Entwicklung der Posaunenarbeit der Brüdergemeinen in Deutschland und in aller Welt, in: Schlemm, Horst Dietrich [Hrsg.]: Beiträge zur Geschichte evangelischer Posaunenarbeit, Lieferung 1: Posaunen in der Bibel und bei uns vor 1843, Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn 1989, S. 43-45.
5
gemacht), bei Beerdigungen, beim Aufblasen (an einem kirchlichen Feiertag wurden die Leute aufgeweckt), an der Ostermorgenfeier, an der Jahreswechselfeier, an der Abendmahlsankündigung u.a. 9 Um 1735 wanderten Mitglieder der Herrnhuter Brüdergemeinen nach Nordamerika aus, wo auch bis heute noch teils reine Posaunenensemble existieren (mit großem Bekanntheitsgrad der Posaunenchor in Bethlehem/Pennsylvania). Im Umkreis der Herrnhuter Brüdergemeinen wurden nach 1750 Posaunenquartette eingesetzt, die erste Nachricht darüber ist datiert auf das Jahr 1773. 10
3.2 Posaunenchöre innerhalb der Erweckungsbewegung
Die Erweckungsbewegung richtete sich gegen die Theologie der Aufklärung und begann nach den antinapoleonischen Kriegen in den Jahren nach 1815. Sie will von der Betonung auf Kopf, Verstand und Vernunft weg wieder zu Herz, Gefühl und Glaube gelangen. Sie richtet sich damit auch gegen die damals dominierende Amtskirche, jedoch ohne sich direkt gegen diese aufzulehnen. 11 Die Religionsausübung wurde in privaten Konventikeln, vornehmlich in kleinen Bauernhäusern organisiert, wo gemeinsam die Bibelstunde abgehalten wurde. Viele der Anwesenden mussten dafür beträchtliche Wegstrecken in Kauf nehmen. So wurden bis 1850 auch immer weitere Kreise der Bevölkerung in diese Bewegung eingebunden und Intellektuelle aus den Universitäten wurden Pastoren mit ähnlicher Ausrichtung. Zur Erweckungsbewegung passt gleichsam das Suchen der Wurzeln der Posaunenchöre in der biblischen Tradition. Im vorhergehenden Kapitel habe ich aber bereits erörtert, warum Posaunenensembles nicht auf die Bibel zurückzuführen sind. Vielmehr legitimierten sich die Posaunenchöre im Nachhinein durch den Verweis auf die Bibel. In den 1870er Jahren verlor die Bewegung immer mehr an Konturen und verschwand allmählich. 12 Die Neugründungen von Posaunenchören gingen aber mit dem Rückgang der Erweckungsbewegung keinesfalls zurück. Die stärksten Gründungsschübe liegen im
9 S.: Ebd., S. 49f.
10 Ahrens, Christian: „Posaunenchor“, MGG 2, Sachteil Band 7, Bärenreiter/Metzler 1997, Sp. 1751-1756.
11 Gießelmann, Roland: Zur Geschichte der Posaunenchöre in Minden-Ravensberg. Posaunenchöre in der Erweckungsbewegung, Vlotho-Exter Geschichtswerkstatt Exter: 1996 (Beiträge zur Ortsgeschichte, G03), S. 2.
12 Vgl.: Ebd., S. 4. 6
Arbeit zitieren:
Marie-Christin Heene, 2011, Entstehung, Entwicklung und Vielfalt der evangelischen Posaunenchöre in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Musikwissenschaft: Entstehung, Entwicklung und Vielfalt der evangelischen Posaunenchöre in Deutschland ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Musikwissenschaft: neuer Titel erschienen: Entstehung, Entwicklung und Vielfalt der evangelischen Posaunenchöre in Deutschland
Marie-Christin Heene hat einen neuen Text hochgeladen
Entstehung, Struktur und Steuerung des deutschen Schulsystems
Eine Einführung
Isabell van Ackeren, Klaus Klemm
Johannes Althusius und sein Werk im Rahmen der Entwicklung der Theorie...
Carl Joachim Friedrich
Zukunftsstudie Organisation von Sicherheit in Deutschland 2013
Umfeld, Akteure, Aufgabenwahrn...
Klaus Stüllenberg
0 Kommentare