Inhaltsverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 4
TABELLENVERZEICHNIS 6
1. EINLEITUNG 7
1.1. EINSTIEG IN DAS THEMA 7
1.2. ZIELSETZUNG DER ARBEIT 8
1.3. PERSÖNLICHER ANREIZ 9
1.4. AUFBAU DER WISSENSCHAFTLICHEN ARBEIT 10
I THEORIETEIL 12
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN DES AUSDAUERTRAININGS 12
2.1. SPORTLICHE LEISTUNG 12
2.2. SPORTMOTORISCHE AUSDAUER 13
2.3. DEFINITION AUSDAUER. 14
2.4. ABGRENZUNG DER AUSDAUERLEISTUNGSFÄHIGKEITEN 15
2.4.1. Allgemeine und spezielle Ausdauer 16
2.4.2. Ausdauer nach Umfang der eingesetzten Muskulatur. 16
2.4.3. Ausdauer nach vorrangigen Art der Energiebereitstellung 16
2.4.4. Ausdauer nach dem Zeitfaktor 18
2.4.5. Ausdauer nach der Arbeitsweise der Skelettmuskulatur 19
2.4.6. Ausdauer nach den motorischen Hauptbeanspruchungsformen 20
2.4.7. Zusammenfassung der unterschiedlichen Betrachtungsweisen 21
2.5. MECHANISMEN DER ENERGIEBEREITSTELLUNG
UND VO2 MAX 21
2.5.1. Anaerober Energiestoffwechsel 22
2.5.2. Aerober Energiestoffwechsel 24
2.5.3. Aerobe und anaerobe Schwelle 25
2.5.4. VO 2 max 26
2.6. DER BEGRIFF TRAINING 27
2.7. AUSDAUERTRAINING 28
2.8. TRAININGSWIRKUNG DURCH AUSDAUERTRAINING 28
2.9. ALLGEMEINE GESETZMÄßIGKEITEN DES TRAININGS 31
2.9.1. Qualitätsgesetz 31
2.9.2. Homöostase und Superkompensation 31
2.9.3. Reizschwellengesetz 33
2.9.4. Verlauf der Leistungsentwicklung 33
2.9.5. Anpassungsfestigkeit 34
2.9.6. Trainierbarkeit 34
2.10. TRAININGSPRINZIPIEN 35
1
2.10.1. Prinzip des trainingswirksamen Reizes 35
2.10.2. Prinzip der progressiven Belastungen 36
2.10.3. Prinzip der optimalen Relation von Belastung und Erholung 36
2.10.4. Prinzip der unvollständigen Erholung 37
3. AUSDAUERFÄHIGKEIT IM KINDES- UND JUGENDALTER UND TRAINING
IM RAHMEN DES SCHULSPORTS 37
3.1. LEGITIMATION DES KINDER- UND JUGENDTRAININGS 37
3.2. SPORTBIOLOGISCHE GRUNDLAGEN VON KINDERN UND
JUGENDLICHEN 39
3.2.1. Aerobe Leistungsfähigkeit 40
3.2.2. Anaerobe Leistungsfähigkeit 43
3.2.3. Geschlechtsspezifische Unterschiede 44
3.3. METHODIK DES AUSDAUERTRAININGS IM KINDER- UND
JUGENDALTER 46
3.4. AUSDAUERTRAINING IN DER SCHULE 47
3.4.1. Aufgaben des Schulsports 47
3.4.2. Praktische Umsetzung für die Sportstunde 48
3.4.3. Bezug zum Bildungsplan 48
4. ZWISCHENFAZIT 49
II EMPIRISCHER TEIL 51
5. DIE STUDIE 51
5.1. FORMULIERUNG DER FORSCHUNGSFRAGE 51
5.2. BILDUNG DER HYPOTHESEN. 52
5.3. DAS UNTERSUCHUNGSSDESIGN 53
5.4. FESTLEGUNG DER STICHPROBEN 55
5.5. DIE UNTERSUCHUNG 55
6. TREATMENT 57
6.1. ABLAUF UND WICHTIGE HINWEISE 57
6.2. TRAININGSBAUSTEINE 58
6.2.1. KW 18 „Die Eisenbahn“ 58
6.2.2. KW 19 „Zeitschätzläufe 59
6.2.3. KW 19 „Figurenlauf mit Musik“ 59
6.2.4. KW 20 „Blindenhund“ 59
6.2.5. KW 20 „Vierecks- bzw. Quadratläufe“ 59
6.2.6. KW 21 „Hindernislauf“ 60
6.2.7. KW 21 „Laufen mit Lösen von Denkaufgaben“ 60
6.2.8. KW 22 „Umkehrläufe“ 60
6.2.9. KW 22 „Dauerlauf“ 61
6.2.10. KW 23 „Wiederholung“ 61
2
6.3. SPORTSTUNDEN DER KONTROLLGRUPPE 61
7. DIE DATENERHEBUNG 62
7.1. DURCHFÜHRUNG SPORTMOTORISCHER TESTS 62
7.2. GÜTEKRITERIEN DER VERSCHIEDENEN TESTVERFAHREN 62
7.3. TESTS ZUR ERMITTLUNG DER DATENERHEBUNG 64
7.3.1. Cooper-Test 64
7.3.2. Conconi-Test 65
7.3.3. Shuttle-Run 66
7.4. TECHNIKEN UND MITTEL DER DATENERHEBUNG 67
7.4.1. T-Test und Signifikanzniveau 67
7.5. ORGANISATION UND DURCHFÜHRUNG DER DATENERHEBUNG 68
7.5.1. Messzeitpunkte 68
7.5.2. Durchführung des Shuttle-Run-Test. 68
7.5.3. Schwierigkeiten 69
8. ERGEBNISSE BEI DER DATENAUSWERTUNG 71
8.1. DESKRIPTIVE STATISTIK 71
8.2. AUSGANGSNIVEAUS DER TG UND KG ZU BEGINN DES
TREATMENTS 72
8.3. T-TEST BEI ABHÄNGIGEN STICHPROBEN 74
8.3.1. Vergleich Prä- und Posttest 74
8.3.2. Vergleich Post- und Nachhaltigkeitstest 76
8.4. ÜBERPRÜFUNG DER AUFGESTELLTEN HYPOTHESEN. 77
8.5. ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE 78
9. INTERPRETATION DER ERGEBNISSE 80
10. FAZIT 89
LITERATURVERZEICHNIS 95
ANHANG 92
3
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1. Entwicklung und Unterschied zwischen deutscher Jahresbestzeit und Weltjahresbestzeit
von 1970 bis 2008 in den olympischen Laufdisziplinen (Sperlich, Nitsch, Hägele & Mester,
2008, S. 1) .............................................................................................................................. 8 Abb. 2. Die sportliche Leistung und ihre leistungsbestimmenden Bereiche (Blum und Friedmann,
2002, 19) .............................................................................................................................. 12 Abb. 3. Physische Leistungsfaktoren ................................................................................................ 13 Abb. 4. Reihenfolge und Überlagerung der verschiedenen Energiegewinnungswege während eines
800-m-Laufs (Blum und Friedmann, 2002, S.40) ................................................................ 18 Abb. 5. Schema der verschiedenen Formen von Ausdauerleistungsfähigkeit (nach HOLL-
MANN/HETTINGER 2000, S. 263, aus: Zintl und Eisenhut, 2009, S.39) ............................ 20 Abb. 6. Abgrenzung der Ausdauerfähigkeiten (Blum und Friedmann, 2002, S. 41) ........................ 21 Abb. 7. Spaltung energiereicher Phosphate (Blum und Friedmann, 2002, S.23) ............................ 22 Abb. 8 . Energiegewinnungsprozesse stark vereinfacht (Blum und Friedmann, 2002, S. 24) ......... 24 Abb. 9. Die aerob-anaerobe Schwelle sowie das Verhalten der O2-Aufnahme während einer an-
steigenden Ergometerbelastung (Hollmann/Hettinger 2000, 361; vgl. auch Badtke 1999,
383; Joch/ Ückert 1998, 135-137; Weineck 2000, 202, aus: Frey und Hildenbrandt, 2002,
S. 114) .................................................................................................................................. 26 Abb. 10. Maximale Sauerstoffaufnahme, VO 2 max (verändert nach de Maress H., 1984 III,92, aus:
Blum und Friedmann, 2002, S. 32) ...................................................................................... 26 Abb. 11. Die Vorteile eines Ausdauertrainings (nach Mellerowicz Franz 1981, 30, aus: Weineck
2010, S.1004) ....................................................................................................................... 29 Abb. 12. Roux´sches Gesetz: Wechselwirkung von Form und Funktion (Graf, Dordel & Reinehr,
2007, S. 39) .......................................................................................................................... 31 Abb. 13. Verlauf der Belastungs- und Anpassungsreaktionen (Blum und Friedmann, 2002, S.6) .. 32 Abb. 14. Die menschliche Leistungsfähigkeit (bezogen auf Kraft und Ausdauer) in Prozent.
(Blum/Friedmann 2002, S.8) ................................................................................................ 33 Abb. 15. Leistungsentwicklung und Trainingbelastung.
̶ :Leistungsniveau; ̶ ̶ : Belastung (Blum und Friedmann, 2002, S.8) .............................. 34
Abb. 16. Die Trainierbarkeit der Muskulatur in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht (verändert
nach Weineck 1987, 161 aus: Blum und Friedmann, 2002, S.10) ...................................... 35 Abb. 17. Veränderung des Leistungsniveaus in Abhängigkeit von der Pausenlänge (Blum und
Friedmann 2002, S.13) ........................................................................................................ 36 Abb. 18. Erhöhte Superkompensation durch
Ermüdungsaufstockung (Blum und Friedmann, 2002, S.14) ............................................... 37 Abb. 19. Die jährliche Wachstumszunahme im Kindes- und Jugendalter (aus Eiben,
1979, S. 193, aus: 2010, S. 173) ........................................................................................... 39
4
Abb. 20. Schematische Darstellung von Herzmuskelfasern mit zugehöriger Kapillare im Laufe der
Enwicklung a) Säuglingsherz, b) Erwachsenenherz, c) Sportherz (in Anlehnung an Gauer,
aus Blasius in Hollmann/Hettinger 1976, 135 aus: Weineck, 2000, S. 365) ....................... 41 Abb. 21. Die Entwicklung der Ausdauerleistungsfähigkeit im Laufe des Kindes- und Jugendalters,
ausgedrückt durch die eng miteinander korrelierten Parameter des Herzvolumens und der
maximalen Sauerstoffaufnahme (Hollmann/Bouchard 1970, 160: aus: Weineck, 2000, S.
366) ...................................................................................................................................... 42 Abb. 22. Laktatwerte bei leistungssportlich trainierenden 9-jährigen Mädchen und Jungen (nach
Bormann et al. 1981 aus: Hottenrott und Gronwald 2009, S. 29) ........................................ 44 Abb.23. Die Veränderung des Testosteronspiegels (ng/100ml) im Kindes- und Jugendalter (nach
Reiter/Root, 1975, S. 128, aus: Weineck, 2000, S. 361) ..................................................... 45 Abb. 24. Entwicklung der maximalen Sauerstoffaufnahme bei Jungen und Mädchen
(nach Dietrich et al. 1974, 142, aus: Weineck, 2010, S. 356) .............................................. 45 Abb. 25. Das Prinzip von Conconi (nach Janssen 1989, 19, aus: Weineck 2000, S. 193) .............. 65 Abb. 26. Ein Vergleich der Mittelwerte zwischen TG und KG .......................................................... 78 Abb. 27. Prozentuale Verbesserung der Laufleistung zwischen TG und KG ................................... 79
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Tabellenverzeichnis
Tab. 1. Einteilungskriterien für verschiedene Ausdauerfähigkeiten (Blum/Friedmann 2002, S.37) . 15 Tab. 2. Energiebereitstellung in Abhängigkeit von der Arbeitsweise der Skelettmuskulatur
(Zintl/Eisenhut 2009, S.39) ................................................................................................... 19 Tab. 3. Verteilung der Klassen der Stichprobe ................................................................................. 55 Tab. 4. Zeitlicher Ablauf des Quasi-Experiments ............................................................................. 56 Tab. 5. Inhaltliche Bausteine des Trainingsprogramms im Überblick ............................................... 58 Tab. 6. Inhalte der Sportstunden der Kontrollgruppe innerhalb der Kalenderwochen 18-23 ........... 62 Tab. 7. Wertungstabelle zur Einschätzung der Ausdauerleistungsfähigkeit von Jungen über die im
Cooper-Test (12-Minuten-Lauf) erreichte Streckenlänge. Für Mädchen gelten 200 m weni-
ger als bei den Jungen (nach Grosser/ Brüggemann/ Zintl 1986, 129 aus Weineck 2000, S.
189). ..................................................................................................................................... 64 Tab. 8. Messzeitpunkte des Shuttle-Run-Tests bei TG1, TG2 und KG ............................................ 68 Tab. 9. Zentrale Daten in Form einer deskriptiven Statistik .............................................................. 72 Tab. 10. Verschiedene Messgrößen der Gruppen im Prätest .......................................................... 72 Tab. 11. T-Test bei unabhängigen Stichproben: Ergebnisse der Laufleistung beim Prätest ........... 73 Tab. 12. T-Test bei verbundenen Stichproben: Vergleich der Laufleistungen zwischen Prä- und
Posttest ................................................................................................................................ 75 Tab. 13. T-Test bei verbundenen Stichproben: Vergleich der Laufleistungen zwischen Prä- und
Posttest (absolute und prozentuale Verbesserung) ............................................................. 75 Tab. 14. Allgemeines lineares Modell (Prätest und Posttest) ........................................................... 76 Tab. 15. T-Test bei verbundenen Stichproben: Vergleich der Laufleistungen zwischen Post- und
Nachhaltigkeitstest (N-Test) ................................................................................................. 77 Tab. 16. Allgemeines lineares Modell (Prätest und N-Test) ............................................................. 77 Tab. 17. Gesamtüberblick der Ergebnisse ....................................................................................... 78
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1. Einleitung
1.1. Einstieg in das Thema
„Running is a part of my life.[…] I´m addicted. It´s a kind of drug.” (CNN Interview mit
Gebrselassie auf youtube)
Wer kann dies schon von sich behaupten? Freude am Laufen? Vor allem am ausdauernden Laufen? Zumindest kann ich behaupten, dass ich als Jugendlicher bis zur 10. Klasse gerne am drei Kilometer langen Kinderfestlauf teilgenommen habe und meine Bestzeit 10 Minuten und 18 Sekunden betrug. Zusätzlich kann ich wiederum aus persönlicher Erfahrung schildern, da ich seit knapp 18 Jahren mich aktiv dem Fußball widme und seit einigen Jahren aktiv in der Verbandsliga spiele, wie schwer es immer wieder ist, nach einer 3- bis 4-wöchigen Sommerpause, in die Gänge zu kommen. Wenn dann ein ausdauerndes Trainingsprogramm auf der Tagesordnung steht, fallen die Mundwinkel eines jeden Fußballers nach unten. Bei manchen beinahe auf Kniehöhe. Und wenn nach anderthalb Stunden hartem Training auf dem Fußballplatz und gefühlten 100 gelaufenen Kilometern, um es etwas zu übertreiben, bei denen viele fast vor Erschöpfung umfallen, schier an ihre körperlichen Grenzen stoßen und sehnsüchtig nach der warmen Dusche und dem gekühlten Gerstensaft wimmern, der Trainer aber lautstark ankündigt: „ Männer, jetzt laufen wir noch 3 Runden, aber bitte in einem zügigerem Tempo. Wir sind hier nicht bei einem Seniorenlauftreff.“, dann möchte man erstens den Trainer bei lebendigem Leibe vergraben und zweitens kann hier kaum die Rede von Freude oder Begeisterung sein. Dieses oben angeführte und einleitende Zitat stammt von einem der größten und erfolgreichsten afrikanischen Sportler. Es ist Haile Gebrselassie. Ein äthiopischer Langstreckenläufer, der insgesamt sage und schreibe 26 Welt-rekorde aufstellte und ein Jahrzehnt lang die Distanz von 3000 bis 10000 Meter dominierte. In einem weiteren Interview schildert Haile Gebrselassie, wie er zum Laufen kam. Er musste aufgrund der langen Entfernung seines Dorfes von der Schule jeden Morgen früh aufstehen und 10 Kilometer hin und 10 Kilometer wieder zurück laufen. Ab und an begegnete er nachts auf der Strecke Hyänen, die ihn zwangen, schneller zu laufen. Eines Tages ist er zum Spaß gegen seine Lehrer in der Pause um die Wette gelaufen und es stellte sich heraus, dass der junge Mann schneller war als die Erwachsenen. Er nahm dann an verschiedenen Schulwettbewerben teil und erkannte bald, dass er immer schneller als die anderen war. So entwickelte sich eine Vision in ihm und er wollte einer der größten Läufer werden und das war der Tag, an dem seine Karriere begann.
Eine Leidenschaft, in seinen Worten eine „Droge“, ist das Laufen für ganz wenige (Geisenhanslücke, 2009).
7
Wenn man sich die leichtathletischen Laufdisziplinen im internationalen Vergleich anschaut, dann bleiben die deutschen Sportler weit zurück. Man könnte auch hier vermuten, dass das Laufen immer unbeliebter wird. Ein kontinuierlich anwachsender Rückstand zur Weltspitze ist seit den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles zu erkennen. Der Höhepunkt war das Zurückbleiben bei den Sommerspielen 2008 in Peking. Ohne die Staffelteilnehmer zu berücksichtigen, konnten insgesamt nur drei männliche deutsche Athleten an den Laufwettbewerben teilnehmen (Vgl. Abb. 1).
Abb. 1. Entwicklung und Unterschied zwischen deutscher Jahresbestzeit und Weltjahresbestzeit
von 1970 bis 2008 in den olympischen Laufdisziplinen (Sperlich, Nitsch, Hägele & Mester,
2008,S. 1)
Es sind sicherlich mehrere Maßnahmen zur Leistungsverbesserung zu treffen, um diesem negativen Trend entgegenzuwirken. Mit Sicherheit kann man sagen, dass ein effektives und sinnvolleres Kinder- und Jugendtraining maßgeblich dazu führt, um im leichtathletischen Bereich Anschluss an die Weltelite zu finden.
Mein Anliegen ist es nicht, nach den Gründen für den negativen Trend deutscher Sportler zu suchen oder ein dafür maßgeschneidertes Trainingsprogramm im leichtathletischen Bereich zu schaffen, damit die Leistungsfähigkeit sich wieder nach oben bewegt.
Ich möchte im Rahmen meiner wissenschaftlichen Abhandlung überprüfen, ob es überhaupt im Schulsport möglich ist, eine Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit zu erzielen.
1.2. Zielsetzung der Arbeit
Mein Schwerpunkt liegt auf dem Bereich der Sekundarstufe, speziell auf Fünftklässlern einer Real- und einer Gymnasialklasse. Deshalb soll eine Antwort auf die Frage gefunden werden, ob innerhalb eines sechswöchigen Ausdauerprogramms von 15 Minuten zu Beginn in jeder Sportstunde eine
8
erkennbare Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit bei den Schülern erzielt werden kann.
Meine wissenschaftliche Arbeit fand also in Zusammenarbeit mit drei Sportlehrern statt. In diesem Zusammenhang waren sich auch die beteiligten Personen nicht ganz einig, ob im Rahmen des Schulsports ein Training der Ausdauerleistung geeignet ist und ob Effekte sichtbar werden können. Deshalb möchte ich anhand meiner eigens durchgeführten empirischen Studie ein Feedback über die Wirksamkeit der Ausdauertrainingsbausteine erhalten.
1.3.Persönlicher Anreiz
Schon zu Beginn meines Lehramtsstudiums habe ich erfahren, dass im Zuge meines ersten Staatsexamens eine Zulassungsarbeit erforderlich ist. Dabei ist es einem selbst überlassen, in welchem Fachbereich die Arbeit geschrieben wird und auf welches Thema man sich spezialisieren möchte. Als leidenschaftlicher Sportler und angehender Sport-, Mathe- und Chemielehrer an einer Hauptschule ist mir nichts anderes in den Sinn gekommen, als mich dem Bereich des Sports zu widmen, denn ich wollte über ein Thema schreiben, welches mich erstens interessiert und zweitens persönlich betrifft.
Nur noch das Thema und der Zeitpunkt standen zur Debatte. Da ich mich nun im 5. Semester befinde und das 6. Semester vor der Tür steht, ging ich auf Herrn Prof. Dr. König zu, um mit ihm ein passendes Thema auszusuchen. Dabei empfahl er mir, Herrn Patrick Singrün anzusprechen. Herr Patrick Singrün ist abgeordneter Hauptschullehrer, zwischenzeitlich Dozent an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten, und arbeitet im Augenblick an einem empirischen Projekt im Zuge seiner Dissertation. Genauer geht es bei seiner Dissertation um „Wirkungsanalysen verschiedener Trainingsprogramme und Trainingsbausteine im Kontext Schul- und Vereinssport“. Bei diesem Projekt, welches sich über einem Zeitraum von anderthalb Jahren erstreckt, werden mehrere Forschungen zu verschiedenen Themen betrieben. Der Einsatz von Studenten für die Umsetzung und Auswertung der Untersuchungen ist herzlich willkommen. So nutzte ich augenblicklich die Gelegenheit und Griff natürlich sofort zu. Allerdings konnte ich mich alternative auf den Baustein Kraft oder Ausdauer festlegen. Meine Entscheidung fiel auf den Baustein Ausdauer. Der Grund dafür lag in der Tatsache, dass die Ausdauer, obwohl sie als elementare motorische Fähigkeit (neben Kraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit) eine Basis für die Entwicklung der Leistung im Sport bildet, trotzdem keinerlei Beliebtheit bei den Schülerinnen und Schülern erfährt. Auch seitens der Lehrkräfte erfordert es immense Anstrengung mit ansprechenden und didaktisch wertvollen Materialien, wenn es darum geht, die Kinder zum Laufen zu motivieren.
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Deswegen wollte ich mich in dieses Gebiet vertiefen und neue Erkenntnisse sammeln.
Neben mir arbeiten gerade noch fünf weitere Studenten an demselben Thema. Die Anzahl N der Untersuchung wird sich dementsprechend auf über 200 belaufen. D.h. wir werden von insgesamt 200 Schülern Ergebnisse erhalten, die uns hoffentlich genauere Rückschlüsse auf die Effektivität unseres Trainingsprogramms geben können wird.
1.4. Aufbau der Arbeit
Wie man bereits dem Inhaltsverzeichnis entnehmen kann, ist diese Arbeit zweigeteilt. Sie beginnt mit einem theoretischen Teil. Im Anschluss daran folgt der empirische Abschnitt.
Zunächst einmal werden im Theorieteil allgemeine und grundlegende Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit der Ausdauer geklärt, die eine zentrale Rolle zur Verständlichkeit für den Leser einnimmt. Zu Beginn werde ich auf die Ausdauer als einen Baustein der physischen Leistungsfaktoren eingehen, bevor ich dann speziell den Begriff Ausdauer definiere.
Danach werden biologische Grundlagen aufgezeigt, die im engen Zusammenhang mit der Ausdauerleistung eines jeden Sportlers stehen. Ich werde eine Abgrenzung der unterschiedlichen Ausdauerfähigkeiten aufzeigen, da wir nicht nur von einer Ausdauer sprechen, sondern sie aus vielfältiger Perspektive betrachtet werden kann. Anschließend folgen Trainingsgesetze und -prinzipien, die genau aufklären sollen, wie Ausdauertraining in die Praxis umgesetzt werden kann.
Dann werde ich auf die Ausdauerfähigkeit im Kindes- und Jugendalter und das Training im Rahmen des Schulsports eingehen. Ein kurzes Zwischenfazit bildet dann den Abschluss des ersten Teils und den Übergang zum empirischen Teil. Hier wird die Studie vorgestellt. Es wird eine Forschungsfrage formuliert und die Erhebung der Daten beschrieben. Daraufhin werden die ermittelten Daten ausgewertet, tabellarisch und graphisch dargestellt und schließlich interpretiert, um die Gründe zu erfahren, wie diese Ergebnisse überhaupt zustande gekommen sind.
Den letzten Abschnitt bildet mein Fazit, in dem Schlussgedanken aufgestellt werden und abschließende Worte noch einen Ausblick bieten. Zum Schluss möchte ich noch auf ein paar Besonderheiten hinweisen, damit der Leser an manchen Stellen nicht stutzig wird. Ich habe in meiner wissenschaftlichen Arbeit generell die männliche Form gewählt. Wenn ich in den folgenden Abschnitten von Schülern, Lehrern oder Athleten rede, dann sind zweifellos auch Schülerinnen, Lehrerinnen oder Athletinnen gemeint. Meine Beschränkung dient nur der Vereinfachung und hat keinerlei inhaltliche Bedeutung. Die weibliche Form wird selbstverständlich mit eingeschlos-
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sen. Ferner werden Hervorhebungen kursiv gedruckt und im empirischen Teil wird die Treatmentgruppe mit TG und die Kontrollgruppe mit KG abgekürzt.
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I Theorieteil
2. Theoretische Grundlagen des Ausdauertrainings
2.1. Sportliche Leistung
Eine bestimmte sportliche Leistung, sei es ein Weitsprung, 400-Meter-Lauf oder ein Marathonlauf usw. hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, welche sich auf die gesamte Persönlichkeit eines Sportlers beziehen. Die folgende Abbildung zeigt, wie komplex das Gebilde ist, welches zu einer sportlichen Leistung führt. Und es ist daher sehr schwierig zu sagen, wieso ein Sportler an einem „guten“ Tag eine persönliche Bestleistung vollbracht hat, bzw. an einem „schlechten“ Tag nicht die Leistung in einem Wettkampf bringt, die z.B. sein Trainer von ihm erwartet. Ein Trauerfall in der Familie kann z.B. dazu führen, dass er sich mental nicht auf seinen Wettbewerb konzentrieren kann, somit seine Leistung beeinträchtigt wird und er an jenem Tag als Dauerläufer auf der Strecke bleibt. Dann bringen auch die innovativsten, auf wissenschaftlicher Basis beruhende Trainingsmethoden und -inhalte nichts, denn dieser Faktor wirkt sich negativ auf den Sportler aus. Die einzelnen Bereiche stehen in einer engen Wechselbeziehung zuei-nander, beeinflussen sich und die einzelnen Übergänge sind teilweise fließend.
Abb. 2. Die sportliche Leistung und ihre leistungsbestimmenden Bereiche (Blum/Friedmann 2002,
19)
An dieser Stelle wollte ich kurz erwähnen, welche unterschiedlichen physischen Leistungsfaktoren vorzufinden sind und dass es noch zusätzliche Leistungsfaktoren gibt, welche die sportliche Leistung betreffen. Um tat-
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sächlich auf alle Bereiche detailliert einzugehen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen und ist auch nicht meine Absicht. Mein Augenmerk liegt dabei allein auf den physischen Leistungsfaktor Ausdauer.
2.2. Sportmotorische Ausdauer
Die sportmotorische Ausdauer gehört zu den physischen Leistungsfaktoren. Neben Ausdauer zählen noch die Bausteine Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit zu den verschiedenen Ausprägungsformen dieser konditionellen Fähigkeiten eines jeden Sportlers, die Voraussetzungen für den Vollzug körperlicher Leistung und besonders spezieller sportlicher Bewegungshandlung schaffen (Röthig und Prohl, 2003, S.300).In den seltensten Fällen tauchen diese motorischen Grundeigenschaften in der „Reinform“ auf. Größtenteils wirken sie zusammen. Ein typisches Beispiel kann an dieser Stelle der Zusammenhang zwischen Kraft und Ausdauer bei länger andauernden Kraftleistungen, in der „Mischform“ Kraftausdauer erwähnt werden. Dennoch werden die physischen Leistungsfaktoren wegen der Übersichtlichkeit getrennt dargestellt. Diese Mischformen werden dem jeweils bestimmenden physischen Leistungsfaktor zugeordnet und als Fähigkeit des betreffenden Leistungsfaktors bezeichnet (Blum und Friedmann, 2002, S.20).
Abb. 3. Physische Leistungsfaktoren
Im Bereich des Bausteins Ausdauer liefert die Literatur ein relativ großes Forschungsspektrum. Folglich kann der wissenschaftliche Erfahrungsstand ein vergleichsweise breites Spektrum an Grundlagenwissen bereitstellen. Jedoch findet man in der Literatur eine Fülle an verschiedenen Definitionen des Begriffs „Ausdauer“.
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2.3. Definition Ausdauer
„Im Sport versteht man unter Ausdauer die physischen und psychische Widerstands-
fähigkeit gegen Ermüdung bei relativ lang dauernden Belastungen und die rasche
Wiederherstellungsfähigkeit nach der Belastung“ (Blum und Friedmann, 2002, S. 20). Diese Prozesse der Ermüdung betreffen nicht nur die physische Funktion der Muskulatur, sondern gleichermaßen die psychischen Bereiche wie Sinneswahrnehmung, Konzentration und Motivation (Blum und Friedmann, 2002, S. 20).
Laut Frey und Hildenbrandt versteht man unter Ausdauer eine Fähigkeit, einem Reiz so lang als möglich widerstehen zu können, obwohl dieser einen zum Abbrechen oder Reduzierung einer Belastung auffordert (2002). Das sportwissenschaftliche Lexikon versteht wiederum die Ausdauer erstens als eine Fähigkeit, möglichst lange eine Belastung ohne Ermüdungsanzeichen aushalten zu können. Zweitens ist hier die Rede von der Fähigkeit, diese sportliche Arbeit bis zur persönlichen Beanspruchungsgrenze, im Extremfall bis zur totalen Erschöpfung weiterhin zu verrichten, obwohl eine deutliche Ermüdungserscheinung eintritt und drittens als Fähigkeit, in Phasen geringerer Belastungsintensität, während Pausen oder nach einem bestimmten Wettkampf oder Training sich schnell regenerieren zu können (Röthig und Prohl, 2003, S. 60).
Wenn also eine Person eine sportliche Arbeit über einen möglichst langen Zeitraum verrichtet, wird es ihm große Mühe bereiten, dieses gewisse Leistungsniveau permanent auf einer Ebene zu halten. Wenn dieses Leistungsniveau nicht aufrecht erhalten werden kann und nach einer gewissen Zeit nach unten fällt, dann spricht man von der Ermüdung. Diese Ermüdung ist auf wiederholte Beanspruchung zurückzuführen und gilt als wesentliches Merkmal der Ausdauerfähigkeit (Thoß, 2007, S. 94). Vergleicht man nun alle Definitionen der unterschiedlichen Autoren, so kommt zum Vorschein, dass sie alle etwas gemeinsam haben. Komprimiert lässt sich Ausdauer folgendermaßen auf den Nenner bringen:
Es ist zwar eine sehr vereinfachte und kurze Formulierung, trotzdem werden Zintl und Eisenhut allen vorangegangen Definitionen gerecht (2009). Wie man sehen kann, ist die Ausdauer eine sehr komplexe Größe, die aber als Grundlage dient, um ein umfangreiches und intensives Trainingsprogramm durchführen zu können. (Weineck, 2010, S. 225). Wenn es aber um Schulsport geht, sind sowohl physische als auch die psychische Leistungsfähigkeiten wie die Motivation oder der Wille von entscheidender Bedeutung. Deswegen sollte sich jede pädagogische Lehrkraft,
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die im sportlichen Bereich tätig ist, auf die Fahne schreiben, die Schüler zu motivieren und mit Begeisterung an das ausdauernde Laufen heranzuführen.
2.4. Abgrenzung der Ausdauerleistungsfähigkeiten
Abhängig von den Interessen, wenn es also um sportmedizinische Untersuchungen, Trainingsmethodik oder Tests geht, wird der physische Leistungs-faktor Ausdauer in die einzelnen Fähigkeiten nach unterschiedlichen Kriterien geordnet. Man kann demnach die Ausdauerleistungsfähigkeiten an-hand dreier verschiedener Begriffspaare beschreiben. Erstens das Paar allgemein-lokal, zweitens statisch-dynamisch und drittens aerob-anaerob. Da die Ausdauer größtenteils von Stoffwechseleigenschaften beeinflusst wird und um ein spezielles und beabsichtigtes Training realisieren zu können, ist es am vernünftigsten und daher am zweckmäßigsten die Ausdauerleistungsfähigkeit mit Hilfe ihrer unterschiedlichen Anforderungen, an den Stoffwechsel zu unterscheiden (Blum und Friedmann, 2002, S.37). Allerdings findet man in der Literatur weitere Einteilungskriterien. Neben der Ausdauer kommen zusätzlich die Faktoren Kraft und Schnelligkeit als Teilbereiche der konditionellen Fähigkeit bei der Einteilung mit hinzu. Dann wird von der Kraftausdauer oder Schnelligkeitsausdauer gesprochen (Zintl und Eisenhut, 2009, S.41).
Tab. 1. Einteilungskriterien für verschiedene Ausdauerfähigkeiten (Blum/Friedmann 2002, S.37)
2.4.1. Allgemeine und spezielle Ausdauer
Wahrscheinlich ist die Unterteilung der Ausdauer in allgemeine und spezielle Ausdauer die bekannteste. Nach Angaben der Autoren (Zintl und Eisenhut, 2009, S. 30, Weineck, 2000, S. 247) ist unter der allgemeinen Ausdauer die sportartenunabhängige Grundlagenausdauer gemeint, die Voraussetzung für eine gewisse Leistungsfähigkeit in jeglicher Sportart ist. Laut der Definition von Blum und Friedmann sei die Grundlagenausdauer eine sportartunabhängige Ermüdungswiderstandsfähigkeit bei länger andauernden Belastungen und wenn mehr als ein Siebtel der Skelettmuskulatur zum Einsatz kommen. Dabei sei die Belastungsintensität gerade einmal so hoch, dass die Energiebereitstellung ausschließlich aerob abläuft und der Laktatspiegel nicht die aerobe Schwelle übersteigt (2002). Sie entspreche somit der aeroben Ausdauer geringerer bis mittlerer Belastungsstärke. Ihre Leistungsbestimmenden Faktoren sind die maximale Sauerstoffaufnahme, die Sauerstoffausnutzung und die Fähigkeit, Fettsäuren zur Energienutzung zu nutzen (Blum und Friedmann, 2002, S.39). Die Grundlagenausdauer wird auch synonym als allgemeine-aerobedynamische Ausdauer verwendet (Frey und Hildenbrandt, 2002, S.118). In der Transferfähigkeit liegt nun der Unterschied zwischen allgemeiner und spezieller Ausdauer. Die positiven Auswirkungen der Grundlagenausdauer auf andere Sportarten sind bereits bekannt, allerdings ist dieser Effekt auf umgekehrten Wege noch nicht belegt worden. Daraus resultiert, dass die spezielle Ausdauer die erforderlichen, sportartspezifischen Erscheinungs-formen der Ausdauer beinhaltet, der Ausprägungsgrad von Disziplin zu Disziplin ist aber unterschiedlich.
2.4.2. Ausdauer nach Umfang der eingesetzten Muskulatur
Je nachdem wie groß der Umfang der eingesetzten Skelettmuskulatur des menschlichen Körpers ist, unterscheidet man zwischen der lokalen und allgemeinen Ausdauer (Frey und Hildenbrandt, 2002, S. 114). Da unterhalb der Größenordnung ein Siebtel bis ein Sechstel, ungefähr 15 % der Gesamtskelettmuskulatur, das gesamte kardiopulmonale System bei dynamischer Muskelarbeit als Sauerstofftransporteur nicht ins Gewicht für die Leistungsfähigkeit fällt, wird diese Angabe als Differenzierungsgröße herangenommen. Leistungsbestimmende Faktoren für die lokale Ausdauer sind z.B. die Kapillarisierung, der Myoglobingehalt, der aerobe bzw. anaerobe Enzymbesatz und die Größe der Phospat- und Glykogenspeicher. Wenn nun mehr als 15 % der gesamten Muskulatur zum Einsatz kommen, die Rede ist von allgemeiner Ausdauer, dann sind vor allem die Kapazität des kardiopulmonalen Systems, der Stoffwechsel und die disziplinspezifische Koordination für die Leistungsfähigkeit von entscheidender Bedeutung. Ein Beispiel für die lokale Ausdauer ist eine Curlübung. D.h. ein einarmiges Beugen einer Hantel (Zintl und Eisenhut, 2009, S.34).
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2.4.3. Ausdauer nach vorrangigen Art der Energiebereitstellung
Betrachtet man nur die Art der Energiebereitstellung, dann wird die aerobe und anaerobe Ausdauer gegeneinander abgegrenzt.
Bei der aeroben Ausdauer liegt die Intensität der jeweiligen Belastung unterhalb der anaeroben Schwelle. Demzufolge ist die Energiegewinnung hauptsächlich aerob. Hier herrscht ein Sauerstoffgleichgewicht, anders formuliert steady state. Das bedeutet, dass die Sauerstoffmenge, die der Athlet aufnimmt, ausreicht, um die dafür benötigte Energiemenge bereitzustellen. Leistungsbestimmende Faktoren sind zum einen die maximale Sauerstoffauffnahme und je größer diese ist, desto mehr Sauerstoff steht für die aerobe Energiegewinnung bereit (Nähere Beschreibung im Abschnitt 2.5.4.). Zum anderen spielt die Sauerstoffausnutzung im Muskel eine große Rolle, da somit umso mehr Energie bereitgestellt werden kann. Die Sauerstoffausnutzung hängt von der Anzahl der Blutkapillaren im Muskel und dem Gehalt an Enzymen ab. Auch die Größe der Glykogenspeicher ist bei Belastungen, die über 40 min andauern, enorm wichtig. Wenn sich aber die Belastung über einen Zeitraum von über 90 min erstreckt, dann wird die Fähigkeit, Fettsäuren zur Energiegewinnung zu nutzen, mitentscheidend (Blum und Friedmann, 2002, S.38).
Nach Zintl und Eisenhut wird die aerobe Ausdauer noch präziser unterteilt in:
Aerobe Kurzzeitausdauer ( Belastungen von 3 bis 10 Minuten) Aerobe Mittelzeitausdauer (Belastungen von 10 bis 30 Minuten) Aerobe Langzeitausdauer (Belastungen von über 30 Minuten) (2009).
Für diese Gliederung wird der prozentuale, nutzbare Anteil der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2 max) als Belastungsmerkmal herangezogen. Die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit wird noch in den folgenden Kapiteln genauer erläutert.
Von der anaeroben Ausdauer spricht man, wenn die Belastungsintensität über der anaeroben Schwelle liegt. Sowohl auf dem anaeroben-alaktaziden als auch auf dem anaeroben-laktaziden Weg wird die Energie gewonnen. Allerdings entsteht ein beträchtliches Sauerstoffdefizit. Kraft und Ausdauer sind leistungsbestimmende Faktoren und ganz besonders die Fähigkeit, in kürzester Zeit enorme Mengen an Energie bereitzustellen. Es bildet sich Milchsäure, da die Energiegewinnung überwiegend durch den Abbau von energiereichen Phosphaten und durch Glykolyse abläuft. Auf Zellenebene ist die Größe der Phosphatspeicher bei einer Belastungszeit unterhalb 20 Sekunden leistungsentscheidend. Um einer schnellen Übersäuerung entgegenzuwirken, ist zusätzlich die Größe der Muskelglykogenspeicher bestimmend. An dieser Stelle möchte ich nicht zu sehr ins Detail gehen. Allerdings sollte trotzdem erwähnt werden, dass bei der anaero-
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ben Ausdauer der Gehalt an Enzymen für die Glykolyse, die Pufferkapazität des Blutes, die Säuretoleranz und die Kapillarisierung weitere entscheidende Faktoren sind (Blum und Friedmann, 2002, S. 38-39). Zintl und Eisenhut präzisieren die anaerobe Ausdauer auf einer weiteren Ebene (2009, S. 38):
Anaerobe Kurzzeitausdauer (Belastungszeit 6 bis 20 Sekunden) Anaerobe Kurzzeitausdauer (Belastungszeit 20 bis 60 Sekunden) Anaerobe Kurzzeitausdauer (Belastungszeit 60 bis 120 Sekunden)
Bei all dieser Einteilung gilt trotzdem als wissenschaftlich bewiesen, dass keine der beiden Ausprägungen der Ausdauer in ihrer Reinform während der Belastung auftauchen, sondern sie werden immer in einer Mischform erbracht.
2.4.4. Ausdauer nach dem Zeitfaktor
Aufgrund der Tatsache, dass in der Trainingspraxis fast nur belastungs- und intensitätsabhängige Mischformen der aeroben bzw. anaeroben Ausdauer vorkommen, herrscht eine weitere Gliederung der allgemeinen Ausdauer in Kurzzeit-, Mittelzeit- und Langzeitausdauer (Blum und Friedmann, 2002, S.39ff.).
Im Mittelpunkt steht bei dieser Betrachtungsweise der Zeitfaktor. Maximale Belastungen zwischen 35 Sekunden bis zwei Minuten sind als Kurzzeitausdauer zu verstehen.
Die folgende Abbildung schildert beispielhaft den Energiegewinnungsweg einer Disziplin, die man der Kurzzeitausdauer zuordnet.
Abb. 4. Reihenfolge und Überlagerung der verschiedenen Energiegewinnungswege während eines
800-m-Laufs (Blum/Friedmann 2002, S.40)
Hingegen berücksichtigt der Begriff der Mittelzeitausdauer (MZA) Belastungen von zwei bis zehn Minuten. Die Langzeitausdauer (LZA) wird für alle Belastungslängen von zehn Minuten benutzt und wird aufgrund der vorher
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beschriebenen Energiebereitstellung wiederum in drei Bereiche, Langzeitausdauer I, II, und III eingestuft. Um auf die Energiebereitstellung Bezug zu nehmen, arbeitet der Sportler LZA I hauptsächlich im anaeroben Bereich. Die MZA wird entsprechend ihrer Belastungsdauer von zwei bis zehn Minuten zunehmend im aeroben Ausdauerbereich trainiert. Wird die Verbesserung der LZA I in Angriff genommen, so muss der Athlet mit Belastungen von zehn bis 35 Minuten in Kauf nehmen, die überwiegend im aeroben Glukosemuskelstoffwechsel vorliegen. Zwischen 30 und 90 Minuten liegt die Belastungszeit der LZA II. Hierbei wird die Energie aus dem Abbau von Glukose und Fetten geliefert. Ab einer Belastungszeit von über 90 liegt die LZA III vor. Sie wird hauptsächlich durch den Fettstoffwechsel aufrechterhalten (Weineck 2000, S.248)
2.4.5. Ausdauer nach der Arbeitsweise der Skelettmuskulatur
Im Hinblick auf die Arbeitsweise der Skelettmuskulatur wird zwischen dynamischer und statischer Ausdauer unterschieden.
Im Endeffekt spielt auch bei dieser Betrachtungsweise der Ausdauer die Art der Energiebereitstellung eine wichtige Rolle. Denn je statischer der Anteil der Muskelarbeit ist, desto mehr beschränkt der Muskelinnendruck die Blutzufuhr in den Kapillargefäßen und folglich auch die Sauerstoffzufuhr. Liegt die maximale Muskelspannung über 15 %, wird bei statischer Arbeitsweise die Durchblutung bereits beeinträchtigt. Zum kompletten Durchblutungsstopp kommt es ab ca. 50%. Dadurch läuft die Energiebereitstellung immer mehr auf dem anaeroben Weg ab, also ohne Sauerstoffbeteiligung. Aufgrund des Wechselspiels zwischen Spannung und Entspannung bei dynamischer Arbeitsweise ist selbst bei hoher Belastungsintensität die Durchblutung viel länger gesichert. Auch der Anteil an aerober Energiebereitstellung wird somit garantiert (Weineck, 2000, S.249).
Tab. 2 Energiebereitstellung in Abhängigkeit von der Arbeitsweise der Skelettmuskulatur ( Zintl und
Eisenhut 2009, S.39)
Werden die drei Bereiche Muskelumfang, Arbeitsweise und Energiebereitstellung in der Muskelzelle miteinander kombiniert, entsteht das folgende Einteilungsschema (Zintl und Eisenhut, 2009, S.39):
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Abb. 5. Schema der verschiedenen Formen von Ausdauerleistungsfähigkeit (nach HOLL-
MANN/HETTINGER 2000, S. 263 aus: Zintl und Eisenhut 2009, S.39) Nun haben wir eine Strukturierung der Ausdauer nach dem Umfang der eingesetzten Muskulatur, nach der vorrangigen Art der Energiebereitstellung, nach der Arbeitsweise der Skelettmuskulatur und deren Kombinationsmöglichkeiten vorgenommen.
2.4.6. Ausdauer nach den motorischen Hauptbeanspruchungsformen Nennenswert sind in diesem Zusammenhang drei Bezeichnungen: Kraft-, Schnellkraft und Schnelligkeitsausdauer.
Bei der Kraftausdauer handelt es sich um die Fähigkeit, einen Bewegungs-widerstand wiederholt oder andauernd bewältigen zu können. Damit wir von der Kraftausdauer überhaupt sprechen können, ist es erforderlich, dass der zu bewältigende Widerstand mindestens 30 Prozent des jeweiligen Maximalkraftniveaus (größtmögliche Kraft, die willkürlich gegen einen Wider-stand ausgeübt werden kann) beträgt (Zintl und Eisenhut, 2009, S. 41). Die Schnellkraftausdauer stellt eine Sonderform der Kraftausdauer dar. Dabei ist sie bei Sportarten von großer Bedeutung, bei denen über einen längeren Zeitabschnitt schnellkräftige Bewegungen der Extremitäten oder des Rumpfes zum Einsatz kommen. Boxen, Fechten, Eiskunstlaufen können dabei beispielhaft angegeben werden (Weineck, 2000, S. 290). Die Schnelligkeitsausdauer wird als Fähigkeit verstanden, die Zeitabschnitt der höchsten Geschwindigkeit über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten (Weineck, 2000, S.314).
Ist die Intensität gering, so bewegt sich der Sportler langsam und nur wenige Muskelfasern werden innerviert, um die Arbeit zu verrichten. Demzufolge findet hierbei die Energiebereitstellung im aeroben Bereich. Wenn aber die Bewegungsgeschwindigkeit ansteigt und damit die Intensität, verändert sich der Metabolismus und wir nähern uns dem anaeroben Bereich. Bewegungsgeschwindigkeiten auf der höchsten Ebene brauchen eine hohe Anzahl an innervierten Muskelfasern, damit es zu höchsten Kraftimpulsen kommen kann.
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Arbeit zitieren:
Misel Saric, 2011, Intentionales Ausdauertraining im Sportunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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