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Nach ihrer Aussage ist Höflichkeit ein Teil der Struktur und Bewahrung von sozialen Beziehungen. Im Vergleich dazu ergänzen Brown & Levinson (1987), angelehnt an das Grice’sche Kooperationsprinzip (1975) diese Sicht, indem sie Kommunikation als rationales und zielgerichtetes Handeln verstehen und angeben, dass kennzeichnend für Höflichkeit eine Abweichung von rationaler Effizienz ist. (vgl. Brown & Levinson 1987:5) Diese Grundannahme kommt bei Eelen in dieser Form nicht so deutlich zum tragen.
Des Weiteren macht Eelen in seiner Definition deutlich, dass Höflichkeit auf das soziale Bedürfnis abzielt, mögliche Aggressionen in der Gesellschaft zu kontrollieren (vgl. Eelen 2001:5). Auch Brown & Levinson gehen von einem ständig vorhandenen Konfliktpotentials innerhalb sozialer Interaktionen aus. Jeder einzelne Interaktionspartner möchte letztendlich seine Pläne und Ziele, die nicht immer mit denen des Gegenübers kompatibel sind, verwirklichen. Nach Brown & Levinson ist Ziel der Höflichkeit die Wahrung des Gesichts (face) von Sprecher und Gesprächspartner und damit eine harmonische zwischenmenschliche Beziehung ohne eventuelle Aggressionen bzw. Konfliktpotential zu ermöglichen, wie auch in der Definition von Eelen ausgesagt wird. (vgl. Wardhaugh 2002:275) Der Begriff face geht auf Goffmann (1967) zurück und meint das „public self-image“, das man anderen präsentieren will. (Brown & Levinson 1987:61) Brown & Levinson unterscheiden jedoch zwei komplementäre Seiten von face: positive face und negative face. Die Bezeichnungen sind keine Wertungen, sondern implizieren für negative face den Wunsch jedes Erwachsenen, dass er frei und selbstbestimmt handeln kann, ohne von anderen eingeschränkt zu werden. Positive face beinhaltet den Wunsch jedes Mitgliedes, dass seine Handlungen auch einigen anderen wünschenswert seien und Verständnis und Bewunderung finden. (vgl. Brown & Levinson 1987: 62)
Es liegt im Interesse beider Interaktionspartner diese widerstreitenden Bedürfnisse beim Sprechakt auszugleichen. Dazu bedarf es der Höflichkeit, denn es besteht sowohl die Möglichkeit des Gesichtsverlustes, als auch die der Gesichtswahrung undaufwertung. Deshalb muss eine mögliche Gesichtsbedrohung („face threatening act -FTA) innerhalb einer Interaktion, insbesondere wenn es sich um einen Interessenkonflikt handelt, kontinuierlich berücksichtigt werden. (vgl. Handout vom 13.11.2008: 1) Brown und Levinson unterscheiden vier Möglichkeiten der sprachlichen Gesichtsbedrohung:
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1. Bedrohung des negative face des Adressaten durch Druck in Form einer Anweisung oder Ermahnung
2. Bedrohung des positive face des Adressaten durch Äußerung von Kritik oder Tabuthemen
3. Bedrohung des negative face des Sprechers durch die Herstellung einer Bindung an jemanden, indem man beispielsweise sein Angebot annimmt 4. Bedrohung des positive face des Sprechers durch Entgegenkommen, Eingeständnis von Schuld oder Geständnis (vgl. Handout vom 13.11.08: 2)
Solche FTAs sind häufig nicht zu vermeiden, daher sollte der Sprecher versuchen die Gesichtsbedrohung so gering wie möglich zu halten. Dazu kann zwischen unterschiedlichen Strategien gewählt werden:
Zu aller erst kann der Sprecher entscheiden, ob er die FTA macht oder schweigt. Denn wenn die Gefahr einer sehr großen FTA da ist, kann man es auch bleiben lassen. Ist dies jedoch nicht der Fall, kann der Sprecher wählen zwischen on record, d.h. seine Absicht sehr direkt ausdrücken oder off record, d.h. er deutet seine Absicht nur indirekt an. Wählt der Sprecher die erste Strategie, so kann er seine Absicht mit (siehe Beispiel 2) oder ohne Abmilderung (siehe Beispiel 1) ausdrücken. (1) „Gib mir die Zeitung.“
(2) „Wäre es vielleicht möglich, dass du mir die Zeitung gibst.“ Drückt es seine Absicht mit Abmilderung aus, so zeigt er an, dass keine Gesichtsbedrohung erwünscht ist. In diesem Fall kann er zwischen positiver Höflichkeit und negativer Höflichkeit wählen, welche im Folgenden erläutert werden sollen. (vgl. Brown & Levinson 1987: 60)
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3. Strategien positiver und negativer Höflichkeit an Beispielen aus dem Deutschen Damit die Interaktionspartner den Wünschen des positive und negative face ihres Gegenübers und auch dem eigenen face gerecht werden, können sie auf den Gebrauch von positiver und negativer Höflichkeitsstrategien zurückgreifen. Bei der positiven Höflichkeit deutet der Sprecher daraufhin, dass er daran interessiert ist das positive face des Hörers zu wahren. Er behandelt sein Gegenüber wie einen Freund, zeigt Sympathie, solidarisiert sich mit ihm, macht ihm Komplimente, und bemüht sich informellen Sprachgebrauch zu erreichen. Um diese Strategie besser veranschaulichen zu können, möchte ich an dieser Stelle ein paar Beispiele aus dem Deutschen nennen:
(3) „Warst du beim Friseur? Sieht toll aus, die neue Frisur.“ Der Sprecher (S) richtet seine Aufmerksamkeit auf den Hörer (H) und macht ihm ein Kompliment.
(4) Firmenchef: „Wir sitzen doch alle im gleichen Boot, also lasst uns…!“ S betont die gemeinsame „in group“ - Zughörigkeit, indem er eine entsprechende Anredeform gegenüber H wählt und sowohl sich selbst als H in die Handlung mit einbezieht.
(5) „Das Wetter ist heute aber wieder ungemütlich! Musstest du auch heut morgen mit dem Regenschirm raus?“
S sucht Gemeinsamkeiten mit H durch small talk über ein triviales Thema wie das Wetter.
(6) „Ich weiß genau was du jetzt denkst, für mich als Abiturientin käme eine einfache Frisösenausbildung auch nicht in Frage!“ S hebt eine gemeinsame Meinung und Denkweise hervorgehoben. Insbesondere wird hier betont, dass S und H das gleiche Bildungsniveau haben. (7) Dozent in der Universität: „Ich habe gemerkt, dass sie langsam unruhig werden und dass ich schon lange ihre Aufmerksamkeit gefordert habe, meine Konzentration ist auch bald am Ende, deshalb lassen sie mich noch kurz zwei abschließende Sätze sagen…“
S zeigt seine Kenntnis über die Wünsche und Bedürfnisse von H und beachtet diese. (vgl. Scollon & Scollon 1995: 40f.)
Arbeit zitieren:
Petra Richter, 2008, Höflichkeit als Wahrung des Gesichts, München, GRIN Verlag GmbH
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