1. Einleitung
„Konkurrenz und Wettbewerb unterscheiden die Welt in Gewinner und Verlierer“ 1 Ist das der Grund warum der Wettbewerb heute durch die durch die Menschen häufig kritisiert wird? Denn die Kritik an der Ellenbogengesellschaft nimmt zu. 2
Fürchten wir uns vor Konkurrenz und Wettbewerb, weil Sie in früherer Zeit eine Bedrohung für uns war, die Gewalt versprach? Haben wir Angst um unserer Leben, weil wir befürchten, dass wir zu den Schwächeren gehören werden?
Dies sind Ansichten die Wolf Lotter in seiner Anleitung für das andere beleuchtet. Er betrachtet den Wettbewerb aus verschiedenen Perspektiven heraus und zeigt mehrdimensional seine Entwicklungen und Formen auf. Eine wesentliche Frage zieht sich dabei durch die Arbeit - steht der Wettbewerb dem Streben nach „Peace, Love and Understanding“ und unseren hohen moralischen Vorstellungen entgegen oder stehen wir uns selbst nicht schon dessen entgegen. 3
In der vorliegenden Arbeit werden einige zentrale Thesen Lotters herausgegriffen und aus einer anderen Perspektive heraus mit weiteren Ansätzen verglichen. Zunächst erfolgt eine allgemeine Auseinandersetzung mit der Thematik Wettbewerb bezogen auf die Grundaussagen Wolf Lotters. Bezogen auf den Artikel werden im weiteren Verlauf der Ausarbeitung drei separate Thesen betrachtet und der Wettbewerb unter moralischen und internationalen Gesichtspunkten beleuchtet. Abschließend erfolgt eine kritische Schlussbetrachtung, in der die Bedeutung des Wettbewerbs für die Unternehmensführung hervorgehoben wird.
Im Zuge der gesamten Studienarbeit wird untersucht, inwieweit die Auseinandersetzung mit dem Wettbewerb und beispielsweise das Agieren im Wettbewerb ein wichtiges Element für die Unternehmensführung sein kann und helfen kann, dass eigene Unternehmen im Wettbewerb zu platzieren. Wie sich ein Unternehmen strategisch im Wettbewerb platziert, hat einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens. daher ist es umso wichtiger, dass sich das Management dem Wettbewerb bewusst ist, weiß wie der Wettbewerb auf das Unternehmen wirken kann und durch was der Wettbewerb beeinflusst wird.
2. Wettbewerb, Kapitalismus und Gerechtigkeit
Mehr und mehr kommt die Frage auf, ob der Kapitalismus noch moralisch akzeptiert werden kann. Die Zustimmung zum kapitalistischen Wirtschaftssystem sinkt weltweit. In einer britischen Studie
1 Vgl. Lotter, Wolf (2008), S. 52.
2 Vgl. ebenda. S. 54.
3 Vgl. ebenda. S. 52.
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wurden in 2009 Menschen aus 27 Ländern zur Wirtschaftsordnung befragt. Laut dieser Studie sind nur 11 Prozent der Befragten der Auffassung, dass der Kapitalismus in seiner derzeitigen Form gut funktioniert. In Frankreich kamen allein 43 Prozent zu dem Urteil, dass die freie Marktwirtschaft nur sehr fehlerhaft funktioniert. 4 Das scheint insofern verwunderlich da sich, wie Lotter es schildert, im selbstbewussten Frankreich, anders als in Deutschland, ganz offen mit dem Wettbewerb auseinandergesetzt wird.
Wir stellen die gierigen Manager mit ihren Gehältern an den Pranger. Doch nach Ansicht von Wolf Lotter „harmonisieren (wir) uns an der Realität vorbei“. 5 Der Wettbewerb wird häufig gescholten und die Unternehmen, welche nach Gewinn streben verteufelt. Der Wettbewerb und die mangelnde Moral der Unternehmen sind angeblich schuld an der derzeitigen Misere. Doch hier wird der Wettbewerb nur eindimensional betrachtet, die positiven Seiten des Wettbewerbs werden unter den Teppich gekehrt. In unseren Moralvorstellung ist der Wettbewerb unsolidarisch und unmoralisch doch in der freien Marktwirtschaft wird erst durch das Gewinnstreben der Unternehmer die produktionsorganisatorische Effizienz gewährleistet. Die Faktorallokation kann jedoch nur unter der Voraussetzung optimal sein, dass am Markt Konkurrenz herrscht. 6 Die wie Lotter sie nennt, „intelligente Konkurrenz“ sorgt also dafür, dass knappe Ressourcen effizient nach den Erfordernissen des Marktes verteilt und eingesetzt werden. 7
Als moralisch verwerflich werden Unternehmen dargestellt denen es ganz egoistisch allein um den Gewinn geht, denn „der Egoismus (…) ist der Todfeind des Kollektivismus“. 8 Jedoch wird die egoistische Zielsetzung der Gewinnmaximierung durch die freie Marktwirtschaft in einen sozial akzeptablen Zustand transformiert. Die unsichtbare Hand des klassisch liberalen Nationalökonomen Adam Smith führt so dass eigennützige Streben der Unternehmen zum Wohl der Gesellschaft, da es durch den Marktmechanismus zur günstigsten Güterversorgung kommt. 9 So ist es dem Denken der ach so egoistischen Menschen zu verdanken, dass wir uns heute nicht mehr brutal und gewaltvoll um ein Stück Fleisch prügeln müssen. „Es ist nicht die Wohltätigkeit des Metzgers, des Brauers oder des Bäckers, die uns unser Abendessen erwarten lässt, sondern dass sie nach ihrem eigenen Vorteil trachten.“ (Adam Smith
Die natürliche (brutale) Intelligenz kann durch Nachdenken überwunden werden. So dass auch die Schwachen in unserer Gesellschaft, im Kampf um die Ressourcen, nicht gewaltvoll zu Grunde gerich-
4 Vgl.Spiegel Online (2009).
5 Lotter, Wolf (2008), S. 54.
6 Vgl. Cezanne, Wolfgang (2005), S.27 f.
7 Lotter, Wolf (2008), S.58.
8 Ebenda. S.57.
9 Vgl. Cezanne, Wolfgang (2005), S. 27f.
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tet werden. Die einzige Form der akzeptablen Gewalt ist jetzt nur noch die Marktwirtschaft, bei welcher am Ende für alle mehr herauskommt. 10
Wettbewerb und Konkurrenz bringen die Vielfalt und Unterschiede in unserer Gesellschaft zum Tragen. Konkurrenz ist ein Teil der Wirklichkeit welcher uns uns selbst und die anderen wahrnehmen lässt. Nur wenn wir einen Vergleich haben, können wir erkennen was wir wirklich wollen.
„Wer die Konkurrenz scheut, bleibt, wie er ist - und das reicht nie, nicht mal für einen allein“. 11 So verdanken die Menschen dem so oft gescholtenen Wettbewerb ihren Wohlstand. Unser Wohlstand gründet auf dem Wettbewerb, in welchem die Anbieter immer bessere und innovativere Produkte zu immer günstigeren Preisen herstellen. 12 Dieser alles erfassende Wettbewerb, welcher ständig dem Problem der Knappheit ausgesetzt ist, schafft paradoxerweise zu allem Überfluss Überfluss.
Jedes Lebewesen steht in der Natur mit anderen Lebewesen in einem nicht endenden Wettbewerbdies ist der Normalzustand. 13 So ist es nicht verwunderlich, dass der Wettbewerb in der Marktwirtschaft zu einem Funktionsimperativ für die ganze Wirtschaft geworden ist und man sich diesem nicht entziehen kann. Niemand kann sich auf dem erreichten ausruhen, weil man immer damit rechnen muss, sonst morgen von einem Konkurrenten überholt zu werden, denn „die Konkurrenz schläft nicht“. So wird ein permanenter Wettbewerbsdruck erzeugt. 14 Dadurch ist jeder Einzelne - auch der humanste Unternehmer - gezwungen jederzeit, unablässig Potentiale aufzubauen und seine Ressourcen präventiv zu vermehren. Das langfristige Überleben kann nur durch die Potentiale wie Macht, Geld, Wissen und Beziehungen gesichert werden. Im Wettbewerb sind die Unternehmen dabei dem Funktionsimperativ der Shareholder-Value-Maximierung sowie der Stakeholder-Orientierung unterworfen. Die Wettbewerbslogik lässt hier keinen Raum für moralisch motivierte Vor- und Mehrleistungen, welche nicht kompensiert werden können. 15
Nach Hobbes kann nur der Staat die Menschen hindern ihre Aggressionen im Wettbewerb nicht ungehindert frei auszuleben. Würde der Staat nicht eingreifen herrsche nur Mord und Totschlag. 16 Überträgt man dies in die heutige Zeit, befürworte Hobbes staatliche Eingriffe in den Markt und dass der Staat den Wettbewerb umfassenden reglementiert.
Doch hier sollten die Eingriffe des Staates in den Markt wohl überdacht seien:
10 Vgl. Lotter, Wolf (2008), S. 58 f.
11 Lotter, Wolf (2008), S. 55.
12 Vgl. Homann, Karl (2009 b), S. 9.
13 Vgl. Lotter, Wolf (2008), S. 56.
14 Lotter, Wolf (2008), S.55.
15 Vgl. Homann, Karl (2009 a).
16 Vgl. Lotter, Wolf (2008), S.56.
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Was passiert wenn der Wettbewerb nun abgeschafft wird und der Staat umfassende Reglementierungen vornimmt kann teilweise in unserem Sozialstaat beobachtet werden. Der Wettbewerb wurde völlig aufgehoben. Umverteilungen mit sozialen Absichten, sind so selbstverständlich geworden, dass nur noch vereinzelt ernsthaft Widerstand geleistet wird. Doch die Konkurrenz zwischen den Leistungsträgern und Leistungsnehmern kann so nicht ausgeschaltet werden - auch wenn es ja eigentlich keinen Wettbewerb dazu gibt. 17 Im Gegenteil, der Sozialneid wird gefördert und das Konkurrenzdenken wächst. Die guten Absichten kann man dem Sozialstaat nicht absprechen, aber ob das Ziel des sozialen Friedens wirklich erreicht werden kann bleibt fraglich. So ist in einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung zur sozialen Gerechtigkeit von 2007 zu entnehmen, dass nur 15 Prozent der Bürger der Meinung sind, dass die Verteilung in Deutschland gerecht ist - ein historischer Tiefststand. 18
Was staatlich geförderter mangelnder Wettbewerb für Konsequenzen für die Menschen hat, kann sehr gut am Beispiel der Liberalisierung der Deutschen Post betrachtet werden. Mangelnder Wettbewerb bedeutet erhöhte Kosten für jeden Einzelnen. Dieses konnte man eben genanntem Beispiel beobachten. Die Gebühren sinken seit dem sich der Telekommunikationsmarkt dem Wettbewerb stellen muss. Erst jetzt kann man erkennen, wie viel Geld der Monopolist Deutsche Post damals den Kunden - und vor allem dem armen Kunden - gekostet hat. Hier kann man sicherlich nicht von sozialer Gerechtigkeit sprechen. Das ein System ganz ohne Wettbewerb erst recht nicht funktionieren kann, müsste dann spätestens 1989 allen klar geworden sein.
Trotzdem sind Reglementierungen des Wettbewerbs nötig und wichtig. Auch Karl Homann spricht sich für Reglementierungen des Wettbewerbs aus. Denn der Wettbewerb ist nur produktiv und erwünscht, wenn dieser geeigneten Regeln unterliegt. Der Wettbewerb wird unvermeidlich ruinös, wenn dieser keinen, ungeeigneten oder falschen Regeln unterliegt. 19
Eine Rahmenordnung, Gesetze und Spielregeln, ist in der Marktwirtschaft eine wesentliche Restriktionen des Gewinnstrebens. Über bestimmte Wettbewerbsparamenter hinaus, wie Erpressung, Raub, Umweltverschmutzung oder mangelnder Arbeitsschutz ist kein Wettbewerb zulässig. Eine Marktwirtschaft funktioniert, wie Fußball, nur unter einem Regelsystem. Ein Problem der aktuellen Finanzkrise ist, dass mit innovativen Finanzprodukte gehandelt wurde, ohne eine feststehende Rahmenordnung dafür zu besitzen. 20 Der Einfluss des Staates auf den Wettbewerb wird in Kapitel 3.3 näher betrachtet.
17 Vgl. Lotter, Wolf (2008), S. 54.
18 Vgl. Bertelsmann Stiftung (2007), S. 4.
19 Vgl. Homann, Karl (2009 a).
20 Vgl. ebenda. (2009 b).
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3.Ausgewählte Facetten des wirtschaftlichen Wettbewerbs
3.1. „Goliath ist immer leicht zu überraschen“ aber ist David auch immer der Sieger?
Eine der am häufigsten verwendeten Synonyme für einen „ungleichen Kampf“ ist die biblische Erzählung von David und Goliath. Der Jüngling David besiegte demnach in einem Zweikampf den ihm an Größe und Stärke weit überlegenen Goliath. Auch im Artikel Anleitung für das andere von Lotter Wolf findet diese Erzählung ihren Platz. Nur sind es nicht David und Goliath sondern Dackel und Dogge die zur bildlichen Untermalung des Konkurrenzkampfs dienen. Der Dackel der durch Gnadenlosigkeit, Wagemut und Opferbereitschaft zum sprichwörtlichen Wadenbiss ansetzt, die überhebliche behäbige Dogge überrascht und sich so Respekt und Freiraum verschafft. Der Überraschungsmoment in solchen Situationen liegt ohne Zweifel beim unterschätzen Angreifer und der Aussage „Goliath ist immer leicht zu überraschen“ ist nicht viel entgegen zu setzten. Jedoch ist es bei solch einer Ausei-nandersetzung nicht entscheidend wer wen am Anfang überrascht hat sondern viel mehr wer am Ende daraus einen Vorteil ableiten konnte. Im Beispiel Dackel und Dogge sind Erfolg und Überraschungsmoment mit einander verbunden, denn der Dackel hat sich den nötigen Respekt verschafft und sein Terrain durch den Angriff verteidigt. 21
Doch ist Angriff auch in der Wirtschaft immer die beste Verteidigung wenn es um klein gegen groß geht, wie mit diesem Beispiel suggeriert wird?
Um dies zu hinterfragen ersetzten wir Dackel und Dogge mit den Unternehmen Porsche und Volkswagen. Porsche der kleine Sportwagenhersteller der den 15-mal größeren Volkswagenkonzern angriff um am Ende einen Weltkonzern zu schmieden. Auch in diesem aktuellen Beispiel wurde stets der Vergleich mit David gegen Goliath aufgeführt nur mit dem Unterschied, dass nicht David am Ende triumphierte. Das Überraschungsmoment lag ohne Zweifel bei Porsche. Im März 2005 wurde unter höchster Geheimhaltung ein Plan ins Leben gerufen der 7 Monate später in die Tat umgesetzt wurde und vier Jahre lang die Öffentlichkeit in Atem hielt. Ein wagemutiges Vorhaben bei dem das langfristige Überleben Porsches gesichert werden sollte, da das Unternehmen unter anderem zu klein war, um auf Dauer neue Technologien selbst zu entwickeln. 22 Mit Hilfe von über drei Milliarden Euro Barreserven und der Spekulation mit Optionen und Derivaten sollte der noch ahnungslose Riese, der Konkurrent Volkswagen nicht nur überrascht und abgeschreckt sondern gar übernommen werden. In diesem Beispiel nimmt Volkswagen die Rolle des großen, ruhigen sowie gelassenen Konkurrenten ein, der sich dieser Rolle am Anfang überhaupt nicht bewusst war, denn ein Angriff durch Porsche und gar eine Übernahme war zunächst undenkbar. 23 Die anfängliche Beteiligung durch den Kauf von 20 % der Aktien wurde von Volkswagen sogar begrüßt, doch letztendlich merkte auch Volkswagen, dass die
21 Vgl. Wolf Lotter (2008), S. 54f.
22 Vgl. Dalan M., Doll N., Seidlitz F. (2009), siehe Internetverzeichnis.
23 Vgl. Hawranek Dietmar (2009), siehe Internetverzeichnis.
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Arbeit zitieren:
M.A. Thomas Fleck, 2010, Wettbewerb in seinen unterschiedlichen Facetten, München, GRIN Verlag GmbH
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