Beschauliche Biedermeierstädtchen wuchsen zu gigantischen Gründerzeitmetropolen, wie Berlin, Barcelona, New York und so fort.
In dieser Zeit herrschte eine rege Nachfrage nach allem, was die Industrie herstellten konnte. Der Markt war praktisch ungesättigt. Man brauchte Wohnungen, Geräte, Stoffe, Maschinen, Schiffe, Züge und etliches mehr, von dem es zuvor nichts oder zu wenig gab. Dazu hatte fast jeder Mann Arbeit. Es herrschte somit eine kontinuierliche Nachfrage. Von einer Inflation oder einer Überproduktion war man weit entfernt. Hatte man ein neues Produkt, so konnte man es millionenfach verkaufen. Das Zeitalter der Industrialisierung und der Erfindungen zeichnete sich ökonomisch gesehen dadurch aus, dass es möglich geworden war, neue Artikel auf den Markt zu bringen und gefragte Produkte maschinell in viel größerer Zahl herzustellen, als dies in den vorindustriellen Manufakturen möglich war.
Bei der Formulierung der fundamentalen und der staatlichen Wirtschaftsgesetze, die in dieser Boomphase erarbeitet wurden, war von einer Begrenzung oder gar Begrenztheit natürlich in keiner Weise die Rede. Alle Quellen sprudelten und ein Ende der Nachfrage war nicht in Sicht. Folglich blieben bei der Formulierung und Umsetzung der Marktregeln bestimmte Bedingungen unberücksichtigt, die erst später an Bedeutung gewannen.
Die Wirtschaft des imperialen Zeitalters wuchs und wuchs und wenn es keinen Ersten und keinen Zweiten Weltkrieg gegeben hätte, könnten wir heute davon noch mehr profitieren. Nebenbei wurde die Bevölkerungsstruktur ziemlich fundamental umgekrempelt. Die alte Großfamilie wurde in die Kernfamilie auf gespalten. Der Mensch wurde seit 1900 mit der Einführung des BGB ab Geburt zur Rechtperson, damit direkt zum selbstständigen Glied des Staates. Damit wurde der Nationalstaat zum Ersatz für die Großfamilie. Das Individuum war entstanden und es konnte frei von allen Bindungen dorthin ziehen, wo es gerade Arbeit gab. Nein, ganz frei war es noch nicht. Es gab noch die Kleinfamilie, also ein Mann, eine Frau und Kinder. Dies galt für weite Kreise der Bevölkerung in den Städten. Das neue Bürgertum, der Adel und die Landbevölkerung widerstanden der Vereinzelung noch eine Weile, indem es die Strukturen des Feudalismus für den privaten Bereich weiter beibehielt. Mit der Auflösung der Familie und dem Eintritt in die freie Wirtschaft, in der nicht mehr Stände und Zünfte, sondern Angebot und Nachfrage das Gesetz des Marktes bestimmten, gingen auch die Aufgaben der Familien zur Fürsorge und Pflege ihrer Mitglieder auf die Allgemeinheit über. Dies dokumentieren die so genannten
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Sozialgesetze. Die Pflege von Kranken und die Versorgung der Alten gingen schrittweise auf den Staat über. Die Produktion wurde weitgehend von allen Aufgaben entlastet, die nicht direkt mit der Herstellung, dem Handel und der Finanzierung einhergingen. Der Staat übernahm die Aufgabe, alle Bereiche des Lebens zu organisieren, die für eine effektive Volkswirtschaft erforderlich waren. Er übernahm somit nach und nach alle Bereiche, die zur Sicherung der Reproduktion dienen. Dazu gehörten zuerst die schon genannten Bereiche Gesundheitswesen und Altersvorsorge. Dazu kamen die Arbeitslosenversicherung, der Ausbau der Verkehrswege, der Ausbau der Judikative und der exekutiven Verwaltungsbürokratie, der Aufbau des Schulwesens und der Hochschulen. Er sicherte die Verfügbarkeit von Rohstoffen ab und verfolgte eine Außenpolitik im Sinne der heimischen Wirtschaft.
Die mit der Übernahme dieser Pflichten entstehenden Kosten deckte er mit stetig steigenden Steuereinnahmen. Aus verschiedenen Gründen veränderten sich die Rahmenbedingungen des Wirtschaftskreislaufes im Laufe der weiteren Entwicklung von der Industrialisierung bis zur modernen Konsumgesellschaft. Zum einen erlebte die Bevölkerung der Industriestaaten, wie sich die alten Strukturen der Beziehungen innerhalb der Familie und untereinander änderten. Zum anderen stellte der technische Fortschritt neue Formen der Kommunikation und der Mobilität her, die tief greifende Änderungen im Verhalten bewirkten. Die Struktur- Veränderung bewirkte aber auch eine Verschiebung der Lasten aus Sorge und Fürsorge von den Familienmitgliedern auf die Gemeinschaft. Während die Leistungen der sozialen Pflichten vorher im privaten Bereich mehr oder weniger kostengünstig und effizient erbracht wurden, belasten die staatlichen Sozialsysteme die öffentlichen Kassen in immer größerem Maße, ohne dass ein Ende dieser Entwicklung in Sicht ist.
Ebenso nimmt die Zahl der Kinder stetig ab, da mit der neuen Struktur auch ein Wertewandel und eine ungerechte Lastenverteilung im Hinblick auf die Rolle von Vätern und Müttern ein hergeht. Aber nicht nur im privaten Bereich treten Schwächen der Ökonomie des klassischen bürgerlichen Wirtschafts- und Staatssystems auf. Auch in anderen Bereichen der Reproduktion kommt es zu Engpässen. So sind die Wiederherstellung einer intakten Natur, der Abbau von Verbrennungsprodukten in der Atmosphäre und das Funktionieren der sozialen Systeme in den globalen Märkten ein virulentes Problem, das mehr und mehr das System als solches in Frage stellt. Hinz kommt, dass die Wachstumstheorie der klassischen Ökonomie im gesättigten Markt der entwickelten Regionen an ihre Grenzen stößt. In den weniger entwickelten
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aufstrebenden Ländern gibt es zudem massive Defizite im Bereich Umweltschutz und Nachhaltigkeit.
Eine besondere Zuspitzung der Lage ist aber erst durch die Krisen an den Finanzmärkten eingetreten, die seit den Achtzigern in immer kürzeren Abständen wie Fieberschübe die Weltwirtschaft heimsuchten. Dies hängt mit der Globalisierung der Produktion und der Loslösung der Finanzmärkte von der realen Wirtschaft zusammen. Hinzu kommt das Ungleichgewicht der Wertschöpfung in der Wertschöpfungskette zwischen der Produktion und der Reproduktion. Erstere erhält die Gewinne der Wertschöpfung, letztere trägt deren Kosten. Daraus resultiert die Verarmung großer Bevölkerungsschichten, von denen die Kosten der Reproduktion getragen werden müssen und die übermäßige Bereicherung kleiner Bevölkerungsschichten, die von den Kosten der Reproduktion befreit, mehr Gewinne aus der Produktion einstreichen können, als sie jemals sinnvoll ausgeben können.
Das derzeitige Wirtschaftssystem zerstört die Solidarität und den Zusammenhalt der Gesellschaft, die natürlichen Ressourcen, und vernichtet das Vermögen des Gattungswesens Mensch für etliche Generationen und führt uns in eine neues Mittelalter, schlimmstenfalls in die Endzeit. Daher muss die alte Ökonomie durch eine bessere neue ersetzt werden und dazu möchte ich folgende Vorschläge machen.
Energiewirtschaft
Der Bereich, in dem sich eine Erweiterung der Wertschöpfung am ehesten bewerkstelligen lässt, ist die Energiewirtschaft. Sie ist einfach und transparent. Die reproduktiven Bereiche des Abbaus von Kohlendioxid und der Produktion von Sauerstoff sind eine messbare und damit leicht zu bewertende Größe. Für die Verbrennung ist neben dem so genannten Brennstoff unbedingt auch Sauerstoff erforderlich. Der Sauerstoff ist Bestandteil der Atmosphäre und da diese niemandem gehört und nach der alten Ökonomie in unendlicher Menge vorkommt, kostenlos. Ebenso verhält es sich mit dem Verbrennungsprodukt, das neben Wasser aus Kohlendioxid und anderen Oxiden besteht.
Man ging in der alten Ökonomie davon aus, dass die Aufnahmefähigkeit des Biotops Erde niemals überschritten würde. Inzwischen vermutet man, dass Sauerstoff und Kohlendioxid in direkter Relation zu den fossilen Brennstoffen vorkommen. Die
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Diplompsychologe Wolfdieter Hötzendorfer, 2011, Eine neue Ökonomie zur Lösung der Krise, München, GRIN Verlag GmbH
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