INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS
Inhaltsverzeichnis 2
I. Einleitung. 3
II. Die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ 5
A. KdF - Wohltat für die Arbeiterschaft? 5
1. Zielsetzung der KdF-Tätigkeiten 5
a) Regeneration, Motivation und gefühlte Erhöhung des Lebensstandards 5
b) Subjektive Statuserhöhung - Integration der Arbeiterschaft. 7
c) Ruhigstellung der Arbeiterschaft 9
d) Stärkung des Heimatgefühls, körperliche Ertüchtigung und Auslandswirkung. 10
e) Propaganda. 11
f) Herrschaftsstabilisierung 12
2. Das Verhältnis zwischen Zielsetzung und Realität. 13
a) Propagandistische Utopien 13
b) Beschränkung auf die Freizeit 13
c) Teilnehmerzahlen. 14
3. Die Erfolge von KdF. 16
4. Der Preis der KdF-„Wohltaten“ 17
B. KdF in der Selbstdarstellung - „Begegnung von Marxisten und KdF-Reisenden“ 17
III. Zusammenfassung 19
Anhang. 21
A. Die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ - Gründung und Tätigkeitsbereiche 21
1. Schönheit der Arbeit 21
2. Feierabendgestaltung 22
3. Sport. 22
4. Das Deutsche Volksbildungswerk 22
5. Der KdF-Wagen. 23
6. Reisen, Wandern und Urlaub. 23
B. „Begegnung von Marxisten und KdF-Reisenden“ (Der Angriff, 6. Mai 1936) 24
Quellen - und Literaturverzeichnis 25
LUKAS DANIEL STREHLE
EINLEITUNG 3
I. EINLEITUNG
Die [...] NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KdF) war die populärste Organisation im NS-Regime. [...] Mit dem umfassenden Wirken dieser Organisation sollte vorrangig die Arbeiterschaft in die "Volksgemeinschaft" integriert werden. [...] KdF-Veranstaltungen sollten der Entspannung und der Regeneration zur Erhöhung der Arbeitsleistung dienen, wozu auch die Verbesserung und Verschönerung der Arbeitsplätze mit Kantinen, Sportstätten oder Grünanlagen gehörte. Die Organisation KdF, die den Zugang zu bisher bürgerlichen Privilegien anbot, diente letztlich der Vorstellung einer klassenlosen Gesellschaft im Sinne der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. 1
So leitet das Deutsche Historische Museum Berlin im Rahmen des ‚Lebendigen Virtuellen Museums Online’ (LeMO) den Artikel über die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ ein. Das ist Ausdruck und vermutlich Mitursache einer Meinung über KdF, die sich bis heute hält: Es entsteht beim Leser das Bild der populären Organisation, die zum Wohle der Arbeiterschaft für Entspannung und Regeneration sorgt und ihr zum Zwecke der Integration bürgerliche Privilegien öffnet. „Kraft durch Freude“ als Inbegriff großzügiger ‚staatlicher’ 2 Wohltaten, als „Bonusprogramm“ des NS-Staats, als Zuckerbrot des Hitler-Regimes für die Arbeiterschaft.
Untersucht man die Entstehung und Entwicklung sozialstaatlicher Verbesserungen seit der Kaiserzeit, findet man hinter den meisten vordergründigen Motiven tiefer liegende Zielsetzungen, die staatliches Handeln in einen größeren Kontext rücken und schlüssiger erklären können. Oftmals sind „Errungenschaften“ bei näherer Betrachtung gar nicht wirklich neu, häufig sind „großzügige Wohltaten“ eher notwendige Zugeständnisse. Um die Frage zu klären, ob es sich bei „Kraft durch Freude“ tatsächlich um ein staatliches Wohltatenprogramm gehandelt hat bzw. welche Intention die Verantwortlichen mit ihr verfolgten, lohnt es sich, die Organisation einer näheren Untersuchung zu unterziehen.
Dazu muss zunächst die Zielsetzung analysiert und anschließend mit der realen Umsetzung der Pläne verglichen werden. Die zielführenden Fragen sind: Was hat KdF versprochen? Welche Versprechungen hat KdF warum gemacht? Und welche Versprechen hat KdF gehalten, welche Erfolge konnte die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ verbuchen? Abschließend sollen die Erfolge mit evtl. KdF-Nachteilen aufgerechnet werden.
Untersucht wird im Wesentlichen die Zeit zwischen KdF-Gründung 1933 und Beginn des Krieges 1939. Zwar bestand KdF bis 1945 weiter, die Zielsetzungen, Aufgabenfelder und Vorgehensweisen während des Krieges haben sich jedoch erheblich verändert und würden eine eigenständige Analyse erfordern.
1 http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/kdf/index.html (21. Juni 2007).
2 Trägerin von KdF war die DAF, selbst wiederum Unterorganisation der NSDAP. Von staatlicher Wohltat zu sprechen, wäre also genau genommen falsch. Aufgrund der starken Verschränkung von Staat und Partei im Nationalsozialismus ist aber durchaus anzunehmen, dass KdF nicht zwingend als NSDAP-abhängiges Programm, sondern eher als „von der Führung kommend = staatlich“ wahrgenommen wurde. Aufgrund ihrer Aufgaben und Zielgruppen passt die NSG „Kraft durch Freude“ auch besser in den Bereich staatlicher Tätigkeiten, als in den eng-parteispezifischen Kontext. Eine NSDAP-Mitgliedschaft war nicht notwendig, um KdF-Mitglied zu werden. KdF war also zwar organisatorisch Teil der Partei, funktionell aber m.E. eher Teil des Staates. LUKAS DANIEL STREHLE
EINLEITUNG 4
Die Quellenlage zur NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ ist sehr gut. Neben zahlreichen überlieferten Reden von Verantwortlichen, allen voran DAF-Chef Robert Ley, liegen KdF-Leistungsberichte, Überblickszusammenfassungen zu mehrjährigen KdF-Jubiläen,
Propagandapublikationen verschiedenster Art sowie eine Fülle an Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln von und über „Kraft durch Freude“ vor. Die Herausforderung ist also nicht, passende Quellen zu finden, sondern eine repräsentative Auswahl daraus zu treffen, um die Zielsetzung von KdF zu verdeutlichen, ohne auf sämtliche sich endlos wiederholende Propagandaformulierungen einzugehen.
Von der Forschung wurde „Kraft durch Freude“ selten als sozialpolitische Komponente des NS-Staates untersucht. Die einzige ansatzweise vollständige Abhandlung über die KdF-Zielsetzung ist die Münchener Dissertation von Wolfhard Buchholz. 3 Die Stuttgarter Dissertation von Bruno Frommann 4 bringt für das untersuchte Gebiet neben einigen neuen Statistiken keine darüber hinaus gehenden Erkenntnisse. Für den hingegen mehr als ausführlich bearbeiteten Bereich der KdF-Reisen ist besonders die aktuelle Arbeit von Wolfgang König 5 recht aufschlussreich. Aus der Fülle weiterer Untersuchungen zu diesem Thema sei noch der Aufsatz von Friedhelm Vahsen 6 erwähnt, der jedoch bezüglich der KdF-Motivationen weitgehend ebenfalls auf Buchholz zurückgreift. Weitere Werke lieferten punktuell nützliche Denkanstöße und werden an entsprechender Stelle eingeführt.
Um die Ausbreitung lexikalischen Wissens im Darstellungsteil zu vermeiden, wurde der grundlegende Überblick über die Aufgabenfelder der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ in den Anhang verlegt.
3 Wolfhard Buchholz, Die nationalsozialistische Gemeinschaft "Kraft durch Freude". Freizeitgestaltung und Arbeiterschaft im Dritten Reich, Univ. Diss. München 1976.
4 Bruno Frommann, Reisen im Dienste politischer Zielsetzungen, Univ. Diss. Stuttgart 1992.
5 Wolfgang König, Volkswagen, Volksempfänger, Volksgemeinschaft. "Volksprodukte" im Dritten Reich - Vom Scheitern einer nationalsozialistischen Konsumgesellschaft, Paderborn 2004.
6 Friedhelm Vahsen, Freizeiterziehung als Sozialpolitik. Die Kulturarbeit der NS-Wohlfahrt, in: Otto, Hans-Uwe (Hrsg.): Soziale Arbeit und Faschismus. Volkspflege und Pädagogik im Nationalsozialismus, Bielefeld 1986.
LUKAS DANIEL STREHLE
DIE NS-GEMEINSCHAFT „KRAFT DURCH FREUDE“ 5
II. DIE NS-GEMEINSCHAFT „KRAFT DURCH FREUDE“
A. KdF - Wohltat für die Arbeiterschaft?
Betrachtet man die umfassende Breite der KdF-Tätigkeit 7 und behält dabei im Hinterkopf, dass die dadurch primär besser gestellte Gesellschaftsgruppe vorgeblich die Arbeiterschaft sein sollte, könnte man auf den ersten Blick schnell zu dem Schluss gelangen, dass die NS-Verantwortlichen damit den sozialistischen Teil ihrer Wahlkampfversprechen einlösen wollten. Großartige Angebote zu günstigsten Preisen, von denen jeder Arbeiter profitieren konnte, egal wie hoch sein Einkommen war. Das hört sich nach einem Füllhorn staatlicher bzw. parteipolitischer Wohltaten an. Andererseits verwundert, dass gerade das NS-Regime diese Wohltaten uneigennützig und ohne Gegenleistung angeboten haben soll. Es stellt sich also die Frage nach den Beweggründen, die hinter KdF standen: Welche Zielsetzung verfolgte die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“? Daneben müssen die offiziellen und hintergründigen Ziele mit der Realität verglichen werden: Wurden die Ziele und Versprechen von KdF verwirklicht und erfüllte die Gemeinschaft ihren Zweck?
1. Zielsetzung der KdF-Tätigkeiten
Die Kernstücke der KdF-Arbeit betrafen die Freizeitgestaltung. Nach heutiger Vorstellung ist dies ein Bereich, in dem private Anbieter agieren. Reise- oder Kulturveranstalter offerieren ihre Angebote als Dienstleister mit Gewinnerzielungsabsicht, kein Sportverein würde auf die Idee kommen, mit Verlusten zu kalkulieren. „Kraft durch Freude“ allerdings erzielte keinerlei Gewinne, ja arbeitete noch nicht einmal kostendeckend. 8 Die Zielsetzungen heutiger Akteure, die sich auf den Sektoren der ehemaligen KdF-Tätigkeit bewegen, passen also offenbar nicht auf die NS-Zeit. Wenn KdF nicht wirklich rein karitativ gewesen sein sollte, muss es andere Handlungsmotivationen für das umfassende KdF-Angebot gegeben haben.
a) Regeneration, Motivation und gefühlte Erhöhung des Lebensstandards
Wir schickten unsere Arbeiter nicht auf eigenen Schiffen auf Urlaub oder bauten ihnen gewaltige Seebäder, weil uns das Spaß machte oder zumindest dem einzelnen, der von diesen Einrichtungen Gebrauch machen kann. Wir taten das nur, um die Arbeitskraft des einzelnen zu erhalten und um ihn gestärkt und neu ausgerichtet an seinen Arbeitsplatz zurückkehren zu lassen. KdF überholt gewissermaßen jede Arbeitskraft von Zeit zu Zeit, genau so wie man den Motor eines Kraftwagens nach einer gewissen gelaufenen Kilometerzahl überholen muss. 9
Aus diesen Worten des DAF-Pressereferenten wird schnell klar, dass KdF keineswegs eine karitative, funktionslose Wohltat war. Die hier erklärten Ziele waren Stärkung und Neuausrichtung. Da die leistungsfähige Arbeitskraft nach NS-Ansicht „den wertvollsten, unentbehrlichsten und entscheidendsten Faktor für die wirtschaftliche und politische Erstarkung und Unabhängigkeit Deutschlands“ 10 darstellte, versuchten die Nationalsozialisten,
7 Siehe Anhang A.
8 Buchholz (1976), S. 213 ff.
9 Gerhard Starcke, Die Deutsche Arbeitsfront, Berlin 1940, S. 10 f.
10 Buchholz (1976), S. 121, zur tatsächlichen Umsetzung siehe aber unten. LUKAS DANIEL STREHLE
DIE NS-GEMEINSCHAFT „KRAFT DURCH FREUDE“ 6
die Arbeitsleistung aller Erwerbstätigen zu optimieren, Erhalt und Stärkung der Leistungskraft wurden zu zentralen Anliegen. In der Freizeitgestaltung erkannte man bereits damals ein Mittel zur Regeneration und Erhöhung der Arbeitskraft, sie diente der Unterstützung der Arbeit. 11 Im Normalfall sollten die Feierabend- und Wochenendangebote genügen, um bei durchschnittlicher Arbeitsleistung die Arbeitskraft zu erhalten. Um sie sogar noch zu steigern, schien man sich der Urlaubsreisen zu bedienen. 12
Neben dieser leicht verständlichen psycho-physischen Entspannungswirkung, die organisierte Freizeit meistens mit sich bringt, spielte vor allem der Aspekt der Motivationserhöhung eine wichtige Rolle. Anreize steigern die Leistungsbereitschaft. Das können im Hinblick auf die Arbeitswelt materiell höhere Löhne, jedoch auch andere, immaterielle Vergünstigungen sein. Als eine solche Ersatzvergütung kommt das KdF-Programm in Betracht, denn die Aussicht auf subventionierten Urlaub, auf betriebliche Sportangebote oder andere an gute Arbeitsleistung gebundene „Lebensfreuden“ wirkt motivationsfördernder als monotoner Arbeitsalltag. Die Arbeitsfreude war nach NS-Auffassung ein Element der Lebensfreude, sodass sich eine Steigerung der allgemeinen Lebensfreude auch positiv auf die Arbeitsleistung auswirkte. 13 Die Bezeichnung „Kraft durch Freude“ drückt folglich die Idee aus, aus der Freude neue Lebens-und Arbeitskraft zu generieren. Auch die Verbesserungen und Verschönerungen der Arbeitsumgebung durch das Amt Schönheit der Arbeit fallen in diesen Bereich: „Schöne Arbeit ist wirtschaftlich“. 14
Unser deutscher Arbeiter ist in der Lage, sich zu begeistern und glücklich zu sein. Diese Begeisterungsfähigkeit und ihre Erfüllung ist ein Bestandteil seiner Leistungsgrundlage. Wenn unser Arbeiter einmal im Jahr durch eine Urlaubsfahrt glücklich gemacht wird - und es ist unser Bestreben, ihn möglichst zu verwöhnen, - dann kehrt er freudiger zu seiner Arbeitsstelle zurück. 15
Eng verbunden mit der Erhöhung der Motivation allgemein war die gefühlte Erhöhung des Lebensstandards als Ziel der KdF-Tätigkeit. Trotz Wirtschaftsaufschwungs und Vollbeschäftigung in der Vorkriegszeit kam es nur zu einer relativ geringen Entwicklung der materiellen Löhne; rüstungsbedingt war der Produktionsanteil an Verbrauchsgütern verhältnismäßig gering, sodass das Masseneinkommen nicht deutlich erhöht werden konnte, ohne eine unerfüllbare Nachfrage zu erzeugen. 16 Gleichzeitig stiegen jedoch der Bedarf an Arbeitskräften und die geforderte Arbeitsleistung ständig. 17 Wenn man die materiellen Löhne nicht anheben konnte, war man also gezwungen, über den „immateriellen Lohn“ den Lebensstandard zu erhöhen.
11 König (2004), S. 193.
12 Buchholz (1976), S. 122; Vahsen (1986), S. 142.
13 Buchholz (1976), S. 152.
14 Eberhard Aleff, Das Dritte Reich. Edition Zeitgeschehen, Hannover 1979, S. 122.
15 Bodo Lafferentz, Urlaub und Erholung, in: Bericht. Weltkongress für Freizeit und Erholung. Hamburg vom 23. bis 30. Juli 1936. Bearbeitet im Internationalen Zentral-Büro "Freude und Arbeit", Berlin 1937, S. 375.
16 Dieter Grosser, Die nationalsozialistische Wirtschaft, in: Das Argument (32) 1965, S. 1-11, 6.
17 Buchholz (1976), 156; vgl. dazu auch die Rede Robert Leys zur Gründung von KdF, in: Unter dem Sonnenrad, S. 16. LUKAS DANIEL STREHLE
DIE NS-GEMEINSCHAFT „KRAFT DURCH FREUDE“ 7
[Es hat] die absolute Höhe des Einkommens in den letzten Jahren wohl keine wesentliche Erhöhung erfahren können, [doch wurde] trotzdem jeder schaffende Volksgenosse durch die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ in die Lage versetzt, mit seinem Einkommen relativ mehr anzufangen. 18
Die geringen Preise der KdF-Freizeitangebote und die dadurch entlasteten Haushaltskassen halfen dabei, das Gefühl materieller Verbesserung und höheren Lebensstandards zu erzeugen: „Theater, Vergnügungen, Sport, Schulung, Reisen, alles steht zur Verfügung, um den Lebensstandard des deutschen Arbeiters zu heben.“ 19 Die „organisierte Pflege der Leistungskraft in der Freizeit“ 20 war also eine wesentliche, wenngleich nicht die einzige Funktion der KdF-Tätigkeit. 21
b) Subjektive Statuserhöhung - Integration der Arbeiterschaft
Die Schönheiten des Lebens sind nicht mehr alleiniges Vorrecht der Besitzenden, sondern ‚Kraft durch Freude’ sorgt dafür, dass gerade euch Arbeitern und Arbeiterinnen die Schönheit der Berge, Flüsse und Meere, die Kunst der Theater und Konzerte, die Wohltaten des Sports und der körperlichen Ertüchtigung erschlossen werden. 22
Aus diesen Worten Robert Leys lässt sich eine weitere Zielsetzung des KdF-Programms erkennen: Die Öffnung ehemals exklusiver, der vermögenden und gebildeten Bürgerschicht vorbehaltener Betätigungsfelder, wie etwa Seereisen, Theaterbesuche oder elitärer Sportarten für die breite Masse und explizit für die Arbeiterschaft. Gefördert wurde die Teilnahme der Arbeiterschaft einerseits durch günstige und damit auch für finanzschwächere Schichten erschwingliche Preise, andererseits durch die ausdrückliche Einladung an die Arbeiter, wodurch auch Bildungsfernere ohne Scheu für das Theater oder Menschen, die noch nie Urlaub gemacht hatten, für KdF-Reisen gewonnen werden sollten. Diese Öffnung exklusiver Freizeitbereiche verfolgte mehrere Intentionen. Zum einen könnte man die angebliche Aufhebung der Klassengegensätze und die dadurch erweiterten
Freizeitgestaltungsmöglichkeiten dem Bereich der Motivationssteigerung mittels besonderer Anreize zuordnen. Maßgeblich war jedoch insbesondere die Aufwertung des Sozialprestiges der unteren Klasse, deren Freizeitgestaltung nun Elemente einer bislang höherklassigen Gesellschaftsschicht enthielt. Es ging vor allem um eine scheinbare, eine gefühlte Statuserhöhung, die bereits die theoretische Möglichkeit der Teilnahme an bislang exklusiven Angeboten mit sich brachte, um das gesteigerte Selbstwertgefühl der Arbeiter 23 , um das, was Joachim Fest die „Utopie der Klassenversöhnung“ 24 nannte; es stellt sich die Frage, welche Rolle KdF für die Verwirklichung einer NS-„Volksgemeinschaft“ spielte.
Der große Erfolg der bisherigen Arbeit der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ liegt in der durchschlagenden Wirkung auf das Selbstgefühl der Menschen. Jeder hat auf den ersten Blick erkannt,
18 Günther Adam, Aus der Arbeit der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ im Gau Berlin, Berlin 1938, S. 271.
19 Der Angriff, 5. Oktober 1935, S. 12.
20 Siegel (1989), S. 91.
21 Sogar Primärfunktion nach Vahsen, S. 147.
22 Robert Ley, in: Völkischer Beobachter, 30. April 1935.
23 Vahsen (1986), S. 148, Buchholz (1976), S.
24 Joachim Fest, Hitler - Eine Biographie, München 2003, S. 1036. LUKAS DANIEL STREHLE
Arbeit zitieren:
Lukas Strehle, 2007, Die NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" - Staatliche Wohltat für die Arbeiterschaft?, München, GRIN Verlag GmbH
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