Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1-2
1.1 Maria Stuart als Trauerspiel 1-2
2. Hauptteil 2-5
2.1 Die dramaturgische Bedeutung 2-3
2.2 Die grundsätzlichen Intentionen 3-5
3. Resümee 5-6
3.1 Lord Leicester und Mortimer als Rivalen? 5-6
3.2 Zusammenfassung 6
Maria Stuart ist eine immer wiederkehrende Figur der europäischen Literaturgeschichte. Daher scheint es nicht weiter überraschend, dass diese Figur auch im Rahmen der Weimarer Klassik Anklang fand und von Friedrich Schiller in Form eines Trauerspiels behandelt wurde. Vor allem die, von ihm vorgenommene, Charakterisierung des Werks als Trauerspiel ist geradezu sinnbildlich für die komplette Konzeption des Dramas. Er teilt sein Werk in fünf Aufzüge ein, die wiederum in mehrere Auftritte unterteilt sind. Die Zahl der Auftritte ist hierbei variabel. Außerdem hält sich Schiller strikt an die „Lehre der drei Einheiten“ von Aristoteles 1 . Das Trauerspiel vollzieht sich innerhalb von drei Tagen und gibt nur gelegentliche Rückblicke auf vorherige Ereignisse. Ebenso verhält es sich auch mit der Einheit des Raums. Schiller begrenzt sich auf drei zentrale Orte, an denen sich die komplette Handlung vollzieht. Durch den Verzicht auf Nebenschauplätze und somit auch auf Nebenhandlungen komplettiert Schiller die „Lehre der drei Einheiten“. Trotzdem stellt sich die Frage warum Schiller das Trauerspiel als Form für seine dramatische Ausarbeitung wählte. Bei der Geschichte Maria Stuarts handelt es sich schließlich um historisch belegte Tatsachen, einer Darbietung als Geschichtsdrama hätte also nichts im Wege gestanden. Widmet man sich jedoch den tragenden Elemente des Trauerspiels so wird schnell deutlich aus welchen Gründen sich Friedrich Schiller für eben jene Form entschieden hat, denn auch in diesem Gesichtspunkt hält er sich streng an literaturtheoretische Überlegungen. Gemäß der Ständeklausel bewegt er sich in der gesellschaftlichen Schicht der Adels, in diesem Falle sogar des Hochadels, und kreiert somit ein weiteres zentrales Element des Trauerspiels: die Fallhöhe der Hauptfigur. Maria Stuart, die Königin von Schottland, befindet sich eingekerkert und unter Beobachtung der britischen Königin in England, und soll dort hingerichtet werden. Die Fallhöhe für eine Königin, der in England meist nur Verachtung und Hass entgegengebracht wird und die weiterhin all ihrer Reichtümer und Statussymbole beraubt wird 2 , könnte wohl kaum größer sein. Hinzu tritt ein weiteres Element des Trauerspiels: die „schuldlose Schuld“. Im Regelfall versteht man unter diesem Begriff die Tatsache, dass sich die Hauptfigur, getrieben durch äußere Umstände, schuldig macht. Im Falle der Maria Stuart ist diese Form der Schuld jedoch nicht eindeutig festzustellen. Zwar gibt es verschiedene Vorwürfe gegen sie, diese können allerdings nicht eindeutig geklärt werden oder sie werden sogar als falsch identifiziert.
Friedrich Schiller wählte für seine Ausarbeitung von „Maria Stuart“ somit eine Form, die den
1 Vgl. J. Petersen u. M. Wagner-Egelhaaf: Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft, S.77
2 Vgl. F. Schiller: Maria Stuart, I, 1
Schwerpunkt eindeutig auf die dramaturgische Entwicklung legt.
Essentieller Bestandteil dieser Entwicklung ist zudem die Hoffnung. Im Verlauf des Dramas scheint es für den Leser zeitweise möglich, dass die schottische Königin aus ihrer misslichen Lage gerettet werden könnte.
Diesen Hoffnungsschimmer verdankt sie im Wesentlichen zwei Figuren: Mortimer und Lord Leicester; wobei anzumerken ist, dass es sich bei Mortimer um eine fiktive Figur handelt. Beide haben die Absicht Maria zu befreien. Ob ihre Intentionen und ihre Formen der Umsetzung jedoch wirklich übereinstimmen, soll im Folgenden untersucht werden. Zu diesem Zweck werde ich mich intensiv mit dem Interpretationsansatz von Reinhard Leipert auseinandersetzen 3 . Dieser stellt zunächst die Frage nach der Funktion der beiden Figuren und kommt zu dem Schluss, dass sie Friedrich Schiller als dramaturgisches Mittel für die Verschärfung des Konflikts zwischen Maria Stuart und Elisabeth, der Königin von England, dient 4 . Elisabeth sieht in Maria eine direkte Konkurrentin um den Königstitel und sperrt diese unter dem Vorwand ihren Ex-Mann ermordet zu haben ein. Hinzu kommt der Vorwurf an einer Beteiligung bei einer Attentatsplanung auf Elisabeth. Neben diesem politisch-persönlich motivierten Konfliktpunkt sind auch religiöse Differenzen von Bedeutung. Mortimer und Lord Leicester nehmen in diesem Konflikt eine besondere Rolle ein. Beide sind als englische Bürger der Königin verpflichtet, sie lieben jedoch auch beide die gefangene Maria. Interessant ist, dass beide Figuren einer gewissen Entwicklung bedürfen, bis sie sich ihrer Liebe zu Maria klar werden. Lord Leicester kehrt sich von seiner geliebten Elisabeth ab, nachdem deutlich geworden ist, dass sie plant eine politisch motivierte Zwangsheirat mit dem französischen Prinzen einzugehen. Als Resultat dieser Entscheidung wendet er sich seiner ehemals Geliebten abermals zu 5 , nachdem ihm diese ein Foto hat zukommen lassen. Mortimer, der mehrere Jahre auf dem europäischen Kontinent verbracht hat 6 scheint zunächst ein treuer Anhänger des britischen Könighauses zu sein. Schnell entpuppt er sich aber als Helfer der schottischen Königin, von deren Leid er bei ihren Verwandten in Frankreich erfahren hat 7 , und der zudem im Rahmen seiner Europa-Reise zur katholischen Kirche konvertiert ist. Wie auch Lord Leicester wird Mortimer durch ein Bildnis von Maria Stuart in deren Bann gezogen 8 . Reinhard Leipert deutet diese
3 R. Leipert: Maria Stuart. Interpretation, S.91-93
4 Vgl. ebd., S.91
5 Vgl. F. Schiller: Maria Stuart, V.1805-1822
6 Vgl. ebd. V.413
7 Vgl. ebd. V.492-512
8 Vgl. ebd. V.502-512
Arbeit zitieren:
Lukas Kroll, 2009, Lord Leicester und Mortimer als Kontrastfiguren, München, GRIN Verlag GmbH
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