Inhaltsverzeichnis
1. Einführung S. 1 - 3
1.1 Einordnung in die Sprachlandschaft 1
1.2 Definition S. 2 - 3
2. Hauptteil S. 3 - 9
2.1 Inflektive als Erfindung der Comicschreiber? S. 3 - 4
2.2 Der Inflektiv und seine semantischen
Variationen S. 4 - 6
2.3 Der Inflektiv als Element
der Internet-Kommunikation S. 6 - 9
3. Resümee S. 9 - 10
3.1 Zusammenfassung und Ausblick S 9 - 10
Die Weltbevölkerung und ihre Um- und Mitwelt befinden sich im Zustand stetiger Entwicklungen und Neuerungen. Abgesehen von technischen Innovationen, die ihren Ausgangspunkt größtenteils in der Industrialisierung haben, bestimmen soziale oder ökologische Entwicklungen die gesellschaftliche Organisation und deren Handeln auf diesem Planeten. Auch wenn es teilweise schwer fallen mag in diesen Tendenzen eine wahre Progression auszumachen, stellen sie neue Anforderungen an die Menschheit. Auch die Geisteswissenschaften sind von diesem Prozess betroffen. Bezüglich des Forschungsfeldes der Linguistik stellen die Neuerungen des 20. und 21. Jahrhunderts besondere Herausforderungen an Forscher und Forschung. Die globale Verfügbarkeit einer immensen Anzahl an Print-Medien, die Mediatisierung der Gesellschaft sowie die Schaffung eines virtuellen Raumes, in Form des Internets, sind Phänomene, die das Forschungsgebiet abermals erweitert haben und auch in Zukunft noch erweitern werden. Hinzu tritt die Tatsache, dass Sprache sich ebenfalls durch ständige Entwicklung kennzeichnet. Hadumod Bußmann definiert Sprache als:
„Auf kognitiven Prozessen basierendes, gesellschaftlich bedingtes, historischer Entwicklung unterworfenes Mittel zum Ausdruck bzw. Austausch von Gedanken, Vorstellungen, Erkenntnissen und Informationen sowie zur Fixierung und Tradierung von Erfahrung und Wissen.“ 1 .
Diese kurze Definition deutet die Komplexität und Vielschichtigkeit von Sprache und Sprachwissenschaft bereits an und impliziert auch ihren stetigen Wandel. In meinen Ausführungen werde ich mich zwar primär mit geschriebener Sprache befassen, dies soll allerdings kein Indiz dafür sein, dass die beschriebenen Konstruktionen sich nicht auch im Sprachgebrauch etablieren oder es vielleicht schon sind 2 . Als Ausgangsbasis für meine Untersuchungen dient mir Peter Schlobinskis Aufsatz „*knuddel-zurueckknuddeldichganzdollknuddel* - Inflektive und Inflektivkonstruktionen im Deutschen“ 3 . Wie der Titel bereits vermuten lässt, orientiert sich Schlobinski eher an den modernen Forschungsfeldern der Linguistik. Inhaltlich befasst er sich in diesem Fall spezifisch mit SMS- und Chat-Kommunikation sowie verschiedenen Comics. Das von ihm untersuchte linguistische Phänomen der Inflektive ist somit vornehmlich in diesen genannten Gattungen anzutreffen.
1 Vgl., H. Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft, Artikel „Sprache“, S. 643
2 Vgl., R. Weingarten: Sprachwandel durch Computer, S.8: „Ein Medium [das Internet], das so massiv in die Sprachverwendung eingreift, wird eines Tages auch das System dieser Sprache beeinflussen.“
3 Erschienen in: Zeitschrift für Germanistische Linguistik, Bd. 29, Heft 2, S. 192-218, 2001
1.2 Definition
Bereits die Definition des Begriffes „Inflektiv“ ist Teil der Forschungskontroverse, die augenscheinlich an diesen Begriff gebunden ist. Peter Schlobinski umgeht die Problematik der präzisen Definition, indem er die Definitionen und Einschätzungen anderer Forscher verwendet und sich schlussendlich auf einen Mittelwert all dieser Einschätzungen festlegt 4 . Einzig die Bezeichnung der Inflektive als „verkürzte Verbform“ oder „Interjektion“ von Elke Hentschel und Harald Weydt wird von Schlobinski verworfen. Der Inflektiv wird somit als gesonderte Form der Verbparadigmas verstanden 5 . Oliver Teuber legitimiert diese Kategorisierung mit der besonderen Finitheit des Inflektivs, verweist aber zugleich darauf, dass der Inflektiv mehr als historisches Phänomen, dass seiner Aussage nach bereits im 18. Jahrhundert nachweisbar ist, denn als Erfindung der Comicsprache gesehen werden sollte 6 . Teuber stützt seine Argumentation wiederum auf Johann Christoph Adelung, der sich ähnlich wie Hentschel und Weydt auf die Interjektion als Grundelement des Inflekitv-Phänomens festlegt und von der „Nachahmung der tönenden Natur“ spricht 7 . Im Zuge der Entkräftung dieser Argumentation Teubers ist dem Einwand Schlobinskis Recht zu geben, der betont, dass Adelung sich nicht die Untersuchung des Inflektivs zum Ziel gesetzt hat, sondern diese Wortform lediglich als Basis für seine Untersuchungen zu Wurzelwörtern nutzt 8 . Diese Kombination diverser Forschungsmeinung endet jedoch in der eigenständigen These Schlobinskis,
„dass der Inflektiv als Wortform mit seinem grammatischen Potenzial zwar überhaupt erst Prädikation ermöglicht, dass Inflektive möglicherweise singulär vor dem 20. Jahrhundert vorkamen, sich aber erst in der Comicsprache entwickelt und sich aus den Comics heraus in anderen Mediengattungen ausgebreitet und den Weg in jugendsprachliche Register gefunden haben.“ 9 .
Die grammatische Funktion der Inflektive wird bei Schlobinski auf die Aspekte der Infinität und Inflexion begrenzt. Leider bleibt es zunächst bei dieser groben Skizzierung. Eine praxisnähere Definition findet sich hingegen bei Michael Beißwenger. Er definiert Inflektive, auch wenn er dieses Wort nicht verwendet (er spricht lediglich von Handlungs- und Zustandsbeschreibungen), als „Ein-Wort-Ausdrücke, die durchaus auch komplexer sein können“ und von Asterisken umschlossen sind (Beispiel: *indenarmnehmundtröst*) 10 . Wichtig anzumerken ist, dass
4 P. Schlobinski: *knuddel - zurueckknuddel - dichganzdollknuddel*, S.194
5 P. Schlobinski bezieht sich hier auf die Definition von O. Teuber in: fasel beschreib erwähn - Der Inflektiv als Wortform des Deutschen, In: Germanistische Linguistik 141-142, S.6-27
6 P. Schlobinski: *knuddel - zurueckknuddel - dichganzdollknuddel*, S.194
7 Vgl. Fußnote Nr. 3 bei: P. Schlobinski: *knuddel - zurueckknuddel - dichganzdollknuddel*, S.194
8 Ebd.
9 Vgl. P. Schlobinski: *knuddel - zurueckknuddel - dichganzdollknuddel*, S.194
10 M. Beißwenger: Chat-Kommunikation zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, S.106
Arbeit zitieren:
Lukas Kroll, 2009, Die Verbreitung und Verwendung des Inflektivs im Deutschen, München, GRIN Verlag GmbH
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