Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Levellerbewegung im Rahmen der englischen Revolution
2.1 Die englische Revolution und die Entstehung der Levellers
2.2 Ideologie und Programmatik der Levellerbewegung
2.3 Chancen und Grenzen der Leveller-Politik im Rahmen ihrer Zeit
3. Fazit
4. Literatur- und Quellenverzeichnis
1. Einleitung
Die westeuropäische Leitkultur gründet auf basisdemokratischen Werten, die gerne als Bestandteil des kollektiven Bewusstseins dargestellt werden. Sie haben ihre Ursprünge in einer der prägendsten geistesgeschichtlichen Epochen: dem Zeitalter der Aufklärung. Gewaltenteilung, freie Wahlen, eine Verfassung und die Möglichkeit zur politischen Teilhabe des Volkes werden gerne als Errungenschaften präsentiert, die auf große Staatstheoretiker wie Jean-Jacques Rousseau oder Montesquieu zurückgehen. Sicherlich nehmen diese und andere eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des westeuropäischen Demokratieverständnisses ein, dennoch dürfen auch früher Ansätze und demokratischen Bemühungen nicht verkannt werden. Das kollektive Bewusstsein orientiert sich in solchen Fällen jedoch gerne am Grad des „Erfolgs“ und der Popularität staatstheoretischer und geistesgeschichtlicher Überlegungen. Hier überragen die theoretischen Konstrukte, die während der Aufklärung entstanden, früher Beispiele, wie sie die Levellerbewegung im Rahmen der englischen Revolution liefert, um einiges. Ihre Tradierung im Rahmen der Geschichte der Demokratie bleibt daher wohl in den meisten Fällen aus. Doch auch Demokratisierungsprozesse sind keine logische oder unabwendbare Konsequenz der staatstheoretischen Entwicklungen des 18. Jahrhunderts. Demokratie als Staatsform ist in vielen Fällen ein reines Exportprodukt. Im Nachfeld des Zweiten Weltkrieges und auch im Rahmen der militärischen Konflikte der vergangenen Jahrzehte taucht der Begriff der Demokratisierung immer wieder als Legitimationsgrundlage für militärisches Vorgehen auf. Die Position der Verfechter scheint hierbei ebenso einleuchtend wie die der Gegner, meist der amtierenden politischen Machthaber in nicht-demokratischen Staaten, die Demokratie als Gefahr für ihre Machtposition einschätzen und so demokratische Bestrebungen von innen und außen zu bekämpfen versuchen. Auch im England des 17. Jahrhunderts sehen wir uns mit einer ähnlichen Situation konfrontiert. Die englische Revolution bot die Möglichkeit zu radikalen politischen Umwälzungen. Diese wollten die Levellers für sich nutzen. Unter Anbetracht des historischen Kontextes ist jedoch nach den Chancen der Durchsetzbarkeit dieser Forderungen zu fragen. Handelte es sich hier um die demokratischen Idealvorstellungen einiger weniger, die ihrer Zeit noch voraus waren, oder barg die Levellerbewegung das Potenzial sich realpolitisch zu etablieren? Dies soll die zentrale Fragestellung dieser Arbeit werden. Um jedoch eine Antwort zu finden, ist die Klärung des historischen Kontextes ebenso von Nöten wie die Erläuterung der Entstehung und des Wirkens der Levellers.
Festzuhalten ist, dass am Ende der englischen Revolution, nach kurzzeitiger Etablierung einer „Republik“, wieder das Königtum stand. Der Weg dorthin war allerdings, wie in vielen revolutionären Prozessen, nicht vorgezeichnet.
Die Ursachen für die englische Revolution sind zu zahlreich und komplex, um sie an dieser Stelle umfassend darstellen zu können; sie erstrecken sich aber von religiösen über gesellschaftspolitische Fakotern bis hin zur Person Karls I. Seine finanzielle Notlage, die durch den Konflikt mit Schottland entstanden war, brachte ihn aber in die Lage die heterogene Masse seiner politischen Widersacher in einem Parlament zu vereinigen 2 . Peter Wende beurteilt die Einberufung des Parlaments als folgenschwere Entscheidung: „Nichts verdeutlichte den Zusammenbruch der Autorität der Regierung so sehr wie die Ereignisse der beiden Parlamentswahlen des Jahres 1640“ 3 . Sollte das erste Parlament des Jahres 1640, das sogenannte Kurze Parlament nur wenige Wochen Bestand haben, so überdauerte das darauf folgende Lange Parlament den König. Das Lange Parlament versuchte in seinen Anfangsjahren die eigene Position gegenüber dem Monarchen zu stärken, oder besser gesagt, dessen Position zu schwächen, so zum Beispiel in Form des 'Triennal Act' 4 . Folgt man den Ausführungen Wendes, so ist diese erste Phase der Revolution, die bis 1642 andauerte, als konservative Revolution zu charakterisieren 5 . Sie endete mit der 'Grand Remonstrance' vom November 1641, in der das Parlament die Verfehlungen der letzten Jahre seitens der Krone anprangerte 6 . Dieser öffentlichen Beschwerde schloss sich die Forderung nach einem parlamentarisch geprägten Regierungssystem, in Form der 'Nineteen Propositions' an 7 . Im sich anschließenden Bürgerkrieg standen die Truppen des Parlaments denen des Königs gegenüber. Im Laufe dieses militärischen Konflikts sollten die unterschiedlichen Intentionen der Opposition immer mehr an Bedeutung gewinnen. Das wohl bekannteste Beispiel für diesen Trend ist die Entstehung der 'New Model Army'. Sie war das Ergebnis der Reorganisation der parlamentarischen Armee unter der Führung von Sir Thomas Fairfax und Oliver Cromwell. Die 'New Model Army' bestand zwar zu einem Großteil aus Mitgliedern ihrer Vorläufermodelle, entwickelte sich aber in Richtung eines religiös-politischen Faktors 8 . Sie trat erstmals in der Schlacht von Naseby im Juni 1645 in Erscheinung und „fügte […] einer der Hauptarmeen des Königs eine entscheidende Niederlage bei.“ 9 . Doch auch die 'New Model Army' war gegenüber der verschiedenen politischen Prägungen nicht resistent. „[...] ihre politischen Aktivitäten waren vielmehr durch das
1 Peter Wende, Probleme der englischen Revolution, Darmstadt 1980, S.60.
2 Vgl. Kaspar von Greyerz, England im Jahrhundert der Revolutionen. 1603-1714, Stuttgart 1994, S.166.
3 Peter Wende, Probleme der englischen Revolution, S.59.
4 Vgl. Austin Woolrych, Britain in Revolution: 1625-1660, New York 2002, S.167.
5 Vgl. Peter Wende, Probleme der englischen Revolution, S.61.
6 Vgl. Ebd., S.69.
7 Vgl. Kaspar von Greyerz, Jahrhundert der Revolutionen, S.178.
8 Vgl. Jürgen Diethe, Wir das freie Volk von England. Aufstieg und Fall der Levellers in der Englischen Revolution,
Berlin 2009, S.36f.
9 Kaspar von Greyerz, Jahrhundert der Revolutionen, S.180.
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Arbeit zitieren:
Lukas Kroll, 2011, Die Levellerbewegung in der englischen Revolution - Durchsetzbare politische Option oder nicht zu realisierende Idealvorstellung?, München, GRIN Verlag GmbH
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