Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Das katholisch-religiöse Fest im 19. Jahrhundert als
Glaubensdemonstration und politisches Instrument
II. 1 Fest - eine Definition 4
II. 2 Katholische Festkultur im 19. Jahrhundert 5
II. 3 Katholische Festkultur als Selbstbehauptung und Identitätsbildung 7
II. 4 Katholische Festkultur als öffentliche Glaubensdemonstration 10
III. Fazit 13
IV. Literaturverzeichnis 14
Diese Definition ist nicht allgemeingültig, noch nimmt sie alle Aspekte von Fest als
Forschungsgegenstand in den Blickpunkt. Es soll hier nur um eine Definitionseinengung im Sinne
der vorliegenden Arbeit gehen.
2
I. Einleitung
Die hier vorliegende Arbeit befasst sich mit der katholischen Festkultur im 19. Jahrhundert. Wobei sich die Betrachtungen nur auf den deutschen Raum beschränken und auch da nur punktuell einzelne Regionen herausgenommen wurden, um die These dieser Arbeit zu untermauern. Es soll gezeigt werden, wie die historischen Umstände(Auswirkung der Aufklärung, Kulturkampf) und die daraus resultierenden sozialen
Neuentwicklungen (Entwicklung des katholischen Milieus, Industrialisierung) auf das katholische Festverhalten in dieser Zeit eingewirkt haben. Zunächst jedoch wird eine für die Fragestellung der Arbeit angemessene Definition von dem Begriff Fest aufgrund der Literatur erarbeitet. Vor dem historischen Hintergrund soll dann gezeigt werden, dass sich die katholische Festkultur immer mehr als Gegen- bzw. Behauptungsprogramm vollzieht. Sie muss sich gegen ihre Aushöhlung bis hin zur befürchteten Bedeutungslosigkeit entgegentreten und gegebenenfalls eine Erneuerung der katholischen Festkultur versuchen. Dies funktioniert aber nur, wenn man die historisch-gesellschaftlichen
Voraussetzungen des 19. Jahrhunderts zu lesen und darauf angemessen zu reagieren vermag.
Am meisten konnte ich bei der Bearbeitung meiner Fragen von den Arbeiten Barbara Stambolis` über religiöse Festkultur profitieren. Unter dieser Prämisse stellt sich die Frage, inwieweit transformiert sich das katholisch-religiöse zum politischen Fest, um sich gegenüber dem protestantischnationalen Fest abzugrenzen und zu behaupten? Besteht ein paradoxer Zusammenhang von partieller Übernahme von Ausdrucksformen des vermeintlichen Gegenübers, um sich von diesem zu distanzieren? Diesen Fragen versucht die Arbeit nachzugehen und zu beantworten.
3
Der Begriff Fest verbindet sich für viele mit etwas gutem zu trinken, etwas zu essen und guten Freunden. 1
Da dies aber nur ein sehr spontaner und oberflächlicher Ersteindruck ist, muss man sich fragen, wie könnte eine Definition vom Fest lauten. Eine häufig verwendete Definition ist liegt im Gegensatz zum Begriff Alltag. Das Leben des Menschen wird größtenteils durch Alltag bestimmt. Um diesem zu entkommen, begeht der Mensch Feste. 2
Fest hat im Alltag seine eigentliche Existenzbegründung. „Fest und Alltag sind nur in ihrer Polarität zueinander bestimmbar.“ 3
Eine theologische Auffassung von Fest findet man schon bei dem Philosophen Platon, der in den Göttern die eigentlichen Initiatoren des Festes für die Menschen sieht. „Die Götter haben also im Leben des Menschen Zäsuren gesetzt, Erholungspausen, die für den festlichen Wechselverkehr mit den Göttern bestimmt und von ihnen auch angeordnet sind.“ 4
Das Fest also als Bejahung des Lebens und der Welt, so sieht es auch Josef Pieper. Für ihn gibt es, folgt man seiner Logik, nur das Gotteslob als Bejahung zur Welt. 5 Und so „… ist das `festlichste´ Fest…für ihn der Gottesdienst.“ 6 Ein weitere Definitionsansatz soll hier noch genannt werden. Sie hat mit der Innen- und Außenwirkung von Festen zu tun. Für eine Festgemeinschaft sind Feste immer auch nach innen bestärkend, es kommt ein Zugehörigkeitsgefühl zu
∗ Diese Definition ist nicht allgemeingültig, noch nimmt sie alle Aspekte von Fest als
Forschungsgegenstand in den Blickpunkt. Es soll hier nur um eine Definitionseinengung im Sinne
der vorliegenden Arbeit gehen.
1 Deile, Lars: Feste - eine Definition. Ende der Feste - Konjunktur der Feste?, in: Maurer, Michael
(Hg.): Das Fest. Beiträge zu seiner Theorie und Systematik, Köln 2004,S. 1-17, hier S. 3.
2 Ebd., S. 4.
3 Zit. Ebd., S. 5.
4 Zit. Leipold, Andreas: Die Feier der Kirchenfeste. Beitrag zu einer theologischen Festtheorie,
Göttingen 2005, S. 15.
5 Ebd., S. 20.
6 Zit. Ebd., S. 20.
4
einer Gruppe auf. Genauso gibt es diese ausgrenzende bzw. abgrenzende Wirkung nach außen. 7
Im Folgenden sollen hier aber die beiden letzten Ansätze einer Definition von Fest im Vordergrund stehen.
II. 2 Katholische Festkultur im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert befand sich „Religion“ im gesellschaftlichen Prozess im Umbruch. 8 Schon mit den Idealen der französischen Revolution kam die katholische Kirche in aufklärerische Kritik. Hierbei wurden hohe kirchliche Feste, Heiligenfeste und Wallfahrten ins Visier genommen. 9 Es gab aber auch innerkirchliche Kritik an der Häufigkeit der Feste im Jahreszyklus. Trotz allem prägten diese Feste weiterhin den Lebensrhythmus der Bevölkerung in ländlichdörflichen Gebieten. 10 Bei Pilgerfahrten wurden sogar die Teilnehmerzahlen aus dem 18. Jahrhundert weit übertroffen. Als Beispiel kann man hier die Trierer Wallfahrt 1844 nennen, bei den von 50000 bis zu 1 Million Teilnehmer. Dies erklärt sich nicht zuletzt aus der Eröffnung von zahlreichen Eisenbahnstrecken, die Massentransporte der Pilger erst ermöglichte . 11 Als „Konkurrenz“ zu den kirchlichen Festen kam in dieser Zeit die weltlichen Feste hinzu. Bei diesen stand nur die reine Belustigung und Entspannung aller Gesellschaftsschichten im Vordergrund. 12 Da es in dieser Zeit üblich war, zu den kirchlichen Festen auch immer einen Markt oder ähnliche weltliche Vergnügen
7 Deile, Lars, S. 8.
8Stambolis, Barbara: Religiöse Festkultur. Zu Umbruch, Neuformierung und Geschichte
katholischer Frömmigkeit in der Gesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts, Geschichte und
Gesellschaft 27, 2001, S. 240-273, hier S. 240.
9 Ebd., S. 244.
10 Ebd. S. 246.
11 Ebd., S. 247.
12 Ebd., S. 249.
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Arbeit zitieren:
Tanja Stich, 2011, Das katholisch-religiöse Fest im 19. Jahrhundert als Glaubensdemonstration und politisches Instrument, München, GRIN Verlag GmbH
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