Jana Welcker TEM6B - Projektarbeit 2009 - EBC Hamburg
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Einordnung von Kinder- und Jugendsprachreisen in den
Jugendtourismus und deren Definition 4
3. Geschichte und Entwicklung von Kinder- und Jugendsprachreisen
in Deutschland 6
4. Das heutige Angebot an Kinder- und Jugendsprachreisen in
Deutschland : Eine Marktanalyse 9
5. Die DIN-Norm: Das Qualitätssiegel für gute Sprachreisen 12
6. Der Stellenwert von Sprachreisen für Kinder und Jugendliche in
Familien , Gesellschaft und Politik 15
7. Das Entwicklungspotenzial von Kinder- und Jugendsprachreisen
deutscher Sprachreiseveranstalter 18
8. Fazit 21
Anhang 23
Literaturverzeichnis 29
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Im Zeitalter der Globalisierung und stets wachsenden Erwartungen an die junge Generation werden Sprachen ein immer wichtigerer Bestandteil der Bildung und Qualifikation von Kindern und Jugendlichen. Während meines Praktikums im Sommer 2008, das ich bei dem deutschen Kinder- und Jugendsprachreiseveranstalter „OFFÄHRTE“ in deren Auslandsniederlassung in Großbritannien absolvierte, habe ich erfahren, wie populär Sprachreisen bei Kindern und Jugendlichen mittlerweile sind. Dies hat mich dazu bewegt, mich mit dem Angebot von Kinder- und Jugendsprachreisen deutscher Sprachreiseveranstalter im Rahmen meiner Projektarbeit genauer zu beschäftigen.
„Je jünger Kinder sind, und je weniger sie bereits ihre Erstsprache und deren grammatischen Strukturen und Wortschatz verinnerlicht haben, desto
leichter fällt ihnen die Aneignung einer weiteren Sprache.“ 1 Diese Tatsache haben bereits viele Fremdsprachenkursanbieter erkannt und bieten nun schon Sprachkurse für Kinder ab 3 Jahren (z.B. die mobile Sprachschule „Sprachenzauber“ in Kerken) an. Auch die Sprachreiseveranstalter haben den derzeitigen Trend zu immer jüngeren Sprachschülern erkannt und möchten in diesen wachsenden Markt einsteigen. Innerhalb meiner Projektarbeit werde ich mich mit der Entwicklung, dem aktuellen Angebot und den Zukunftschancen von Sprachreisen für Kinder und Jugendliche befassen und aufzeigen, wieso Deutschland ein großes, aber noch nicht vollständig genutztes Marktpotenzial hat. Um Sprachreisen und deren Angebot besser darstellen zu können, werde ich zu Beginn meiner Projektarbeit eine allgemeine Definition geben und diese Form der Reisen im Bereich des Tourismus einordnen. Des Weiteren werde ich dessen Entwicklungsgeschichte und die aktuelle Marktsituation darstellen. Die Einführung der DIN Norm für Sprachreisen ist ein wichtiger Bestandteil der Entwicklungschancen für Sprachreisen, daher
1 Christoph Gollub Text auf Internetseite des Fachverlag Sprachenlernen24;
http://www.sprachenlernen24-blog.de/Wie-lernen-Menschen-Sprachen (24.04.09)
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werde ich diese kurz vorstellen und außerdem deren Stellenwert in Familien, Gesellschaft und Politik darstellen. Zum Abschluss werde ich die Entwicklungspotenziale des Kinder- und Jugendsprachreisetourismus aufzeigen und ein eigenes Fazit formulieren. Zur Wahrung der Privatsphäre, wurden die Namen der Experten verkürzt oder abgewandelt.
Die sieben Tourismustypen 2 stellen die Grundtypen des Tourismus dar. Der Jugendtourismus richtet sich an eine bestimmte Alterszielgruppe. Sprachreisen für Kinder und Jugendliche sind ein Bestandteil des Jugendtourismus, da dieser Tourismus die „etwa 14- bis 29 Jährige, die nicht mehr gemeinsam mit ihren Eltern und noch nicht mit ihrer eigenen,
noch zu gründenden Familie in die Ferien fahren“ 3 anspricht. Trotz dieser Definition ist die Kindersprachreise ebenfalls als Bestandteil des Jugendtourismus zu sehen, da es zwischen Kinder- und Jugendtourismus keine genaue Differenzierung gibt und viele Angebote der Jugendreisen sich ebenfalls an Kinder, also Personen unter 14 Jahren, richtet.
Quelle: Eigene Darstellung
2 Harald Dettmer, Elisabeth Glück, Thomas Hausmann, Claude Kaspar, Johann Logins, Werner
Schneid, Werner Opitz, Tourismustypen, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2000, S. 1
3 Horst Opaschowski, Tourismus: Eine systematische Einführung: Analysen und Prognosen, 3.
überarbeitete und erweiterte Auflage, VS Verlag, 2002, S. 24
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Laut Duden ist eine Sprachreise eine Auslandsreise, die mit einem Sprachkurs verbunden ist 4 . Aber eine Sprachreise ist noch viel mehr. Der Fachverband Deutscher Sprachreiseveranstalter (im weiteren Verlauf mit FDSV abgekürzt) hat hierzu eine genauere Definition in seinem aktuellen Ratgeber veröffentlicht: „Die normale Sprachreise verbindet stets das Angenehme mit dem Nützlichen; sie verbindet Entspannung, Sightseeing und kulturelle Exploration mit einem lebensnahen und methodisch ausgereiften Fremdsprachenunterricht, der durch qualifizierte „native speakers“ und zum Teil auch durch besonders dafür geschulte deutsche Lehrer erteilt wird.“ 5 Somit ist eine Sprachreise nicht so trocken und theoretisch wie der heimische Sprachkurs und die Schüler sind somit viel motivierter beim Erlernen der Sprache.
Bei Kinder- und Jugendsprachreisen liegt das Hauptaugenmerk auf Kindern zwischen 6 und 13 Jahren und Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren. Oft werden Kinder- und Jugendsprachreisen auch Schülersprachreisen genannt, da sie sich an Teilnehmer wenden, die noch zur Schule gehen und das größte Angebot an Sprachreisen für Kinder und Jugendliche während der Schulferien besteht.
Sprachschüler erhalten durch eine Sprachreise die Möglichkeit, sich aktiv mit einer Fremdsprache, der Kultur und den Menschen des fremden Landes auseinander zu setzen. Somit ist der Erfolg viel langfristiger und vielseitiger als „nur“ ein Sprachkurs in der Heimatstadt. 6 Der große Unterschied zu Sprachreisen für Erwachsene besteht darin, dass bei Kinder- und Jugendsprachreisen ein viel dichteres Angebot an Betreuung und Freizeitaktivitäten vorhanden sein muss. Die Sprachschüler müssen rund um die Uhr betreut werden und die Betreuer einer Kinder- und Jugendsprachreise übernehmen dabei die komplette Verantwortung für ihre Sprachschüler. Dies ist besonders wichtig, da die meisten Schüler das erste Mal ohne die Eltern verreisen und somit eine ständige Betreuung benötigen.
4 Duden. Deutsches Universalwörterbuch, 6. überarbeitete und erweiterte Auflage,
Bibliographisches Institut, Mannheim, 2006
5 „Sprachreisen für Schüler und Erwachsene“ Ratgeber des Fachverband Deutscher
Sprachreise-Veranstalter e.V., S. 7
6 Vgl. Ratgeber FDSV a.a.O., S. 8
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Somit müssen die Betreuer bereits im Vorfeld gut ausgebildet und geschult werden, um, besonders den Eltern, eine gute Betreuung der Kinder und Jugendlichen zu garantieren. Somit beinhaltet diese Art der Sprachreise nicht nur den Transport, die Unterkunft und die Bereitstellung von Sprachkursen und Unterhaltungsprogramm, sondern die Betreuer vor Ort stehen in viel engerem Kontakt mit Sprachschülern, und oft auch deren zu Hause gebliebenen Eltern, als es der Fall bei normalen Sprachreisen ist. Sprachreisen können sowohl im In- als auch im Ausland veranstaltet werden. Allerdings gehen die meisten Reisen ins Ausland, da der Lerneffekt im Ursprungsland der Sprache am Größten ist und der Erholungs- und Spaßfaktor im Ausland meist ebenfalls vergrößert wird. Die aktuelle Marktanalyse des FDSV hat ergeben, dass eine durchschnittliche Sprachreise für Kinder und Jugendliche 2,3 Wochen dauert und über zwei
Drittel der Schüler in dieser Zeit Englisch in Großbritannien lernen 7 .
Da Kinder- und Jugendsprachreisen ein Bestandteil von Jugendreisen sind, ist deren anfängliche Entwicklung identisch. Erst zu Beginn der achtziger Jahre wurden Sprachreisen für Kinder und Jugendliche deutlich von Jugendreisen getrennt.
Die ursprüngliche Idee einer Sprachreise geht bis ins Spätmittelalter zurück, als sich Jugendliche auf die „Grand Tour“ begaben, um ihre Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern und gleichzeitig etwas von der Welt zu sehen. Die jungen Adligen, die normalerweise zwischen 16 und 22 Jahren alt waren, sollten zum Abschluss ihrer Ausbildung eine Reise unternehmen, auf der sie unter anderem den Umgang mit Sitten, Manieren,
7 Vgl. Statistik des FDSV, in dessen Auftrag die Universität Koblenz-Landau, im Mai 2008 eine
Marktanalyse durchgeführt hat, einzusehen unter www.fdsv.de unter Rubrik Statistik
(13.04.2009)
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Kunst, Anstandsregeln und Fremdsprachenkenntnissen schulen sollten. 8 Ende des 16. Jahrhunderts galten Länder wie Schweden, Dänemark, Holland, die Schweiz, Ungarn und Polen, aber „weniger die romanischen Länder Frankreich, Spanien und Italien“ als begehrte Auslandsziele. „Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde die Wanderschaft (der Jugendlichen) auch auf England ausgedehnt, ebenso nach Skandinavien und selbst nach Russland. Hauptanziehungspunkte waren dabei die Großstädte Paris, Straßburg, London, Amsterdam, Kopenhagen, Stockholm, Leipzig,
Warschau, Preßburg und Wien.“ 9
Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Bildungsreisen auch für Bürgerliche möglich, wobei „die als vorbildlich geltenden Bildungsreisen bedeutender Persönlichkeiten […] dem Bildungseifer der Zeit entgegenkam und die jungen Bürger im Geiste der Kosmopoliten die historischen Städte
Italiens, Griechenlands und Frankreichs“ 10 aufsuchten.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden allgemeine Jugendreisen immer populärer und sollten die Verbindung und die Kommunikation zwischen den Jugendlichen verschiedener Nationen innerhalb Europas stärken. Zu dieser Zeit entwickelten die Jugendlichen ein „zunehmendes Interesse an der Begegnung mit dem Ausland […] und den Wunsch nach Aussöhnung und Verständigung“ 11 mit den Jugendlichen der umliegenden Nationen. Anfangs gab es hierfür nur staatlich subventionierte und gemeinnützige Jugendreisen, die von den Wohlfahrtsverbänden, Parteien, Kirchen, Sport-und Jugendverbänden veranstaltet wurden. Diese Verbände bekamen aber bald eine stark wachsende Konkurrenz durch kommerzielle
Reiseveranstalter, die erkannten, dass Reisen für Jugendliche nicht nur „durch sozial staatliche Förderung, sondern auch durch marktwirtschaftliche
8 Hans Bauer, Wenn einer eine Reise tat (Eine Kulturgeschichte des Reisens von Homer bis
Baedeker), Leipzig, 1973, S. 78
9 Opaschowski a.a.O., S. 34
10 Opaschowski a.a.O., S. 36
11 Thomas Gehlen, Jugendreisen, in Tourismus-Management: Tourismus-Marketing und
Fremdenverkehrsplanung herausgegeben von Günther Haedrich, Claude Kaspar, Kristiane
Klemm, Edgar Kreilkamp, 3. Auflage, de Gruyter Verlag, 1998, S.846
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Selbstfinanzierung möglich“ 12 ist und somit eine gute Einnahmequelle sein kann.
Diese Idee wurde in den folgenden Jahrzehnten immer weitergeführt und Anfang der 80er Jahre entstanden die ersten Sprachreiseveranstalter in Deutschland. Zu Beginn des Sprachreisetourismus boten allerdings die meisten Reiseveranstalter hauptsächlich Sprachreisen für Erwachsene und Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren an. „OFFÄHRTE“, ein Sprachreiseveranstalter, der 1986 gegründet wurde, befasste sich auch schon zu Beginn ausschließlich mit der Zielgruppe „Kinder und Jugendliche“ und bot von Anfang an Sprachreisen für die junge Zielgruppe ab 8 Jahren an 13 . Viele Unternehmer haben bereits früh die Einnahmequelle Sprachreisen erkannt und positionierten sich innerhalb kürzester Zeit auf den Reisemarkt.
Die Hauptziele deutscher Sprachreiseveranstalter sind schon seit Beginn hauptsächlich die europäischen Nachbarsländer, da die Reise dorthin nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt und somit eine Sprachreise auch in den Frühjahrs- oder Herbstferien absolviert werden kann. Da eine Kombination von Sprachen lernen und Entspannung für viele Teilnehmer im Mittelpunkt steht, sind Südengland und Malta schon von Anfang an die
meistbesuchtesten Destinationen für Sprachreisen.
12 Thomas Korbus, Wolfgang Nahrstedt, Bernhard Porwol, Marina Teichert, Jugendreisen: Vom
Staat zum Markt: Analysen und Perspektiven, Institut f. Freizeitwissenschaft u. Kulturarbeit,
1997, S. 15
13 Homepage von OFFÄHRTE, Firmenprofil, http://www.offaehrte.de/info/offaehrte (12.04.2009)
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Jana Welcker, 2009, Kinder- und Jugendsprachreisen deutscher Sprachreiseveranstalter, München, GRIN Verlag GmbH
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