1. Einleitung 3
2. Theorie der hegemonialen Stabilität 4
3. Jordanien 5
3.1 Jordaniens Geschichte 6
3.2 Jordaniens Wirtschaft 7
3.3 Jordaniens Politik 8
3.4 Internationale Beziehungen 9
3.5 Jordanisch-israelische Beziehungen 9
4. Fazit 11
5. Literaturverzeichnis 14
6. Internetquellenverzeichnis 14
2
1. Einleitung
Das Haschemitische Königreich Jordanien zählt zu den am Nahostkonflikt beteiligten Staaten, die sich in den Medien einer großen Popularität erweisen (vgl. Haas, M. 1975, S. 1). Der 1999 verstorbene König Hussein von Jordanien galt als unermüdlicher Verfechter eines gerechten Friedens und des Ausgleichs mit Israel. Er führte das moderne Jordanien fast 46 Jahre. Als Hussein 1953 König wurde, hatte das Land keine Universitäten. Heute zählt die jordanische Bevölkerung zu der mit dem höchsten Bildungsniveau in der arabischen Welt. Trotz seiner knappen Ressourcen hat Jordanien eine beachtliche Infrastruktur aufgebaut. Auch das Jordanische Gesundheitswesen sucht in den umliegenden arabischen Ländern seinesgleichen. Eine weitere wichtige Phase war die Aufnahme tausender palästinensischer Flüchtlinge seit 1948. Sie stellen heute fast die Hälfte der Bevölkerung Jordaniens dar. Diese weitgehend friedliche Aufnahme und Integration und der gesamte Wandel des modernen Jordaniens wäre nicht ohne eine jahrzehntelange politische Stabilität erreichbar gewesen (vgl. Köndgen, O. 1999, S. 9-10).
Auch der Nachfolger Husseins, König Abdullah II., versucht das Bestreben seines Vaters weiterhin zu verfolgen. Seine pro westliche Politik wird von den arabischen Nachbarstaaten als kritisch angesehen. Nicht nur der Friedensschluss mit Israel macht Jordanien zu einem der wichtigsten Partner für den Westen. Die USA zählen Jordanien zu einem der ersten Ansprechpartner, wenn es um Vermittlungen zwischen der islamischen Welt und den USA geht.
Die Frage, die sich bei der oberflächlichen Betrachtung Jordaniens stellt ist, ob aufgrund dieser scheinbar starken politischen Einflussnahme Jordaniens von einem Hegemon in der Region des Nahen Ostens gesprochen werden kann oder es sich bei Jordanien eher um einen Sekundärstaat in Bezug auf Israel handelt.
Dazu ist es notwendig, in Kapitel zwei zunächst die theoretischen Hintergründe durch die Erläuterung der Theorie der hegemonialen Stabilität zu beleuchten, um dann in Kapitel drei näher auf das Land Jordanien einzugehen. Dabei werden im Einzelnen die geschichtliche Entwicklung, die politische und wirtschaftliche Lage sowie die internationalen Beziehungen Jordaniens deskriptiv dargestellt und die Beziehungen zu Israel beschrieben. Im Fazit soll das vorher Beschriebene im Hinblick auf die Analysekriterien der Theorie der hegemonialen Sicherheit untersucht werden, um so die Frage zu beantworten ob Jordanien eine vorherrschaftliche Stellung im Nahen Osten einnimmt oder eine sekundärstaatliche Rolle in Bezug auf Israel besitzt.
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2. Theorie der hegemonialen Stabilität
Die Theorie der hegemonialen Stabilität existiert seit den 1920er Jahren und wurde maßgeblich vom Wirtschaftswissenschaftler Charles Kindleberger geprägt (vgl. Bellers, J. u.a. 2001, S. 184). Der Begriff der Hegemonie stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Oberbefehl oder Führerschaft. Unter Hegemonie wird im Sinne der neorealistischen Theorie eine Vorherrschaft beziehungsweise Überlegenheit eines Akteurs oder einer Institution, beispielsweise eines Staates, einer Organisation oder ähnlichem, verstanden. Diese Vorherrschaft bezieht sich insbesondere auf politische und militärische, aber auch auf wirtschaftliche und kulturelle Faktoren.
Obwohl die theoretischen und juristischen Möglichkeiten meist gegeben sind, haben andere Institutionen kaum Möglichkeiten ihre Vorstellungen gegenüber dem Hegemon (dem die Hegemonie ausübenden) durchzusetzen. Die Umsetzung in der Praxis scheitert meist an den Einflussmöglichkeiten und der Stärke des Hegemons. 1 Das Vorhandensein des Hegemons ist laut Ansicht der Vertreter der Theorie der hegemonialen Stabilität die Voraussetzung für die Entstehung und den Bestand eines Regimes. In der Politikwissenschaft werden internationale Regime definiert als „… Zusammenhänge von impliziten oder expliziten Prinzipien, Normen, Regeln und Entscheidungsverfahren, an denen sich die Erwartungen von Akteuren in einem gegebenen Problemfeld der internationalen Beziehungen ausrichten“ 2 .
Der Niedergang des Hegemons zieht unweigerlich eine Schwächung oder gar den Untergang des Regimes mit sich (vgl. Bellers, J. u.a. 2001, S. 184). Die Existenz eines Hegemons ist also Voraussetzung für die Herstellung von Ordnung in einem internationalen System.
Bei der rückblickenden Betrachtung der Geschichte im Sinne der neo-realistischen Theorie der hegemonialen Stabilität, finden sich viele Beispiele von hegemonialen Herrschaftsstrukturen wie zum Beispiel Sparta oder das Römische Reich. In der heutigen Zeit wird besonders die USA mit diesem Begriff im Sinne einer weltpolitischen Vormachtrolle in Verbindung gebracht. 3
1 Vgl. Uni-Protokolle (2010): Hegemonie. [online] Homepage: Uni-Protokolle. URL: http://www.uniprotokolle.de/Lexikon/Hegemonie.html [Stand: 24.02.2010].
2 Timm, Maike; Koch, Felicitas (2007): Institutionalismus. [online] Homepage: Technische Universität Dresden. URL: http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/ifpw/intpol/stu/ss07/lange/ps_eib/The senpapier%205%20Regime.pdf [PDF-Datei] [Stand: 24.02.2010].
3 Vgl. Uni-Protokolle (2010): Hegemonie. [online] Homepage: Uni-Protokolle. URL: http://www.uniprotokolle.de/Lexikon/Hegemonie.html [Stand: 24.02.2010].
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Ob sich die Theorie auch auf das nachfolgend beschriebene Jordanien übertragen lässt oder ob es sich um einen Sekundärstaat, also einen Völkerstaat im Sinne eines Staates von Staaten, handelt, gilt es in den folgenden Kapiteln zu überprüfen. 4 Dazu wird hauptsächlich das Analysekriterium ‚Macht’ verwendet. Hierbei stehen politische, militärische und wirtschaftliche Vorherrschaft im Mittelpunkt der Betrachtung. Andere Analysekriterien wie das Prinzip der Gewinne oder die Unterscheidung zwischen einem wohlwollenden oder zwingenden Hegemon werden in die Untersuchung nicht einbezogen.
3. Jordanien
Das Haschemitische Königreich Jordanien erstreckt sich über knapp 90.000 Quadratkilometer. Damit entspricht die Größe des Landes ungefähr der Portugals. Jordanien grenzt im Westen an Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete, im Norden an Syrien, im Nordosten an den Irak und im Südosten sowie im Süden an Saudi-Arabien, wo es über knapp 30 km Küstenabschnitte verfügt. Dort befindet sich Aqaba, der einzige Hafen Jordaniens. In der Landeshauptstadt Amman leben circa zwei Millionen Einwohner, die über ein Drittel der Gesamtbevölkerung von 5,7 Millionen Einwohnern ausmachen. 99,2 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Araber. Davon sind etwa 60 Prozent palästinensischer Abstammung (vgl. Steinberg, G. 2005, S. 132). Insgesamt leben in Jordanien ungefähr 93 Prozent sunnitische Muslime und fünf Prozent Christen. Die Landessprache Jordaniens ist Arabisch.
Das Klima Jordaniens ist durch die Landschaft des Staates gekennzeichnet. Jordanien besteht zu 80 Prozent aus Wüste. Daher herrscht im Großteil des Landes ein kontinentales Wüstenklima. Das Klima im Bergland am Rande des Jordangrabens ist mediterran und am Jordantal und den Küstenabschnitten subtropisch.
Jordanien wurde am 25.05.1946 unabhängig und hat die Staatsform einer konstitutionellen Monarchie inne. Das Staatsoberhaupt ist seit 1999 König Abdullah II. bin al-Hussein. Er ist der vierte König Jordaniens.
Jordanien ist Mitglied in mehreren internationalen Organisationen. Dazu zählen unter anderem die Arabische Liga, die Islamische Konferenz-Organisation, die Vereinten Nationen und das Internationale Rote Kreuz. 5
In Jordanien wurde die allgemeine Wehrpflicht seit 1992 ausgesetzt. Das jordanische Militär gleicht gegenwärtig einer Berufsarmee, die eine Stärke von circa 100.000 Mann besitzt. 6
4 Vgl. Höffe, Ottfried (2004): Ein umfassender Kosmopolitismus. Immanuel Kant. [online] Homepage: Goethe Institut. URL: http://www.goethe.de/ins/fr/lp/ges/phi/de81357.htm [Stand: 18.03.2010].
5 Vgl. Auswärtiges Amt (2009): Jordanien. [online] Homepage: Auswärtiges Amt. URL: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Jordanien.html [Stand: 02.03.2010].
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Arbeit zitieren:
Vanessa Falkenstein, 2010, Jordanien - Hegemon oder Sekundärstaat?, München, GRIN Verlag GmbH
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