Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Frauen in der jüdischen Tradition. 5
3. Ehe und Sexualität im Judentum 7
4. Auf dem Weg zur Gleichberechtigung 10
5. Jüdische Frauen in Deutschland. 12
5.1 Der jüdische Frauenbund 13
5.2 Bet Debora 15
5.3 Jüdischer Frauenclub Hamburg 15
6. Fazit 16
7. Literaturverzeichnis 19
8. Onlinequellenverzeichnis 20
2
1. Einleitung
„1904, irgendwo in Osteuropa. Die junge Jüdin Yentl mag sich nicht mit der Rolle abfinden, die scheinbar gottgewollt der Frau auferlegt ist. Viel mehr als Besen und Kochtopf interessiert sie die Welt der Bücher. Von ihrem gelehrten Vater heimlich hinter verschlossenen Türen in die Lehren des Talmuds eingeführt, nimmt sie nach dem Tod des alten Mannes entschlossen ihr Schicksal in die Hand. Die langen Haare fallen, aus dem Dorfmädchen Yentl wird Anshel […]. Es folgt die Aufnahme in eine Talmudrunde, und niemand ahnt, dass der neue Meisterschüler eine Frau ist“ 1 .
Dieser kurze Abriss beschreibt die Handlung des US-amerikanischen Films „Yentl“ aus dem Jahr 1983 und die darin vermittelte Rolle der jüdischen Frau. Dabei waren wichtigsten Gelehrten in der Geschichte des Talmuds alle männlich und die Tradition wurde stets vom Vater zum Sohn übermittelt. Frauen war das Lernen der Tradition jahrelang nicht gestattet. Im Talmud werden Frauen sogar als ein „separates Volk“ bezeichnet. Sie sind den Männern untergeordnet und bewusst von der Welt des Geistlichen und Göttlichen entfernt. Die alltäglichen Aufgaben der Frauen sind begrenzt. Ihre wichtigste Pflicht ist es, sich um die Familie zu kümmern um dadurch den Ehemännern das Thorastudium zu ermöglichen (vgl. Polyak 2004, S. 4). Ganz anders stellte sich das Bild der Frau allerdings im Rahmen des Seminars, beim Besuch des jüdischen (orthodoxen) Bildungszentrums in Hamburg dar. Dort erzählte der Rabbiner Shlomo Bistritzky im persönlichen Gespräch, dass jüdische Frauen die Thora lesen, den Talmud kennen und als Lehrerin in der jüdischen Talmud-Tora Schule in Hamburg unterrichten können.
Handelt es sich bei dem Film also um ein typisches und übertriebenes Hollywood-Drama oder zeigt der Rabbi der Hamburger Gemeinde eine für das orthodoxe Judentum ungewöhnlich liberale Haltung? Wie sieht also die Situation der jüdischen Frauen in Deutschland wirklich aus?
1 Transgender-net (2011): http://www.transgender-net.de/Film/film1/yentl.html [Stand: 20.03.2011].
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Diese scheinbaren Diskrepanzen in Bezug auf die Rolle der jüdischen Frau sollen in dieser Arbeit aufgegriffen und genauer beleuchtet werden. Dazu wird zunächst auf die Stellung der Frau in der jüdischen Tradition, also auf die Anfänge des Judentums eingegangen. In diesem Abschnitt soll vor allem die traditionelle Sicht der Ehefrau dargestellt werden. Im nächsten Kapitel wird dann explizit das Verhältnis von Ehe und Sexualität im Judentum beschrieben. Hierbei werden sowohl die traditionellen als auch die progressiven Haltungen berücksichtigt. Im vierten Kapitel wird anschließend auf die rollenspezifischen Wandlungen und Anpassungen des Judentums eingegangen, bevor im fünften Kapitel das moderne Leben der jüdischen Frauen in Deutschland thematisiert wird. Hierbei stehen weniger Alltagserfahrungen, als vielmehr die Entwicklung und Forderungen der Frauenorganisationen und Interessensgemeinschaften im Vordergrund. Ein abschließendes Fazit soll sowohl die zentralsten Punkte der Rolle der Frau im Judentum zusammenfassen, als auch einen Rück- und Ausblick auf die Entwicklungen enthalten.
Grundlage der Arbeit sind hauptsächlich Internetquellen sowie Homepages von jüdischen Gemeinden und Frauenorganisationen, da die
wissenschaftliche Literatur zur Rolle der Frau relativ wenig preisgibt, beziehungsweise hauptsächlich auf die traditionelle Sichtweise beschränkt ist und die heutige Zeit kaum thematisiert.
Letztlich muss erwähnt werden, dass eine Pauschalisierung der Stellung der Frau im Judentum aufgrund der verschiedenen gesellschaftlichen Bedingungen sowie der drei unterschiedlichen Hauptströmungen, des orthodoxen, konservativen und liberalen Judentums, nicht sinnvoll ist und auch nicht Ziel dieser Arbeit sein soll. Stattdessen soll sie aufzeigen, wie die sich die verschiedenen traditionellen und aktuellen Rollen der Frau im Judentum im Allgemeinen gestalten, daher können die Ergebnisse nicht für jede Frau jüdischen Glaubens generalisiert werden.
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2. Frauen in der jüdischen Tradition
Die Grundlage der traditionellen jüdischen Sicht zur Stellung der Frauen beruht auf einer patriarchalischen Kultur biblischer und talmudischer Zeiten. Damals wurde die Frau als Eigentum des Mannes angesehen. Ihre Pflicht war es Kinder zu bekommen, sie zu erziehen und ihrem Mann beizustehen. Dass die Frauen in der Halacha, dem rechtlichen Aspekt des Judentums, anders als Männer eingestuft und behandelt werden, wird von niemandem bestritten. Wie dies jedoch in der religiösen Gesetzgebung und Praxis umgesetzt wird, darüber gehen die Meinungen in der jüdischen Welt stark auseinander.
Befürworter dieser alten Sichtweise sprechen dabei davon, dass „…der Respekt vor Frauen im Judentum immer sehr ausgeprägt war (und immer noch ist)“ 2 .
Sie argumentieren des weiteren, dass „Frauen und Männer vor Gott zwar gleichwertig seien , Frauen aber dennoch - gottgegeben - sich mental und auch physisch stark von Männern unterscheiden, bzw. in der Gesellschaft andere Aufgabenbereiche als Männer erfüllen" und daher „…Gesetze notwendig wurden, die dem Schutz der Frau und ihrer Lebensqualität dienten" 3 .
Weitere Glaubensvertreter sagen, dass es sich dabei nur um eine „scheinbare“ Benachteiligung der Frau handelt, da die Frau zu Hause die Oberhand hat und von ihrem Mann stets geachtet, umsorgt, behütet und mit vielen Privilegien ausgestattet wird. Zu diesen Privilegien gehört unter anderem auch das Recht die Sabbatkerzen zu entzünden. Aus diesem Grund werden die Frauen auch als „Licht der Familie“ bezeichnet. Sie sind des Weitern für die Herrichtung eines „jüdischen Heims“, sowie für die Erziehung der Kinder, die Zubereitung der Nahrung nach den Speisegesetzen und für die Vorbereitung der jüdischen Feste verantwortlich (vgl. Spiegel 2010, S.44-45).
2 Much, Theodor (2004): http://www.trend.infopartisan.net/trd0204/t130204.html [Stand: 22.03.2011].
3 Much, Theodor (2004): http://www.trend.infopartisan.net/trd0204/t130204.html [Stand: 22.03.2011].
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Des Weiteren muss erwähnt werden, dass der jüdische Status der Kinder von der Mutter abhängt. Nach jüdischem Recht ist jeder jüdisch, dessen Mutter Jüdin ist. Ist hingegen nur der Vater jüdisch, nicht aber die Mutter, dann ist das Kind nicht jüdisch. Diese Tatsache verdeutlicht nochmals, dass die Frau eine vornehmliche Rolle in der Erhaltung der jüdischen Identität und Werte hat. 4
Oftmals wird die Funktion der jüdischen Frau daher mit der Funktion der Wurzel einer Pflanze verglichen:
„Die Wurzeln sind von Anfang an die Lebensquelle jeder Pflanze, sobald der Samen Wurzeln schlägt. Über die Wurzeln erhält die Pflanze Wasser und Mineralien aus dem Erdreich. Trotz ihrer Verantwortung für das eigene Wachstum liegt die Hauptaufgabe der Wurzeln in der Ernährung der Pflanze, um die Regeneration durch gute Fruchtentwicklung sicherzustellen. Gleichzeitig sind die Wurzeln die sicherste Basis für die Verankerung in der Erde, so dass die Pflanze nicht durch starke Winde und andere Witterungsbedingungen entwurzelt werden kann“ 5 . Wie auch bei den Männern, bestimmt der Talmud, dass Frauen alle Gebote und Verbote des Judentums beachten müssen. Frauen sind aber von vielen Geboten befreit, vor allem von denen, die an eine feste Zeit gebunden sind. Begründet wird diese Befreiung durch die vielfältige Hinderung durch die Menstruation, durch das Gebären und Stillen von Kindern und das Besorgen des Hauswesens. Gleichzeitig werden die häuslichen Pflichten der jüdischen Frauen für so wichtig erachtet, dass sie Vorrang gegenüber der Erfüllung einiger Gebote erhalten.
Vor allem im orthodoxen Judentum sind Frauen in der Religionsausübung oftmals nicht gleichberechtigt. Beispielsweise dürfen Frauen keinen Tallit, den jüdischen Gebetsmantel, sowie keine Tefillin, die ledernen Gebetsriemen, tragen. Des Weiteren hatten Frauen in der traditionellen Welt nicht die Möglichkeit den Talmud und die Thora zu studieren. Zur Ausbildung in geistlichen Berufen waren sie ebenfalls nicht zugelassen.
4 Vgl. Chabad (2011): http://www.de.chabad.org/library/article_cdo/aid/691906/jewish/Die-Rolle-der-
Frau-im-Judentum.htm [Stand: 22.03.2011].
5 Chabad (2011): http://www.de.chabad.org/library/article_cdo/aid/691906/jewish/Die-Rolle-der-Frau-im-
Judentum.htm [Stand: 22.03.2011].
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Arbeit zitieren:
Vanessa Falkenstein, 2011, Die Stellung der Frau im Judentum, München, GRIN Verlag GmbH
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