Inhaltsverzeichnis:
1. Einführung 3
2. Kurzbiographie 5
3. Man Ray und die Photographie 7
4. Man Ray als Entdecker der Rayographie 9
5. Man Ray in Paris 10
5.1. Portraitphotographie als Einnahmequelle 10
5.2. Man Ray und Kiki de Montparnasse 12
6. Solarisation 15
7. Fazit 17
8. Abbildungen 18
9. Literaturverzeichnis 36
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1. Einführung
Die Suche nach dem Unbekannten und dem Wunderbaren und das Streben danach, dieses Wunderbare aufzufangen und mithilfe verschiedener künstlerischen Techniken medial dingfest zu machen, war zweifellos ein wichtiger Bestandteil der surrealistischen Philosophie. Das, was die Surrealisten in der Wirklichkeit zu finden vermochten, empfanden sie als unzulänglich, gar mangelhaft. Die Wirklichkeit war der surrealistischen Vorstellungen entsprechend nicht vollkommen und so suchten sie im Traum und im abstrakten Unbewussten nach weiteren Möglichkeiten und Inspirationsquellen, um die Wirklichkeit zu ergänzen. Das fremde Unbekannte, das überraschend Andere so wie das tief versteckte und tabuisierte Abgründige, faszinierten die Surrealisten. In ihrer „neuen“ grenzenlosen Welt war zwar das Wunderbare angestrebt, dennoch aber nicht mit dem Wunderschönen zu verwechseln und/oder auszutauschen. Denn das Wunderschöne kann auch wunderbar sein, aber das Wunderbare ist nicht zwangsläufig wunderschön. Auch das Hässliche und das Asymmetrische können, abhängig vom Kontext und Inszenierungssituation, im surrealistischen Verständnis als wunderbar betrachtet werden. Und so war es die Begierde, dieses „unstillbare Verlangen nach dem Anderen, dem Verborgenen, dem Verschwiegenen, dem Verhüllten, den Tabus“, das „wesentliche Triebfeder für die Wahrnehmung des Wunderbaren“, das wiederum „erst jenen vollständigen Sinn“ der Wirklichkeit zu geben schien, „auf den die Surrealisten hinauswollten“. 2
1 Paul Eluard: Das fünfte sichtbare Lied. In: Monika Faber: Das Innere der Sicht. Surrealistische Fotografie der 30er und 40er Jahre. REMAprint. Wien 1989. Umschlagvignette.
2 Uwe M. Schneede: Das surrealistische Bild. Widerspruch zu den Tatsachen der Welt. In: Uwe M. Schneede: Begierde im Blick. Surrealistische Photographie. Hatje Cantz Verlag. Ostfildern 2005. S. 43.
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Eins der Medien, das den Surrealisten ein breites Spektrum an Möglichkeiten bot, um die Realität zu erweitern, zu verfremden sowie gleichzeitig zu interpretieren, war die Photographie. Mit ihrer Hilfe wurden selbst Realitätsabbildungen geschaffen, die „in jeder Hinsicht jenseits der physiologischen menschlichen Wahrnehmung“ 3 lagen. Des Weiteren konnte man die photographischen Bilder ohne großen Aufwand vervielfältigen und reproduzieren. Und so erwies sich schon bald das noch relativ junge Medium als perfekt für die enthusiasmierten und experimentierfreudigen Surrealisten. Man könnte es fast selbst als surrealistisch betrachten.
„Die Entdeckung der Photographie (und die allgemeinen Folgen, die sich daraus für den Blick des heutigen Menschen ergeben haben) ist für sich allein schon ein >>surrealistisches Ereignis<<, indem sie nämlich einen alten Traum des Menschen verwirklicht (und zugleich bis ins Unendliche ausdehnt): Den Schritt der Zeit anzuhalten, anscheinend nach unserem Willen, nur durch das Festhalten eines flüchtigen Bildes.“ 4 Viele Surrealisten haben sich der schöpferischen Möglichkeiten des damals noch jungen Mediums der Photographie bedient und dieses gleichrangig mit anderen Gattungen wie Dichtung und Malerei eingesetzt. Fast kein Photograph der surrealistischen Künstlerbewegung war ausschließlich nur Photograph und es gab auch keine strenge Trennung zwischen den verschiedenen künstlerischen Ausdruckstechniken. „Dichter machten Objekte, Maler filmten, Photographen malten, Maler photographierten“ 5 … Die Surrealisten haben stets das Miteinander und das Nebeneinander gesucht, „unbekümmerte Übersprünge in andere Gattungen waren geläufige Praxis“ 6 so wie das gemeinsame Schaffen und Experimentieren im Kollektiv. 7
3 Ivo Kranzfelder: >>Nur die Versuchung ist göttlich<< Zum Gebrauch der Photographie durch die Surrealisten. In: In: Uwe M. Schneede: Begierde im Blick. Surrealistische Photographie. Hatje Cantz
Verlag. Ostfildern 2005. S. 15.
4 Edouard Jaguer: Surrealistische Photographie. Zwischen Traum und Wirklichkeit. DuMont Buchverlag. Köln 1984. S. 3.
5 Uwe M. Schneede: Surrealismus, Subst., m. Statt einer Einführung. In: Uwe M. Schneede: Begierde im Blick. Surrealistische Photographie. Hatje Cantz Verlag. Ostfildern 2005. S. 11.
6 Ebd. S. 11.
7 Patrick Waldberg: Was ist Surrealismus? In: Werner Haftmann: Der Surrealismus. Verlag M. DuMont Schauberg. Köln 1965. S. 9ff.
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Einer der bekanntesten Photographen und Mitbegründer der surrealistischen Bewegung war der damals frisch nach Paris zugezogene Amerikaner Man Ray, der bis heute als einer der kreativsten Künstler des 20 Jahrhunderts gilt. Nicht ohne Grund wird er auch „Magier des Lichts“ genannt, denn es gibt keinen anderen Photographen, der „dem Lichtbild so viele Impulse gegeben hat, wie der neugierige Entdecker Man Ray.“ 8 Doch Man Ray war nicht nur Photograph, er hat sich aller irgendwie erreichbaren Medien (wie Plastik, Collage, Druckgraphik, Film, Poetik usw.) bedient, um seiner fruchtbaren Phantasie und seinem ausgelassenen Gestaltungsdrang stetigen Ausdruck zu geben, und wurde wegen der Vielseitigkeit seines Werkes allgemein dem Modernismus zugewiesen. Dennoch war Man Ray einer der wichtigsten Hauptakteure des Dadaismus und Surrealismus und der einzige surrealistische Photograph, von dem damals eigene Monographien erschienen sind. Des Weiteren war er auch der meist vertretene Photograph in den surrealistischen Zeitschriften sowie der einzige in der Gruppe, der sich „professionell“ und „auf seine ganz eigenen Weise“ mit dem Medium auseinandersetzte. Die Photographie brachte ihm Weltruhm und lies ihn ganze Generationen zeitgenössischer wie nachfolgender Spitzenphotographen von sich inspirieren lassen. Seine zahlreichen Portraitphotographien zeitgenössischer Künstler dokumentierten den Höhepunkt des Pariser Kulturlebens in den 1920er Jahren und machten ihn damit zu einem wichtigen Chronisten dieser Zeit.
2. Kurzbiographie
Man Ray ist mit bürgerlichem Namen Emanuel Rudnitzky als Sohn eines jüdischen Schneiders am 27. August 1890 in Philadelphia, USA- Pennsylvania, geboren. 1897 zieht seine Familie nach Brooklyn, New York. Dort beginnt der siebenjährige Junge Buntstiftzeichnungen anzufertigen, was von seinen Eltern nicht für gut befunden wurde. Deshalb muss er seine künstlerischen Neigungen lange Zeit geheim halten. „Ich werde von nun an die Dinge tun, die ich nicht tun soll“ 9 wird sein frühes Motto, dem er sein Leben lang folgen sollte. Im höheren Schulalter durfte er jedoch Kurse in Kunst und Technischem Zeichnen teilnehmen und beschafft sich bald das Werkzeug für seine künstlerische Laufbahn. Nach Abschluss der High-School wird dem 16jährigen ein Stipendium für ein Architekturstudium angeboten, das er aber zugunsten seiner Künstlerkarriere ablehnt. Sein
8 Jochen Siemens: Man Ray - Magier des Lichts. In: Stern Spezial: Photographie. Heft 35. März 2004. Vgl.: http://www.stern.de/magazin/photografie/521240.html, 09.08.2011.
9 Interview mit Arturo Schwarz. In: Arts 51. Heft 9. Mai 1977. Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Man_Ray#cite_ref-1, 09.08.2011.
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Entschluss, Maler zu werden, steht fest. So verkehrt Man Ray zunächst in den avantgardistischen Kreisen New Yorks, vor allem in der Galerie Stieglitz, und beginnt seine künstlerische Tätigkeit mit kubistischen Gemälden. Doch 1917 gehört er zusammen mit Marcel Duchamp und Francis Picabia zu den Begründern der New Yorker Dada-Bewegung. 1921 siedelt Man Ray nach Paris über. Dort erfindet er die Rayographie, eine kameralose Ablichtung in Schwarzweiß mit diffusen Konturen, die zu einer bedeutsamen Inspiration der Surrealisten werden soll. Seine Mode- und Portraitphotographien machen ihn bald zu einer bekannten Persönlichkeit in der Kunststadt an der Seine. 1925 schließt sich Man Ray den Surrealisten an, wird dessen "offizieller" Photograph und nimmt auch die Malerei wieder auf. In den folgenden Jahren beschäftigt sich der Künstler mit dem Medium Film und verwirklicht einige Filmprojekte. 1940 flüchtet er vor der deutschen Besatzung nach Amerika und lässt sich dort in Hollywood nieder. 1951 kehrt Man Ray nach Paris zurück und widmet sich hauptsächlich der Malerei und der Zeichnung. Sein Kunstwerk wird noch zu Lebzeiten mit zahlreichen bedeutsamen Ausstellungen geehrt. 1966 nimmt Man Ray an einer großen Dada-Retrospektive teil, die im Musèe Nationale d’Art Moderne in Paris, im Kunsthaus Zürich und im Civico Padoglio d’Arte Contemporanea in Mailand gezeigt wird. 1972 folgt eine weitere große Retrospektive, die im Philadelphia Museum of Art, im Pariser Musèe Nationale d’Art Moderne und im Louisiana Museum in Humlebaek (Dänemark) zu sehen ist. 1974 erscheinen seine Werke neben die von Duchamp und Picabia in der Ausstellung "New York Dada", die gemeinsam von der Städtischen Galerie München und der Kunsthalle Tübingen organisiert wird. Auf der Biennale in Venedig (1961) wird Man Ray mit der Goldmedaille für Photographie ausgezeichnet. 10 Man Ray stirbt am 18. November 1976 im Alter von 86 Jahren in Paris.
10 Schirmer/Mosel: Man Ray. Photograph. München 1982. S. 253f.
Man Ray: Biographie. Vgl.: http://www.kettererkunst.de/kunst/kd/bio/ManRay-1890-1976.php,
09.08.2011.
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3. Man Ray und die Photographie
Man Rays Werk stellt sich äußerst vielseitig und facettenreich dar. Er war nicht nur Maler, sondern auch Photograph, Filmregisseur, Architekt, Zeichner, Bildhauer, Schriftsteller, Möbeltischler, Metallbastler. Seine Arbeitsmethoden und sein Stil veränderten sich virtuos und vielseitig. Dabei zielte er nicht auf technische Perfektion und betrachtete auch übliche Qualitätskriterien wie meisterliche Ausführung als nicht entscheidend für ein Kunstwerk. Vielmehr wurde er von einem Teil seiner Kollegen als Spieler bezeichnet.
Mit dem Photographieren begann er ganz nebenbei. Als er sich 1915 für seine erste Einzelausstellung in der neuen „Daniel Gallery“ in New York 11 vorbereitete, war er mit den professionellen Aufnahmen seiner Werke äußerst unzufrieden. Niemand konnte ihm seine Gemälde gut genug reproduzieren. Deshalb begann er sie selbst zu photographieren und fand viel Freude an dem neuen Medium. Die vielseitigen Möglichkeiten des geheimnisvollen, lichtempfindlichen Materials waren für ihn eine große Herausforderung. Und es dauerte nicht lange, bis er sich von den anderen Künstlern abhob. Denn er besaß die Fähigkeit, die gewünschten Effekte mit einem Minimum an Aufwand zu erreichen. Dafür mussten andere oft stundenlang in dem Keller verbringen, vergraben in mühsame, aufwändige akademische Prozesse. Aber es war nicht die Leichtigkeit, mit der Man Ray seine Werke meisterte, sein wirkliches Talent, es war sein Einsatz von Photographie als Mittel zwischen Kunst und Leben. 12
Auch wenn Man Ray kein Photograph im üblichen Sinne sein wollte, wurde er in erster Linie als Lichtbildner berühmt. „Er benutzte die Kamera wie irgendein Hilfsmittel, wie irgendein Werkzeug, ohne sonderlichen Respekt.“ Er nahm sie auseinander, „baute sie seinen Zielen entsprechend um, versuchte sie zu entmaschinisieren, zu vermenschlichen, um mit dem Sichtbaren das gemeinhin Unsichtbare zu beschwören.“ Technische Perfektion war keineswegs sein Anstreben. Ganz im Gegenteil: er forderte geradezu „Fehler“ heraus, um sie dann in neue darstellerische Formen zu verwandeln. 13
11 Wikipedia: Man Ray. Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Man_Ray#cite_ref-1, 09.08.2011.
12 Merry Foresta: Wiederkehrende Motive in der Kunst von Man Ray. In: Merry Foresta: Man Ray (1890-1976). Sein Gesamtwerk. Edition Stemmle. Schaffhausen 1989. S. 15.
13 L. Fritz Gruber: Man Ray. Portraits. Mohn Verlag. Gütersloh 1963. S. 9.
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Raliza Petrova, 2011, Surrealistische Photographie: Man Ray als Mitbegründer und Photograph der Surrealisten, München, GRIN Verlag GmbH
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