Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Dokumentarliteratur 6
2.1 Definition der Dokumentarliteratur. 6
2.2 Geschichte der Dokumentarliteratur. 6
2.3 Dokumentarische Prosa 7
2.5 Dokumentarliteratur als Gattung 8
3. Biographie Svetlana Aleksievič 10
4. Černobyl’ skaja molitva. Chronika buduščego 11
4.1 Zur Entstehung 11
4.2 Textanalyse. 11
4.21 Aufbau und Erzählperspektive 11
4.22 Sprachliche Gestaltung. 13
4.23 Textsorte 14
4.24 Inhaltlich-thematische Aspekte 14
5. Biographie Jurij Ščerbak 20
6. Černobyl’’: dokumental’noe povestvovanie 20
6.1 Zur Entstehung 20
6.2 Textanalyse. 21
6.21 Aufbau und Erzählperspektive 21
6.22 Sprachliche Gestaltung. 21
6.23 Textsorte 21
6.3 Inhaltlich-thematische Aspekte 22
7. Vergleichende Analyse. 26
8. Schlussfolgerung 27
Literaturverzeichnis. 29
Literaturverzeichnis. 29
3
1. Einleitung
„Bloß dokumentieren, heißt sich dumm stellen, wer sich dumm stellt, ist aber nicht dumm, er verstellt sich nur. Sich verstellen ist eine Taktik, zu der man greift, wenn man etwas sagen oder tun will, das verboten ist oder wenn man nicht weiß, was man in einer bestimmten Situation tun oder sagen soll.“ 1
Dies trifft auch auf die Katastrophe von Černobyl’ zu, dieses unvergleichliche vorher noch nie geschehene Ereignis, hat die Menschen verstummen lassen, die Opfer waren lange nicht in der Lage sich zu äußern und auch die Literatur fand keine Worte für das Geschehene. Die alten Gattungen der Literatur waren nicht im Stande, die Ereignisse auf eine angemessene Art wiederzugeben. Svetlana Aleksievič und Jurij Ščerbak haben sich für eine Form der Dokumentarliteratur entschieden, um die Katastrophe von Černobyl’ zu schildern. Sie wenden dabei unterschiedliche Verfahren und Zielsetzungen an, die im weiteren Verlauf dieser Arbeit untersucht werden. Diese Arbeit stellt die Gattung Dokumentarliteratur dar und versucht die Erzählungen von S. Aleksievič und J. Ščerbak dieser Gattung zuzuordnen. Des Weiteren soll untersucht werden, warum die beiden Autoren sich für diese Form der Darstellung entschieden haben. Dabei soll diese Arbeit die folgenden Fragen beantworten:
Was ist Dokumentarliteratur und wie sind die beiden Texte „Černobyl’skaja molitva. Chronika buduščego“ von Aleksievič und „Černobyl’: dokumental’naja povest’“ von Ščerbak in diese Gattung einzuordnen? Warum haben die beiden Autoren diese Form der Darstellung des Reaktorunfalls von Černobyl’ gewählt?
Die ersten Kapitel definieren das Genre Dokumentarliteratur und geben einen Überblick über die Geschichte der Dokumentarliteratur. Anschließend wird die Autorin Aleksievič vorgestellt und Ihr Buch „Černobyl’skaja molitva. Chronika buduščego“ nach Aufbau, Inhalt und Sprache analysiert. Folgend dazu wird Ščerbak kurz vorgestellt und sein Buch nach den gleichen Kriterien analysiert. Abschließend werden beide Erzählungen im Hinblick auf die dokumentarische Gattung verglichen. Zur Analyse der beiden Texte wurde mit den Übersetzungen von „Černobyl’skaja molitva. Chronika buduščego“ von Aleksievič und
1 Scharang, Michael: Zur Technik der Dokumentation in : Hans Joachim Schröder: Interviewliteratur zum Leben in der DDR : zur literarischen, biographischen und sozialgeschichtlichen Bedeutung einer dokumentarischen Gattung, Tübingen, 2001
4
„Černobyl’: dokumental’naja povest’“ von Ščerbak gearbeitet. Die Zitate und
Textverweise beziehen sich jeweils auf die russischen Originaltexte
2. Dokumentarliteratur
Dokumentarische Tendenzen zeigten sich in den 60er-Jahren sowohl im Film, Fernsehen, Hörfunk, auf der Bühne und in der gedruckten Literatur. Obwohl dokumentarische Tendenzen und Methoden nicht nur Literatur und Theater, sondern vor allem Film und Fernsehen prägten 2 , wird sich dieser Überblick auf dokumentarische Prosa konzentrieren.
2.1 Definition der Dokumentarliteratur
Das Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft definiert Dokumentarliteratur als:
„literarische Texte, die aus nichtliterarischen Vorlagen und Quellen komponiert sind und diese ausdrücklich als unbearbeitete Dokumente präsentieren. Der Semi-Dokumentarismus konzediert dabei, dass das Rohmaterial mit fiktionalen Passagen durchsetzt wird. Allerdings ist auch Dokumentarliteratur immer vom arrangierenden Eingriff des Autors geprägt und insofern nie das, was sie vom Anspruch her sein möchte: unmittelbare, unbearbeitete und somit authentische Wiedergabe von Realität.“ 3
Gero von Wilpert definiert Dokumentarliteratur als:
„unscharfe Sammelbezeichnung für alle engagierten publizistischen Werke, die weniger Wert darauf legen, als fiktionale Literatur zu gelten, als vielmehr durch Dokumente, Akten, Protokolle und dokumentarisch gesicherte Fakten Authentizität zu suggerieren und in oft trockener Sprache einen unbekannten, vergessenen oder verdrängten Tatbestand vor Augen führen, dessen Darstellung zur gesellschaftskritisch-politischen Bewusstseinsbildung führen soll.“ 4
2.2 Geschichte der Dokumentarliteratur
Das dokumentarische Verfahren wurde in Vorformen bereits im 18 Jh. Entdeckt, z.B. in Goethes „Werther“ (1774) oder in „Dantons Tod“ von Büchner (1835). Diese Texte wurden jedoch nicht offen als dokumentarisch deklariert. Erst seit den 1920er Jahren ist von einer das Genre konstituierenden Dokumentarliteratur die Rede. Den Anfang machte die in der Sowjetunion entstandene Faktographie. Ihr wichtigster Vertreter war Sergej Tretjakov. 5 Neben der Pro-paganda wurde die Dokumentation zur wichtigsten Waffe einer dem Aufbau
2 Vgl. Arnold, Heinz Ludwig: Dokumentarliteratur, München,1973, S. 7f.
3 Weimar, Klaus: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft : Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte, Berlin, 2010, S.383 f.
4 von Wilpert, Gero : Sachwörterbuch der Literatur. 8., verb. u. erw. Aufl. - Stuttgart 2001, S. 182
5 Vgl. Weimar, Klaus: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft : Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte, Berlin, 2010, S.384
7
der sozialistischen Gesellschaft dienenden Kunst. Die faktographische Literatur wurde durch den Sozialistischen Realismus abgelöst. 6
Anschließend begann mit Berichten von Arbeiterkorrespondenten in Deutsch-land eine zweite Phase. Neben Erfahrungsberichten und Protokollen spielte die Reportage eine große Rolle. Die wichtigsten Vertreter der Arbeiterliteratur waren Günther Wallraff und Erika Runge. Günther Wallraff bevorzugte die Form der Reportage, während Erika Runge Interviews mit beteiligten Menschen führte, diese auf Tonband aufnahm und später zu Protokollen verfasste. 7 Da diese Methode auch von Aleksievič und teilweise von Ščerbak angewandt wird, wird in den folgenden Kapiteln näher auf die Methoden und Eigenschaften der Interview- und Protokollliteratur eingegangen. Wenn man an Russische Dokumentarliteratur denkt, denkt man zuerst an die so genannte GULAG Literatur, die die Verhältnisse und Lebensweisen sowie die Erfahrungen der Häftlinge literarisch dokumentiert. Die bekanntesten Vertreter der GULAG Literatur sind Shalamov und Solženicyn.
Des Weiteren gibt es noch viele Dokumentationen, die sich mit der Kriegszeit auseinandersetzen, hier hat auch Aleksievič Werke verfasst. Wegbereiter der weißrussischen Literatur waren Ales Adamovič, Janka Bryl und Uladzimir Kalesnik. 8
In die neue Form der Dokumentarliteratur unter Adamovič und Aleksievič flossen ältere topische Traditionen ein und sie lässt das Leben authentisch sprechen. Aus diesem Grunde reagierte sie auch angemessen, als Weißrussland 1986 von der Katastrophe von Černobyl’ heimgesucht wurde. 9
2.3 Dokumentarische Prosa
Die dokumentarische Prosa schließt an die Entwicklungen der 20er und 30er Jahre an, einerseits an die faktographische Literatur in der Sowjetunion, andererseits an die Berichte und Reportagen der Arbeiterkorrespondenten. Alexan-
6 Vgl.Weimar, Klaus: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft : Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte, Berlin, 2010, S.384
7 Vgl. Weimar, Klaus: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft : Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte, Berlin, 2010, S.384
8 Vgl. Afanassef, Iwan : Weißrussland in seiner Belletristik des 20. Jahrhunderts in: Handbuch der Geschichte Weißrusslands. Hrsg. v. Dietrich Beyrau und Rainer Lindner, Göttingen, 2001, S.472-490
9 Vgl. Afanassef, Iwan : Weißrussland in seiner Belletristik des 20. Jahrhunderts in: Handbuch der Geschichte Weißrusslands. Hrsg. v. Dietrich Beyrau und Rainer Lindner, Göttingen, 2001, S.472-490
8
der Kluges Veröffentlichungen „Lebensläufe“ (1962) und „Schlachtbeschreibung“ (1964) weisen dokumentarische Tendenzen auf und verbinden dokumentarische mit fiktiven Elementen. 10 Auch Werke von Shalamov und Solženicyn sind der dokumentarischen Prosa zuzuordnen.
Probleme der dokumentarischen Prosa ist vor allem die Authentizität bzw. Verlässlichkeit der verwendeten Quellen und Materialien. Leona Toker hat die verwendeten Materialien der dokumentarischen Prosa in drei Kategorien unterteilt: „public domain, private domain und privileged access domain“. „Public domain“ sind überprüfbare Texte, die der Öffentlichkeit leicht zugänglich sind. Sie beinhalten Memoiren, gedruckte und veröffentliche Materialien, Namen und Beschreibungen von Orten und Personen sowie Statistiken. Materialien der „private domain“ gehören zu der Innenwelt von Gedanken und Gefühlen des Autors. Interviews und Protokolle, die auf Interviews basieren fallen in die Kategorie der „privileged access domain“. Materialien der „private“ und der „privileged access domain“ bleiben oft unbewiesen. 11
2.5 Dokumentarliteratur als Gattung
Zu der Gattung der Dokumentarliteratur gehören Autobiographien, Biographien, Erlebnis- und Reiseberichte, Tagebücher, Briefe, Reportagen, Porträts, Interviews und Interviewliteratur. 12
Beim narrativen Interview geht es dem Interviewer darum, seinen Gegenüber zu einem möglichst freien, offenen und spontanen Sprechen zu bewegen.
Unter dem Begriff Interviewliteratur bezeichnet man Texte, die aus Interviews hervorgegangen und die in gedruckter Form der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind. Sie bestehen meistens aus einer Sammlung von mehreren in sich geschlossenen Interviews. Diese Einzelinterviews erscheinen oft in unkommentierter Form und sprechen für sich selbst. Interviews werden vielfach als Protokoll präsentiert: die Redebeiträge des Interviewers sind herausge- 10 Vgl.Berghahn, Klaus Leo: Dokumentarische Literatur in: Neues Handbuch der Literaturwissenschaft. Hg. v. Klaus von See. Bd. 22: Literatur nach 1945 II. Wiesbaden, 1979, S.227-239
11 Vgl. Toker, Leona: Return from the Archipelago: narratives of Gulag survivors, Bloomington, 2000, S.134
12 Vgl. Schröder, Hans Joachim: Interviewliteratur zum Leben in der DDR : zur literarischen, biographischen und sozialgeschichtlichen Bedeutung einer dokumentarischen Gattung, Tübin- gen, 2001, S.13
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Linda Woog, 2011, Die Katastrophe von Černobyl’ in der Dokumentarliteratur, München, GRIN Verlag GmbH
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