Einleitung
In dieser Arbeit soll das Canadian Model of Occupational Performance 1 vorgestellt werden. Das in der Ergotherapie bekannte und angewandte Modell, soll in einem Bereich der heilerziehungspflegerischen Praxis, dem Betreuten Einzelwohnen, Anwendung finden.
Das Betreute Einzelwohnen bietet Menschen mit geistiger, körperlicher und/oder mehrfacher Behinderung, bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen und Anspruchsgrundlagen, die Möglichkeit im eigenen Wohnraum allein oder als Paar, bedarfsgerecht unterstützt leben zu können. Die rechtliche Grundlage bildet die Eingliederungshilfe nach SGB XII 2 . Anspruch auf Finanzierung dieser sozialpädagogischen Hilfe haben alle Erwachsenen, die zum Personenkreis §§ 53, 54 SGB XII gehören. Für diese Personen wird auf der Grundlage des individuellen Hilfebedarfs der Umfang an durchschnittlicher wöchentlicher Betreuungszeit durch die zuständige Stelle des Bezirksamts festgelegt. Die Fachlichkeit der Hilfe entspricht anerkannten Standards und hat zum Ziel, Menschen mit vorwiegend chronischer Erkrankung Unterstützung und Begleitung zu geben. Dadurch wird dem Klienten eine möglichst selbstständige Lebensform ermöglicht.
In dieser Arbeit soll am Beispiel einer Klientin des Betreuten Einzelwohnens untersucht werden, mit welchem Ergebnis, dass Canadian Model of Occupational Performance in diesem Bereich angewendet werden kann.
1 Kanadisches Modell der Betätigungsperformance
2 Sozialgesetzbuch
1
1 Das Canadian Model of Occupational Performance (CMOP)
1.1 Die Entstehungsgeschichte des Modells CMOP
In Deutschland gewinnt die Einbeziehung des Patienten in seine Rehabilitation zunehmend an Bedeutung (BGM 3 , 2001). Um die optimale Reintegration des Klienten in sein soziales Umfeld zu ermöglichen, ergibt sich die Notwendigkeit den individuellen biopsychosozialen Kontext stärker zu berücksichtigen. In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten wirken verschiedene gesellschaftliche und strukturelle Veränderungsprozesse zusammen. Aus diesem gegebenen Anlass, sollte die Erbringung von Dienstleistungen im Gesundheitswesen, kritisch überdacht und verändert werden. Wesentliche Gründe dafür sind die gestiegene Anzahl von Personen mit chronischen Erkrankungen, die durch verbesserte medizinische und diagnostische Versorgung ihre Krankheit und Verletzung überstehen. Die allgemein gestiegene Lebenserwartung, sorgt für mehr Senioren, die in der eigenen Wohnung leben wollen. Der verständliche Wunsch nach einer optimalen Lebensqualität, stellt erhöhte Anforderungen an die Ressourcen im Gesundheitswesen. Es besteht eine Verpflichtung der Dienstleistungserbringer gegenüber dem Kostenträger, die Effizienz ihrer Interventionen nachzuweisen. Dazu kommt die Forderung der chronisch kranken oder behinderten Menschen, nach Mitbestimmung und ganzheitlicher Betrachtungsweise. Der kanadische Verband der Ergotherapeuten (CAOT) setzte sich frühzeitig mit dem Zusammenspiel der genannten Faktoren auseinander und suchte nach Möglichkeiten, eine Form der Qualitätssicherung für den Beruf des Ergotherapeuten zu entwickeln (vgl. Marotzki 2002, S.104). Das kanadische Institut für Nationale Gesundheit und Soziales und der kanadische Ergotherapeutenverband (DNHW und CAOT) bildeten 1980 eine Arbeitsgruppe, um Leitlinien für die Qualitätssicherung der ergotherapeutischen Arbeit in Kanada aufzustellen. Neben der Erfüllung dieser Aufgabe durch die Arbeitsgruppe, wurde weitere konzeptionelle Arbeit geleistet, als deren Ergebnis „Das Model of Occupational Performance“ entstand. Es kam zu drei Veröffentlichungen durch die Arbeitsgruppe. Diese sind in einem Band unter dem Titel „Occupational Therapy Guidelines for Client - centred Practice“, CAOT 1991 (Ergotherapeutische Leitlinien für klienten - zentrierte Praxis) zusammengefasst (vgl. Law 1998, S.6).
3 Bundesgesundheitsministerium
2
1.2 Die beiden Kernelemente des Praxismodells CMOP
Die Klientenzentriertheit ist das erste Kernelement des kanadischen Modells. Die neuesten kanadischen Leitlinien (CAOT 1997), benennen die Betätigung des Menschen als wichtigstes Ziel der Ergotherapie. Dazu gehören z.B. informieren, zuhören, unterstützen, beraten und anderes, mit dem Ziel den Klienten in die Lösung seines Problems weitestgehend mit einzubeziehen und somit in der Praxis der Ergotherapie klientenzentriert vorzugehen (vgl. Marotzki 2002, S.106). Die Beziehung zu den Klienten, die die ergotherapeutische Behandlung suchen, sollte sich partnerschaftlich und respektvoll gestalten. Damit die Bedürfnisse der Klienten, ihrer Angehörigen und Partner berücksichtigt werden können, muss der Ergotherapeut die Überzeugung in sich tragen, dass es dem Klienten grundsätzlich möglich ist, seine Probleme zu erkennen und er benennen kann, welche Lebensrollen und Betätigungen ihm wichtig sind. Darin lässt sich erkennen, dass Klientenzentriertheit mehr als ein Element des Modells ist, denn es beleuchtet den ethischen Standpunkt, den der Therapeut einnimmt (vgl. Marotzki 2002, S.107). Die Betätigung ist das zweite Kernelement des kanadischen Modells. Unter Betätigung werden in diesem Zusammenhang alle Aktivitäten verstanden, die Menschen in ihrem Leben ausführen. Die Betätigung strukturiert unsere Zeit und beinhaltet u.a. auch unsere Arbeit. In erster Linie gibt die Betätigung unserem Leben einen Sinn. Sie ist für jeden Menschen ganz individuell und gibt Auskunft über die jeweiligen Lebensrollen. Die Betätigung passt sich den entsprechenden Lebensabschnitten und Entwicklungsphasen an. So unterscheiden sich die Betätigungen von Kindern gegenüber denen älterer Menschen oder Jugendlichen (vgl. Marotzki 2002, S.108). Das kanadische Modell unterscheidet drei Bereiche der Betätigung: Beispiele aus den drei Bereichen:
Selbstversorgung: sich fortbewegen, essen, anziehen, duschen, Angelegen-
heiten des öffentlichen Lebens regeln
Produktivität: Haushaltsführung, Erwerbstätigkeit oder unbezahlte Tätigkeit,
kochen, Wäsche waschen
Freizeit: Lesen von Büchern und Zeitungen, Musik hören, Hobbys (ruhige Freizeit)
Sport, Reisen (aktive Freizeit) und soziale Aktivitäten: Partys, Freunde besuchen, telefonieren, Korrespondenzen u.s.w. (vgl. Marotzki 2002, S.108). Der Klient entscheidet selbst, welchem Bereich er die unterschiedlichen Betätigungen zuordnet.
3
Ist telefonieren eine Beschäftigung in der Freizeit oder arbeitet die ausführende Person vielleicht in einem Callcenter? Durch das CMOP wird dem Therapeuten ein Instrumentarium (Literatur, Erhebungsbögen) an die Hand gegeben, welches es ihm ermöglicht die Wünsche und Zielvorstellungen des Klienten herauszuarbeiten. „ Das kanadische Modell geht davon aus, dass das Potential der Occupation darin besteht, zum Gefühl des Wohlbefindens beizutragen, eine Identität zu geben, Verbindungen mit anderen Menschen herzustellen, Zeit zu strukturieren und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verbinden “ (vgl. Marotzki 2002, S. 108)
Abb. 1 zeigt das Canadian Model of Occupational Performance (Kanadisches Modell der
Betätigungsperformanz)
Abb. 1 Das Canadian Model of Occupational Performance. (Aus CAOT 1997)
In der Ergotherapie ist wesentlich die Berücksichtigung der drei Performanz - Komponenten(physisch, kognitiv und affektiv). Die Spiritualität, in einem viel weiteren Kontext als dem religiösen Sinn, bezeichnet den Wesenskern der Persönlichkeit. Die Spiritualität ist als jene Triebkraft des Menschen zu sehen, welche aus dem persönlichen Inneren die Impulse gibt, sich den Anforderungen des Lebensalltags zu
4
Arbeit zitieren:
Katrin Fischer, 2009, Das CMOP - ein ergotherapeutisches Modell und seine Anwendung in der Heilerziehungspflege, München, GRIN Verlag GmbH
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