Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die Besatzungspolitik in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg 3
3. Die Umerziehungspolitik der Amerikaner 4
3.1 Das Re-education-Programm 4
3.2. „Learning by Dewey“ 6
4. Die Umerziehungspolitik der Briten und Franzosen 8
5. Die Wirkung der Re-education-Politik 10
5.1 Die Resonanz bei den Deutschen 10
5.2 (Miss-)Erfolge der Re-education 11
6. Das Problem des Kulturtransfers 14
7. Schlussbetrachtung 15
Literaturverzeichnis
1
1. Einleitung
Die Geschichte der politischen Bildung beginnt in Deutschland mit dem Zusammenbruch eines totalitären Systems. Mit dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft ging in Deutschland 1945 eine Besatzungspolitik einher, die eine Reeducation anstrebte: die Deutschen sollten zur Demokratie umerzogen werden. Dabei waren auch eine „demokratische Neuorientierung des Erziehungswesens“ 1 und politische Bildung in der Schule vorgesehen.
Die vorliegende Arbeit betrachtet zunächst die Ausgangssituation im besetzten Deutschland nach 1945. Die Erziehung und damit verbunden die Schule waren für die westlichen Alliierten der Hauptansatzpunkt, um aus der deutschen Bevölkerung eine demokratische zu machen. Daneben war die kulturelle Umerziehung durch beispielsweise Radio und Zeitungen wichtig. Bekannt geworden ist der von der amerikanischen Armeeführung angeordnete Besuch von Bürgern der Stadt Weimar im Konzentrationslager Buchenwald, ein Beispiel der Aufklärung durch Abschreckung. In dieser Arbeit soll jedoch der Fokus auf die Pläne der Alliierten bezüglich der Schule gelegt werden - wie sollte hier die Umerziehungspolitik aussehen, welche Vorstellungen hatten die westlichen Besatzungsmächte? Diese Frage soll im nächsten Abschnitt geklärt werden. Der Schwerpunkt wird auf dem amerikanischen Re-education-Programm liegen, da „Frankreich und Großbritannien in der Frage eines demokratischen Neubeginns in Schule und politischer Bildung eine im Vergleich zu den USA eher unbedeutende Rolle“ 2 spielten. Somit wird auch bei der Betrachtung der Wirkung des Umerziehungsprogramms, das heißt, der Resonanz bei den Deutschen sowie Erfolgen und Misserfolgen dieser Politik, vornehmlich auf den amerikanischen Einfluss eingegangen werden. Das Problem des Kulturtransfers wird im Nachkriegsdeutschland deutlich und in dieser Arbeit im Anschluss behandelt. Eine Schlussbetrachtung soll die Frage aufwerfen, wie aktuell solche Umerziehungsabsichten und die Debatten von damals, das heißt von vor ca. 60 Jahren, heute noch sind.
1 Sander, Wolfgang: Theorie der politischen Bildung: Geschichte - didaktische Konzeptionenaktuelle Tendenzen und Probleme. In: Sander, Wolfgang (Hrsg.): Handbuch politische Bildung. 2. Auflage. Bonn 2007, S. 13-47, S. 16.
2 Sander, Wolfgang: Politik in der Schule. Kleine Geschichte der politischen Bildung in Deutsch-land. Marburg 2004, S. 89.
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2. Die Besatzungspolitik in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg
Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands. Der deutsche Staat existierte nicht mehr, seine Souveränität ging auf die vier Siegermächte USA, Sowjetunion, England und Frankreich über, die alle eine eigene Besatzungszone verwalteten. 3 Als höchste Regierungsgewalt hatte der Alliierte Kontrollrat seinen Sitz in Berlin, das ebenfalls in vier Besatzungszonen unterteilt war.
Auf der Potsdamer Konferenz einigte man sich im Potsdamer Abkommen vom 2. August 1945 auf die Ziele der Besatzungspolitik. Im Vordergrund standen die Demilitarisierung (Abrüstung Deutschlands), die Denazifizierung (Verurteilung von Kriegsverbrechern, Entlassung von Nationalsozialisten aus öffentlichen Ämtern), die Dezentralisierung (Übertragung von Aufgaben auf mittlere und untere Ebenen), die Demontage (Abbau von Industrieanlagen) und die Demokratisierung der Bevölkerung. Die Demokratisierung sah eine Umgestaltung des politischen Lebens, einschließlich der Bildung, auf demokratischer Grundlage vor. Mit der Niederlage der Nazis sollte auch das von ihnen beherrschte Erziehungs- und Schulwesen abgeschafft werden. Dem Konsens der Alliierten nach müsste das Erziehungswesen von ihnen kontrolliert werden, um die Lehren der Nationalsozialisten aus dem Bildungswesen zu entfernen und damit Voraussetzungen für demokratische Ideen zu schaffen. 4 Die Siegermächte sahen das Erziehungswesen als wesentliches Element zur Demokratisierung an.
Der Nationalsozialismus, so waren sich die westlichen Alliierten einig, war ein Charakterzug der Deutschen, eine pathologische Erscheinung. Somit differenzierten sie in der Schuldfrage nicht. Die westlichen Besatzungsmächte sahen im deutschen Volk eine ständige Gefahr für die Weltgesellschaft und deren Frieden, da es in der Geschichte bisher lediglich durch aggressives und barbarisches Ver-
3 DieAmerikaner verwalteten Hessen, Bayern, den nördlichen Teil Baden-Württembergs sowie Bremen und Bremerhaven. Der südliche Teil Baden-Württembergs, das Saarland und Rheinland-Pfalz waren von den Franzosen besetzt, während die Besatzungszone der Briten Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen umfasste. Die Sowjetunion verwaltete das gesamte Gebiet, das die Deutsche Demokratische Republik werden sollte.
4 vgl. Kuhn, Hans-Werner / Massing, Peter / Skuhr, Werner (Hrsg.): Politische Bildung in Deut-schland: Entwicklung - Stand - Perspektiven. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Opladen 1993, S. 118.
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halten aufgefallen wäre 5 . Die Niederlage der Deutschen war in den Augen der Besatzungsmächte nicht nur militärischer Art, sondern durch die Unterstützung der Nazis hatte die deutsche Bevölkerung auch eine moralische Katastrophe zu tragen. Die westlichen Alliierten sahen die Umerziehung als notwendig an, da sie den Nationalsozialismus als Ergebnis einer pervertierten Erziehung definierten. Der Begriff „Re-education“ tauchte vor dem Krieg nur in der amerikanischen Psychologie, Sonderpädagogik und Psychiatrie auf und „bezeichnete den Heilungsvorgang einer kranken Psyche. So wie man dem Patienten zur Gesundheit verhilft, so sollte den Deutschen zur Demokratie verholfen werden.“ 6 Zentraler Ansatzpunkt war dabei für alle Besatzungsmächte das Bildungswesen, jedoch entwickelte jede Siegermacht ein eigenes Programm der Re-education. Die Umerziehung und damit verbunden die Umgestaltung des Bildungswesens galten als Voraussetzung für einen demokratischen Neubeginn in Deutschland, da so die „heranwachsende Generation gegenüber der Verführung durch den Nationalsozialismus immun werden konnte“ 7 . Durch eine Umerziehung sollte sich die Demokratie in Deutschland festigen.
In Grundsatzfragen bezüglich der Re-education waren sich die Besatzungsmächte einig, jedoch gab es in den Besatzungszonen je nach „politisch-kulturellem Selbstverständnis und Herrschaftstradition“ 8 unterschiedliche Pläne und Ansätze zur Umerziehungspolitik, die sie zu realisieren wünschten. 9
3. Die Umerziehungspolitik der Amerikaner
3.1 Das Re-education-Programm
Für die amerikanische Besatzungsmacht stand die Demokratisierung des Bildungswesens im Vordergrund, denn im deutschen dreigliedrigen Schulsystem
5 vgl. Pakschies 1979 in Detjen, Joachim: Politische Bildung. Geschichte und Gegenwart in Deutschland. München 2007, S. 99.
6 ebd., S. 100.
7 Gagel, Walter: Geschichte der politischen Bildung in der Bundesrepublik Deutschland 1945-1989. Zwölf Lektionen. 2. überarbeitete Auflage. Opladen 1995, S. 32.
8 Detjen: Politische Bildung, S. 100.
9 Jedoch wurden in allen Besatzungszonen - sowohl in den drei westlichen als auch in der östlichen - als Maßnahmen zur Entnazifizierung die Überprüfung von Schulbüchern, die Entlassung politisch belasteter Lehrer sowie die erforderliche Genehmigung von Lehrplänen vorgenommen. Dies war die einzige Gemeinsamkeit, die die Besatzungsmächte bei der Realisierung ihrer Umerziehungspläne aufwiesen.
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Arbeit zitieren:
Birte Jessen, 2008, Re-education in Westdeutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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