Inhaltsverzeichnis
1 Die japanische Eigenart der Cliquenbildung. 4
2 Die Entstehung der Zaibatsu 4
3 Von den Zaibatsu zu den Kigyo Keiretsu 6
4 Sogo Shosha - „Generalhandelshäuser“ als Teil der Keiretsu. 9
5 Vertikale Keiretsu. 13
6 Horizontale Keiretsu 13
7 Die Mitsubishi Corporation als Beispiel einer horizontalen Keiretsu. 14
8 Aktuelle Entwicklungen / Die Zukunft der Keiretsu. 15
9 Auswirkungen auf die räumliche Struktur der jap. Wirtschaft 17
Literaturliste 21
Abbildungen und Tabellen 22
1 Die japanische Eigenart der Cliquenbildung
Habatsu: ha bedeutet Sekte oder Partei und batsu die Clique. Traditionell sind Japaner Menschen, welche die Gemeinschaft stark präferieren. Westlicher Individualismus ist in Japan typischerweise selten zu beobachten.
Einerseits gelten Japaner als egoschwach, andererseits ist die Ausübung von Macht und Autorität ein weit verbreitetes Ziel und gilt als äußerst erstrebenswert. Diese Disparität löst sich in den Habatsu auf. Sie sind hierarchisch organisiert, treten jedoch immer als eine geschlossene Gruppe auf. Ein Habatsu wird meist von einer sozial geschickten und charismatischen Person geleitet, welche ihre Anhänger um sich schart.
Solche Cliquen bilden sich (wie im Westen auch) vornehmlich durch lokale Nähe: Die Mitglieder derselben stammen aus der gleichen Dorfgemeinschaft, sind im selben Jahrgang einer Schule gewesen, befanden sich in einem Semester an der Universität oder fingen zusammen als Berufseinsteiger in einer Firma an. Das Bilden von Seilschaften ist stark ausgeprägt und scheint für den Japaner der einzige Weg zum Erfolg zu sein.
Der Ex-Premierminister Kakuei Tanaka ist ein bekanntes Beispiel. Trotz sozialschwacher Herkunft und nicht vorhandener klassischer Bildung, gelang es ihm durch geschickte Cliquen-Etablierung zum einflussreichsten Mann des Staates zu werden.
Ein anderes Beispiel sind die Angestellten der mandschurischen Eisenbahn, welche ein nationales schlagkräftiges Netzwerk bildeten, nachdem sie auf Grund des verlorenen Krieges (zweiter WK) einflusslos nach Japan zurückkehrten. Hier verteilten sie sich wieder über das ganze Land, blieben jedoch im ständigen Kontakt und förderten die gegenseitige Entwicklung.
Die Krönung dieser Netzwerk-Idee war die Bildung der Zaibatsu vor dem zweiten Weltkrieg und die der Keiretsu in der Nachkriegszeit.
2 Die Entstehung der Zaibatsu
Zaibatsu (wörtlich übersetzt: Finanzcliquen) entstanden meist innerhalb der Tokugawa Periode (1603 - 1867) aus alten Handelshäusern. Diese Zeit wurde durch die völlige politische, wirtschaftliche und kulturelle Abschottung vom Ausland geprägt. Sie wurden von einflussreichen Familien aufgebaut, deren Namen zum Teil auch heute durch die Firmenbezeichnungen erhalten geblieben sind, wie z.B. Mitsui (Sokubei Mitsui) und Sumitomo (Masamoto Sumitomo). Mitsubishi wurde dagegen erst im 19. Jahrhundert von Yataro Iwasaki gegründet und der Firmenname hat hier eine inhaltliche Bedeutung (drei rote Diamanten), welche das Firmensymbol beschreibt.
Alle drei Gründer waren Samurais, die aus Westjapan stammten. Ihre alten Geschäftsprinzipien, transformiert und adaptiert durch ihre Nachfahren, prägen auch heute noch die Politik der drei Konglomerate. Diese wurden durch eine Familien-Holding gesteuert. Die Eigentumsrechte der verschiedenen Firmen befanden sich innerhalb der Großfamilien. Unter Zaibatsu kann man sich keine herkömmlichen Holdings vorstellen. Das wirtschaftliche Spektrum und die Finanzkraft einer Zaibatsu war extrem groß. Von Grundindustrien, Bank-und Finanzgeschäften, Chemischer Industrie und Handel war eigentlich so gut wie alles innerhalb einer Gruppe vertreten.
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Typische Charakteristika der Zaibatsu waren:
- Eine gute Ausstattung mit finanziellen Mitteln oft in Form einer eigenen Bank
- Starkes Engagement im Außenhandel (Besitz eines Universalhandelshauses - Sogo Shosha)
- Starke Stellung in einer Grundindustrie (Stahl, Bergbau),
- Dominanz einer Familie
- Herausragende Rolle in der Industrialisierung seit der Meji (1868 - 1912) Zeit
- Intime Beziehungen zu den Top-Mitgliedern der Regierung und Administration
- Organisationsform einer Holding (siehe Abbildung 1)
Abbildung 1: Organisationsform der Mitsubishi Holding und prozentuale Aktienbeteiligung
Quelle: abgeänderte Grafik: Voack, Norbert, 1962 Das japanische Zaibatsu und die Konzentration wirtschaftlicher Macht Anhang
Anmerkung: Hier sind nur die direkten Beteiligungen der Holding dargestellt, es bestehen noch mehr Verflechtungen innerhalb der
Zaibatsu.
Dies führte in der Vorkriegszeit zur starken oligopolistischen Prägung der Märkte. Die genannten drei traditionellen Zaibatsu kontrollierten in den 30er Jahren in ihren jeweiligen Industriesparten die Hälfte der Produktion (Eli 1988).
1938 gab es 4850 Firmen, die Außenhandel betrieben. Auf 10 % entfiel ein Anteil von 50 % des gesamten Außenhandels. Auf Mitsui alleine 18,3 %, auf Mitsubishi 10,3 % (Eli 1988). Der Außenhandel der Zaibatsu wurde von deren Sogo Shosha (Handelshäuser) kontrolliert. Dabei wurden nicht nur Rohstoffe, sondern auch Know How und Fremdkapital importiert. Über ihre Netzwerke kontrollierten die Zaibatsu auch die Politik Japans. Hierbei waren sie stets auf die gute Versorgung mit Rohstoffen bedacht (da Japans natürliche Vorkommen unbedeutend sind). Diese geschah auch durch kriegerische Auseinandersetzungen mit den Nachbarländern (Taiwan Krieg 1895 -> Annexion der Insel, Russland 1905 -> große Teile
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Sachalins und Rechte in der Mandschurei, Korea Krieg 1910 -> Annexion der Koreanischen Halbinsel, 1. WK -> Übernahme deutscher Kolonien in Tsingtao, China 1894 und 1931 -> Schutzherrschaft über Mandschurei und Ehol). „Besonders während des ersten Weltkrieges ermutigten die Zaibatsu die Regierung in ihren Forderungen, Eisen, Kohle und andere Rohstoffe von China zu erhalten“ (Reischauer 1968).
3 Von den Zaibatsu zu den Kigyo Keiretsu
Im zweiten Weltkrieg übernahm sich Japan jedoch, griff letztendlich die USA an, verlor den Krieg und wurde von diesen später besetzt. Die US-Amerikaner lokalisierten einen Teil der aggressiv treibenden Kräfte in den mächtigen Zaibatsu und versuchten diese durch Anti-Monopol Gesetze zu zerschlagen. Formal juristisch gelang dies auch. Die führenden Familien verloren an Einfluss. Unterstützt durch ein neues Handels- und Industrie-Ministerium (MITI: Ministry of Industrie and Trade) formierten sich die ehemaligen Zaibatsu zu neuen Industriekonglomeraten (Kigyo Keiretsu). Nur wenige Zaibatsu wurden wirklich zerschlagen, jedoch konnten sich in dieser kurzen „Atempause“ auch neue Firmengruppen entwickeln. Abbildung 2: Mitglieder des Kinyo-Kai (Präsidentenclub, der die Mitsubishi Keiretsu leitet)
Quelle : abgeänderte Grafik aus Dodwell 1992
Charakteristika der Kigyo Keiretsu :
- Finanzielle Einbettung durch Gruppierung um eine Bank
- Überragende Stellung im Außenhandel, um ein oder mehrere Handelshäuser (Sogo Shosha) herum
- Starke Stellung in den Hauptindustrien (Metal, Chemie, Elektronik)
- Kapital im Streubesitz; Steuerung durch Präsidentenclubs (Kais)
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Arbeit zitieren:
Tom Kuehner, 2002, Spezifische Verflechtungsmuster in der japanischen Wirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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