Einleitung
In dem Seminar „Tod und Teufel - Krankheiten und Seuchen im Mittelalter“ habe ich Einblicke in verschiedene Krankheiten, die vor allem im Mittelalter auftraten, erhalten. Ich habe mich dazu entschieden das Krankheitsbild der Lepra näher zu untersuchen. Ein Grund war, dass die Lepra auch heute noch in einigen Regionen auf der Welt vorkommt und ich kaum etwas über diese Krankheit weiß. Durch die Beschäftigung mit passender Literatur hoffe ich, dass ich mein Wissen in diesem Bereich erweitern kann. In dieser Hausarbeit möchte ich, nachdem ich kurz auf die Ausbreitung im mittelalterlichen Europa eingegangen bin, die Krankheit von der wissenschaftlichen Seite her beleuchten. Ich werde die verschiedenen Formen der Lepra und ihre Symptome aufzeigen, sowie die Übertragungsarten erläutern. Danach werde ich die Krankheit mit Hintergrund auf das Mittelalter erarbeiten. Dazu gehört auch das damalige Krankheitsverständnis der Menschen im Allgemeinen. Wenn das geklärt ist, möchte ich auf die Erkennungs- und Behandlungsmöglichkeiten der Lepra im Mittelalter eingehen. Zum Schluss werde ich mich dann mit dem Alltag von Leprakranken in der damaligen Zeit beschäftigen.
1. Ausbreitung von Lepra im mittelalterlichen Europa
Im Gegensatz zur Pest kann man bei der Lepra keine genauen Aussagen dazu machen, wie verbreitet die Krankheit damals war. Es gibt nur Schätzungen darüber, wie viele Menschen von der Bevölkerung im mittelalterlichen Europa an Lepra erkrankt waren. Aber auch hier gibt es viele verschiedene Aussagen, die von 10 ‰ bis 5 % erkrankter Menschen ausgehen. 1 Eine These ist die, dass die Lepra durch die Ausbreitung des Römischen Reiches in den westlichen Teil von Europa kam. Man geht davon aus, dass die Lepraerreger durch die Kreuzzüge im 11. Jahrhundert in Europa verbreitet wurden. 2 Durch den Anstieg der Leprosorien, die eröffnet wurden, kann man davon ausgehen, dass die Lepra im 13. Jahrhundert ihren Höhepunkt hatte. Zu dieser Zeit stieg auch die Bevölkerung stark an. Zu den Orten, an denen die Lepra stark verbreitet war, konnte ich leider keine Angaben finden. Vielleicht gibt es darüber auch kaum Aufzeichnungen, weil nur ein geringer Teil der Bevölkerung von der Lepra befallen war. „Im Laufe der frühen Neuzeit
1 Vgl. Jankrift, K. P.: Mit Gott und schwarzer Magie. Medizin im Mittelalter. Darmstadt 2005. S. 121.
2 Vgl. Vasold, M.: Grippe, Pest und Cholera. Eine Geschichte der Seuchen in Europa. Stuttgart 2008. S. 139.
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scheint die Lepra aus bislang nicht vollständig geklärten Gründen allmählich aus dem Reichsgebiet verschwunden zu sein.“ 3 Ein Grund dafür könnte sein, dass die Hygiene besser wurde.
2. Das Bakterium Mycobacterium leprae (Hansens Bazillus)
2.1 Der Name
Das Bakterium Mycobacterium leprae oder Hansens Bazillus, wie es auch genannt werden kann, wurde im Jahre 1873 vom Norweger Gerhard Henrik Armauer Hansen (*29.07.1841 Bergen/Norwegen - † 12.02.1912 Florø/Norwegen) 4 entdeckt. 5 Andere Bezeichnung für Lepra sind Miselsucht, Morbus Hansen, Hansen-Krankheit und der bekannteste Begriff Aussatz.
2.2 Der Übertragungsweg
Bei der Übertragung der Lepra spielt die Hygiene eine große Rolle. Lepra wird durch die sogenannte Tröpfchen- oder Schmutzinfektion übertragen. Eine Tröpfcheninfektion ist eine Infektion, die durch die Luft geschieht. Dabei werden die Erreger vom kranken Menschen beim Husten, Niesen oder sogar beim Sprechen ausgeschieden und von Menschen in der direkten Umgebung eingeatmet. Die Erreger setzen sich dann in den Schleimhäuten fest und vermehren sich dort. Allgemein kann man sagen, dass die Gefahr sich an Lepra zu erkranken steigt, umso intensiveren Kontakt man zu unbehandelten Leprakranken hat. Wichtig ist auch zu wissen, dass es verschiedene Formen von Lepra gibt, die sich unter anderem in der Anzahl der Mykobakterien unterscheiden. Daraus ergibt sich auch, wie ansteckend die jeweilige Form der Lepra ist. Ob sich und in welcher Form die Lepra bei einem infizierten Menschen ausbricht, hängt in großem Maße auch von dem Immunsystem der betroffenen Person ab. Wenn eine Person ein sehr gutes Immunsystem hat, kann es sein, dass die Lepra gar nicht ausbricht, obwohl sie sich mit dem Mycobacterium leprae angesteckt hat. Hat diese Person aber ein sehr schlechtes
3 Jankrift: Mit Gott und schwarzer Magie. S. 121.
4 Vgl. Fresquet, J. L.: Gerhard Henrik Armauer Hansen (1841-1912). URL: http://www.historiadelamedicina. org/hansen.html
5 Vgl. Jankrift: Mit Gott und schwarzer Magie. S. 119.
4
Immunsystem, kann man davon ausgehen, dass die Lepra in ihrer schlimmsten Form, der lepramatösen Form, ausbricht. Die Inkubationszeit kann sehr lange sein. Sie liegt zwischen ca. neun Monaten und 20 Jahren. 6
3. Die Leprakrankheit
3.1 Die Krankheitsformen und deren Symptome
Die Symptome der Lepra sind je nach Erscheinungsform unterschiedlich. Die drei am häufigsten vorkommenden Krankheitsformen sind:
• Die indeterminierte Lepra
Die indeterminierte Lepra ist die Vorstufe zu den schwereren Formen. Sie äußert sich durch lokal begrenzte Hautflecken, die bei hellhäutigen Menschen rötlich und bei dunkelhäutigen Menschen hell sind. Es könnte sein, dass die Haut an den Stellen der Flecken eine Sensibilitätsstörung hat. In diesem Stadium der Krankheit kann es sein, dass die betroffene Person entweder keine weiteren Symptome hat (es kann sogar zur sogenannten Spontanheilung kommen) oder, dass sich die Lepra zu einer der anderen Formen weiter entwickelt. 7
6 Robert Koch-Institut (Hg.): Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten. Berlin 2006. S. 71.
7 Vgl. Bierbach, E./Georgi, P.: Infektionskrankheiten und Infektionsschutzgesetz. Allgemeine und spezielle Infektiologie. München 2 2007. S. 124.
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• Die tuberkuloide Lepra (=Haut-Nerven-Lepra)
Bei dieser Form der Lepra befallen die Bakterien das Haut- und Nervensystem. Genauso wie bei der indeterminierten Form der Lepra treten hier Hautflecken auf, die Sensibilitätsstörungen aufweisen. Zuerst fehlt an den betroffenen Stellen nur der Temperatursinn, danach nimmt der Tastsinn ab und zum Schluss gibt es auch kein Schmerzempfinden mehr. Die betroffene Person merkt es nicht, wenn sie sich an diesen Stellen verletzt. Das ist auch der Grund, warum es zu Verstümmelungen kommen kann. Da die Wunden durch das fehlende Schmerzempfinden nicht bemerkt werden, werden sie auch nicht behandelt, d.h. desinfiziert bzw. medizinisch versorgt. Die Gefahr, dass sich die Wunde infiziert ist hier sehr groß. Außerdem verliert der Erkrankte an den betroffenen Stellen seine Haare. Auch die Nerven werden vom Mycobacterium leprae befallen, dies äußert sich in Muskelschwäche, Muskelrückbildung oder sogar in
Lähmungserscheinungen. An den Nervensträngen kommt es zur Knotenbildung. 8
• Die lepromatöse Lepra (=generalisierte Lepra)
Die lepromatöse Lepra ist die ansteckendste Form der Lepra. Sie entwickelt sich, wenn der Erkrankte ein sehr schlechtes Immunsystem hat (eventuell sogar mit verzögerter Immunreaktion). Die Erreger breiten sich ungebremst im ganzen Körper aus. Bei dieser Form werden nicht nur die Nerven und die Haut befallen, sondern auch noch die Schleimhäute und die Organe. Es bilden sich gefühlslose Knötchen beginnend im Gesicht. Nach einiger Zeit entwickelt sich, durch die Verschmelzung der Knoten, das für diese Form der Krankheit typische Löwengesicht.
„Der Erkrankte verliert seine Augenbrauen. Der Befall von Knochen und Knorperlgewebe führt zu einem Einfallen der Nase, was die voranschreitende Entstellung verstärkt. Geschwüre
8 Vgl. ders., S. 125.
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Arbeit zitieren:
Janin Huse, 2011, Lepra im Mittelalter - Ein Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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