Inhalt
Einleitung 3
Der Dandy in "Faserland" 6
Die Entwicklung des Dandys 6
Der Protagonist als Dandy 8
Homosexualit ät in "Faserland" 11
Frauen 11
M änner 13
Beziehungsprobleme 16
Literaturverzeichnis 18
Quellenverzeichnis 19
2
Einleitung
Der Roman "Faserland" 1 von Christian Kracht, der 1995 erschien, teilte die Leserschaft im literarischen Deutschland in zwei Teile. 2 Dieser neue Roman der Popliteratur war dazu bestimmt von den Rezensenten entweder geliebt oder gehasst zu werden. Waren die einen der Meinung, Faserland stellte eine vollkommen neue Art der Popliteratur dar, 3 sahen andere, dass 154 leere Seiten genauso sinnvoll gewesen wären, wie dieser Roman. 4
Der Inhalt ist schnell erzählt: "Faserland" handelt von einem jungen Mann, der namenlos bleibt und sich in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts mehr oder weniger ziellos von einer Party zur nächsten treiben lässt. Dabei durchquert er Deutschland einmal von Nord nach Süd, genauer gesagt von Sylt durch ganz Deutschland bis er sich am Ende des Buches sogar in der Schweiz befindet. Der Ich-Erzähler trifft auf besagten Partys alte Freunde und Bekanntschaften, die ihn meistens dazu verleiten seine Reise schneller fortzusetzen als er es ursprünglich wollte. So schnell kann die Handlung von "Faserland" zusammengefasst werden, denn es gibt kaum ein Handlungsgefüge, keinen Spannungsbogen und auch keine sonderlich herausragende Entwicklung des Erzählers, wie es in Romanen sonst der Fall ist. 5 Trotzdem oder gerade deshalb geht Krachts Werk jedoch sehr viel tiefer, als man es auf den ersten Blick vermuten könnte. Der Protagonist versucht sich im Roman in der modernen Konsumgesellschaft zurechtzufinden und sich selbst zu definieren. 6 Dabei zählt er Unmengen an
1 Kracht, Christian: Faserland, München 10 2009.
2 Borth, Marco: Christian Krachts Faserland an den Grenzen der Erlebnisgesellschaft, In: Bauschmidt, Suse/Bähr, Christine/ Lenz, Thomas/Ruf, Oliver (Hrsg.): Überfluss und Überschreitung. Die kulturelle Praxis des Verausgabens, Bielefeld 2009, S. 89.
3 Beuse: „154 schöne weiße leere Blätter,“ S. 151.
4 Ebd.
5 Brinkmann, Martin: Unbehagliche Welten. Wirklichkeitserfahrungen in der neuen deutschsprachigen Literatur, dargestellt anhand von Christian Krachts „Faserland“ (1995), Elke Naters „Königinnen“ (1998), Xaver Bayers „Heute könnte ein glücklicher Tag sein“ (2001) und Wolfgang Schömels „Die Schnecke. Überwiegend neurotische Geschichten“ (2002), In: Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturwissenschaft. Heft 1/2007, S. 17-46, S. 18.
6 Beuse, Stefan: „154 schöne weiße leere Blätter.“ Christian Krachts „Faserland“ (1995), In: Freund, Wieland/Freund, Winfried (Hrsg.): Der deutsche Roman der Gegenwart, München 2001, S. 150 - 155, S. 151.
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Markennamen auf, 7 die den Roman gleichzeitig in der Gegenwart gegen Ende des 20. Jahrhunderts verankern. 8
Wie auch immer man Krachts Werk nun aufnahm, unbestritten bleibt, dass es sich um einen Roman handelt, der von Männlichkeit geprägt ist. Frauen tauchen darin nur als Randfiguren und meist nicht sehr positiv besetzt auf. Sie erscheinen als wenig wichtig, finden doch alle Schlüsselszenen in der Gesellschaft von anderen Männern statt. Daraus lässt sich schließen, dass das vom Protagonisten des Romans dargestellte und auch durch andere maskuline Figuren vermittelte Bild ausschlaggebend für eine angemessene Interpretation von Krachts Werk ist.
Im Folgenden sollen nun unterschiedliche Männlichkeitsbilder und die sich daraus ergebenden Probleme im Umgang mit anderen Personen aus "Faserland" vorgestellt und diskutiert werden, im Speziellen soll es um die Figur des Dandys gehen, die man dem Protagonisten andichten könnte und um dessen Einstellung zur Homosexualität. Dabei werden einige einführende Grundlagen die Geschichte des Dandys näherbringen und ein Überblick über die wichtigsten Merkmale dieser Figur geben, wobei vor allem der englische Dandy im Mittelpunkt steht. Im Weiteren zeigt ein Blick auf die bereits kennen gelernten Eigenschaften des Dandys inwieweit dieser Begriff für den Protagonisten aus Faserland gelten kann. Im zweiten Kapitel steht das Verhältnis des Erzählers zur Homosexualität im Zentrum der Arbeit. An ausgewählten Textstellen wird dargelegt wie der Protagonist mit diesem Thema umgeht und wie er selbst dazu steht. In einer Zusammenfassung am Schluss werden die Grundlegenden Ergebnisse noch einmal zusammengefasst um im Hinblick auf die Männlichkeitsbilder im Roman und ihre Auswirkung auf Beziehungsebene diskutiert und interpretiert.
Der Forschungsstand zum Thema ist als relativ gut anzusehen. Durch die Polarisation um Krachts Roman fühlten viele Literaten sich dazu veranlasst das Werk genauer zu betrachten. Da Faserland allerdings kaum in andere Sprachen übersetzt wurde, zumindest nicht in die großen Weltsprachen, ist es teilweise so, dass man nur
7 Brinkman: Unbehagliche Welten, S. 18
8 Borgstedt, Thomas: Pop-Männer. Provokation und Pose bei Christian Kracht und Michel Houellebecq, In: Benthien, Claudia/Stephan, Inge: Männlichkeit als Maskerade. Kulturelle Inszenierungen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Köln/Weimar/Wien 2003, S. 221 - 245, S. 272.
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deutschsprachige Literatur zum Thema findet. Einige wenige Ausnahmen sind auf englisch zu erhalten.
Für den Überblick über die Eigenschaften und Entwicklungen des Dandys war vor allem "Dandys - Virtuosen der Lebenskunst" 9 von Günther Erbe eine große Hilfe. Die Aufsatzsammlung "Zu Leben und Werk" 10 über Christian Kracht, die von Johannes Birgfeld und Claude Conter herausgegeben wurde lieferte wichtige Details über den Autor von Faserland. Im Weiteren lieferten die beiden Aufsätze "Dandyism and Homosexuality in the Novels of Christian Kracht" 11 von David Clarke und Thomas Borgstedts "Pop-Männer. Provokation und Pose bei Christian Kracht und Michel Houellebecq" 12 wertvolle Hinweise im Hinblick auf die beiden Hauptkapitel dieser Arbeit. Schließlich ist natürlich noch "Faserland" 13 selbst zu nennen, das einen Einblick in das Leben und das Lebensbild des von Kracht geschaffenen Protagonisten gewährt.
9 Erbe, Günter: Dandys - Virtuosen der Lebenskunst. Eine Geschichte des mondänen Lebens, Köln u.a. 2002.
10 Birgfeld, Johannes/ Conter, Claude D. (Hrsg.): Christian Kracht. Zu Leben und Werk. Köln 2009.
11 Clarke, David: Dandyism and Homosexuality in the Novels of Christian Kracht, In: Seminar. A Journal of Germanic Studies (41) 2005, S. 36-54, S. 45.
12 Borgstedt: Pop-Männer.
13 Kracht, Faserland.
5
Der Dandy in "Faserland"
Die Entwicklung des Dandys
Schon viele Forscher haben versucht den Begriff des Dandys genau zu definieren. Eine Aufgabe, die sich als äußerst komplex gestaltet. Bereits der französische Schriftsteller Jules Barbey d'Aurevilly beschrieb den Dandy als einen Zwitter der Geschichte. 14 Interessant ist hierbei der Ausdruck des Dandys in Verhältnis zu dem Wort Zwitter zu setzen. Ein Wesen also, das weder das eine noch das andere ist. Hierbei zeigt sich bereits wie kompliziert eine Definition des Dandys sich gestaltet. Der Dandy kann überhaupt nicht klar definiert werden, da er ein Idealbild verkörpert. 15 Ein Versuch einer Definition, die passend erscheint kann folgendermaßen aussehen: "Das Dandytum ist eine ganze Art zu sein, und zwar nicht nur im Bereich des Sichtbaren." 16 Die Herkunft des Namens ist nicht ganz geklärt. Man vermutet, dass der Dandy entweder auf den schottischen Kinderreim "Jack-a-Dandy" 17 oder aus dem Lied "Yankee Doodle Dandy," 18 das in den amerikanischen Kolonien gesungen wurde, zurückzuführen ist.
Dandys gab es bereits in der griechischen Mythologie. Für diese Menschen sollte man allerdings lieber das Wort Narziss gebrauchen. 19 Nur ein Beispiel dafür, dass der Dandy unter unterschiedlichen Namen schon lange vor dem 19. Jahrhundert existierte. Der englische Dandy entstand um die Jahrhundertwende 1800/1900, als sich die Gesellschaftsstruktur in England langsam aber stetig veränderte. Der altangestammte Adel verlor mehr und mehr an Macht. Titel und Geburt war nicht mehr maßgebend, sondern das Geld, das die Personen besaßen. 20 Die Blütezeit dieser Erhebung kann in der Regency-Epoche gesehen werden. 21 Als englischen Ur-Dandy wird im Allgemeinen George Brummel angesehen. 22
14 Grundmann, Melanie (Hrsg.): Der Dandy. Wie er wurde, was er war. Eine Anthologie, Köln/Weimar/Wien 2007, S. VII.
15 Ebd. S. 1.
16 Tacke, Alexandra/Weyland, Björn: Dandyismus, Dekadenz und die Poetik der Pop-Moderne, In: ders.: Depressive Dandys. Spielformen der Dekadenz, Köln/Weimar/Wien 2009, S. 7.
17 Erbe, Günter: Der moderne Dandy. Zur Herkunft einer dekadenten Figur, In: Tacke, Alexandra/Weyland, Björn: Depressive Dandys. Spielformen der Dekadenz, Köln/Weimar/Wien 2009, S.
17.
18 Ebd. S. 18
19 Grundmann: Der Dandy, S. 1.
20 Erbe: Dandys, S. 194.
21 Erbe: Der moderne Dandy, S. 18.
22 Grundmann: Der Dandy, S. 5.
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Arbeit zitieren:
Ramona Schilling, 2011, Männlichkeitsbilder und Beziehungsprobleme in Christian Krachts "Faserland", München, GRIN Verlag GmbH
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