Universität Leipzig Institut für Philosophie
“Zum Begriff der romantischen Ironie in der deutschen Romantik“ Hauptseminar SS 2003
Hausarbeit
KARL WILHELM FERDINAND SOLGER
im Vergleich -
Annett Rischbieter
INHALTSVERZEICHNIS
I. VORBEMERKUNG 4
II. IRONIE BEI FRIEDRICH SCHLEGEL 6
1. Die Lyceums-Fragmente 6
2. Das Athenäum 7
a) Die Zeitschrift 7
b) Die Fragmente 8
c) Ironie in den Athenäums-Fragmenten 9
d) Gespräch über die Poesie 11
e) Ideen-Sammlung 12
f) Über die Unverständlichkeit 13
III. IRONIE BEI KARL WILHELM FERDINAND SOLGER 14
1. Künstlerische Ironie in Solgers Schriften 15
a) Erwin. Vier Gespräche über das Schöne und die Kunst 15
b) Vorlesungen über Ästhetik 16
2. Formen der Ironie 18
a) Die unechte Ironie 18
b) Die echte Ironie 19
IV. HEGELS KRITIK DER IRONIE 20
1. Hegel über Schlegel 20
2. Hegel über Solger 20
V. VERGLEICH SCHLEGEL - SOLGER 22
VI. BIBLIOGRAPHIE 24
1. Primärliteratur 24
2. Sekundärliteratur 24
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I. VORBEMERKUNG
Romantische Ironie bedeutet die Überlegenheit des genialen Menschen, der über den Dingen steht, diese nicht ernst nimmt, sie und auch sich selbst, sein eigenes Tun jederzeit aufzulösen und zu überwinden vermag. Sie ist Bewusstseinshaltung und künstlerisches Vermögen zugleich. Indem die romantische Ironie sich als selbständiger Akt in der Seele des Schaffenden abspielt, umschließt sie die dialektische Einheit seiner selbstbewegenden und selbstbewegten ideellen Kraft. Poesie und Ironie werden identisch, sie vereinigen sich in der Grundhaltung des Subjekts.
Friedrich Schlegel entwickelt im Ausgang von Johann Gottlieb Fichtes Wissenschaftslehre die romantische Ironie, indem er dessen Kategorien in der Kunst zur Anwendung bringt. Schlegel und die Frühromantiker radikalisieren Fichtes subjektiven Idealismus und übertragen seine einem überindividuellen, als Gattungswesen verstandenen Subjekt zugeschriebene Autonomie auf das einzelne Individuum. Die mit dem Ich assoziierten produktiven und aktiven Eigenschaften werden in die Philosophie der Kunst übernommen. Der Ich-Begriff Fichtes bildet die Folie, von der sich die Ironie erhebt. Ironie ist nicht länger bloße ästhetische Kate-gorie, sie erweitert ihre Bedeutung über dieses Stadium hinaus zu einer geschichtsphilosophischen Kategorie, welche sich hauptsächlich mit der Haltung des Subjekts gegenüber der Realität beschäftigt.
Auf den nachfolgenden Seiten möchte ich versuchen, eine Theorie der romantischen Ironie zu entwerfen. Dafür werde ich verschiedene Schriften heranziehen, um aus diesen eine Theorie der Ironie herauszuarbeiten. Konzentrieren will ich mich dabei besonders auf Friedrich Schlegel und Karl Ferdinand Wilhelm Solger.
Von Schlegel werde ich die Fragmente des Lyceum und Athenäum behandeln. Sie sind die wichtigste Quelle für die ursprüngliche Konzeption der romantischen Ironie. In den Lyceums- Fragmentenwurde Ironie bestimmt als eine Erhebung über sich selbst aus Freiheit, eine aus Selbstschöpfung und Selbstvernichtung resultierende Selbstbeschränkung, auch unendliche Kraft genannt. In den Athenäums-Fragmenten geht es um die Bestimmung eines dynamischen Prinzips: einer über Gegensätze und Synthesis sich vollziehenden Lebensbewegung. Im abschließenden Band des Athenäum, in dem sich der Essay Über die Unverständlichkeit befindet, macht Schlegel weitere Äußerungen zu dieser Thematik. Seine Ironie-Konzeption ist eng
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mit der Forderung nach einer Universalpoesie verknüpft, denn Poesie wird als Möglichkeit verstanden, dem Endlichen die Spur des Unendlichen einzuschreiben und es selbst als Ausdruck des Absoluten kenntlich zu machen. Deshalb sollen auch Schlegels Gespräch über die Poesie und die Fragmentensammlung Ideen hinzugezogen werden, in denen auf die Poesie genauer eingegangen wird.
Für Solger werden der Erwin. Vier Gespräche über das Schöne und die Kunst und seine Vorlesungen über Ästhetik betrachtet werden. Solgers Hauptwerk ist der Erwin, welcher 1815 erschienen ist. Er hat dieses Buch in Dialogform gestaltet, denn dadurch verwandelt sich seiner Meinung nach Philosophie in Erkenntnis. Zudem ist es so möglich, die Ästhetik in poetischer Form zu behandeln, und auch die Philosophie mit der Poesie zu verbinden. 1829 veröffentlichte Karl Wilhelm Ludwig Heyse Solgers Vorlesungen über Ästhetik. Es handelt sich dabei um Mitschriften der von Solger 1819 gehaltenen Vorlesungen.
Auch Georg Wilhelm Friedrich Hegel hat sich zu beiden Autoren geäußert. Inwieweit er Stellung zu Schlegel oder Solger bezieht, soll ebenfalls mit in den Vergleich einfließen. Dazu habe ich besonders seine Rezension zu Solgers nachgelassene Schriften und Briefwechsel und seine Vorlesungen über die Ästhetik untersucht.
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II. Ironie bei Friedrich Schlegel
1. Die Lyceums-Fragmente
Die Lyceums-Fragmente, die auch als Kritische Fragmente bezeichnet werden, erschienen 1797 in Johann Friedrich Reichardts Zeitschrift Lyceum der schönen Künste. Friedrich Schlegel gilt als ihr fleißigster Verfasser. Dabei orientierte er sich an der Aphorismensammlung des französischen Moralisten Chamfort, dessen Pensées, Maximes, Anecdotes, Dialogues 1796 erschienen sind. Dieses Vorbild drängte zu Kürze und Abgeschlossenheit. In den Lyceums- Fragmentendominierte noch diese Chamfortsche Form. Später entfernte man sich davon zugunsten der fragmentarischen Abhandlungen.
Eines der Themen im Lyceum ist der Witz. Allerdings überwiegte im 18.Jahrhundert noch das aristotelische Verständnis dieses Begriffes, welches den Witz mit Scharfsinn gleichsetzte. Für Schlegel ist der Begriff des Witzes jedoch keineswegs mit dem des Verstandes identisch. Im Lyceum heißt es: „Witz ist unbedingt geselliger Geist, oder fragmentarische Genialität.“ 1 Das bedeutet, dass die angemessene Form für den Witz das Fragment ist, denn Stoff und Form sollen ineinander gehen.
Es gelingt auch eine erste wichtige Bestimmung des Problems der Ironie. Im Mittelpunkt steht der Gedanke einer Erhebung über sich selbst, in der eine Relation zum Unbedingten offenbar wird. Die innere Paradoxie eines zugleich Handelnden und Behandelten ist als dialektischer Vollzug gedacht, in dem die einzelnen Handlungen Selbstbeschränkung ermöglichen. Ironie ist eine „Form des Paradoxen“ 2 . Das Paradoxe ist das Bewusstsein des ewigen Widerspruchs zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen, begleitet von dem Gefühl der Notwendigkeit einer Überbrückung dieses Widerspruchs. In der romantischen Dichtung und Theorie lässt sich der Zwiespalt von Unendlichkeit und Endlichkeit, Unbewusstem und Bewusstem, Notwendigkeit und Freiheit, Begeisterung und Kunst erahnen. Andererseits tritt auch die Überwindung dieses Zwiespaltes durch die Ironie hervor. So bezeichnet der Begriff der Ironie eine Haltung des Geistes, der sich der Zwiespälte der Welt bewusst ist, und sich zur Aufgabe macht, diese zu überwinden.
1 Friedrich Schlegel Kritische Schriften - Kritische Fragmente S. 6 (Lyceum Nr.9)
2 dass. S. 12 (Lyceum Nr.48)
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Arbeit zitieren:
M.A. Annett Rischbieter, 2003, Die Ironieauffassungen von Friedrich Schlegel und Karl Wilhelm Ferdinand Solger im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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