Inhaltsverzeichnis
Gliederungspunkt Seite
1. Warum Baudelaire? 2
2. Wer war Baudelaire? 3
3. Baudelaire und Poe. 6
4. Die „Blumen des Bösen“ 8
5. Zwei ausgewählte „Blumen“ 10
6. Fazit und Ausblick. 13
7. Verwendete Literatur. 14
Anlage
XLV ANHEIMFALL
CXXXIX DARSTELLUNG
1
1. Warum Baudelaire?
Die Frage zu klären, warum ich mich als Thema meiner Hausarbeit für den französischen Schriftsteller Charles Baudelaire entschieden habe, ist kompliziert und simpel zugleich: Auf der einen Seite kompliziert, da mir durch die Seminare zu diesem Kurs zahlreiche herausragende Autoren nähergebracht wurden, unter anderem Friedrich Schiller, Joseph von Eichendorff, Heinrich Heine, Friedrich Nietzsche, Georg Trakl oder Erich Kästner. Andererseits fiel mir die Entscheidung auch nicht wirklich schwer; was mir hingegen Probleme bereitet, ist dies zu begründen. Manche Autoren verfügen einfach über eine übernatürlich Gabe, den Leser nicht nur in ihren Bann zu schlagen, sondern subliminal zu beeinflussen, ohne das dieser es zwangsläufig mitbekommt. Nachdem ich begonnen hatte, mich mit Baudelaire zu beschäftigen, wurde mir schnell klar, daß es sich hierbei um einen Menschen von unheimlich komplexer und verworrener, allerdings auch unglaublich interessanter Natur gehandelt haben muß. Mit einem melancholischen Temperament gesegnet (gestraft?), war ich natürlich schnell Baudelaires düsteren, traurigen, oft schon ausweglos anmutenden Gedichten verfallen. Bin ich gutgelaunt, macht es großen Spaß, sich an der Feinheit seiner Verse, der Schärfe seiner Metaphern und den Farben seiner Sprachbilder zu erfreuen; bin ich deprimiert, werde ich jedoch von seiner teils verworrenen Symbolik verwirrt, von seiner Offenheit vor den Kopf gestoßen und von seiner unerträglichen Traurigkeit gequält. Um diesen außergewöhnlichen Autor ein wenig besser verstehen zu können, wenn dies überhaupt möglich ist (schließlich handelt es sich hierbei um ein Unterfangen, an dem schon zahlreiche Literaturtheoretiker und -kritiker gescheitert sind), habe ich den geläufigen Weg, mich ausschließlich mit standardmäßiger Sekundärliteratur zu befassen, verlassen, und mich nochmals intensiver mit der Lehre der vier Temperamente, sowie depressiven Erkrankungen beschäftigt. Obwohl es offensichtlich und auch bekannt gewesen ist, daß Baudelaire ein tief melancholischer Mensch war, der auch häufig unter Depressionen litt, halfen mir die daraus gewonnenen Erkenntnisse einige Symptome besser deuten zu können. Auch wenn es keineswegs im Mittelpunkt dieser Hausarbeit stehen soll, so hoffe ich, daß es mir gelingt, dieses Wissen im Kontext Baudelaires gut darzustellen und wünsche viel Spaß bei der Lektüre!
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2. Wer war Baudelaire?
Moderner Dichter. Verteidiger des Dandyismus. Experte auf dem Gebiet der Psychoanalyse. Journalist und Kunstkritiker. Professioneller Übersetzer. Gesellschaftskritiker. Philosoph. Melancholiker. Drogenabhängiger. Krüppel.
Dies alles sind Bezeichnungen, die Charles Baudelaire während seiner viel zu kurzen Daseinsfrist von 46 Jahren (1821-1867) gegeben wurden. Eine kleine Hilfe um zu erkennen, wie er sich selbst gesehen hat, gibt uns sein Selbstbildnis (s. Deckblatt). Dieses zeigt Baudelaire in einem langen schwarzen Mantel mit Zigarre und Zylinder. Hinter ihm vermag man mit viel Fantasie Paris zu erkennen, die „verfluchte“ Stadt, in der er „so gelitten und so viel Zeit verloren hat“. 1 Das Selbstbildnis zeigt ihn als Dandy, einen Menschen, „der gepflegte Umgangsformen, geistreiche Konversation und kultivierten Müßiggang (Wetten, Spiele, Gelage etc.) ins Zentrum seines Lebens stellt, und dem es vorrangig um eine Ästhetisierung sämtlicher Lebensbereiche geht. Charakteristisch ist auch die herablassend-blasierte Arroganz gegenüber der bürgerlichen, als gewöhnlich verachteten Gesellschaft, die durch auffallende Kleidung und provozierendes Gehabe schockiert werden soll.“ 2 In seinem eigenen, durchaus auch kritischem Essay, begriff Baudelaire den Dandy als ersten und zugleich letzten Heroen der Moderne: „Der Dandy muß ununterbrochen danach streben, erhaben zu sein. Er muss leben und schlafen vor einem Spiegel". Den Kern des Kultcharakters dieser exzentrischen, fast schon religiösen Lebenseinstellung beschreibt er durch jenes, „heutzutage nur allzu seltenen Bedürfnisses, die Trivialität zu bekämpfen und zu zerstören. Daraus entsteht denn auch bei den Dandys jene hochfahrende Attitüde einer Kaste, die unerachtet ihrer Kälte etwas Herausforderndes hat“. 3
Obwohl der Dandyismus mit Sicherheit einer der zentralen Pfeiler seines Lebens gewesen ist, wäre es komplett falsch ihn lediglich auf diese Facette zu reduzieren. Was uns zurück zu seinem Selbstbildnis bringt: Auffällig ist natürlich sogleich die Farbgebung, in der grau und schwarz, sowie blasse Blau- und Brauntöne überwiegen.
1 Vgl. „Wer war Baudelaire?“, S. 95
2 Vgl. „Encarta Encyclopaedia 2000”, Stichwort: “Dandy”
3 Vgl. „Der Dandy“, S. 106f
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Arbeit zitieren:
Tim Leidecker, 2002, Charles Baudelaire: Sein Leben, sein Werk und die "Blumen des Bösen"., München, GRIN Verlag GmbH
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