Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung. 3
2.Zur Geschichte der Lippenstifts. 3
2.1 Das alte Ägypten. 3
2.2 Das antike Griechenland und Rom. 5
2.3 Mittelalter und Renaissance: Der Lippenstift erlebt seine Wiedergeburt. 7
2.4 Neuzeit und Moderne: Vom eitlen Putz zur gesunden Natürlichkeit. 9
3.Der Höhepunkt des Lippenstifts: Das 20. Jahrhundert. 12
3.1 "The New Woman" 12
3.2 Der Zweite Weltkrieg oder Beauty as a Duty? 14
3.3 Der Durchbruch des Lippenstifts. 16
4.Die Farbe Rot. 18
5.Fazit. 19
Bibliographie
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1. Einleitung
"Eine Naturschönheit ist ein schönes Ding; die Kunstschönheit ist eine schöne Vorstellung von einem Dinge." Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft, I, 1, II
Die Definition von Schönheit ist nicht nur subjektiv, sondern wird auch kulturgeschichtlich bestimmt. Sie unterliegt ständigen Veränderungen und passt sich jeweils an die derzeitige Kultur an. War nach dem 30-jährigen Krieg (1618 -1648) eine möglichst beleibte Figur erstrebenswert, so gilt in der westlichen Wohlstandsgesellschaft von heute eine schlanke Figur als attraktiv. Dekorative Kosmetik ist nicht etwa eine Erfindung des 20. Jahrhunderts, sondern lässt sich in fast jeder kulturell entwickelten Gesellschaft finden. Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit soll der Lippenstift, bzw. die durch dekorative Kosmetik erbrachte Hervorhebung des Mundes stehen. Es soll anhand eines historischen Verlaufs gezeigt werden, dass Lippenstift kein verhältnismäßig neues Phänomen ist, sondern durchaus auf eine längere Karriere zurückblicken kann. Dabei wird in der ersten Hälfte der Arbeit das Vorkommen von Lippenkosmetik von der Antike bis zum 20. Jahrhundert anhand von historischen Quellen dargelegt. Im zweiten Abschnitt soll die rasante Entwicklung und Verbreitung des Lippenstifts beleuchtet werden und anschließend der Frage nach der tiefergehenden Bedeutung der Farbe Rot nachgegangen werden. Abschließend wird sich im Fazit der Frage genähert, welche Bedeutung das Auftragen des Lippenstifts nicht nur für seine Trägerinnen, sondern ebenso welchen Effekt er auf entsprechende Perzipienten haben kann.
2. Zur Geschichte des Lippenstifts
2.1 Das alte Ägypten
Der Lippenstift, und mit ihm die Bemalung und Hervorhebung der Lippen ist keineswegs ein Phänomen des 20. Jahrhunderts, sondern lässt sich weit zurückverfolgen. Der erste Lippenstift wurde in der sumerischen Stadt Ur im heutigen Irak gefunden. Sein Alter wird auf etwa 5000 Jahre geschätzt. Es heißt, die Königin von Ur, Schub-ad, habe zermahlene rote Steine auf ihr Lippen
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aufgetragen (Vgl. Pallingston 1999 : 16, Cohen Ragas/Kozlowski 1998 : 13). Im alten Ägypten erlebte die Lippenfarbe ihr erstes goldenes Zeitalter. Obwohl für die Ägypter das Nachzeichnen der Augen und Augenbrauen mit schwarzem Kohl im Vordergrund stand, wurde dem Mund nicht weniger Beachtung geschenkt. Das älteste bekannte Werk mit kosmetischen Rezepten, der Papyrus Ebers, der 1874 in Luxor entdeckt wurde, zeigt eine Ägypterin, die mit vorgehaltenem Spiegel ihre Lippen mit Hilfe eines Stäbchens schminkt (s.Abbildung 1).
Die Ägypterinnen bevorzugten in erster Linie blauschwarzen Lippenstift, an zweiter Stelle standen Orange und ein rötliches Magenta, welches zur damaligen Zeit aus rotem Ocker, einem amorphen Eisenhydroxid, hergestellt wurde. Entweder man verrieb es mit Öl und trug es mit feuchten Holzstäbchen oder mit gefüllten Pflanzenstielen auf, oder man presste es zusammen mit Bienenwachs zu Stiften (Vgl. Froschauer : 7). Neben pflegenden Salben verwendete man auch färbende Mixturen, wie z. B. rötende Hennalaugen oder eine leicht purpurrote, quecksilbrige Pflanzenfarbe namens Fucus, die sogar giftig war. Das Aussehen hatte in Ägypten allgemein einen sehr hohen Stellenwert, so bemalte sich auch der ägyptische Mann seine Lippen.
Die Ägypter wurden von dem Glauben getragen, dass im Tod keine endgültige Trennung von Geist und Körper stattfinde. Die Totenriten umfassten u.a. die Einbalsamierung und kosmetische Behandlung des Toten, dabei schminkte man sein Gesicht, bemalte Nägel, Handflächen, Fußsohlen und Lippen. Diese Riten erfüllten eine kulturell-religiöse Funktion: Nur wenn der Körper gepflegt, geehrt und erhalten wurde, ging die Seele durch Rückverwandlung wieder in ihn ein. Nur dann konnte die harmonische Wiedereinkehr des
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Verstorbenen in die durch das Ereignis des Todes erschütterte Gesellschaftsordnung stattfinden. Aus diesem Grund findet man auch häufig Tiegel mit Rouge und anderen kosmetischen Utensilien als Beigaben in den Gräbern ägyptischer Frauen (Vgl. Pallingston 1999 : 16-18). Als besonders geeignete Quelle für ägyptische Kosmetik wird heute die Büste der Nofretete (1400 v. Chr.) angesehen. An ihr lässt sich sehr anschaulich erkennen, wie präzise nicht nur Augen und Brauen, sondern auch die Lippen geschminkt wurden.
2.2 Das antike Griechenland und Rom
Auch wenn die Griechen ohne Zweifel an technischer Kreativität und Innovation weit hinter ihren ägyptischen Vorgängern zurückblieben, gelang es ihnen, das Vorhandene zu übernehmen, weiterzuführen und zu perfektionieren. Dank der literarischen Zeugnisse kennt man über das Schminkverhalten der Frauen im klassischen Griechenland wesentlich mehr Fakten als über das der Frauen in Ägypten, wo lediglich Abbildungen und Gegenstände als Quellen verblieben sind. Neben der Grundierung des Gesichts mit Bleiweiß trugen die griechischen Frauen Rouge auf ihre Wangen auf, dass eher erdfarben als rötlich gewesen sein dürfte. Der Farbstoff wurde zunächst aus Pflanzenextrakten wie dem der Maulbeere, des Seetangs, der Lackmusflechte oder der Ochsenzunge gewonnen. Später begann man jedoch auch zunehmend rotes Quecksilbersulfid zu verwenden, welches wie
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das Bleiweiß aus heutiger Sicht als gesundheitsschädigend gilt. Die hohe Pigmentdichte, verbunden mit der Unempfindlichkeit der meisten Rougefarbstoffe gegen Wasser, machte es möglich, dass die Rougepasten auch als Lippenfarbe benutzt werden konnten (Vgl. Saiko 2005 : 42-45). Bei den Römern galt das Schminken des Gesichtes zuerst als unüblich, setzte sich jedoch nach einiger Zeit dank des griechischen Einflusses durch. Neben Bleiweiß wurden nun auch weiße Krokodilexkremente zur Aufhellung der Haut verwendet. Es heißt, Kaiser Neros Frau Poppaea Sabina habe Rotweinsedimente zum Färben ihrer Lippen verwendet (Vgl. Cohen Ragas/Kozlowski 1998 : 13). Zweifellos müssen geschminkte Frauen zu dieser Zeit in die Kritik geraten sein, so schrieb beispielsweise Plutarch 1 :
"Für mich gibt es einen großen Unterschied zwischen geschmückt sein und rein sein. Frauen die sich mit Rouge schminken, einparfümieren und Gold und Purpur tragen, treten übertrieben zurechtgemacht auf,; niemand sagt etwas gegen Baden, Eincremen und sorgfältiges Frisieren." (Plutach, Mor. 132, 2)
In der römischen Spätantike versuchten vor allem christliche Kirchenväter das Schminken des Gesichtes negativ darzustellen. So schrieb Tertullian 2 in De cultu feminarum folgendes:
"Das Auftreten der Frau äußert sich in zwei Formen, dem Putz und der Schminke. Putz nennen wir, was auch weiblicher Schmuck heißt, Schminke das, was als weibliche Sündhaftigkeit bezeichnet werden sollte. Jener setzt sich aus Gold, Silber, Edelsteinen und Kleidern zusammen, dieser aus der Pflege des Haares, der Haut und der Körperteile, die die Blicke auf sich lenken. Dem einen machen wir den Vorwurf der Koketterie, dem anderen den Vorwurf der Prostitution."
1 Plutarch (* um 45, † 125), griechischer Schriftsteller und Historiker
2 Tertullian (* um 150, † 230), früher christlicher Schriftsteller
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Arbeit zitieren:
Laura Forouher, 2010, Gesichtskosmetik: Zur Karriere des Lippenstifts, München, GRIN Verlag GmbH
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