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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 2
2. Blending-Theorie 3
2.1. Mental spaces und Begriffsmischung 4
2.2. Generic Space, Input Spaces und Blend 5
2.3. Blending-Theorie am Beispiel des Fauns 7
2.4. Zentrale Operationen der Emergent Structure 9
3. Beispielanalysen: Witze. 10
3.1. Beispielanalyse 1: Herr Dobermann 11
3.2. Beispielanalyse 2: Knoten. 13
3.3. Beispielanalyse 3: Sitzen. 17
3.4. Beispielanalyse 4: Bilder. 19
4. Schluss 23
Literaturverzeichnis 25
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1. Einleitung
Richter: „Wann haben Sie denn gemerkt, dass das Grundstück bewacht war?“ Angeklagter: „Als ich die Zähne von dem Dobermann in meinem Hintern spürte!“ Darauf wendet sich der Richter an den Zeugen und fragt: „Stimmt das, Herr Dobermann?“
Diesen Witz versteht intuitiv jeder. Ob man ihn nun als lustig empfindet und über ihn lachen kan n oder nic ht, spie lt k eine Rolle. Ein Mutte rsprachler wird automatis ch erkennen, was das Lustige an diesem W itz darstellt oder eb en darstellen soll. Doch auf was begründet sich dieses intuitive Verständnis?
Ein Dobermann und ein Mensch kommen nicht zwangsweise gem einsam vor und für sich allein e gestellt, b esteht bei keinem der beiden ein e Kom ik. Um diese Frage beantworten zu können, ist es notwendig den W itz linguistisch zu analysieren. Das Bild eines Dobermanns und eines Menschen verschmilzt zu einem neuen, einzigartigen Bild, da der Mensch Eigenschaften des Doberm anns übernimmt. Dieses Phänomen lässt sich am besten durch die Blending-Theorie, auch Conceptual Blending genannt, erschließen. Diese Theorie von Gilles Fauconnier und Mark Turner baut auf dem ebenfalls von Fauconnier entwickelten Konzept der mental spaces auf und beschäftigt sich m it eben solchen Sprachphänomenen, bei denen zwei unterschiedliche mentale Räume zu eine m neuen Bild zusammengefügt werden.
Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit werden Witze sein, die Homonymien enthalten. Zu diesem Zweck wurde die Internetseite www.witze-ueber-witze.de nach passenden Scherzen durchsucht. Sie werden anhand der bereits erwähnten Blending-Theorie
analysiert.
In der Forschungsliteratur lassen sich dazu Geert Brône und Seana Coulson finden, die sich beide unter sprachwissenschaftliche n Gesichtspunk ten m it Humor beschäftigt haben. Brône verfaste seine Dissertation mit dem Titel „Bedeutungskonstitution in
verbalem Humor. Ein k ognitiv-linguistischer und diskurssemantischer Ansatz“ (20 10), während Coulson mehrere, meist kürzere Aufsätze und Arbeiten über Witze und Humor
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verfasst hat. Am m eisten verbreitet in de r Forschungsliteratur is t aber vor allem der Ansatz der General Theory of Verbal Humor. Dieser wurde vor etwas mehr als über 20 Jahren von Viktor Raskin entwickelt und hat m ittlerweile viele Anhänger unter Linguisten. Diese Theorie besagt, dass in über 90% aller W itze die Kom ik aus
Skriptoppositionen resultiert. Es gibt also in einem Witz mindestens zwei verschiedene Skripte, die scheinbar nicht zusammenpassen. Erst in der Po inte wird ihre Verbindung deutlich, was dann die Komik ausmacht (Drösser 2007).
Ähnlichkeiten zur B lending-Theorie sind nich t von der Hand zu weisen, auch in ihr operieren mindestens zwei verschiedene Bereiche, die Input Spaces, die im Blend
schließlich verbunden werde n. Da die Theorie von Fauc onnier und Turner jedoch stärker mit den einzelnen Elem enten der jewei ligen Input Spaces arbeitet, ist sie besser in der Lage, die Kom ik von W itzen zu untersuchen. In der zugänglichen
Forschungsliteratur gibt es keine Arbeiten, die W itze auf diese konkrete Art und W eise analysieren.
Da die Forschungsliteratur zum größten Teil in englischer S prache verfasst ist, werden auch in dieser Arbeit bei den Fachbegri ffen überwiegend die englischen Bezeichnungen verwendet.
Damit das Verständnis der einzelnen Beispiel analysen gewährleistet werden kann, w ird sich der erste Teil dieser Ar beit auf eine Darstellung der Blending-Theorie
konzentrieren, die dann im z weiten Teil an einzelnen Beispielen konkret angewandt wird. Ziel der Arbeit wird es dabei sein, au fzuzeigen, dass die Komik in den jeweilig en Witzen hauptsächlich aufgrund des Blends, also dem aus zwei Bildern neu entstandenen Konzept, besteht.
2. Blending-Theorie
Bevor auf die Blending-Theorie konkret eingegangen wird, ist es notwendig, den
Begriff der mental spaces bzw. mentalen Räume und in diesem Zusammenhang auch den der Begriffsmischung zu erläutern. Ohne das Konzept der mental spaces is t es
schwer, die Blending-Theorie vollständig zu erklären und auch zu verstehen.
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2.1. Mental spaces und Begriffsmischung
Die Theorie der mental spaces von Fauconnier 1 ist ein kog nitiv-semantischer Ansa tz über die E ntstehung von Bedeutung, die beinha ltet, dass es sich dabei um einen konzeptuellen Prozess handelt. Fauconnier und Turner (2003 : 241) definieren mental spaces als „[…] jene
Begriffspakete […], die wir beim Denken und Sprechen konstruieren“. Das heißt, dass mental spaces während des Sprechens und De nkens beim Sprecher oder Denkenden entstehen. Die beiden betonen dabei, dass dieser Prozess individuell ist und bei jedem Menschen unterschiedlich sein kann. So ist es auch m öglich, dass bei zwe i
unterschiedlichen Men schen auf diesel be Aussage oder Äußerung „individuell konsistente Interpretationen entstehen können, die einander widersprechen.“ (Fauconnier / Turner 2003 : 242).
Nach Coulson und Oakley (2000 : 176f; zit. nach W ildgen 2008 : 173) enthalten mental spaces „[…] partielle Repräsen tationen von Entitäten und Relationen beliebiger Szenarien als von einem Sprecher wahrgeno mmene, vorgestellte, erinnerte oder in irgendeiner Weise verstandene Größen“. Das heißt, dass in mental spaces jeg liches Hintergrund-, Basis- und Kontextwissen, über das der Hörer zu de m jeweiligen Begriff verfügt, vorhanden ist. Dieses W issen konzep tualisiert sich während des aktuellen Prozess des Verstehens, also zum Zeitpunkt des Hörens oder Lesens eines Begriffes. Mental spaces sind d urch Elem ente struk turiert, die je de Entitä t des jeweiligen Diskurses repräsentieren und einfachen fra mes, die die Beziehungen zwischen diesen darstellen (Coulson 2005 : 107).
Gespräche und Gedanken durchleben meistens einen Prozess, in dem sie sich verändern, anpassen oder weiterentwicke ln. Ebenso ist es b ei den mental spaces der Fall, die sich „dynamisch verändern und also erw eitert, reduziert und revidiert werden können […]“ (Fauconnier / Turner 2003 : 242).
1 Di e The orie der m entalen R äume ent wickelte Fauc onnier ni cht gemeinsam mit Turner , so ndern m it
Armen Khederlarian.
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Mental spaces werden bei Begriffs mischungen erzeugt, in denen Begriffe aus verschiedenen Ausgangsbereichen zusammengefügt werden. Bei diesem Prozess stellen mental spaces einen ko gnitive Leis tung dar (Fauconnier / Turner 200 3 : 241). „Die Stärke der Begriffs mischung be steht […] darin, dass sie di e begriffliche Ausstrahlung ihrer Elemente vergrößert, indem sie weitere Elemente integriert.“ (Fauconnier / Turner 2003 : 250). Mit dem Konzept der Begriffs mischung ist man bei der Blending-Theorie angelangt, die im Folgenden dargestellt wird.
2.2. Generic Space, Input Spaces und Blend
Die Blending-Theorie w urde von F auconnier und Turner entwickelt und eignet sich dazu, den Prozess der Begriffsmischung näher zu erklären und zu analysieren. BT [Blending Theory] typically makes use of a four-space model. These spaces include two
‘input’ spaces […], plus a ‘generic’ space, representing conceptual structure t hat is s hared
by bot h i nputs, and t he ‘ blend’ space , w here material from the inputs co mbines and
interacts. (Grady / Oakley / Coulson 1999 : 103)
Die Theorie arbe itet a lso m it vier mental spaces. Zunächst sind die Input Spaces ( dt.: Input-Räume) zu erwähnen, die sich teilweise überschneiden und nam entlich den Input für das resultierende Begr iffsgemisch bilden. Der Generic Space (dt.: Generischer Raum) besteht aus geteilten, abstrakten Strukturen der beiden Input Spaces.
Ein generischer Raum hat seine abst rakte Struktur von einem mentalen Raum, aus de m er
als separater Raum herausgebrochen wurde. Das B esondere an i hm ist seine Anwesenheit
in zwei od er mehr mentalen Räumen: Er zeig t an, was als deren gemeinsame Struktur gilt.
(Fauconnier / Turner 2003 : 246)
Der letz te mental space schließ lich ist der Blended Space oder einfach nur Blend. Er wird durch eine selektive Projek tion einzelner E igenschaften der Input Spaces erzeugt. Während dieses Prozesses können sich neue Strukturen und Eigenschaften entwickeln, die in den anderen drei mental spaces nicht vorhanden sind. Diese neuen Eigenschaften
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werden Emergent Structure genannt. Das Prinzip der Blending-Theorie wird in der folgenden Abbildung anschaulich dargestellt.
Abb. 1: Schematische Darstellung des Conceptual Blending (nach Fauconnier / Turner 2002 : 46)
Wie man in Abbildung 1 deutlich s ehen kann, sind die Elem ente (in der Grafik durch die blauen Punkte visua lisiert), die sich im Generic Space befinden, ebenfalls in den beiden Input Spaces vorhanden. Die gem einsamen Eigens chaften der Input Spaces werden durch die durchgezogenen Linien noch einm al hervorgehoben. Die übrigen, nicht gem einsamen Ele mente der Input Spaces können, müssen aber nicht im Blend vorkommen. Der Blend beinhaltet m eistens sowohl gemeinsame Eige nschaften der Input Spaces, als auch solche, die nur einem Input Space entstamm en. Alle Linie n
stellen eine Verbindung dar, die deutlich machen, dass es sich bei den verbundenen Elementen um dieselben handelt. Elem ente oder Eigenschaften in den beiden Input
Spaces, die m it keiner Linie m it anderen verbunden sind, verbleiben allein i m
Arbeit zitieren:
Jana Hölters, 2011, Praktische Anwendung der Blending-Theorie am Beispiel von Witzen, München, GRIN Verlag GmbH
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