Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Herkunft der wichtigsten um 1470 im Fernhandel
umgesetzten Güter (Henning 1991: 487) ................................... 9
Abbildung 2: Weltweiter Anstieg der Direktinvestitionen. (Angaben in
Milliarden US$) (eigene Darstellung nach UNCTAD) .......... 17
Abbildung 3: Die Verteilung der Auslandsinvestitionen im Jahr 1914: A
Geberländer, B Empfangsländer (Cameron 1992: 107).......... X
Abbildung 4: Weltproduktion, Weltexporte und ausländische
Direktinvestitionen (1973=100) (Kleiner 2000: 3)................... X
Abbildung 5: Der wirtschaftliche Zusammenbruch, 1929-1932 (Cameron
1992: 210) ......................................................................................XI
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis......................................................................................... III
Literaturverzeichnis. VIII
Anhang IX
1 Globalisierung - ein modernes Thema? 1
2 Was ist Globalisierung? 2
3 Globalisierungsanläufe 4
3.1 Altertum. 5
3.2 Mittelalter. 7
4 Globalisierungsvorlauf 11
4.1 Neuzeit. 12
4.2 Das 19. Jh.: Industrielle Revolution 13
4.3 Erster Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise. 15
5 Heutige Globalisierung 16
5.1 Globalisierung ab 1945. 17
5.2 Das Neue an der aktuellen Globalisierung. 18
6 Fazit 19
III
1 Globalisierung - ein modernes Thema?
Die Begriffsgeschichte des Wortes Globalisierung reicht weniger als 30 Jahre zurück, das „Modewort der Marketing-Literatur“ (Zschaller & Kiesewetter 2000: 161) wurde zuerst dazu verwandt, den Erfolg von internationalen Herstellern wie BMW oder Coca Cola herauszustellen. Deshalb wird die Globalisierung auch oft als ein Phänomen der Gegenwart betrachtet. Howard Perlmutter führt nach dem Fall des Eisernen Vorhanges das Argument ins Feld, dass die Menschheit nicht am „Ende der Geschichte“, sondern am Beginn des Zeitalters der „globalen Zivilisation“ stünde (Perlmutter 1991: 902). Das zeigen die Konnotationen des Wortes Globalisierung mit der jüngsten Vergangenheit. Es gibt jedoch auch andere Sichtweisen. Eine radikalere Auffassung von Globalisierung geht davon aus, dass es diese schon immer gab, wenn man die ersten Wanderungsbewegungen der Menschen vor über 100.000 Jahren berücksichtigt (Schwentker 2005: 40).
Ist die Globalisierung also ein modernes Thema, oder gibt es eine historische Globalisierung? Rechtfertigt die Zunahme der internationalen Verflechtungen wirklich die Verwendung des neuen Begriffes, oder haben auch in der Vergangenheit Verflechtungen eine sehr wichtige Rolle gespielt? Um diese Frage beantworten zu können, muss der Begriff Globalisierung zunächst definiert und charakterisiert werden, um nachfolgend feststellen zu können, ob (und in welcher Form) es in früheren Epochen bereits derartige Ansätze gab.
In Kapitel 2werden zunächst relevante Begriffe erklärt und speziell das Begriffsverständnis des Wortes Globalisierung für die Verwendung in dieser Arbeit festgelegt. Kapitel 3 untersucht dann Globalisierungstendenzen in der Vergangenheit ausgehend vom Imperium Romanum, und versucht, diese „Globalisierungen im Spiegel der Geschichte“ (Schreiber 2000) in zuvor festgelegte Globalisierungsdimensionen einzuordnen. Kapitel 4trägt den Titel „Globalisierungsvorlauf“, weil viele Autoren die Internationalisierungsaktivitäten dieser Zeit als wegbereitend für die heutige
Globalisierung ansehen. Dieses Kapitel untersucht die Vernetzung von der Neuzeit bis zur Weltwirtschaftskrise. In Kapitel 5 geht es um die Entwicklung der Globalisierung seit dem zweiten Weltkrieg und stellt neue Entwicklungen im Vergleich zu früheren Globalisierungsanläufen heraus, bevor in Kapitel 6 schlussendlich die Frage geklärt wird, ob man von historischen Globalisierungen sprechen kann.
2 Was ist Globalisierung?
Wie in der Einleitung angemerkt, ist das Wort Globalisierung eine Wortneuschöpfung, die erst seit ungefähr 30 Jahren Eingang in den deutschen Sprachgebrauch gefunden hat. Da sich diese Arbeit aber mit Zeiträumen weit vor dieser Zeit beschäftigt, muss zunächst die Wortbedeutung festgelegt werden. Für Beck ist Globalisierung das „sicher das am meisten gebrauchte - missbrauchte - und am seltensten definierte, wahrscheinlich nebulöseste und politisch wirkungsvollste (Schlag- und Streit-)Wort der letzten, aber auch der kommenden Jahre“ (1997: 42).
Viele Autoren beziehen den Begriff sehr stark auf die ökonomische Ebene, nämlich auf die „Integration innerhalb und zwischen Transnationalen Unternehmen“ (Schamp 1996: 209). Globale Märkte, Globalisierung von Produktionskonzepten und globale Produktionsnetze stehen hierbei im Vordergrund. Krätke betrachtet auf ökonomischer Ebene eher den Handel und definiert Globalisierung als „Einen Prozess der weiträumigen Ausdehnung und Verknüpfung von Aktivitäten, der u. a. in einer wachsenden, regionale und nationale Grenzen überschreitenden Bewegung von Gütern, Kapital und Menschen zum Ausdruck kommt“ (1995: 208).Dabei wird das Anwachsen der Direktinvestitionen im Ausland als „das herausragendste Merkmal der Globalisierung“ (Koch et al. 2008: 337) gesehen. Einigkeit unter den Autoren besteht darüber, dass sich Globalisierung auch auf die verschiedenen Kulturen auswirkt. Heute fällt dabei besonders die „Kulturindustrie des Westens“ (Osterhammel & Petersson 2007: 11)ins Auge, der zuerst eine
homogenisierende Wirkung auf fremde Kulturen nachgesagt wurde(McDonaldisierung). Die Verteidigung lokaler Eigenarten als Protest gegen die Globalisierung zeigt jedoch auch eine Tendenz zur Heterogenisierung, sodass heute überwiegend von einer Hybridisierung oder Glokalisierung gesprochen wird, eine „Vermischung kreativ angeeigneter Kulturelemente mit schon vorhandenen“ (ebd.: 12).
Begünstigt werden diese kulturellen und ökonomischen Austauschprozesse durch die sogenannte „time-space-compression“ (Harvey 1989: 240), ein Resultat erhöhter Geschwindigkeit von Kommunikation. Die Verdichtung von Raum und Zeit führt zu einem virtuellen Miteinander und bildet die „Voraussetzung für weltweite soziale Beziehungen, Netze und Systeme, innerhalb derer die effektive Distanz wesentlich geringer ist als die geographische“ (Osterhammel & Petersson 2007: 12).Die time-space-compression führt tendenziell dazu, dass national verfasste Gesellschaften nach Auflösung von räumlich gebundener Staatlichkeit streben. Grenzen werden zunehmend unbedeutender und internationale Organisationen wie die WTO oder der Internationale Währungsfonds gewinnen an Bedeutung (Heß 2006: 382). Als Schlagworte in diesem Zusammenhang werden die Begriffe Entterritorialisierung und Supranationalität genannt.
Diese Erklärungsansätze von Globalisierung haben alle den Aspekt der Vernetzung gemein. Aus gerichteten Interaktionen zwischen Individuen oder Gruppen entstehen Netzwerke. Für Osterhammel ist Globalisierung ein Netzwerk, das dauerhaft ist. Diese Netzwerke werden durch Institutionen (diplomatische Allianzen, internationale Handelsordnungen) stabilisiert (2007: 21f.). Internationale Interaktionen relativieren die Bezugseinheit des Nationalstaates (Ostertag 2000: 9f.), „denn in dem Maße, wie die ökonomischen, sozialen und politischen Aktivitäten über die gesamte Welt ausgedehnt werden, erhalten sie ihre Bedeutung nicht mehr … durch Bezug auf einzelne Territorien oder Staaten“ (König & Rinke 2000: 232). Die Interaktionen schaffen aber gleichzeitig neue Verdichtungen: die Interaktionsräu-
3
me. „Die Geschichte der Globalisierung ist zu einem großen Teil die Geschichte des Aufbaus solcher Räume aus Interaktionen und Vernetzungen und diejenige ihrer Verbindungen untereinander“ (Osterhammel 2007: 22). Damit eignet sich diese Sichtweise für die historische Betrachtung der Globalisierung sehr gut. Sie verhindert eine Aufspaltung der Geschichte der Globalisierung in eine Geschichte der Weltwirtschaft, der Migrationsforschung, der internationalen Beziehungen, des Imperialismus und Kolonialismus und soll deshalb dieser Arbeit zugrunde liegen.
3 Globalisierungsanläufe
Bei der Untersuchung, ob es globale Netzwerke bereits in der Vergangenheit gab, stellt sich vor allem die Frage, wann und wo es diese gegeben hat. Wann hat es also derartige weltumspannende Netzwerke gegeben? „Die Globalisierung beschränkt sich dabei nicht auf einzelne Regionen oder Länder, sondern betrifft die ganze Welt“ (Sloterdijk 1998: 61f.). Wenn Globalisierung wirklich die ganze Welt betreffen soll, ist diese vor Entdeckung der gesamten Welt nicht möglich. Globalisierung setzt weiterhin voraus, dass Nationalstaaten überwunden werden (vgl. Kap 2). Da es in der Antike aber keine Nationalstaaten gab, muss abgeschwächt von Interaktionen zwischen Völkern oder Völkergruppen gesprochen werden. Nach diesen Einsichten kann deshalb in der vorindustriellen Zeit nur von Globalisierungsanläufen gesprochen werden. In Kap. 3 werden daher unter diesem Begriff die Aktivitäten im Altertum und im Mittelalter näher beleuchtet, vom Imperium Romanum, das stellvertretend für alle Großreiche stehen soll, bis zu den Fuggern.
Abgesehen von den Globalisierungsanläufen im Altertum scheinen sich die Wurzeln historischer Globalisierungen in Europa zu befinden. „Es ist kein eurozentrisches Vorurteil, wenn hier betont wird, dass die Globalisierung durch die europäische Expansion ausgelöst wurde, die mit der weltumspannenden Schifffahrt begann“ (Rothermund 2005: 27). Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass
Arbeit zitieren:
Michael Sypien, 2010, Gibt es eine historische Globalisierung?, München, GRIN Verlag GmbH
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