Zusammenfassung
In dieser Monographie geht es um den Missbrauch der Sprache als ein Instrument der Gewalt des nationalsozialistischen Regimes unter Hitler, mit dem das jüdische Volk angegriffen und von der Gesellschaft ausgeschlossen wurde. Diese Monographie untersucht, auf welche Weise die Regierung selbst die sprachliche Gewalt gegen eine Minderheitsgruppe übernimmt und fordert.
In dieser Arbeit möchte ich folgende Fragen beantworten: In welcher Weise missbrauchte das nationalsozialistische Regime die Sprache als ein Instrument der Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung? Welche Wirkung hatte diese sprachliche Gewalt auf die Juden? Der Umfang der Monographie ist nur auf die Untersuchung der sprachlichen Gewalt gegen die Juden begrenzt. Die Gewalt gegen andere Minderheiten, wie zum Beispiel Kommunisten oder Zigeuner wird nicht analysiert.
Um die Forschungsfrage genau zu beantworten, wurden Primär- und Sekundärquellen benutzt. Dabei habe ich meine Quellen in zwei Perspektiven geteilt, nämlich die Opfer-Seite, in diesem Fall die Seite der Juden; und die Täter-Seite, das Nationalsozialistische Regime.
Um zu untersuchen, wie es zur totalen Erfassung der Sprache im Dritten reich kam, wurden relevante Dokumente und zuverlässige Webseiten benutzt. Dann wurden die Originalausgaben des Hetzblatt „Der Stürmer“ und Auszüge von Hitler- und Goebbelsreden analysiert, um zu erforschen, in welcher Weise die sprachliche Gewalt gegen die Juden umgesetzt wurde. Zum Schluss wurden die Auswirkungen einer solchen sprachlichen Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung untersucht, indem ich die Tagebücher Victor Klemperers untersuchte, um daraus angemessene Schlussfolgerungen zu ziehen.
Diese Untersuchung ist zum Ergebnis gekommen, dass Die Sprache tatsächlich vom nationalsozialistischen Regime als ein Instrument der Gewalt gegen die Juden missbrauchte. Vom Anfang an wurden Massnahmen ergriffen, die den Nationalsozialisten die totale Kontrolle über die Sprache gaben. Durch Rundfunk, Presse und Massenversammlungen waren sie in der Lage, schreckliche emotionale Folgen für die
Juden zu verursachen und die Gewalt in Form von körperlicher Gewalt auf das deutsche Volk zu übertragen.
INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG. 3
2. HISTORISCHER HINTERGRUND 4
3. AUSWERTUNG DER QUELLEN 6
3.1. Quellenanalyse der Opfer-Seite 6
3.2. Quellenanalyse der Täter-Seite 7
4. KONTROLLE DER MEDIEN UND SPRACHE 8
4.1. Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda 8
4.2. Der Volksempfänger 9
4.3. Der Stürmer 10
4.4. Reden und öffentliche Massenveranstaltungen 11
5. DIE WIRKUNG DER SPRACHLICHEN GEWALT AUF DIE JUDEN 12
5.1. Direkte Folgen der sprachlichen Gewalt gegen die Juden. 13
5.2. Indirekte Folgen der sprachlichen Gewalt gegen die Juden. 14
6. SCHLUSSFOLGERUNG 15
7. QUELLENVERZEICHNIS 17
8. ANHANG 19
4
1. Einleitung
Von 1933 bis 1939 fand eine rasche und forcierte Ausgrenzung des jüdischen Volkes aus fast allen Lebens- und Gesellschaftsebenen im Deutschen Reich statt. Anfang 1933 lebten innerhalb dieses Gebietes ungefähr 500.000 Juden. 1 Im Jahr 1939 war jedoch die Zahl der Juden im alten Reichsgebiet auf ca. 234.000 zurückgegangen. 2 Dieser Rückgang lässt sich durch folgende Faktoren erklären: Einerseits eine erhöhte Mortalität, sowie auch eine niedrigere Geburtenrate. 3 Ausserdem kam es schon früh zu einer vermehrten Emigration der deutschen Juden in andere Länder. Grund dafür waren die antijüdischen Maßnahmen, wie zum Beispiel der Geschäftsboykott, die Bücherverbrennung, die Nürnberger Gesetze, und auch die sprachliche Gewalt, die ein Teil des alltäglichen Lebens in Deutschland geworden war 4 . Es ergibt sich also folgende Frage: In welcher Weise missbrauchte das nationalsozialistische Regime die Sprache als ein Instrument der Gewalt gegen die Juden, und welche Wirkung hatte diese sprachliche Gewalt auf sie?
Sprachliche Gewalt zwischen verschiedenen ethnischen oder gesellschaftlichen Gruppen ist keine Besonderheit. Die Einzigartigkeit in diesem Fall liegt aber an der Tatsache, dass diese Gewalt ganz aktiv von der Regierung begünstigt und gefördert wurde. Diese vom Staat hervorgerufene sprachliche Gewalt erzeugte eine zunehmende Judenfeindlichkeit beim deutschen Volk. Beleidigungen und rassistische Kommentare von den Deutschen gegenüber den Juden waren zu dieser Zeit an der Tagesordnung. So entstand einer der größten Konflikte zwischen beiden Gruppen; zwei Gruppen, die die gleiche Sprache sprachen, viele gemeinsame Traditionen hatten und im selben Lebensraum über Jahrhunderte zusammenlebten.
Die Geschichte dieser sprachlichen Gewalt gegenüber den Juden ist von Feindseligkeit und Grausamkeit geprägt. Sie ist jedoch ein historischer Prozess, der untersucht, analysiert und erklärt werden kann. Die Erforschung der Methoden, mit denen die Nationalsozialisten die Sprache als ein Instrument der Gewalt missbrauchten ist spannend
1 Aly, Götz, u.a. The Nazi Census: Identification and Control in the Third Reich. Philadelphia: Temple UP, 2004. S. 57.
(Aufgerufen
in:
Google
Books.
am
23
Aug.
2010.
2 Ebd., S. 58.
3 Ebd.
und notwendig, denn sie kann uns auch eine erhöhte Sensibilität gegenüber ähnlichen Konflikten in anderen Ländern geben.
Um eine relevante Antwort auf die Forschungsfrage zu geben, werde ich mich mit Quellen sowohl aus der Täter-Seite, als auch aus der Opfer-Seite beschäftigen. Anhand von Dokumenten, Bildern und Sekundärliteratur wie Geschichtsbücher werde ich in der Lage sein, zu bestimmen, ob die nationalsozialistische Regierung tatsächlich die Sprache missbrauchte und erfasste. Danach werde ich mich mit der Umsetzung der sprachlichen Gewalt auseinandersetzen, indem ich Auszüge von Reden von Hitler oder Goebbels analysieren werde. Zuletzt werde ich mit Hilfe des Buches „Ich will Zeugnis ablegen bis zum Letzten“ von Victor Klemperer die Auswirkung einer solchen sprachlichen Gewalt auf die jüdische Bevölkerung genau untersuchen.
2. Historischer Hintergrund
Um die Sprache gegen die Juden zu lenken brauchte das nationalsozialistische Regime die totale Kontrolle der Sprache. Die, ersten Maßnahmen, um die Kontrolle über die Sprache zu erfassen, ließen nicht auf sich warten. Kurz nach der Ernennung Hitlers zum Kanzler, wurde das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda gegründet, das von Joseph Goebbels geleitet wurde. 5
Von Anfang an, wollten die Nationalsozialisten die deutsche Gesellschaft in allen Bereichen erfassen und gleichschalten. Eins der wichtigsten Mittel, um dies zu erreichen, war die Sprache. Die Nazis waren sich bewusst über die Macht und den Einfluss, den die Sprache auf eine Gesellschaft ausüben kann. 6 Und sie haben die Sprache genutzt und missbraucht, um ihre Ziele und Ideologie in der deutschen Gesellschaft zu verbreiten. Da der Antisemitismus eins der wichtigsten Bestandteile ihrer Ideologie war 7 , wurden vor allem die Juden sprachlich angegriffen, und diese staatliche sprachliche Gewalt wurde
5 Reichspropagandaministerium (Aufgerufen in: http://www.zweiter-‐weltkrieg-‐lexikon.de/index.php/Drittes-‐ Reich/Regierung-‐Ministerien-‐und-‐Behorden/Reichspropagandaministerium.html am 22. August 2010)
Ich begreife nicht, warum sie diesen Programmpunkt so zentral gestellt haben. (Klemperer, Victor. Ich Will Zeugnis Ablegen Bis Zum Letzten: Tagebücher 1933 -‐ 1945 ; Eine Auswahl. Hamburg: Spiegel-‐Verl., 2007. S. 16.)
Arbeit zitieren:
Jorge Andres Justiniano Nava, 2010, Sprachliche Gewalt in Nazi-Deutschland und deren Auswirkungen auf die Juden, München, GRIN Verlag GmbH
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