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Inhalt
Einleitung 3
I Er vertraut auf sein Glück - Caesars Motive für den Aufenthalt in
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Alexandria
II Die Verhältnisse in Alexandria 7
III Die Intrigen des „Verschnittenen“
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IV Die Intrigen der „Verführerin“
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Fazit 13
Literatur - und Quellenverzeichnis 15
Der Alexandrinische Krieg in den Caesar aufgrund der Verfolgung des fliehenden Pompeius geriet, bietet großen Spielraum für ernsthafte Kritik am genialen Strategen und Feldherrn Caesar. Sah dieser denn nicht das große Risiko, das von Alexandrien ausging? Was dazu führte, dass letztendlich der „Dictator des römischen Volks seine Rettung nur den kleinasiatischen und syrischen Mannschaften eines Mithridates von Pergamon zu danken hatte!“ 1 Wie konnte es passieren, dass der große Caesar, Sieger von Pharsalos, in diese „gigantische Falle“ 2 tappen konnte? Mit dieser Arbeit versuche ich zu ergründen, was die Motive der Hauptbeteiligten, an der Entstehung dieses Krieges waren. Und wen letztendlich die Schuld am Ausbruch des Konflikts trifft. Eine Frage, die auch von der heutigen Forschung nicht genug berücksichtigt wird, bzw. oftmals übergeht in Analysen der Beziehung zwischen Kleopatra und Caesar. Das kann zwar ebenfalls sehr dienlich sein, ist aber oftmals nur auf die - zweifellos interessante - Figur der Kleopatra reduziert. 3 Aber das soll nicht der Ansatz dieser Arbeit sein.
Einen denkbar wünschenswerten Einstieg in diese Problematik findet man bei Plutarch. Er präsentiert gleich zwei mögliche Täter, wenn er schreibt: „Den wenig rühmlichen und gefährlichen Krieg, in den Caesar hier in Alexandria verwickelt wurde, hätte er sich nach der Meinung mancher Historiker ersparen können, da nur seine Liebe zu Kleopatra den Anlaß dazu gegeben hätte. Andere freilich schieben alle Schuld auf die Ratgeber des ägyptischen Königs, besonders auf den Eunuchen Potheinos, der den jungen König völlig in der Hand hatte. 4 “ Kleopatra als königliche Verführerin und Potheinos als der typisch hinterlistige, ägyptische Ränkeschmied stehen im Fokus Plutarchs. Tatsächlich fasst er damit die Meinung antiker wie auch moderner Forscher gut zusammen, in der grundsätzlich positiven Grundhaltung die er Caesar gegenüber zeigt, vergisst er jedoch den dritten Hauptbeteiligten als solchen zu nennen, bzw. lässt ihn als Opfer seiner Gefühle gegenüber Kleopatra dastehen: Caesar selbst. So schreibt Dahlheim, ob zu Recht oder nicht, aufjedenfall notwendigerweise: „Daß es so kam [zum Alexandrinischen Krieg], war seine eigene [Caesars] Schuld.“ 5 Somit hätten wir die drei zu untersuchenden Personen gefunden.
1 Gelzer, Matthias: Caesar. Der Politiker und Staatsmann. Wiesbaden 6 1960. S. 237. Hervorhebung von mir.
2 Canforra, Luciano: Der demokratische Diktator. Eine Biographie. München 2001. S.192.
3 Für einen Überblick über die Forschung zu Caesars Aufenthalt in Alexandria, und speziell zur Person der Kleopatra empfiehlt sich Gesche, Helga: Caesar. Erträge zur Forschung Band 51. Darmstadt 1976. S.132-135 und Heinen, Heinz: Die Kleopatra-Studien. Gesammelte Schriften zur Ptolemäaerzeit. Die Rom- und Caesarfreundschaft der Kleopatra: Gebrauch und Missbrauch eines politischen Instruments. Konstanz 2009. S.288-299. Hier S.288.
4 Plut. Caesar, 48.
5 Dahlheim, Werner: Julius Caesar: Die Ehre des Kriegers und die Not des Staates. Paderborn 2 2006. S.176.
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Die von mir, für die nun folgende Untersuchung verwendeten Quellen, beschäftigen sich, in unterschiedlichem Maße, ebenfalls mit diesen drei, wobei das Hauptaugenmerk, natürlicherweise, auf dem großen Caesar liegt. Als wichtigste Quelle gilt dabei der Bericht von Caesar selbst. Seine Schrift zum Bürgerkrieg enthält nicht nur nützliche Fakten und Informationen, sondern liefert noch am ehesten etwaige Motivationen des Dictators. Da ich mich aber vorallem auf die frühe Phase des Alexandrinischen Kriegs konzentriere, ist es nicht nötig auf gleichnamiges Werk Caesars (besser gesagt eines unbekannten Autors aus Caesars Umfeld) zurückzugreifen. Seine Ausführungen in de bello civili genügen vollkommen, und sind aufgrund von Caesars literarischen Meisterschaft „in der er nicht nur alle Geschichtsschreiber übertroffen hat, wie Cicero sagt, sondern vielleicht Cicero selbst“ 6 , auch ein echtes Lesevergnügen. Gleiches gilt auch für die Geschichtsschreibung Plutarchs, obschon dieser bei vereinzelten Stellen die Echtheit zugunsten der Erzählung verloren geht. 7 Cassius Dio, als prinzipiell eher Caesar feindliche Quelle 8 , verschafft der Arbeit die nötige kritische Distanz gegenüber der positiven Darstellung Plutarchs. Appian ist wegen seiner sachlichen Darstellung der Abfolge der Ereignisse, eine genauso wichtige Quelle, wie der „Klatsch liebende Sueton“ 9 . Durch ihn erfährt man vorallem pikante Details zu Caesars Liebesleben, und diese sind im Bezug auf Kleopatra, von nicht zu verachtendem Wert. Den von verschiedenen Historikern, unterschiedlich bewerteten Lucan, ziehe ich wegen seiner deutlichen Antipathie gegen Caesar, und daraus resultierenden Geschichtsverfälschungen, nicht als Quellenmaterial mit ein. 10 Anhand dieser Quellen und einer Auswahl von wissenschaftlicher Forschungsliteratur (da es allein zu Caesar Massen an Sekundärliteratur gibt, ist eine vorherige Selektion unumgänglich) werde ich im Folgenden die Motive der drei bereits erwähnten Hauptakteure genauer untersuchen. Nachdem, auch in die Bürgerkriegsthematik einführenden Kapitel zu Caesar, ist es allerdings notwendig, kurz, auf die damalige Situation in Alexandrien einzugehen, da die Handlungen und Motive des Potheinos und der Kleopatra wesentlich auf dieser basieren.
6 Montaigne, Michel de: Essais. Ausgewählt, aus dem Französischen übersetzt und mit einer Einleitung von Herbert Lüthy. Zürich 1953/2000. S. 398.
7 Vgl. dazu die Aussage Schäfers: „Plutarch […] gilt jedoch in historischen Details nicht als sonderlich zuverlässig“, in Schäfer, Christoph: Kleopatra. Darmstadt 2006. S.66f. und S. 298, Anmerkung 66.
8 Vgl. dazu die Aussage Canforas: „Einer Caesar gewiß nicht freundlich gesinnten […] Quelle wie Cassius Dio“, in Canfora: Der demokratische Diktator. S.202.
9 Schäfer: Kleopatra. S.59.
10 Vgl. dazu Dahlheim: Ehre des Kriegers. S.175. Canfora urteilt allerdings, dass Lukans Pharsalia „nicht bloß dichterische Erfindung“, sei, sondern, dass man es an manchen Stellen durchaus ernst nehmen kann. (Canfora: Der demokratische Diktator. S.197). Nichtsdestotrotz verliert Lukan für uns aus zwei Gründen den Wert als historische Quelle (im Bezug auf die Motive Caesars): Erstens, er betrachtet Caesar aus einem deutlich zu negativen Blickwinkel und zweitens, bei seiner Versdichtung sind die Grenzen zwischen gewissenhaftem Historiker und erfinderischem Dichter allzu verschwommen.
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I. Er vertraut auf sein Glück - Caesars Motive für den Aufenthalt in Alexandria
Warum Caesar überhaupt nach Alexandrien kam, ist leicht nachzuvollziehen: Er wollte den dorthin fliehenden Pompeius verfolgen und verhindern, dass dieser für einen weiteren Schlag gegen Caesar neue Verbündete gewinnen kann. 11 Außerdem war die Chance groß, die restlichen Mitstreiter des Pompeius durch dessen Gefangennahme zu entmutigen, zu „paralysieren“ 12 , und somit den Bürgerkrieg auf einen Schlag zu beenden. Zu diesem Zweck und aufgrund seiner „Vorliebe für rasche Entschlüsse“ 13 , machte Caesar sich, sobald er von Pompeius Ziel gehört hatte, mit einer Mannschaft von nur 3200 Legionären und 800 Reitern 14 nach Alexandria auf. Er wartete nicht einmal „das Eintreffen seines Heeres, das nur in einzelnen Abteilungen herankam“ 15 ab, so sehr brannte ihm die Festsetzung des Pompeius unter den Nägeln. Diese Truppenstärke, so merkt Schäfer an, wäre wohl ausreichend gewesen um Pompeius zu bekämpfen, nicht aber gegen die ägyptische Armee, weshalb er den Schluss zieht, Caesar ging wohl davon aus, die Ägypter würden sich nicht in den Konflikt einmischen, bzw. nicht zu Pompeius halten. 16 Andere Historiker glauben daran, Caesar habe Spione ins Lager des Ptolemaios geschleust und sei so genau darüber im Bilde gewesen, auf wessen Seite der König stehen würde. 17 Am Ende war es aber gar nicht mehr nötig Pompeius durch Kampf zu besiegen. Als Caesar am 1. Oktober 48 n.Chr. 18 in Alexandria eintraf, erfuhr er vom Tod des Pompeius. Als Theodotos, ein Berater des Königs, ihm den Kopf seines großen Gegners überreichte, konnte er seine Trauer nicht verbergen und vergoss ob des Todes Tränen. 19 Nun beging Caesar allerdings schon vor seiner Ankunft in Alexandria einen großen Fehler: Er „vertraute auf den Eindruck seines Glücks und hatte daher keine Bedenken, an der Spitze so unbedeutender Streitkräfte seinen Zug anzutreten, in der Überzeugung, daß er überall gleich sicher sei“. 20 Heutzutage, und mit einiger Kritik klingt das so: „Noch siegestrunken von Pharsalos glaubte er [Caesar] offenbar, Bevölkerung und Regierung in Alexandria würden
11 Caes. BC, III,102.
12 Walter-Schomburg, Kurt (Hrsg.): Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Berlin s.a. (1960). S.535.
13 Syme, Ronald: Die römische Revolution. Stuttgart 2003. S.62.
14 Caes. BC, III,106.
15 App.Römische Geschichte. II, 89 [374].
16 Schäfer: Kleopatra. S.53.
17 Canfora: Der demokratische Diktator. S.198.
18 Dass oftmals fälschlicherweise der 2.Oktober als Tag seiner Ankunft angegeben wird, versucht Schäfer zu korrigieren (Schäfer: Kleopatra. S.53).
19 Plut. Caesar, 48. Wir wollen uns nicht beteiligen an der Debatte die vorallem der boshafte Lukan angeregt hat, wenn er schrieb die Tränen seien Caesars einzige Möglichkeit gewesen seine Freude zu verbergen (Zitiert nach: Canforra: Der demokratische Diktator. S.197.). Es liegt viel näher an echte Gefühle Caesars zu glauben, betrachtete er Pompeius doch nie als seinen Feind, sondern eher als Marionette der Optimaten, und hegte er doch nie einen echten Groll gegen ihn (Vgl dazu: Caes. BC, I,7.). Freudentränen hatte er nicht einmal im Gesicht als sein wahrer Erzfeind Cato, sich das Leben nahm, auch diesen hatte er begnadigen wollen ( Vgl hierzu: Plut. Caesar, 54).
20 Caes. BC, III,106.
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sich seiner Macht nahezu bedingungslos unterordnen.“ 21 Denn auch mit einer solch geringen Streitmacht fiel es Caesar zunächst nicht ein Zurückhaltung zu üben. Demonstrativ ließ er sich die Fascen von seinen Liktoren vorantragen. 22 „Auf diese unverhohlene Zuschaustellung römischer Machtsymbole“ 23 , reagierten die Bewohner Alexandriens äußerst empört, sahen sie darin doch „eine Herabwürdigung der königlichen Majestät“ 24 . Nichts anderes war Caesars Verhalten. Völlig zu Recht schreibt daher Schäfer: „Mit etwas mehr Fingerspitzengefühl, hätte Caesar eine Eskalation vermeiden können.“ 25 Wir bemerken nun, ein wichtiger Umstand, der zum Alexandrinischen Krieg geführt hat, war Caesar Überheblichkeit, und die Geringschätzung der Ägypter, die für die Römer höchstens als ein „Papiertiger“ 26 galten und nicht als ein wehrfähiges Volk. Recht schnell bemerkte Caesar seinen Fehler und trat von nun an weitaus zurückhaltender auf. Wie ein harmloser Tourist zog er lustwandelnd durch die Stadt und lauschte den öffentlichen Vorträgen. 27 Er tat dies um die Lage zu beruhigen, und als er das Gefühl hatte wieder Herr der Lage zu sein, beging er den zweiten großen Fehler: Indem er eine (berechtigte) Schuldforderung von 10 Millionen Drachmen 28 erhob, gab er Potheinos ein glänzendes Mittel zur feindlichen Propaganda an die Hand. 29 „Unterdessen hielt er [Caesar] es als Konsul und somit als Vertreter des römischen Volkes für seine nächste Aufgabe, die Thronstreitigkeiten zwischen dem Könige Ptolemaios und seiner Schwester Kleopatra zu schlichten“ 30 . Das Motiv dafür sieht Gelzer darin, dass Caesar sich erhoffte „durch Beilegung dieser Händel sich das Land oder jedenfalls die eine Partei des Königreichs zu verpflichten“ 31 . Mommsen führt Caesars Verhalten schlicht auf dessen Gewohnheit zurück „wo er einmal in dem weiten Reiche sich befand, die Verhältnisse sogleich und persönlich endgültig zu regeln“ 32 . Bei dieser Verhandlung jedoch beging Caesar schließlich den dritten Fehler: Als er Kleopatra bei sich im Königspalast empfing, glaubte niemand mehr so recht an ihn als einen gerechten Richter. Durch den Anblick der verhassten Schwester überrascht, rannte Ptolemaios, der ebenfalls im Königspalast wohnte, hinaus zu der Menge, riss sich das
21 Schäfer: Kleopatra, S.55.
22 Caes. BC, III, 106.
23 Dahlheim: Ehre des Kriegers. S. 171.
24 Caes. BC, III, 106.
25 Schäfer: Kleopatra. S.55.
26 Ebd.
27 App. Römische Geschichte, II, 89 [376].
28 Plut. Caesar, 48.
29 Die Quellen widersprechen sich im Ablauf der Geschehnisse und lassen manches weg. Caesar erwähnt Kleopatra z. B. überhaupt nicht, Plutarch erzählt von einem Mordanschlag des Potheinos auf Caesar (der nirgends sonst erwähnt wird), Appian behauptet die Alexandriner seien zuerst freundlich gesinnt gewesen usw. Deswegen halten wir uns grundsätzlich an die wahrscheinlichste Version, die von Cassius Dio.
30 Caes. BC, III, 107.
31 Gelzer: Caesar. S.228.
32 Mommsen: Römische Geschichte. S.537.
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königliche Diadem vom Kopf und schrie, dass er verraten werde. 33 Den daraufhin entstandenen Tumult konnte Caesar nur durch große Zugeständnisse an die Ägypter beilegen. 34 Jedoch war die Lage mittlerweile viel zu brenzlig geworden, der Krieg stand schon - im wahrsten Sinne des Wortes - vor der Tür. Caesar hat die Situation nicht richtig eingeschätzt. Unter anderem hatte er sich nicht eingehend genug mit den Verhältnissen in Alexandria beschäftigt. Ein Fehler der ihm beinahe zum Verhängnis wurde, und der in dieser Arbeit zu vermeiden versucht wird.
II. Die Verhältnisse in Alexandria
Pompeius wie auch Caesar trafen zu einer denkbar ungünstigen Zeit in Ägypten ein. Der Eine musste dafür mit seinem Leben bezahlen, der Andere konnte gerade so triumphieren. Die Lage in Ägypten hatte maßgeblichen Einfluss auf den weiteren Verlauf des Bürgerkriegs, denn nicht zuletzt die Sorge, Pompeius könnte das königliche Heer aufwiegeln, indem noch eine Menge seiner früheren Soldaten dienten 35 , und auf seine Seite bringen, führten zu dem Entschluss der Berater des Königs, ihn liquidieren zu lassen 36 . Denn eine funktionierende Armee brauchte der junge König dringend, stand er doch im offenen Konflikt mit seiner älteren Schwester und Mitregentin Kleopatra. Diese war erst kürzlich aus Alexandrien vertrieben worden 37 und tat, mit Hilfe syrischen Militärs, alles um ihren Thron zurückzuerobern. Das Heer Ptolemaios‘ lag gänzlich bei Pelusium zur Schlacht bereit, als der fliehende Pompeius dort landete und um Hilfe bat. 38 Ob der junge König, bzw. dessen Berater, Pompeius Magnus in Friedenszeiten auf die selbe Art und Weise ‚begrüßt‘ hätten , ist eher unwahrscheinlich, dass „die Regierung des jungen Königs […] kein Vertrauen mehr zu Pompeius“ hatte und versuchte „ihr Land auf jeden Fall aus dem römischen Bürgerkrieg herauszuhalten“ 39 , klingt recht plausibel, doch eine Rechtfertigung für die Ermordung des Pompeius, ist dies nicht. Zu Recht verwies Pompeius dem jungen König gegenüber, auf seine Freundschaft mit dessen Vater, und hoffte daher auf Unterstützung 40 . Im Normallfall hätte es diese eventuell gegeben. Pompeius Problem allerdings war, dass keine Normalität in Alexandrien herrschte. Man kann daher sagen, es war viel mehr die Furcht der Königlichen,
33 C. D. Römische Geschichte, 42,35,2.
34 Ebd. 42,35,5-6
35 Caes. BC, III, 103.
36 Ebd. III,104.
37 Plut. Caesar, 48. Während Plutarch als Grund für die Vertreibung die Intrigen des Potheinos angibt, führt Canforra eigene Verfehlungen, wie z. B. Getreidelieferungen im Bürgerkrieg, was der hungernden Bevölkerung Alexandrias gar nicht passte, als Gründe ihrer Vertreibung an (Canforra: Der demokratische Diktator. S.194.).
38 Caes. BC, III, 103.
39 Christ, Karl: Krise und Untergang der römischen Republik. Darmstadt 1979. S.367.
40 Caes. BC, III,103.
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vor Kleopatra, als vor Caesar, die den Tod Pompeius‘ herbeiführte 41 . Was Caesar beinahe zum Verhängnis wurde (betreffend den Sitten und Gebräuchen der alexandrinischen Bevölkerung), waren ähnlich explosive Themen: Die Liebe und die Religion. Cassius Dio nennt überaus einleuchtend die Gründe, weshalb es zum Alexandrinischen Krieg kam 42 . Denn neben dem Unmut der Bevölkerung, von Kleopatra regiert zu werden, war es vorallem der Zorn über die Schändung ihrer Heiligtümer der zum Aufstand führte. Im religiösen Bereich, waren die Ägypter dünnhäutig, trieben „sie doch unter den Menschen eine Masse der überflüssigen Kulte und führen wegen ihrer religiösen Überzeugung miteinander sogar Kriege“ 43 . Caesar hatte an dieser ‚Schändung’ eigentlich keine Schuld, doch der Unmut der Bevölkerung traf ihn komplett. Ein Anderer hatte dies - wahrlichmeisterhaft - inszeniert, um den römischen Dictator bewusst in ein schlechtes Licht zu rücken.
III. Die Intrigen des „Verschnittenen“
Diese Person ist der von Caesar wenig schmeichelhaft als „Verschnittener“ 44 bezeichnete Eunuch Potheinos. Jener war Ratgeber des jungen Königs, hatte ihn allerdings „völlig in der Hand“ 45 . Zwar war es auch sein Entschluss, Pompeius aus dem Weg zu räumen, doch bedeutete dies nicht, dass er auf der Seite Caesars stand. Im Gegenteil, Potheinos versuchte Caesar „in jeder Weise zu schaden“ 46 . Das hat er auf so meisterhafte Weise fertiggebracht, dass man seine listigen Intrigen beinahe bewundern müsste, wenn das Opfer nicht der große Caesar gewesen wäre. Bevor ich nun diese im Einzelnen beleuchten werde, sollte man sich klar machen, was das Ziel all dieser Ränke war. Potheinos hatte maßgeblichen Anteil an der Vertreibung Kleopatras aus Alexandria 47 , ihm konnte also sehr wenig daran liegen, dass diese, protegiert von Rom, auf ihren Thron zurückkehren kann. Zu diesem Zwecke versuchte er alles Mögliche um ihre Rückkehr zu verhindern, denn „er bekam Angst, er möchte eines Tages wegen seiner Haltung bestraft werden“ 48 . Der Kampf gegen Caesar (und Kleopatra) war also auch ein Kampf um sein eigenes - nicht nur politisches - Überleben. Mit diesem Wissen im Hinterkopf wird nur um so verständlicher, warum er alles dafür tat „Caesar […] und sein
41 Wobei nicht zu erwähnen vergessen werden darf, dass die Berater des Königs, und vor allem Theodotos, sich einen Vorteil gegenüber Caesar versprachen, wenn sie seinen Gegner für ihn beseitigen (Canforra: Der demokratische Diktator. S.196).
42 C. D. Römische Geschichte, 42,34,1-2.
43 Ebd. 42,34,2.
44 Caes. BC, III,108.
45 Plut. Caesar, 48.
46 Ebd.
47 Caes. BC, III,103., Plut. Caesar, 48.
48 C. D. Römische Geschichte, 42, 36,1-2.
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Ansehen [in der Alexandrinischen Bevölkerung] herabzusetzen“ 49 . Doch was waren die Mittel mit denen er dies versuchte?
Nachdem (mehr oder weniger) offene Worte an Caesar auf Taube Ohren gestoßen waren 50 , musste er sich andere Wege einfallen lassen. Da kam es Potheinos gerade recht, dass Caesar auf einer alten Schuldforderung von 10 Millionen Drachmen bestand. Nachdem er zunächst auf leere Schatzkammer verwies, fand er doch eine Möglichkeit Caesars Willen zu dienen, ihm gleichzeitig aber auch den größtmöglichen Schaden anzutragen: Indem er zunächst das königliche Tafelgeschirr einschmelzen ließ, verstärkte er den Hass der königlichen Gesellschaft gegen Caesar. Indem er dann auch noch die Heiligtümer der Tempel für die Schulderstattung in Anspruch nahm 51 , trieb Potheinos die Stimmung erneut dem Siedepunkt entgegen 52 . Aber bereits vor diesem wahrlich genialen Coup, nutze Potheinos andere Möglichkeiten um Caesar und seine Streitkräfte zu schwächen. Diesen ließ er minderwertiges, wenn nicht schon verdorbenes, Getreide zu kommen 53 , und Caesar soll laut Plutarch „ganze Nächte durchgezecht haben“ 54 , um sich vor einem Attentat zu schützen. Doch das vereitelte Attentat bei einer Versöhnungsfeier, erwähnt lediglich Plutarch 55 , und widerspricht anderen Darstellungen, weshalb es ins Reich der Mythen zu zählen ist. Auch die Schlichtung der Thronstreitigkeiten nutze Potheinos geschickt aus, um weiter Stimmung gegen den römischen Dictator zu machen. Die von Caesar angestrebte Einigung, war „von Anfang an zum Scheitern verurteilt“ 56 , weil der König und seine Berater gar kein Interesse daran hatten, dass die verhasste Schwester zurückkehrt. Und als der junge König Kleopatra im Königspalast erblickte, trat er voll Zorn unter die Menge schrie er werde verraten und warf sein Diadem fort 57 . Schäfer weist geschickt daraufhin, dass dieser ganze Vorfall ein wenig inszeniert erscheint, inszeniert natürlich von Potheinos. Dieser hatte wohl schon im Vorfeld die Bevölkerung mobilisiert und günstig positioniert, sodass das „Wegwerfen des Diadems […] nur noch wie eine Initialzündung“ wirkte 58 . Prompt entflammten die Unruhen, und Caesar konnte gerade noch den König festsetzen. Caesar aber hatte „eine derart große Furcht
49 Plut. Caesar, 48.
50 Laut Plut. Caesar, 48, machte Potheinos Caesar den Vorschlag, er solle sich zuerst um wichtigere Dinge kümmern als Ägypten. Vordergründig mit den Verweis, die bestehende Schuldforderung werde man Caesar bei seiner Rückkehr herzlich gerne komplett erstatten, hintergründig aber wollte er freie Bahn für den Krieg gegen Kleopatra. Caesar (diesesmal kann man seine etwas arrogante Art gut verstehen) antworte nur: „Ägypter seien die letzten, von denen er Rat gebrauche“.
51 Plut. Caesar, 48, Mommsen: Römische Geschichte. S.537.
52 Schäfer: Kleopatra. S.56.
53 Plut. Caesar, 48.
54 Ebd.
55 Plut. Caesar, 49.
56 Canfora: Der demokratische Diktator. S.204.
57 Siehe S. 7.
58 Schäfer: Kleopatra. S.61.
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[…] erfaßt“ 59 , dass er versuchte, sich „durch die denkbar größten Zugeständnisse Ruhe und Frieden zu erkaufen.“ 60 Er trat vor die ägyptische Volksversammlung, schlichtete im Sinne des Testaments Ptolemaios des Älteren und übergab zusätzlich den beiden jüngeren Geschwistern aus dem Ptolemäerhaus die Herrschaft über Cypern. 61 Passend formuliert hierauf Gelzer:
„Wie gefährlich mußte seine [Caesars] Lage sein, daß er, […] in einer ausländischen Hauptstadt ein Stück Reichsgebiet, das vor zehn Jahren in aller Form annektiert worden war, abzutreten für nötig erachtete!“ 62
Doch die Lage wurde noch viel gefährlicher. Grund dafür war - wiedereinmal -Potheinos. Dieser deutete Caesars „Nachgiebigkeit mit Recht als Zeichen der Schwäche“ 63 , setzte sich im Verborgenen mit dem noch in Pelusium stehenden Heerführer des Königs (und Mörder Pompeius‘) Achillas, in Verbindung und gab diesem den Befehl sich mit seinem Heer aus gut 20.000 Mann, auf dem Weg nach Alexandria zu machen. 64 Als diese in der Hauptstadt ankamen, schlug sich die Bürgerschaft auf ihre Seite um gemeinsam gegen den unerwünschten Gast zu kämpfen 65 . Potheinos hatte erreicht was er wollte, allein irgendwann kamen seine Intrigen ans Licht und er musste dafür mit seinem Leben büßen 66 . Trotz allem, ist man fast dazu genötigt ihm Tribut zu zollen, hatte er es doch geschafft den mächtigsten Mann der Welt und Herrscher über das stärkste Reich der Erde, in „einen wirklich überaus gefährlichen Krieg“ 67 zu ziehen, der jenen beinahe in den Abgrund stürzte.
IV. Die Intrigen der „Verführerin“
Es wird wohl stimmen, wenn man Caesars Parteinahme für Kleopatra, als einen der gewichtigsten Gründe für den Ausbruch des Alexandrinischen Krieges nennt, schließlich war die Stimmung in der Bevölkerung Alexandrias nicht gerade auf Kleopatras Seite und „allen erschien es gleichermaßen als Schande, von einem Weibe regiert zu werden“ 68 . Es stellen sich
59 C. D. Römische Geschichte, 42,35,6, in einem Caesar wenig schmeichelhaften Ton.
60 Christ: Untergang der römischen Republik. S.370.
61 C. D. Römische Geschichte, 42,35,5.
62 Gelzer: Caesar. S. 229.
63 Christ: Untergang der römischen Republik S.370.
64 C. D. Römische Geschichte, 42,36,2. , Caesar nennt Achillas als Mittäter (Caes. BC, III,104) und nennt die Truppenstärke Achillas‘ (Caes. BC, III,110).
65 Mommsen: Römische Geschichte. S.538.
66 Zu Potheinos Tod gibt es die verschiedensten Aussagen: Laut Plutarch ist er schon nach dem vereitelten Festtags-Attentat auf Caesar, hingerichtet worden (Wie bereits erwähnt ist diese Version der Ereignisse allerdings nicht plausibel). Nach Cassius Dio ließ Caesar „in Furcht Potheinos seinerseits könne den Ptolemaios entführen […] jenen [Potheinos] töten“ (C. D. Römische Geschichte, 42,39,2). Nach Caesar, und das ist (in diesem Fall) die wahrscheinlichste Aussage, ließ er Potheinos hinrichten, als er von dessen Verbindung zu Achillas erfuhr. (Caes. BC, III, 112).
67 Suet. Caesar, 35,1.
68 C. D. Römische Geschichte, 42,36,3.
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dennoch zwei wichtige Fragen. Erstens: Was waren ihre Motive, und zweitens: in welchem Maße hatte Kleopatra Einfluss auf das Geschehen (und explizit, Einfluss auf Caesar), konnte also ihre Motive umsetzen.
Nachdem sie von ihrem Thron vertrieben wurde, setzte sie alle Hebel in Bewegung diesen zurückzubekommen. Das gerade während dieses Konflikts, der große römische Feldheer in Alexandria ankam, war im Nachhinein ein großes Glück für sie. Wohl waren Caesars Frauengeschichten bereits zu seinem Lebzeiten legendär. Heutzutage würde man sagen, er nahm wohl jede die nicht bei drei auf den Bäumen war, bei Cassius Dio zumindest hört es sich ganz ähnlich an, wenn er schreibt: „Er [Caesar] war nämlich dem Liebesgenuß sehr ergeben und verkehrte mit gar vielen anderen Frauen, sozusagen mit allen, denen er gerade begegnete“ 69 . Auch ein Soldatenlied auf Caesars unbändige Lust ist uns, dank Sueton 70 , erhalten geblieben: „ Städter, wahret eure Weiber, unser Kahlkopf ziehet ein! Was in Gallien du den Huren schenktest, nahmst du hier auf Borg!“ 71 . Dieses Distichon bezieht sich darauf, dass Caesar selbst in den Kolonien und Provinzen die Frauen vernaschte. 72 Diese Geschichten durften auch zu Kleopatra durchgedrungen sein. Und diese sah darin wohl ihren einzigen Ansatzpunkt um Caesar für sich zu gewinnen, denn sie war mit einer magischen Anziehungskraft versehen, die ihr zu jeder Zeit die Liebe großer Männer brachte 73 . Bei Caesar allerdings konnte sie nicht ohne entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, erscheinen, hatte sie sich doch im Bürgerkrieg für Pompeius eingesetzt 74 . Nachdem sie über Mittelsmänner Kontakt zu Caesar aufgebaut hatte, bat sie darum persönlich vor ihm sprechen zu dürfen 75 . Ihr wahrlich filmreifer Auftritt vor Caesar, ausgerollt in voller Pracht aus einem Teppich, wie Plutarch ihn schildert, dürfte so wohl nie stattgefunden haben, zeigt aber welch verführerischer Zauber, auch auf die Historiker, von Kleopatra ausging 76 . Nun hatte sie bei Caesar einen Fuß in der Tür und tat auf ihre Art alles, um den Römer an sich zu
69 Ebd. 42,34,3.
70 Sueton ist im Bezug auf Caesars Liebesleben eine Quelle von unschätzbar hohem Wert.
71 Suet. Caesar, 51.
72 Ebd.
73 Plutarch beschreibt die Gestalt Kleopatras am Besten, wenn er schreibt: „Ihre Schönheit war an und für sich nicht so außerordentlich, daß jeder der sie sah, von ihr betroffen wurde, bei näherer Bekanntschaft übte sie jedoch eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus“ (Plut. Antonius, 27). Er nennt auch neben Caesar und Antonius, einen Sohn des Pompeius als einen ihrer Geliebten (Plut. Antonius, 25), was die Wahrhaftigkeit ihrer Gefühle in ein denkbar schlechtes Licht rückt.
74 Vgl. hierzu Canfora: Der demokratische Diktator. S.202.
75 C. D. Römische Geschichte, 42,34,3. Laut Plut. Caesar, 48, ließ Caesar Kleopatra zu sich bringen, aber auch dies wird wohl nicht ohne vorherige Absprachen geschehen sein.
76 Schäfer: Kleopatra. S.59, kann diesen Mythos überzeugend entkräften. Generell möchte ich an dieser Stelle betonen, welch wunderbares Werk Schäfer mit seiner Kleopatra Biographie liefert. Wissenschaftlich fundiert und engagiert prüft er seine Quellen genau, und fällt vortreffliche Urteile. Schäfers Monographie ist ein Paradebeispiel wissenschaftlichen Arbeitens.
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binden. Der nüchterne Appian schreibt schlicht, dass Caesar sich „mit ihr vergnügte“ 77 , andere Autoren formulieren es deutlicher: „Raffiniert habe sie ihre körperlichen Vorzüge drapiert und so nicht allein mit ihrer Schönheit, sondern insbesondere durch ihre Lasterhaftigkeit den römischen Feldherrn verführt und die ganze Nacht mit ihm verbracht.“ 78 Doch neben dem sexuellen Genuss bot sie für Caesar auch einen anderen Vorteil. Sie veranstalte für ihren Geliebten große Hoffeste 79 . In der unruhigen Lage, die bis vor Ausbruch des Alexandrinischen Krieges herrschte, „halfen die […] üppigen Hoffeste, mit denen ihn [Caesar] die königliche Geliebte [Kleopatra] feierte, über die Verlegenheit hinweg.“ 80 Für Schäfer lag in diesen Feiern aber auch eine ganz klar politische Botschaft, sie sollten „dynastische Legitimität und politische Normalität“ signalisieren und so Caesar helfen „die Alexandriner zu beruhigen.“ 81 Auch sonst dürfte sie wohl versucht haben auf Caesar Einfluss auszuüben. Schäfer, unter vorgehaltener Hand, und mit Verweis auf den (in diesem Fall) erfinderischen Lucan meint, sie hätte maßgeblich auf Caesar eingewirkt, damit dieser den verhassten Potheinos aus dem Weg räume, da er eine große Gefahr für Caesar bedeute 82 . Angesichts der allgegenwärtigen Intrigen am ägyptischen Königshof ist ein Verhalten in dieser Art sehr wahrscheinlich. Schäfer weist außerdem daraufhin, dass sie an Caesars Entscheidung den jungen König aus seiner quasi Gefangenschaft, zum gegnerischen Heer zu entlassen, ihr Wörtchen mitzureden hatte, bzw. ihre Interessen „bei Caesar entsprechend vertreten hat.“ 83 Dennoch sollte man nicht glauben, „daß er [Caesar] die Politik der Liebe geopfert hätte“ 84 , vielmehr war die Verbindung zu Kleopatra ein machtpolitisches Mittel um zukünftig Stabilität in Ägypten, unter einer ihm zugeneigten Herrscherin, zu erlangen 85 . Kleopatras Motive waren recht klar: Sie wollte alles versuchen, um zurück auf ihren Herrschaftsthron zu gelangen. Am Ende war sie damit durchaus erfolgreich. Wenn Dahlheim schreibt ihr Erfolg gehe einher mit der „Einsicht, endgültig auf eine Politik verzichten zu müssen, die ein Fortbestehen der ägyptischen Souveränität jenseits von Rom anstrebte“ 86 , so übersieht er seine eigene Aussage, Ägypten wäre im Oktober 48 n.Chr. sowieso „längst verloren“ 87 gewesen, mit der er völlig Recht hat. Denn Ägypten war tief verstrickt in die
77 App. Römische Geschichte, II,90 [379].
78 Schäfer: Kleopatra. S.59, der sich für diese Aussage auf Lucan.10,60ff. bezieht.
79 Suet. Caesar, 52.
80 Gelzer: Caesar. S.229.
81 Schäfer: Kleopatra. S.62.
82 Ebd. S.60.
83 Ebd. S.77.
84 Gelzer: Caesar. S.236.
85 Ebd.
86 Dahlheim: Ehre des Kriegers. S.178.
87 Ebd. S.170.
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Machenschaften des römischen Imperium 88 . Eine völlig autarke Herrschaft war also völlig utopisch, und die Verbindung zu Caesar sicherte und stärkte Kleopatras Macht, statt sie zu verringern. Was aber nicht soweit ging, dass sie mit ihrem weiblichen Charme beinahe „die Entmachtung Roms und die Unterwerfung der Römer“ 89 erreicht hätte. Dieser Vorwurf beruht allein auf der Wut der historischen Welt gegenüber Kleopatra. Denn da sie so erfolgreich und zielstrebig war, hat sich diese Frau den Hass vieler (vorallem männlicher) Geschichtsschreiber zugezogen. Wenn ein so sachlicher Historiker wie Gelzer sie als „dämonisches Weib“ 90 bezeichnet, ist das noch eine harmlosere Einschätzung. Kleopatra „als eine königliche Hure“ 91 ist da schon eine andere Bewertung und Canforas Fazit: „Das lasterhafte und verbrecherische Bild Kleopatras […] ist wohl weitgehend wahrheitsgetreu“ 92 , ist ebenfalls sehr negativ, auch wenn er es zu relativieren versucht, indem er im Anschluss über das allgemeine Niveau der damaligen Herrscher spricht. Aber der wirkliche Grund, warum Kleopatra so verbrecherisch erscheint, liegt wohl darin, dass sie, um ihre Ziele zu erreichen, alles versucht, und alle ihr zu Verfügung stehenden (weiblichen) Waffen eingesetzt hat. Sie hat sich verhalten wie ein Mann um ihre Ziele zu erreichen, und das können die meisten Männer ihr nicht verzeihen.
Fazit
Am Ende dieser Arbeit möchte ich die Ergebnisse nochmals raffend zusammenfassen und die daraus resultierenden Interpretationen aufzeigen:
Das Caesar in den Alexandrinischen Krieg verwickelt wurde, lässt sich zurückführen auf seine eigene Überheblichkeit, auf sein Vertrauen er werde als der große römische Feldherr „überall gleich sicher“ 93 sein, und darauf, dass er Eigenheiten der Bevölkerung, wie deren Religiosität, nicht achtete. Kurz, dass er keine Rücksicht auf die Bevölkerung des Landes nahm, indem er sich niedergelassen hatte. Das allein hätte sicherlich nicht gereicht einen Krieg gegen ihn vom Zaun zu brechen, doch es waren weitere Mächte gegen ihn am Werk gewesen. Die treibende Kraft auf der gegnerischen Seite war der königliche Reichsverweser und Vormund des Königs, Potheinos. Mit der Gestalt des Potheinos hatte der Politiker Caesar gewiss einen genauso großen Gegner wie der Feldherr Caesar mit dem Pompeius. Allein der intrigante Ägypter hatte beinah mehr Erfolg und hätte Caesar um ein Haar vernichtet.
88 Vgl. hierzu Canfora: Der demokratische Diktator. S. 193f.
89 Heinen: Rom- und Caesarfreundschaft Kleopatras. S.288.
90 Gelzer: Caesar. S.237.
91 Heinen: Rom- und Caesarfreundschaft Kleopatras. S.288.
92 Canfora: Der demokratische Diktator. S.210.
93 Siehe S.5, Anm. 20.
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Eingehend habe ich nachgewiesen mit welch listigen Mitteln der Eunuch versucht hat Caesar in erdenklich schlechtes Licht zu rücken, und wie er das letzten Endes auch geschafft hat. Nur leider ist die Politik schon seit jeher ein äußerst vermintes Gelände, indem ein falscher Tritt, auch dem Besten, das Leben kosten kann.
Weshalb Potheinos letztendlich hingerichtet wurde, ist, aufgrund der verschiedenen Quellenaussagen, nicht ganz klar. Klar ist jedoch, dass Caesar seine verräterischen Pläne irgendwann durchschaut hat, und es ihm zuviel war. Zu dieser Zeit hatten sich die Pläne des Potheinos jedoch schon längst verselbstständigt. Das konnte Caesar auch nicht verhindern, indem er sich anschickte, die strittige Thronfolgefrage zu klären. Im Gegenteil sein Versuch die von den Alexandrinern verhasste Kleopatra wieder auf den Thron zu setzten, war für viele der Tropfen der das Fass zum Überlaufen gebracht hat 94 . Kleopatra hatte sich geschickt und auf ihre ganz eigene Weise die Gunst des alternden Caesars verdient. Sie half ihm zwar die Ruhe vor den Sturm des Krieges zu überbrücken 95 und dürfte ihm auch sonst viel Vergnügen bereitet haben, doch seine Parteinahme für sie war einer der gravierendsten Gründe, weshalb er sich die Feindschaft der Königlichen und der Alexandriner zuzog. Alles in Allem muss man Plutarch zustimmen, wenn dieser sagt, der Krieg wäre für Caesar durchaus vermeidbar gewesen, doch man muss sich auch die ungeheuren Machenschaften vergegenwärtigen, die den großen Strategen förmlich in diesen Krieg hineingezogen haben, sein Naturell wird dabei noch das geringste Übel gewesen sein. Die Ränke des genialen Potheinos brachten Caesar mehr als einmal den Hass der Alexandriner, und auch wenn Gelzer schreibt, Caesar habe „die Politik nicht der Liebe geopfert“ 96 , so hat er doch für die Liebe (oder die Lust, je nachdem wie man ihn einschätzen mag) zu Kleopatra einen großen Krieg riskiert. Diese Vorlage nutzte der clevere Potheinos natürlich aus. Ursache für den Ausbruch des Alexandrinischen Kriegs ist also das Zusammenspiel von Caesars Naturell, seiner Liebe und seinem Eintreten für Kleopatra, deren anrüchigen Umgarnens des alternden Generals, sowie die Intrigen Potheinos, der jede sich ihm dargebotene Möglichkeit nutzte, Profit aus den Handlungen seiner Gegner zu schlagen.
94 Siehe S.10, Anm. 68
95 Siehe S.12.
96 Siehe S. 12, Anm. 84.
1) Literaturverzeichnis
- Canforra, Luciano: Der demokratische Diktator. Eine Biographie. München 2001.
- Christ, Karl: Krise und Untergang der römischen Republik. Darmstadt 1979.
- Dahlheim, Werner: Julius Caesar: Die Ehre des Kriegers und die Not des Staates. Paderborn 2 2006.
- Gelzer, Matthias: Caesar. Der Politiker und Staatsmann. Wiesbaden 6 1960.
-Gesche, Helga: Caesar. Erträge zur Forschung Band 51. Darmstadt 1976.
- Heinen, Heinz: Die Kleopatra-Studien. Gesammelte Schriften zur Ptolemäaerzeit. Die Rom-und Caesarfreundschaft der Kleopatra: Gebrauch und Missbrauch eines politischen Instruments. Konstanz 2009. S.288-299.
- Montaigne, Michel de: Essais. Ausgewählt, aus dem Französischen übersetzt und mit einer Einleitung von Herbert Lüthy. Zürich 1953/2000.
- Schäfer, Christoph: Kleopatra. Darmstadt 2006.
- Syme, Ronald: Die römische Revolution. Stuttgart 2003.
- Walter-Schomburg, Kurt (Hrsg.): Mommsen, Theodor: Römische Geschichte. Berlin s.a. (1960)
2) Quellenverzeichnis
- Appian: Römische Geschichte. Übersetzt von Otto Veh. Stuttgart 1989.
- Caesar: Der Bürgerkrieg. Übersetzt von Hermann Köchly. Köln 2009.
- Cassius Dio: Römische Geschichte. Übersetzt von Otto Veh. Zürich und München 1985.
- Plutarch: Große Griechen und Römer. Herausgegeben und übersetzt von Dagobert von Mikusch Köln 2009.
- Sueton: Leben und Taten der römischen Kaiser. Übersetzt von Adolf Stahr und Werner Krenkel. Köln 2008.
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Peter Ansel, 2011, Caesars Bürgerkrieg Teil I: Motive und Ursachen für die Entstehung des Alexandrinischen Krieges, München, GRIN Verlag GmbH
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