1) Inhaltsverzeichnis:
1) Inhaltsverzeichnis Seite 2
2) Einleitung Seite 3
3) Die Zustände der ersten Zwischenzeit im Lichte der Literatur Seite 4
4) Die Epoche in der Epoche Seite 6
5) Die Reichseinigung im Spiegel der Ägyptologie Seite 7 5.1.) Wer war Reichseiniger? Seite 7
5.2.) Reichseiniger bis in den Tod Seite 8
6) Die Pharaonen und deren Politik im „Mittleren Reich“ Seite 9 6.1.) Amenemhat I. Seite 9
6.1.1.) Verdienste Amenemhats I. um die Kultur und Intellektualität Ägyptens Seite 12
6.2.) Sesostris I., Amenemhatt II. und Sesostris II. Seite 15 6.3.) Sesostris III. Seite 16
6.4.) Amenemhat III., Amenemhat IV. sowie Sobeknofru Seite 17 und die 13. Dynastie
7) Fazit Seite 18
8) Literatur- und Quellenverzeichnis Seite 19
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2) Einleitung
Kaum eine alte Hochkultur interessiert und fasziniert die Öffentlichkeit mehr, als die der Ägypter. Zu groß, mächtig und geheimnisvoll sind die Bauwerke, die Zeugen und Monumente längst vergangener Zeiten sind, zu zahlreich sind die Funde alter Schriftstücke, die es zu enträtseln gilt und die - erstmal zu übersetzen in Angriff genommen - wiederum neue Rätsel aufgeben und Treibstoff für die erneute Forschung darstellen. Welch ein Zauber beispielsweise von den Pharaonen ausgeht, kann ungefähr erahnt werden, wenn man die Berichterstattung über den immensen Erfolg der aktuell im Münchner Olympiapark gastierenden Ausstellung über den Kinderkönig Tutanchamun verfolgt. 1
Seit Jahrhunderten beschäftigen sich Ägyptologen mit dem Bauhandwerk, der Theologie und der Schriftlichkeitskultur der alten Ägypter. Kein leichtes Unterfangen - schließlich ist eine genaue Rekonstruktion der Zeitrelationen nach über 5000 2 Jahren und teils mutwilliger Zerstörung - weiß man doch beispielsweise, dass Informationen über Tutanchamun absichtlich wohl kurz nach seinem Tod ausgelöscht wurden, was den Mythos um seine Person nur vergrößerte 3 - eine außerordentliche Herausforderung. So scheint es sinnvoll gleich zu Beginn dieser Hausarbeit anzumerken, dass die genannten Jahreszahlen keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit erheben. Verschiedene Autoren teilen unterschiedliche Auffassungen. Der Rückverweis via Fußnote auf den jeweiligen Autor, der für die Nennung bestimmter zitierter Jahreszahlen verantwortlich ist, soll transparent machen, wie der Autor dieser Hausarbeit zu den entsprechenden „Erkenntnissen“ gekommen ist.
Die vorliegende Arbeit soll nun Orientierung über die politischen, theologischen, literarischen und handwerklich-künstlerischen Errungenschaften der Epoche des Mittleren Reiches geben. Dies soll vollzogen werden an einem - soweit die historische Rekonstruktion es zulässt - möglichst chronologischen Abriss des Wirkens der einzelnen Pharaonen mit besonderem Augenmerk auf Amenemhat I. zu dessen Zeit außergewöhnlich viele wichtige Änderungen vollzogen wurden.
1 Bis 30. August im Münchner Olympiapark. www.tut-ausstellung.com
2 Geht man von der Zeitspanne aus, in der sich das „Mittlere Reich“ bewegt haben soll
3 Vgl. ARD/NDR „Tagesschau“, 20:15 Uhr, vom 8. April 2009
3
3) Die Zustände der ersten Zwischenzeit im Lichte der Literatur
In der Ägyptologie hat man sich angewöhnt, die Zeiten zwischen den großen Epochen „Altes Reich“, „Mittleres Reich“ und „Neues Reich“ als „Zwischenzeit“ zu bezeichnen. So heißt die Zeit nach dem „Alten Reich“ und vor dem „Mittleren Reich“ demnach „erste Zwischenzeit“ - und so weiter. Einen besseren Ausdruck gibt es nicht, Grund hierfür ist wohl ein Mangel an Informationen, was genau in diesen Zwischenzeiten passiert sein mag. 4 Zum Verständnis der Entstehung - und Entstehung ist hier ein schlechtes Wort, da eine Epoche nicht entsteht, sondern rückwirkend von Historikern so eingeteilt wird - der Epoche des Mittleren Reiches, scheint ein Rückblick in die erste Zwischenzeit angebracht.
War Ägypten im alten Reich (ca. 2670 - 2150 v. Chr.) 5 zu Wohlstand und handwerklich-künstlerischer Blüte gekommen, ging es mit der ersten Zwischenzeit in eine Phase des Chaos über. Das Reich zerfiel in viele einzelne Herrschaftsgebiete mit zahlreichen Herrschern, die sich untereinander bekriegten. Ebenso wechselten die Könige ausgesprochen häufig. Darüber hinaus wird die erste Zwischenzeit als kriegerische Epoche bezeichnet. Insbesondere kam es zu einem Konflikt zwischen Ober- und Unterägypten; beide Landesteile waren getrennt. Hinzu kam ein Niedergang der Beherrschung der Hieroglyphenschrift und der künstlerischen Tradition. 6 Dennoch: die erste Zwischenzeit mit ihren Kriegswirren und Problemen zog die Entstehung einer neuen literarischen Gattung der damaligen Zeit nach sich, die so genannte „Auseinandersetzungsliteratur“. Als besonders bedeutende Werke werden in diesem Zusammenhang immer wieder die „Admonitions“ genannt, die in einem einzigen - stark beschädigten - Manuskript aus der 19. Dynastie überliefert sind (pLeiden I 344 rto.).
Der Text ist mit zahlreichen Fragezeichen versehen, was verdeutlicht, wie schwer angesichts des desolaten Zustands des Papyrus und auch aufgrund der mangelnden Kenntnis der damaligen sprachlichen Feinheiten die
4 Vgl. BURKARD, Günter; THISSEN, Heinz J.: Einführung in die altägyptische Literaturgeschichte, S. 119
5 Zeitangabe nach ASSMANN, Jan: Ägypten, eine Sinngeschichte, Carl Hanser Verlag, München, Wien, 1996, S. 545
6 Vgl. BURKARD, Günter; THISSEN, Heinz J.: Einführung in die altägyptische Literaturgeschichte, S. 119
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Übersetzung ist. Trotzdem soll ein kurzer Auszug Gelegenheit geben, einen Einblick in die Schöpfung von Literatur einerseits, andererseits einen Einblick in die Zustände der Ersten Zwischenzeit, bzw. die literarische Erinnerung daran zu erhalten:
„Wahrhaftig, das Antlitz ist bleich, der Bogenschütze ist bereit, Schuld ist überall, nicht gibt es einen Mann wie gestern. Wahrhaftig, der Räuber(?) [raubt? lauert?] an jedem Platz, der Diener nimmt, was(?) er findet.
Wahrhaftig, Hapi fließt über, doch man pflügt nicht für ihn, jedermann sagt: ‚Wir wissen nicht, was im Land geschah.’
Wahrhaftig, die Frauen sind unfruchtbar, nicht empfängt man, nicht bildet Chnum wegen der Situation des Landes.
Wahrhaftig, die Armen wurden zu Besitzern von Reichtümern, der sich keine Sandalen machen konnte, ist der Herr von Besitz.
Wahrhaftig, die Diener, ihre Herzen sind betrügt, nicht verbinden sich Große mit ihren Leuten, wenn sie fröhlich(?) sind. Wahrhaftig, die Herzen sind gewalttätig, Seuchen durchziehen das Land, Blut ist überall, es mangelt nicht(?) am Tod, die Mumienbinden(?) sprechen(??), ohne, dass man sich nähert. Wahrhaftig, zahllose Tote sind bestattet im Fluss, die Flut ist Grab, die Grabstätte ist Flut. Wahrhaftig, die Reichen sind in Trauer, die Armen sind voll Freude, jede Stadt sagt: ‚Lass uns
7 8 die Mächtigen unter uns vertreiben!’“
Einerseits scheint an diesem Text interessant zu sehen, dass schon in der altägyptischen Literatur gewisse literarisch-rhetorische Figuren wie Redundanz eine Rolle spielten, andererseits ist natürlich der Wert des Textes hinsichtlich seiner historischen Offenbarungen kaum zu unterschätzen. Plünderungen, Krieg und Not wohin das Auge reicht, scheinen den Alltag der Menschen in der Ersten Zwischenzeit zu bestimmen.
So schreibt Jan Assmann in: Stein und Zeit. Mensch und Gesellschaft im alten Ägypten, München, 1991, S.190: 9
„Mann kann sich leicht vorstellen, was für eine Katastrophe der Zufall (sic! gemeint ist: Zerfall) der mit der politischen Institution verbundenen symbolischen Sinnwelt für das Welt- und Menschenbild der damaligen Zeit bedeutete“.
Zur Entstehung des zitierten Textausschnittes und der Gattung der Auseinandersetzungsliteratur schreibt Hellmut Brunner 10 :
7 zitiert nach PARKINSON, Richard B.: Poetry, S. 204-216 in: BURKARD, Günter, THISSEN, Heinz J.: Einführung in die altägyptische Literaturgeschichte, S. 121 8 Die Orthographie habe ich der „neuen Deutschen Rechtschreibung“ angepasst.
9 in BURKARD, Günter, THISSEN, Heinz J.: Einführung in die altägyptische Literaturgeschichte, S. 120
10 BRUNNER, Hellmut: Grundzüge einer Geschichte der altägyptischen Literatur, 1986, S.20, in: BURKARD, Günter, THISSEN, Heinz J.: Einführung in die altägyptische Literaturgeschichte, S. 120
5
„Das Alte Reich geht in einer Revolution unter, die sich, wenigstens in der - für die geistige Verarbeitung allein wichtigen - Residenz in Anarchie und blutigen Exzessen entlädt. Sehr bald setzen literarische Bemühungen ein, dieses unerwartete, unvorhersehbare, ja jedem bis dahin gültigem Weltbild zuwiderlaufende Ereignis zu bewältigen. Das geschieht zunächst durch eine inhaltlich krasse, aber straff geformte Schilderung der furchtbaren Zustände in den Mahnworten eines Weisen namens Ipuwer“.
Es sollte klar geworden sein, wie schrecklich für diese alte Hochkultur, die Zustände der ersten Zwischenzeit gewesen sein mussten, zumal für jene, die sich noch an die Ordnung des „Alten Reiches“ erinnern konnten.
4) Die Epoche in der Epoche
Basierend auf diesen ersten Erkenntnissen scheint es nicht schwer nachzuvollziehen, wie groß das innere Verlangen der Ägypter nach einer Reichseinigung und nach einer Ordnung der Verhältnisse gewesen sein mag. Wird von Assmann die siebte Dynastie und somit die erste, welche in die Erste Zwischenzeit (3150 - 2040 v. Chr.) 11 hineinreicht, nur mit dem Stichwort „Anarchie“ bezeichnet, und die achte Dynastie mit unübersichtlichen 17 - 25 Königen beziffert, gab es ab der neunten und zehnten Dynastie eine Parallelregierung. Die neunte und zehnte Dynastie von Herakleopolis aus regierend, auf der anderen Seite eine elfte Dynastie, die aus Theben regierte. Eben diese elfte Dynastie soll jene gewesen sein, die durch die glanzvolle Tat der Reichseinigung in die Geschichte eingehen würde. Die Reichseinigung selbst und somit das Ende der schlimmen Zustände der Ersten Zwischenzeit wird als Ausgangspunkt für den Start des Mittleren Reiches angenommen, obgleich die Reichseinigung selbst noch in der Zeit der Ersten Zwischenzeit vollzogen scheint. Die elfte Dynastie ist somit die Brücke zwischen der Ersten Zwischenzeit und Mittlerem Reich; die beiden „Epochen“ überlagern sich.
11 Zeitangabe nach ASSMANN, Jan: Sinngeschichte, S. 546
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Arbeit zitieren:
Marc Weyrich, 2009, Das "Mittlere Reich" des Alten Ägypten, München, GRIN Verlag GmbH
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