0. Inhaltsverzeichnis 1. Hinführung S. 3 2. Der Begriff „Wahrheit“ S. 4
2.1. Verschiedene Wahrheitstheorien S. 5
2.2. Wahrheitskriterien S. 7
2.3. Kritik S. 8
3. Wahrheit bei Karl Rahner SJ S. 9 3.1. Hinführung S. 9
3.2. Profanes und dogmatisches Wahrheitsverständnis S. 10
3.3. Wahrheit als Inkarnation Gottes in den Geist des Menschen S. 11
3.4. Die Offenbarung Gottes in der Wahrheit S. 12
3.5. Die dogmatische Aussage als Glaubensvollzug S. 14
3.6. Transzendentalität als Ort ursprünglicher Wahrheit S. 15
4. Rechtfertigung biblischen Redens von Gott S. 16 5. Resümée S. 18
6. Literatur- und Quellenverzeichnis S. 20
2
1. Hinführung
Die Suche nach Wahrheit ist vermutlich so alt wie die Menschheit. Wahrheit ist in aller Munde. Die Polizei sucht nach der Wahrheit in einem Mordfall, jemand erzählt einem anderen die vermeintliche Wahrheit über eine dritte Person oder die Werbeindustrie preist ein Produkt als das einzig wahre auf dem Markt. „Wer die Wahrheit hören will, den sollte man vorher fragen, ob er sie ertragen kann.“ 1 So formulierte einst der böhmische Lyriker Ernst R. Hauschka und häufig mag es auch tatsächlich nicht einfach sein, die Wahrheit, sowohl im profanen als auch im theologischen Sinn zu ertragen, zerstört doch die Wahrheit so manche Illusion und stellt so manches für wahr geglaubte in Frage. Und doch ist die Wahrheit, im Großen wie im Kleinen, eine der Hauptfragen, die Menschen bewegt und in ihrem täglichen Leben umtreibt, schwingen doch in diesem Wort gleichzeitig Assoziationen mit wie „Unverborgenheit“ oder „Ehrlichkeit“, die ohne Zweifel für das friedvolle Miteinander von Menschen eine immense Rolle spielen. Wer möchte schließlich nicht die Wahrheit über seinen Partner oder seine Partnerin kennen im Hinblick auf ein aufrichtiges und unvorbelastetes Leben in einer gemeinsamen Zukunft? Die Suche nach Wahrheit in der Theologie und in der Frage nach Gott beschäftigt seit Jahren berühmte Philosophen, nicht nur jene, die sich ausdrücklich der theologischen Philosophie verschrieben haben, doch einer jener ist es, mit dem sich die vorliegende Hausarbeit besonders beschäftigen will. Die Frage nach Wahrheit in der Theologie ist untrennbar verbunden mit der Frage nach der Existenz Gottes. Was wissen wir über Gott, was können wir über ihn sagen? Woher kommt aber auch Wahrheit und was wissen wir über die Wahrheit, bzw. was können wir als Menschen überhaupt mit unserem beschränkten Horizont über sie wissen? Den Antworten auf diese Fragen nachzuspüren, war für den Verfasser dieser Hausarbeit gleichsam Motivation das Studium der katholischen Theologie aufzunehmen, als auch Triebfeder für die Auseinandersetzung mit dem Thema im Seminar „Klassische Texte zur Religionsphilosophie“, deren Ausarbeitung die vorliegende Arbeit nun darstellt.
1 http://zitate.net/zitate/wahrheit/zitate.html 3
Die Annäherung an das Thema erfolgt gemäß des Titels einerseits mittels des Blicks auf zahlreiche Werke Karl Rahners andererseits auch mittels des Blicks auf einige vorausgehende Erläuterungen zum Begriff „Wahrheit“ im profanen wie im theologischen Sinn.
2. Der Begriff „Wahrheit“ allgemein
Bevor nun eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Wahrheitsphilosophie Karl Rahners stattfinden kann, ist es wichtig, den Begriff der Wahrheit allgemein zu klären.
Wahrheit bedeutet zu allererst in einem profanen Kontext, dass eine Aussage-Wahrheit mit einem bezeichneten Objekt oder Subjekt, belegbar durch rational erklärbare Gründe und Beweise, übereinstimmt. Dies setzt allerdings gewisse, hermeneutisch relevante Vorkenntnisse voraus, die überhaupt die Möglichkeit schaffen, dass Objekte und Subjekte, auf die Satzaussagen referieren, als wahr erkannt werden können. 2 Denken wir uns einen Sprecher, der beim Spaziergang an einem See folgenden Satz äußert: „Das ist eine Ente.“ So muss der Hörer dieses Satzes nun über gewisse Grundkenntnisse verfügen. So muss er wissen, dass es sich bei diesem Tier um ein Lebewesen der Kategorie Federvieh, enger Wasservogel handelt, der sich in nicht näher definierten Situationen mit dem Laut „quak“ äußert. Somit kann der Hörer des Satzes: „Das ist eine Ente“ erst zur Erkenntnis kommen, dass es sich um eine Ente handelt und nicht vielmehr um einen Schwan oder um ein Blesshuhn, auf welche die erstgenannten Eigenschaften auch zutreffen würden. Nach der erfolgten kritischen Überprüfung der Aussage mit den empirisch 3 verankerten wissenschaftlichen Beweismaterial, kann nunmehr die Aussagewahrheit mit der gegenständlichen als übereinstimmend und folglich „wirklich wahr“ angenommen werden.
2 Begriff „WAHRHEIT“ in: BROCKHAUS, Enzyklopädie in 24 Bänden, Bd. 23, F.A. Brockhaus, Mannheim, 1994.
3 Wobei die Frage erlaubt sein muss, inwiefern Empirie überhaupt eine Relevanz bei der Suche nach (absoluter) Wahrheit hat, schließlich entsteht jede Art von Erkenntnis fußend auf einer gewissen Art von Vorkenntnis und einem gewissen Weltbild, das wir als wahr annehmen, doch ob das, was wir für wahr halten auch tatsächlich wahr ist, wird uns in Anbetracht unseres auf immer eingeschränkten Horizontes verborgen bleiben müssen. 4
In der Geschichte der abendländischen Philosophie wurde von Wahrheit in sehr heterogener Weise gesprochen. Die gerade beschriebene Definition des Wahrheitsbegriffs wagte erstmals unter breiter Zustimmung und eben letztlich bis heute gültig, Thomas von Aquin. Er stellte den Satz auf: veritas = adaequatio intellectus et rei. Aus dem Lateinischen übersetzt als „Übereinstimmung des urteilenden Denkens und der Sache.“ 4
In neuerer Zeit hat sich besonders der deutsche Philosoph Martin Heidegger mit dem Begriff der Wahrheit befasst. Hierbei analysierte er das griechische Wort für Wahrheit λήθεια und umschrieb diesen Wahrheitsbegriff mit „Unverborgenheit“ bzw. „Lichtung“. 5 Trotz seiner großen Verdienste um die philosophische Ausleuchtung von „Wahrheit“, maßgeblich in seinen Werken „Sein und Zeit“ und „Geist in Welt“ ist Heidegger vorzuwerfen, dass er damit den Fehler begann, zwar ein Wort auszudeuten, aber letztlich keinen begriff zu definieren. Überdies bleibt im Lichte der genannten thomistischen Definition die Frage offen, aus welcher Richtung die Wahrheit erkannt wird oder sich offenbart. Möglich wäre einerseits die Richtung des denkenden, erkennenden Subjekts oder die Richtung von der Sache, dem Objekt als „Ort der Wahrheit“ her - oder gar gegenseitig sich bedingend. 6 2.1. Verschiedene Wahrheitstheorien
Im Laufe der Jahre haben sich mehrere Wahrheitstheorien herausgearbeitet, die allesamt doch fußen auf der thomistischen Erkenntnis von einst. Die drei wohl wichtigsten Wahrheitstheorien seien im Folgenden vorgestellt 2.1.1. Korrespondenztheorie
Die Korrespondenztheorie soll nicht ohne Grund an erster Stelle genannt werden, denn sie entspricht der klassischen Formel von Thomas von Aquin. „Wahrheit ist die Übereinstimmung, die Angleichung, die Entsprechung von Sache und Verstand, von Sein und Denken, von Wirklichkeit und Sprache.“ 7 Sicherlich ist diese Formulierung angesichts des alltäglichen Gebrauchs des
4 vgl. Eintrag zu „WAHRHEIT“ im LThK, Bd. 10, S. 927.
5 ebd.
6 vgl. Eintrag zu „WAHRHEIT“ in: Brockhaus, Bd. 23, S.511.
7 GRUBER, Franz: Diskurs und Konsens, S. 16.
5
Wortes „Wahrheit“ am nachvollziehbarsten und am einfachsten. Sie entspricht der Übereinstimmung zwischen „Denken“ mit „Tatsachen und Fakten“. Problematisch ist allerdings das Erreichen einer „selbständigen, objektiven und sprachunabhängigen Wirklichkeit“ 8 . Kritisch hinterfragt werden muss nämlich bei einer ebensolchen Wahrheitsdefinition die Rolle der Sprache als Wahrheitsträger und auch als möglicher Faktor von Ungenauigkeit, da Worte auf der semantischen Ebene bestimmte, möglicherweise für das jeweilige Wahrheitsverständnis relevante Bedeutungen nicht transportieren. 9 Noch größer scheint allerdings das folgende Problem: Wenn Wahrheit nur durch Entsprechung zwischen Ding und Intellekt erkannt werden kann, muss auch diese Erkenntnis wiederum durch eine Entsprechung zwischen „Ding“ (vermeintliche Wahrheit) und Intellekt erkannt werden. Hier schließt sich gewissermaßen ein Teufelskreis, der nicht durchbrochen werden kann. 10 2.1.2. Kohärenztheorie
Aus der Korrespondenztheorie entwickelte sich die Kohärenztheorie. Demnach ist eine Aussage dann wahr, wenn sie Teil einer Vielzahl von Aussagen ist, die kohärent (= zusammenhängend) sind mit den jeweils anderen Aussagen. Die Kohärenztheorie ist eine Art „Konkurrenztheorie“ zur Korrespondenztheorie. Geht es bei der Korrespondenztheorie um eine Übereinstimmung (bzw. Kohärenz) mit der Wirklichkeit, so geht es bei der Kohärenztheorie um eine Übereinstimmung von Aussagen, die schließlich dann auf das Wirkliche zu referieren in der Lage ist. Kritisiert muss jedoch in diesem Zusammenhang werden, dass neue oder komplexe, bisher nicht formulierte aber durchaus zutreffende Gedanken keine Möglichkeit haben sich durchzusetzen, da es die unterschiedlichen Aussagen gleichen Ursprungs und selbigen Ziels eben noch nicht gibt. Ein Festhalten an der Kohärenztheorie würde ein Festhalten an konservativem Gedankengut bedeuten. 11
8 GRUBER, Franz: Diskurs und Konsens, S. 19ff.
9 vgl. GRUBER, Franz: Diskurs und Konsens, S. 17.
10 vgl. Eintrag zu „WAHRHEIT“ im LThK, Bd. 10, S. 927.
11 vgl. Eintrag zu „WAHRHEIT“ in: Brockhaus, Bd. 23, S.511 und: GRUBER, Franz: Diskurs und Konsens, S. 19ff.
6
Arbeit zitieren:
Marc Weyrich, 2010, Theologische Wahrheitsphilosophie des Abendlands am Beispiel von Karl Rahner SJ , München, GRIN Verlag GmbH
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