13. November 2008
Hausaufgabe
Ich beschreibe ein Beratungsgespräch und zeige die Möglichkeiten, Chancen und Risiken sowie die Lösungen von kommunikativen Problemstellungen auf. Ich gehe auf die Schwierigkeit ein, dass ich auf der Sachebene sprechen muss, da ich das Ziel verfolge, das Ernährungsverhalten zu erläutern, um eine Veränderung des Ernährungsverhaltens herbeizuführen, was schließlich eine Senkung des Körpergewichts zur Folge hat. Außerdem ist es wichtig, dass die Patientin diese Änderungen dauerhaft durchhält und versteht, dass eine Diät keine Kurzkur ist, sondern vielmehr eine lebenslange Aufgabe. Ich darf nicht überheblich als tadelnder Lehrer (Beziehungsmodell „Eltern - Kind“) wirken, sondern vielmehr signalisieren, dass ich auf einer Ebene mit der Patientin (Beziehungsmodell „Erwachsenen-Ich) bin. Ich nehme die Sorgen und Nöte sowie die Probleme der Patientin ernst. Diese emotionale Ebene darf nicht unter der Sachlichkeit leiden. Ich berichte über meine Vorbereitung auf das Gespräch, das Gespräch selbst, berichte über meine Patientin - eine übergewichtige 52 jährige Frau mit durchschnittlichem Bildungsniveau, die als Bankkauffrau halbtags bei einer Berliner Sparkasse arbeitet. Meine Patientin ist verheiratet und bei der Techniker Krankenkasse versichert, die ihr 5 Gespräche mit mir erstattet. Ich beschreibe eine Gesprächs-/Beratungssituation und gehe auf meine Kommunikationsziele und -wege ein und zeige auf, warum ich was im Gespräche tue. Ich beschreibe meine Vorgehensweise und gehe kritisch mit mir und mit meiner Leistung um. Um die Hausaufgabe schriftlich niederzulegen, habe ich - nach vorheriger Befragung und Zustimmung - das Beratungsgespräch auf dem Tonband mitgeschnitten. Ich habe vor dem Termin mit meiner Patientin gesprochen. Ich habe Sie angerufen und ihr erklärt, dass ich für eine berufliche Weiterbildung einen Mitschnitt des Gesprächs benötige. Ich habe ihr versichert, dass ich die Beratungssituation anonymisiere. Ich frage sie, ob sie verstehen kann, was ich vor habe. Sie sagt mir, dass sie in verschiedenen Kursen der Bank-Akademie Videotraining (Bankberater - Kunde) gehabt hätte und sie die Situation daher kennt. Sie stellt mir einige Fragen, die ich beantworte. Ich schneide nur das Gespräch mit und verwende keine Videoaufzeichnung. Sie fragt mich abschließend, ob sie das Ergebnis meiner Aufgabe erfahren könne. Ich sage, dass dies natürlich selbstverständlich möglich sei. Ich frage, ob es noch weitere Fragen gibt und ob Sie mit den Aufgaben, die ich ihr im ersten Gespräch gegeben habe, zu Recht kommt. Sie sagt, dass Sie sich ein Ernährungstagebuch angeschafft hat und dies gründlich führt. Sie hätte sich überlegt, ob sie es nicht in Excel führen solle. Aber dann hätte sie die Datei mit zur Arbeit nehmen müssen, um es dort auszudrucken und das sei in der Berliner Sparkasse nicht erwünscht. Ich bitte sie für den ersten Termin das Protokoll in Schriftform zu führen.
Zur Geschichte
Neben meiner journalistischen Tätigkeit berate ich regelmäßig Patienten, die mir ärztlich zugewiesen werden. Ich habe dafür einen Beratungsraum in einem Berliner Ärzte- und Gesundheitshaus. Meine Beratungseinheit besteht aus einem Vorraum mit Wartezone und einem Beratungsbüro mit Schreibtisch sowie einer Sitzecke. In dieser Sitzecke führe ich das Gespräch mit meiner Patientin durch. Hier gibt es zwei bequeme Korbstühle und einen kleinen Tisch, der von beiden Stühlen aus ermöglicht, Notizen abzulegen und ein Getränk bereitzuhalten. Durch diese
Grundsituation ermögliche ich, dass ich mich mit meinem Gesprächspartner auf einer räumlichen Ebene befinde. Ich bin ja in diesem Falle sozusagen der Lehrer für eine gesündere Ernährungs- und Lebensweise, die der Patientin hilft, ihr Körpergewicht nachhaltig zu reduzieren und besser zu leben. Ich möchte nicht als Oberlehrer oder „Herrgott in weiß“ erscheinen. Ich möchte mit der Patientin zusammen etwas erarbeiten, dass ihr hilft. Ich möchte sie dort abholen, wo sie steht und mir ihr zusammen den Weg zu einer gesünderen Ernährungs- und Lebensweise gehen. Meine Patientin und ich sind gleichwertig und ich gehe voller Empathie mit ihr um. Ich nehme ihre Sorgen, Nöte und Probleme ernst und verkneife mir - typisch ärztlicheallgemeine Sprüche wie „Sie müssen sich halt mehr bewegen! Und nicht so viel Buttercremetorte essen!“. Ich behandele meine Patienten als Menschen, denn für mich gibt es nicht Menschen und Patienten, sondern nur Menschen. Mit diesen befinde ich mich auf einer Ebene. Die Stühle sind soweit voneinander entfernt, dass die Intimsphäre des Patienten nicht verletzt wird. Aber sie stehen auch so dicht zusammen, dass ein dichtes Gespräch, ein Dialog möglich ist. Auf den Stühlen ist ein weiches Kissen. Die Sitzecke befindet sich vor dem Fenster. Der gesamte Raum ist nicht vollgestellt, sondern relativ leer. Im Sichtfeld des Patientenstuhles befinden sich kein „erschreckendes Bücherregal“ oder ein ablenkender Computer oder sonstige Geräte. Der Raum ist nicht typisch steril weiß gestrichen, sondern hat einen hellen Ockerton und ist in Wischtechnik auf Raufasertapete gestrichen. Der Boden besteht aus Kork und unter den Stühlen und dem Tisch der Beratungsecke befindet sich ein Teppich, der eine angenehme Farbe hat. In der Ecke steht eine große Pflanze. An der Wand befindet sich ein Emil Nolde Bild. Die Patientin sitzt mit dem Rücken zur Wand, damit sie den Raum überblicken kann und sich so sehr wohl, sicher und geborgen fühlt. Nachfolgend eine stilisierte Darstellung meines Beratungsbüros.
Ich führe die Beratung im November 2008 in meiner „Praxis“ durch. Es handelt sich um den zweiten Termin. Während des ersten Termins habe ich die Patientin kennengelernt und einen Überblick über die nächsten 4 Termine gegeben. Ich habe mit ihr Ziele festgelegt, nachdem wir das Problem erarbeitet hatten. Der erste Termin hat einen zeitlichen Umfang von 60 bis 70 Minuten. Die Folgetermine dauern 45 Minuten. Die Patientin ist mir recht genau bekannt. Ich habe die ärztliche
Überweisung und die Krankendaten. Außerdem habe ich eine Patientenkartei angelegt, die mir die Möglichkeit gibt, mich auf die Beratung einzustellen.
Vorbereitung der Beratung
Ich lese mir die Patientenakte genau durch und stelle mir die Patientin vor, um mich auf sie einzustellen Ich trinke eine Tasse Tee. Ich habe 15 Minuten Zeit für die Vorbereitung. In der zweiten Einheit der Beratungen bespreche ich das Ernährungsprotokoll und die ersten Modifikationen des Ernährungs-, Lebens- und Bewegungsverhaltens. Außerdem kläre ich offene Fragen und stecke weitere Ziele mit der Patientin ab. Ich koche Tee und Kaffee für die Patientin und mich. Auf den Tisch stelle ich Tassen, Süßstoff/Zucker, Zitronensaft und Milch. Die Thermoskannen kommen ebenfalls dazu. Ich lege die Patientenkarte auf meinen Stuhl und bin ausreichend mit Karteikarten sowie Schreibmaterial ausgestattet. Einige Minuten vor dem Beratungsgespräch gehe ich den Stoff (Sachebene) durch, den ich heute mit der Patientin erarbeiten möchte. Mir ist klar, dass es für mich als Berater ein sachliches Thema ist, für die Patientin jedoch sehr viele Emotionen daranhängen. Das Ernährungsverhalten wird nicht in erster Linie durch eine rationale Ebene gestaltet, sondern ist vielmehr abhängig von Gewohnheiten (…). Ernährung stillt eines der Grundbedürfnisse des Menschen, das sich im Hunger- und Durstgefühl sowie auch dem Appetit des Menschen darstellt. Ernährung hat somit unmittelbaren Einfluss auf das Wohlbefinden, die Lebensfreude und die Gesundheit des Menschen. Das Ernährungsverhalten ist kein hauptsächlich rational geprägtes Verhalten, so dass eine reine Wissensvermittlung auf der Sachebene in der Ernährungsberatung wenig erfolgreich ist. Antriebe und Motive von Essen und Trinken (neben der reinen Bedürfnisbefriedigung): - Gewohnheiten, die oft schon lange erlernt sind - Einstellungen und Werthaltungen des Patienten - Ökonomische Verhältnisse des Patienten - Familiäre und religiöse Traditionen, mit denen der Patient lebt - Berufliche Situation (Kantinenessen, Kraftfahrer, Schichtarbeiter) - Bildungsniveau
Das Ziel der Beratung ist es, das Ernährungsverhalten kennenzulernen und über den Zeitraum einer Beratung hinaus Veränderungen einzuhalten, zu stabilisieren und dauerhaft in die Gewohnheiten übergehen zu lassen. Der Patient muss in die Lage versetzt werden, selbstständig das neu Erlernte in seinen Alltag zu übertragen. Dabei darf er nicht gezwungen werden, sondern muss selbst Mittel und Wege erkennen, die ihm gemäß sind. Das Verhalten muss zur Gewohnheit werden, damit nicht unbewusst auf bereits automatisierte Verhaltensweisen zurückgegriffen wird. Niemand ändert gerne etwas. Die alten Verhaltensweisen sind vertraut und erscheinen daher einfacher. Eine abstrakte Ernährungsberatung, die aus reiner Information besteht, ist zum Scheitern verurteilt. In der Beratung mache ich dem Patienten Vorschläge und der Patient wählt und probiert aus. Er legt fest, welche und wie viele Modifikationen er in einer vorgegeben Zeit umsetzen kann. Er berichtet mir über die Probleme und ich zeige ihm im partnerschaftlichen Dialog (Erwachsenen-Ich) auf, welche Lösungsansätze es gibt. Der Patient ist in seiner Auswahl selbstbestimmt und ich agiere als Berater und nicht als Diktator. Der Patient bedarf konkreter Erfahrung, dass neue Verhaltensweisen für seine Gesundheit und sein
Arbeit zitieren:
M.Sc. Sven-David Müller, 2008, Diätberatung und Ernährungsberatung in der Praxis - Praxis der Ernährungsberatung, München, GRIN Verlag GmbH
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