den 1950ern, konnte der Geschmack von Saccharin deutlich verbessert werden. Beide
Substanzen wurden zusammen mit weiteren Zusätzen vermischt und als „Sweet’n’low“ vor
allem in den USA mit Erfolg auf den Markt gebracht (2).
Der erste Schock kam 1970 als die „Food and Drug Administration“ (FDA) Cyclamat in den
USA vom Markt verbannte. Der Grund war, das Cyclamat in tierexperimentiellen Studien
unter Verdacht geriet, Krebs auszulösen. In allen anderen Ländern (wie Deutschland,
Österreich) wird Cyclamat nach wie vor verwendet (siehe Abb.: 3). Der nächste künstliche
Süßstoff war Aspartam, der 1981 auf dem Markt kam und als „Nutra-sweet“ verkauft wurde.
Erstmalig wurde auch Joghurt mit Süßstoffen gesüßt und als Light-Produkt verkauft.
Saccharin, Cyclamat und Aspartam werden als die „Süßstoffe der ersten Generation“
bezeichnet. Diesen folgten bald die „Süßstoffe der zweiten Generation“, zu diesen gehören
Substanzen wie Acesulfame-K, Sucralose, Alitam, und Neotam (2). Die „neue Generation“
hatte aber dieselben Nachteile wie die Süßstoffe der „alten Generation“. Der Geschmack war
oft mit einem bitteren oder metallenen Nachgeschmack verbunden und entsprach nicht dem
„vollmundigen“ Geschmack des Zuckers. Aber durch eine Kombination von mehreren
Süßstoffen konnte man den bitteren Geschmack verhindern und insgesamt die Qualität der
Substanzen verbessern. In Limonaden wird Beispielsweise gerne eine Kombination von
Acesulfam-K, Aspartam mit anderen Süßstoffen verwendet (siehe Abb.: 4). Die
Zuckerersatzstoffe werden heute nicht nur Softdrinks und bestimmten Lebensmittel zugesetzt
sondern können auch in Pulver-, Tabletten- und in flüssiger Form gekauft werden (2).
2001 verwendete, zugelassene Süßstoffe und ihre Hauptmärkte (Lindely MG. New
developments in low-caloric sweeteners. World Rev Nutr Diet 1999;85:44-51
verwendet nur Aspartam als Süßstoff für Limonaden, währenddessen Deutschland eine
Mischung aus Cyclamat, Acesulfam-K und Aspartam verwendet.
Durch immer wieder in den Medien auftauchende Negativschlagzeilen, haben viele Menschen
beim Gebrauch von Süßstoffen (vor allem den künstlichen Süßstoffen) ein ungutes Gefühl
(2). Es finden sich häufig Horrormeldungen über Süßstoffe die Beispielsweise gerne über das
Internet verbreitet werden. Ein Beispiel dazu: Aspartam sei ein starkes Nervengift, Aspartam
verursacht Krebs, löst das Gehirn auf - und das ist nur ein sehr kleiner Auszug von
unqualifizierten Meldungen, die den Konsumenten verunsichern.
Süßstoffe besitzen eine wesentlich stärkere Süßkraft als Zucker und haben keine oder nur
wenig Kalorien. Lebensmittel oder Getränke die Energie liefernden Süßstoffe enthalten,
besitzen trotzdem einen geringeren Brennwert als vergleichbare Lebensmittel die mit Zucker
gesüßt sind, da sie eine intensivere Süßkraft besitzen (und daher viel weniger Süßstoff
eingesetzt wird) und normalerweise mit anderen nicht kalorischen Süßstoffen gemischt
werden (1).
Im Gegensatz zu Saccharose, bieten sie Karies verursachenden Bakterien keine Nahrung, da
sie von diesen nicht als Nährstoff genutzt werden können, was ein weiterer Vorteil gegenüber
Zucker ist und der Zahngesundheit förderlich ist (1). Die Süßkraft wird immer auf Saccharose
bezogen, wobei Saccharose eine Süßkraft von 1 hat. Je nach Süßstoffart können diese eine 10
- 3000fach höhere Süßkraft als Saccharose besitzen (1).
Die Süßstoffe werden vor allem für stark Übergewichtigen Menschen und Diabetikern
produziert, um ihnen eine Umstellung auf eine andere Ernährungsweise etwas erleichtern zu
können. In Amerika wird dafür auch gerne Fruktosesirup verwendet (aber auch bei uns
finden sich Diabetikerprodukte die mit Fruktose gesüßt sind), der ebenfalls insulinunabhängig
verstoffwechselt wird. Die Fruktose kommt in natürlicher Form in Obst und
Honig (Bestandteil des Invertzuckers) vor, wobei Birne, Trauben und Äpfel einen
verhältnismäßig hohen Fruktoseanteil besitzen. Fruktose hat um eine um 20% höhere
Süßkraft als der Haushaltszucker und besitzt den gleichen Brennwert: nämlich 4kcal/g.
Kalorieneinsparung erfolgt hier dadurch, dass weniger Fruktose eingesetzt werden muss um
dieselbe Süßkraft wie Zucker zu erhalten. Aber die Einsparung an Energie ist hier nicht so
hoch, wie bei anderen Süßstoffen die zwar ebenfalls Energie liefern, aber eine noch viel
intensivere Süßkraft haben und normalerweise nur in Mischungen mit anderen nicht
kalorischen Süßungsmittel eingesetzt werden. Viele Konsumenten, die abnehmen wollen,
glauben unbegrenzt bei Fruktosehältigen Getränken zugreifen zu dürfen (der Aufdruck „Diät“
verführt dazu) und vergessen dabei, dass sie trotzdem eine beträchtliche Menge an Kalorien
zu sich nehmen. Manche Studien kommen zu dem Schluss, dass die starke Zunahme an
übergewichtigen Menschen in den USA mit einem gesteigerten Konsum von mit
Fruktosesirup gesüßten Limonaden korreliert. Andere Studien sehen hier wieder keinen
Zusammenhang obwohl es Hinweise gibt, dass Fruktose den Fettstoffwechsel beeinflusst (45,
61 und die Stellungnahme Nr. 04/2009 des BfR, dem Bundesinstitut für Risikobewertung,
vom 06. März 2009: „Erhöhte Aufnahme von Fruktose ist für Diabetiker nicht
empfehlenswert“ - Link:
http://www.bfr.bund.de/cm/208/erhoehte_aufnahme_von_fruktose_ist_fuer_diabetiker_nicht_
empfehlenswert.pdf).
Desweiteren kann Fruktose bei Personen mit einer Fruktosemalabsorbtion zu
Bauchschmerzen und Durchfall führen (mehr dazu etwas später in „Ein kurzer Einblick in die
Welt der Kohlenhydrate“). Einen weiteren Nachteil hat Fruktose gegenüber Süßstoffen, sie
kann von der Mundflora verwertet werden und fördert damit die Entstehung von Karies.
Außer den Süßstoffen künstlichen und natürlichen Ursprungs sind noch sogenannte
Zuckeralkohole, auch Zuckeraustauschstoffe genannt, am Markt. Sie können nur bedingt
eingesetzt werden, da sie in höhere Mengen abführend wirken, also Durchfall verursachen.
Vor allem Kaugummis werden heutzutage damit gesüßt. Zuckeralkohole besitzen einen etwas
niedrigeren Brennwert als Kohlenhydrate, nämlich 2,4 kcal/g und ihre Süßkraft beträgt circa
50 - 120% der Saccharose, abhängig vom verwendeten Zuckeralkohol. Um die Süßkraft zu
erhöhen, werden Zuckeralkohole gerne als Mischung mit Süßstoffen eingesetzt (58).
Ein kurzer Einblick in die Welt der Kohlenhydrate
Kohlenhydrate sind einfach aufgebaute Moleküle. Sie bestehen aus Kohlenstoffatomen (C),
Wasserstoffatomen (H) und Sauerstoffatomen (O). Kompliziertere Verbindungen besitzen
auch noch andere Atome im Molekül.
Mengenmäßig stellen die Kohlenhydrate den größten Anteil der auf der Erde vorkommenden
organischen Substanzen dar. Sie sind vorwiegend pflanzlichen Ursprungs, bilden aber einen
Hauptbestandteil der Nahrung vieler Tiere und des Menschen. Sie sind aber nicht nur
Nahrungs- und Reservestoff, sondern erfüllen mancherlei spezifische Funktionen:
Kohlenhydrate sind Bestandteile der Nucleinsäuren, sie dienen als Stütz- und
Gerüstsubstanzen (Cellulose, Glykosaminoglykane), und sie bilden Bestandteile von
Zellmembranen (3). Man unterscheidet die Kohlenhydrate unter anderem durch die Anzahl
der Kohlenstoffatome (z.B.: Triosen = 3 C Atome, Pentosen = 5 C Atome, Hexosen = 6 C
Atome usw.). Die Moleküle liegen nicht gestreckt vor, sondern bilden einen Ring (Abb.:6).
Diese Moleküle können entweder ungebunden bleiben (Monosaccharid) oder sich miteinander
verbinden (Di-, Tri-, Oligo-, Polysaccharide). Stärke ist ebenfalls ein Kohlenhydrat und die
Speicherform von Glukose in Pflanzen. Aufgrund der vielen Glucosemoleküle die
aneinandergehängt sind, bezeichnet man sie auch als ein Polysaccharid (was auf Deutsch so
viel heißt wie Mehrfach-, oder Vielfachzucker). Die Saccharose gehört zu den Disacchariden
die in vielen Formen am Markt angeboten wird (siehe Abb.: 7: Kandiszucker, Würfelzucker,
Puderzucker,…). Abbildung 6 zeigt ein solches Saccharosemolekül als Strukturformel. Sie
besteht aus einer Hexose (Hexa: griechische Vorsilbe für die Zahl sechs, was bedeutet, dieses
Zuckermolekül besteht aus sechs Kohlenstoff-Atomen; z.B.: Glucose) und einer Pentose
(pente: griechische Vorsilbe für fünf; Fruktose) die über eine chemische Bindung miteinander
verbunden sind um ein Disaccharid auszubilden.
Die Verdauung des in der Nahrung dominierenden Kohlenhydrats, der Stärke, beginnt mit
Hilfe eines Enzyms im Mund, wobei es in kleinere Moleküle zerlegt wird um im Darm
schließlich als Glukose vorzuliegen (4). Glukose (auch Traubenzucker genannt) braucht nicht
mehr weiter verdaut werden, es liegt schon in der für den Körper verwertbaren Form vor und
kann daher direkt verwertet werden, ohne dass zuvor Abbauvorgänge stattfinden müssen. Die
Aufnahme in den Blutkreislauf kann daher bereits über die Mundschleimhäute erfolgen. Sie
wird dann entweder in den Zellen „verbrannt“ um Energie zu gewinnen oder in der Leber
gespeichert (als Glykogen, der Speicherform von Glukose in Tieren). Auch die Saccharose
muss, wie die Stärke, zunächst in ihre Bestandteile zerlegt werden (durch ein spezielles
Enzym, die Saccharase). Die freigesetzte Glukose wird, wie bereits oben erwähnt, über einen
aktiven Transport in der Darmschleimhaut in die Blutgefäße transportiert. Die freigesetzte
Fruktose benötigt für den Übergang in den Blutkreislauf einen Transportkanal, der sie passiv
durch die Darmwand schleust. Die Aufnahme benötigt daher etwas mehr Zeit als für Glukose,
was dazu führt, dass nie die gesamte Fruktose aufgenommen wird, was bei hohen Mengen zu
Blähungen führen kann. Wird die Fruktose gemeinsam mit Sorbitol (ein Zuckeralkohol der
aus Fruktose gewonnen wird) konsumiert, führt das zur Blockierung des Transportenzyms
und damit einer noch schlechteren Verträglichkeit von Fruktose. Gemeinsam mit Glukose
erfolgt die Aufnahme etwas schneller, da sie die Aktivität des Transportproteins verstärkt. Da
Fruktose so langsam aufgenommen wird (verstärkt durch Sorbitol), wird nie die gesamte
Fruktose-Menge vom Darm in die Blutbahn befördert. Die Fruktose wird im Dickdarm von
den Darmbakterien verwertet. Dies kann zu Blähungen und Durchfall führen (62). Laktose ist
ein Disaccharid aus Galaktose und Glukose und muss durch das Enzym Lactase gespalten
werden. Galaktose und Glukose werden dann über einen aktiven Transport in die Blutbahn
aufgenommen.
Wenn die Funktion der Darmmukosa (Darmschleimhaut) aus genetischen oder
pathologischen Gründen gestört ist, zeigen die Betroffenen gegenüber Nahrungszuckern
deutliche Intoleranz. Es kommt zur Diarrhöe und dadurch zu großen Wasser- und
Elektrolytverlusten. Sehr häufig ist die Laktoseintoleranz (auch Milchzuckerunverträglich
genannt) bei zu geringer Konzentration an Lactase (das Enzym das für die Zerkleinerung des
Disaccharids Laktose verantwortlich ist) und die Fruktosemalabsorbtion.
Fruktosemalabsorbtion (nicht zu verwechseln mit der Fruktoseintoleranz) liegt vor, wenn der
Transportkanal (Transportenzym) schlecht oder gar nicht funktioniert, also Defekt ist.
Fruktose gelangt vermehrt in den Dickdarm, hält Wasser im Darm zurück und wird dort von
den Darmbakterien abgebaut. Obst und Produkte die Fruktose enthalten führen somit zu
Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall (62).
Die Laktoseintoleranz (also eine zu geringe Konzentration oder komplettes Fehlen des
Enzyms Laktase) ist eigentlich ein normaler Zustand eines jeden Erwachsenen. Ursprünglich
war die Verdauung von Milch nur im Säuglings und Kleinkindalter notwendig. Solange man
Milch trinkt, wird auch Laktase produziert. Danach sinkt die Bildung des Enzyms allmählich
auf Null und der Milchzucker kann nicht mehr aufgespalten werden (63).
Als die Menschen in kühlere Regionen der Erde zogen, begannen sie mit der Viehzucht und
es setzte sich langsam auch der Konsum von Milch bei Erwachsenen durch. Möglich wurde
dies durch eine Mutation, die bewirkte, dass das Laktase-Gen auch bei Erwachsenen
Menschen noch aktiv war, was anscheinend einen Selektionsvorteil gegenüber
laktoseintoleranten Personen bedeutete. In Nordeuropa vertragen 70% der erwachsenen
Menschen Laktose, besitzen also ein aktives Gen, das für die Bildung des Enzyms
verantwortlich ist. Dort wo sich der Konsum von Milch bei Erwachsenen nicht durchgesetzt
hatte können nur 5% Laktose aufspalten, sind also intolerant gegenüber Laktose. Das sind vor
allem Menschen aus Südostasiatischen Ländern und aus einigen Ländern Afrikas (63). Die
nicht gespaltene Laktose kann nicht im Dünndarm resorbiert werden und wird in den
Dickdarm weitertransportiert, wo es Wasser im Darmlumen zurück hält und durch die
Darmflora abgebaut wird - Symptome sind ein starker Durchfall, Bauchschmerzen und
Blähungen.
„Messung“ der Süßkraft
Die Süßkraft ist eine Dimensionslose Größe. Die Messung ist problematisch, da es keine
Geräte zur Messung der Süße gibt. Stattdessen stellt man eine 10%ig Lösung der zu
messenden Substanz her und lässt Versuchspersonen (Probanden) diese Lösung schmecken.
Danach wird die Lösung verdünnt und wieder geschmeckt, dann wieder Verdünnt und so
weiter, bis die Probanden nichts mehr schmecken können. Auf diesen Weg wird dann die
Süßkraft abgeschätzt und kann mit anderen Süßstoffen verglichen werden, wobei ein 10%ige
Lösung von Saccharose als Ausgangswert genommen wird und auf eins gesetzt wird (84). Da
die Geschmacksempfindung bei keinem Menschen gleich ist und die Methoden der Messung
auch nicht einheitlich sind, bekommt man rein Subjektive Ergebnisse und derselbe Süßstoff
bekommt bei anderen Probanden oder einer anderen Messmethode eine komplett andere
Bewertung (84).
Süßstoffe als Ersatz für Zucker
Der Ersatz von Zucker durch Süßungsmittel hat primär den Zweck, Diabetikern und
Übergewichtigen Menschen das Leben zu erleichtern. Diabetiker sollten soweit als möglich
Zucker meiden, und nicht mehr als 50g/Tag davon konsumieren. Man muss bedenken, dass
die erlaubt Menge an Zucker sehr rasch erreicht wird, da auch Obst, Fruchtsäfte oder einige
Fertigprodukte Zucker in jeglicher Form enthalten. Als Getränke bleibt daher eigentlich nur
noch ungesüßter Tee, Wasser oder Mineralwasser über. Nicht gerade einfach, wenn man
immer gerne Süßes gegessen und getrunken hat (ich habe bereits in der Einleitung erwähnt,
dass der Mensch von Geburt an auf Süßes geprägt ist) und erfährt, man muss sich nun sehr
stark einschränken. Diabetiker können somit gesüßten Tee, Kaffee, Limonaden trinken oder
auch mal Süßspeisen essen, ohne ihren Zuckerhaushalt zu sehr durcheinander zu bringen.
Menschen mit Übergewicht sollten generell ihren Kalorienkonsum etwas einschränken. Dazu
ist es notwendig, die Menge an Fett und an leicht verfügbaren Kohlenhydraten (Zucker)
einzuschränken. Mit Süßstoffen kann der Zuckerkonsum extrem reduziert werden - vor allem
gezuckert Limonaden bedeuten eine enorme Menge an aufgenommenen Kalorien. Oft
bewirken hier schon mit Süßstoff gesüßte Limos erste Gewichtsverluste und motivieren zum
weitermachen - da die Umstellung auch nicht so schwer fällt.
Weitere Fähigkeiten von Süßstoffen
Einige Süßstoffe haben außer der Fähigkeit Lebensmittel süß schmecken zu lassen, auch noch
andere Eigenschaften. Sie wirken als Geschmacksverstärker, wie zum Beispiel Acesulfam-K.
So muss man, wenn man es genau nimmt, die süße einer Substanz von seinem Potential die
Süßkraft zu verstärken, unterscheiden (7).
Eine Besonderheit ist Miraculin, das aus bestimmten Früchten gewonnen wird. Miraculin
selbst ist Geschmacklos. Kombiniert man aber diese Substanz mit einem sauer schmeckenden
Lebensmittel, so wandelt sie denn sauren in einen süßen Geschmack um. Wie dieser Vorgang
genau (also chemisch gesehen) funktioniert ist noch nicht geklärt (8).
Die Sicherheitsstandards für Süßstoffe
Für Süßstoffe (die als Zusatzstoffe gelten) gibt es Sicherheitsstandards die angeben wie viel
täglich von einer Substanz konsumiert werden kann. Zum Beispiel die “Food and Drug
Administration” (FDA) in den USA, die “Joint FAO/WHO Expert committee on Food
Additives” (JECFA) und die “Organization of Food and Agriculture” (FAO) und die
“European Food Safety Agency” (EFSA) die den sogenannten Acceptable Daily Intake (ADI)
eingeführt haben (9).
Nahrungsmittel die Süßungsmittel enthalten, werden oft mit „low-calory“ (wenig Kalorien),
„Kalorienreduziert“, “ Zuckerfrei“, „ Zuckerreduziert“, „lite“ oder „light“ (was ungefähr das
selbe bedeutet), „mit Süßungsmitteln gesüßt“, ….. bezeichnet (siehe als Beispiel Abb.: 5).
Wenn auf der Zutatenliste zu finden ist: „Enthält eine Phenylalaninquelle“ kann man sicher
sein, dass sich Aspartam in dem Nahrungsmittel (vorwiegend in Getränken) befindet.
Da die Süßstoffe als Zusatzstoffe gelten, müssen sie zugelassen werden, bevor sie auf den
Markt kommen. Das heißt die Hersteller müssen erst durch Studien die Unbedenklichkeit des
Süßstoffes beweisen die von Experten begutachtet werden und eventuell mit dem ADI-Wert
eine Menge bestimmen, die ein Leben lang aufgenommen werden kann, ohne dass es zu
gesundheitlichen Schäden kommt (27).
Zulassungsverfahren
Vor der Zulassung eines Zusatzstoffes müssen dessen substanzspezifischen Effekte sowie
eventuell vorhandene Dosis-Wirkungs-Beziehungen aufgedeckt und Schwellendosen anhand
von Stichproben biologischer Testsysteme (Tiere, Mikroorganismen oder Zellkulturen)
ermittelt werden (4). Damit ist gemeint, dass ein jeder Süßstoff vor der Zulassung für den
Markt auf „Herz und Nieren“ überprüft werden muss. Dazu gehören Beispielsweise
toxikologische Untersuchungen, wo untersucht wird ob eine toxische Wirkung auf den
Organismus zu erwarten ist. Das wird mittels des sogenannten LD50-Wert angegeben und
gibt jene Dosis (also Menge) an, bei dem 50% der Versuchsstiere nach Exposition (also z.B.:
schlucken der Substanz wie Beispielsweise den zu überprüfenden Süßstoff) sterben
(angegeben wird die Dosis in mg/kg Körpergewicht). Dann wird überprüft wie die Substanz
im Körper umgewandelt und verwertet wird. Beispielsweise wird Aspartam in seine
Bestandteile zerlegt und im Körper abgebaut und ausgeschieden. Auch pharmakologische
Wirkungen (die Substanz kann mit dem menschlichen Körper in Wechselwirkung treten: zum
Beispiel an Zellrezeptoren binden und eine Reaktion auslösen), Genotoxizität
(Erbgutschädigende Wirkung, damit ist nicht unbedingt auch eine kanzerogene, also
krebsauslösende, Wirkung gemeint), Reproduktions- und Fertilitätstoxizität (Toxizität auf die
Reproduktions- bzw. Fortpflanzungsorgane mit möglicher Unfruchtbarkeit) und Teratogenität
(Schädigung des Fötus) müssen untersucht werden. Da die Zusatzstoffwirkung und die dabei
vielleicht auftretende Giftigkeit nicht nur von seiner Mengenkonzentration abhängen, sondern
auch von der Dauer der Einwirkung, erfolgt auch eine Prüfung auf chronische Toxizität, also
eine Toxizität die erst auftritt wenn die Substanz über längere Zeit („lebenslang“)
eingenommen wird. Überprüft wird das Beispielsweise an Ratten, die die zu testende
Substanz zwei Jahr lang täglich verabreicht bekommen. Der ermittelte Betrag der
Substanzmenge, die ohne Schädigung ein Leben lang konsumiert werden kann, wird durch
das Körpergewicht der Tiere dividiert und in mg/kg Körpergewicht angegeben und als „No
observed effect level“ (NOEL) bezeichnet (4). Ausgehend von NOEL wird der ADI-Wert in
mg/kg Körpergewicht ermittelt.
Was versteht man unter dem ADI-Wert
Unter dem ADI-Wert (engl.: acceptable daily intake oder auf Deutsch: DTA - duldbare
tägliche Aufnahme) versteht man die Menge an Lebensmittelzusatzstoffen die täglich
lebenslang zu sich genommen werden dürfen, ohne das es zu Beeinträchtigung der
Gesundheit kommt (25). Zur Umrechnung von NOEL zum ADI-Wert wird ersterer durch
einen Sicherheitsfaktor 100 dividiert (der ADI entspricht also 1% des NOEL). Dieser
Sicherheitsfaktor setzt sich aus den Risiken der Übertragung von Tierversuchs-Ergebnissen
auf den Menschen und einem zweiten Faktor 10 für Risikogruppen (Kinder, älteren
Menschen, Kranke, Schwangere, Stillende) sowie der Variationen des persönlichen
Verzehrverhaltens zusammen. Erarbeitet wurde das ADI-Konzept von JECFA und vom SCF.
Auch viele nationale Behörden und internationale Gremien haben dieses Konzept nach
Prüfung von Alternativen für das Festlegen von Höchstmengen übernommen (4).
E-Nummern
E steht für Europa und ist ein Zeichen dafür, dass für den betreffenden Stoff im Rahmen des
Zulassungsverfahrens der Europäischen Union die folgenden drei Kriterien erfüllt worden
sind:
Der Einsatz des Stoffes
- Muss durch eine hinreichende technologische Notwendigkeit nachgewiesen
werden
- Muss für den Verbraucher gesundheitlich unbedenklich sein
- Darf den Konsumenten durch seine Verwendung nicht irreführen
Diese Kriterien werden, bevor die geprüften Substanzen schließlich in der
Lebensmittelindustrie zum Einsatz kommen, durch die Kontrolle des wissenschaftlichen
Lebensmittelausschusses SCF (http://ec.europa.eu/food/inde_de.htm) anhand von Tests
bewertet. Die meisten Zusatzstoffe dürfen in der EU nur in bestimmten Lebensmitteln und in
begrenzten Mengen verwendet werden (36).
Die E-Nummer eines Zusatzstoffes ist der Code, mit dem jeder Stoff unabhängig von den
jeweiligen Landessprachen eindeutig identifiziert werden kann. Die Nummer stellt aber keine
Bewertung dar, sondern folgt einer bestimmten Systematik: Gemäß ihrer technologischen
Funktionen werden Lebensmittelzusatzstoffe in Gruppen zusammengefasst. So kennzeichnen
zum Beispiel die E-Nummern 100 - 199 Farbstoffe, E 200 - 399 Antioxidantien. Da viele
Stoffe nicht nur eine technologische Funktion haben, gibt es immer wieder auch Ausnahmen
von dieser Regel. Zum Beispiel wird E 270 (die Milchsäure) zu Antioxidantien gezählt, ist
aber auch ein Konservierungsstoff. Manche Zusatzstoffe lassen sich aus diesem Grund gar
keiner Funktionsgruppe zuordnen. Zusatzstoffe die zwischenzeitlich verboten wurden,
wurden auch aus der Liste gestrichen. Die entsprechenden Nummern werden in solchen
Fällen nicht erneut vergeben, um Verwechslungen zu vermeiden. Zusätzlich können sich die
E-Nummern verschiedener Zusatzstoffe durch einen kleinen Buchstaben unterscheiden. Die
Buchstaben a - h bedeuten, dass die Substanzen zur gleichen Stofffamilie gehören (zum
Beispiel die Carotine E 160a, E 160b etc.) aber eigenständig zugelassen sind. Diese
Buchstaben müssen in der Zutatenliste auf dem Etikett der Lebensmittel mit angeführt
werden, da sie ein Bestandteil der E-Nummer sind. Dagegen weisen römisch i), ii) usw. auf
verschiedene Spezifikationen eines Stoffes hin, für die jeweils eigenständige
Reinheitskriterien festgelegt wurden. Die i)-s müssen nicht auf dem Etikett aufgeführt werden
(35, 36, siehe Tabelle 2).
Tabelle 2: E-Nummern
E 950 Acesulfam-K Süßungsmittel, Geschmacksverstärker
E 951 Aspartam Süßungsmittel, Geschmacksverstärker
E 952 Cyclohexansulfamidsäure und ihre Na- und Ca-Salze
i) Cyclohexansulfamidsäure
ii) Natriumcyclamat
iii) Calciumcyclamat
Süßungsmittel
E 953 Isomalt Süßungsmittel
E 954 Saccharin und seine Na-, K- und Ca-Salze
i) Saccharin
ii) Saccharin-Natrium
iii) Saccharin-Calcium
iv) Saccharin-Kalium
Süßungsmittel
E 955 Sucralose Süßungsmittel
E 957 Thaumatin Süßungsmittel, Geschmacksverstärker
E 959 Neohesperidin DC Süßungsmittel
E 962 Aspartam-Acesulfamsalz Süßungsmittel
E 965 Maltit
i) Maltit
ii) Maltitsirup
Süßungsmittel
E 966 Lactit Süßungsmittel
E 967 Xylit Süßungsmittel
E 968 Erythrit Süßungsmittel
Quelle: http://www.bll.de/themen/zusatzstoffe/e-nummern.html; Zugriff am 26.04.2010;
E-Nummern der Süßstoffe von E-950 bis E-968
Das E-Nummernsystem ist für den Konsumenten nicht immer einfach, da sie sich unter einer
Nummer nichts vorstellen können. Es gibt zwar kleine handliche Informationsbroschüren,
aber die wenigsten Konsumenten werden sich die Zeit nehmen, alle Nummern auf den
Zutatenlisten zu kontrollieren. Hier ist es natürlich ein leichtes die Menschen mit unseriösen
Aussagen noch mehr zu verunsichern.
Noch immer gibt es gefälschte Listen mit unseriösen Warnungen von angeblich bedenklichen
Lebensmittelzusatzstoffen, die immer wieder in Kindergärten, Schulen, Arztpraxen oder im
Internet verbreitet werden. Darin werden mit E-Nummern versehene Stoffe Kategorien wie
„nicht zweifelsfrei unschädlich“, oder „krebserregend“ zugeordnet. In einigen Listen werden
auch konkrete Produkte mit angeblich gefährlichen Zusatzstoffen genannt. Als Urheber
werden Forschungsinstitute, Krankenhäuser oder Ministerien angegeben, die sich bei
entsprechender Anfrage bisher stets nachdrücklich von diesen Listen distanziert haben (79).
Gerade das angeblich öffentliche renommierte Institutionen die Urheber sein sollen, bestärkt
den Konsumenten das zu glauben was auf diesen Listen steht, obwohl es teilweise kompletter
Unsinn ist.
Unter anderem findet sich E-330, die Zitronensäure. E-330 soll Krebserregend sein und wird
als Besonders gefährlich bezeichnet. Zitronensäure findet sich in vielen Obstsorten und wird
im Organismus als wichtiges Zwischenprodukt des Stoffwechsels gebildet, der unter anderem
als Zitronensäurezyklus oder Trikarbonsäurezyklus bekannt ist. Unglücklicherweise heißt
Arbeit zitieren:
M.Sc. Sven-David Müller, Jasmin Schwarz, 2010, Alles über Süßstoffe (von Aspartam über Cyclamat bis Stevia), Fruchtzucker und Zucker, München, GRIN Verlag GmbH
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