der Sprachvarietätsforschung und der Soziolinguistik umreißen, danach wird unser Projekt und dessen Vorgehensweise, sowie die Ergebnisse unserer Studie zusammenfassend präsentiert und abschließend werden die Einschränkungen in Bezug auf die gesamte Datenerhebung diskutiert.
2. Theoretischer Hintergrund
Bevor mit dem praktischen Teil der Arbeit begonnen wird, möchte ich einen kurzen theoretischen Exkurs in den Bereich der Soziolinguistik geben, insbesondere in die Problematik der sozialen Perzeption der sprachlichen Varietäten. In diesem Zusammenhang möchte ich die Sprachtheorien nach Dennis R. Preston vorstellen, die für das Verstehen der Vorgehensweise unserer empirischen Untersuchung von Bedeutung sind.
Der US-amerikanische Soziolinguist Preston unterscheidet in seinem Handbuch zu sprachlichen Varietäten zwei Theorien, nach denen eine bestimmte Sprache bzw. sprachliche Varietät, einmal aus linguistischer Sicht und einmal aus der Sicht eines Laien, bewertet wird. In der linguistischen Theorie werden nach Preston alle Sprachen von unten nach oben betrachtet, d. h. von den konkreten sprachlichen Erscheinungsformen (oder Varietäten), die als kognitiver Bestandteil der Fähigkeiten jedes einzelnen Sprechers verstanden werden, hin zu den sozialen Konstruktionen der sprachlichen Ähnlichkeit. Der Begriff der Sprache der höheren Ebene an sich ist wesentlich abstrakter als real existierende Sprachen, die durch einzelne Sprecher vertreten werden (vgl. Preston 2003, S. 63).
In der Volkstheorie, ganz im Gegenteil, wird in erster Linie eine real existierende Sprache hervorgehoben, wie bspw. Deutsch, Englisch, Chinesisch usw. Demnach gibt es Sprecher, die eine „gute“ Sprache beherrschen, d. h. die einzige Varietät, die durch Regeln normiert wird und die noch als eine einfache Sprache existiert (ordinary language). Schließlich gibt es auch solche Sprecher(-gruppen), die von der sprachlichen Norm abweichen, um nicht zu penibel oder „zimperlich“ bzw. spießig
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zu klingen. Bei einer zunehmenden Abweichung von der Norm erscheinen „Fehler“ in der Sprache, Dialekte oder sogar eine „schlechte“ Sprache. Und genau weil diese Verbindung zur normierten Sprache so natürlich, einfach und logisch zu sein scheint, ist es für einen Laien oft schwer nachzuvollziehen, warum die Sprecher einer Nicht-Standard-Sprache beispielsweise auf ihren „Fehlern“ beharren - werden dementsprechend als faul oder trotzköpfig eingestuft. Genau diese Volkstheorie, glaubt Preston, ist die Quelle der meisten Bewertungen und Diskriminierungen bestimmter sprachlicher Varietäten (vgl. ebd., S. 64). Es folgt die schematische Abbildung der beiden Theorien:
Abb. 1 Sprachtheorien nach Preston 2003, S. 64.
Des Weiteren findet sich bei Hudson folgendes Zitat, das die Stellung der sprachlichen Varietäten in der Linguistik des 20. Jahrhunderts beschreibt:
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One of the most solid achievements of linguistics in the twentieth century has been to eliminate the idea (at least among professional linguists) that some languages or dialects are inherently ’better’ than others. Linguists recognise that some varieties of language are considered by lay people to be better than others, but they point out that each variety displays characteristics common to all human language such as being complex and rule-governed, and that even the least prestigious language varieties reveal an impressively reach set of structural patterns (Hudson 2001, S. 203).
Heike Wiese stellt diese Tendenz in ihrer Anwendung auf das Kiezdeutsche folgendermaßen dar:
Multiethnische Wohngebiete, wie sie für Kiezdeutsch charakteristisch sind, sind in Deutschland heute typischerweise auch sozial benachteiligte Wohngebiete mit niedrigem Einkommen, hoher Arbeitslosenquote, hoher Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen und entsprechend niedrigem Sozialprestige. Kiezdeutsch wird als Sprechweise sozial Schwächerer wahrgenommen, und eine solche soziale Wahrnehmung führt typischerweise zu einer Abwertung des Sprachgebrauchs als „schlechtes Deutsch“ (Wiese 2010, S. 6f.).
Es gibt also keine „bessere“ oder „schlechtere“ Sprache, denn alle Sprachen bzw. sprachliche Varietäten sind komplex, verfügen über ein bestimmtes sprachliches Inventar und sind durch bestimmte Regeln normiert. Was aber bei der Wahrnehmung einer bestimmten Sprache bzw. eines Dialekts eine Rolle spielt, ist der Sozialprestige der Wohngebiete, in denen diese Sprache gepflegt wird. In anderen Worten wird eine Sprache nach der Menschengruppe bewertet, die diese Sprache spricht.
3. Mythos und Hypothese
In Anlehnung an die oben beschriebene Theorie haben wir unseren Mythos folgendermaßen ausformuliert: „’Isch’ sagen nur Ausländer bzw. Menschen mit Migrationshintergrund und wer so redet, ist dumm, prollig und aggressiv“. Unsere Hypothese, die wir im Laufe des Projekts einer Überprüfung unterzogen haben, lautet wie folgt: Die Befragten in Hellersdorf werden den Satz mit der „Ich“-Palatalisierung ausschließlich mit einem ausländischen Sprecher assoziieren,
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Arbeit zitieren:
Ekaterina Avalon, 2011, "Ich"-Palatalisierung als Auslöser für soziale Bewertungen, München, GRIN Verlag GmbH
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