Inhalt
1. Einleitung 1
2. Wissenschaftliche Methodologie 2
2.1 Das Problem der Induktion 3
2.2 Abgrenzungsproblem und Abgrenzungskriterium 4
2.3 Falsifizierbarkeit und Falsifikation 5
2.4 Die Methodologischen Regeln von Popper 6
2.5 Die Wissenschaftlichen Forschungsprogramme von Lakatos 8
3. Wider den Methodenzwang 9
4. Schluss 10
5. Literaturverzeichnis 12
5.1 Primärliteratur 12
5.2 Sekundärliteratur 12
Oliver Neumann Popper, Lakatos, Feyerabend
1. Einleitung
Wie lässt sich nach Karl R. Popper und Imre Lakatos die wissenschaftliche Methodologie kennzeichnen; und welche Kritik übt Paul Feyerabend an beiden Positionen?
Die Wissenschaftstheorie (oder Wissenschaftslehre) klärt die
Voraussetzungen, Ziele und Regeln bei der Gewinnung, Rechtfertigung und Systematisierung wissenschaftlichen Wissens unter besonderer
Berücksichtigung der soziokulturellen Zusammenhänge und historischen Entwicklungen. 1 Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Wissenschaftstheorie im Wesentlichen vom Streit zwischen den Logischen Positivisten 2 um den Wiener Kreis und den kritischen Rationalisten um Karl Popper beeinflusst. Die logischen Empiristen sehen wissenschaftlichen Fortschritt durch das Sammeln von partikulären Wahrheiten erklärt 3 , die induktiv zu einer neuen Theorie werden können welche durch Beobachtung von Tatsachen verifiziert wird.
Karl Popper als „der vehementeste Verfechter einer Alternative zum Induktivismus“ 4 hingegen war einer der ersten, der logische Ungereimtheiten des Positivismus aufdeckte. 5 Das Induktionsproblem resultiert aus dem scheinbaren Widerspruch zwischen der Grundthese des Empirismus, nach der wir Aussagen über die Wirklichkeit nur anhand der Erfahrung beurteilen können, und der Unzuverlässigkeit verallgemeinernder (induktiver) Beweisführungen. 6 Popper gilt als Begründer des Falsifikationismus indem er
1 Mittelstraß, Jürgen (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd. 4, Metzler, Stuttgart 1996ff. S.738-745.
2 Auch logische Empiristen genannt.
3 Vgl. Chalmers, Alan: Wege zur Wissenschaft, 3. Aufl., Springer, Berlin 2001. S. 51.
4 Chalmers, Alan: Wege zur Wissenschaft, 3. Aufl., Springer, Berlin 2001. S. 51.
5 Vgl. Chalmers, Alan: Wege zur Wissenschaft, 3. Aufl., Springer, Berlin 2001. S. 51.
6 Vgl. Popper, Karl: Logik der Forschung, 3. Aufl., Akademie, Berlin, 2007. (Nachfolgend Popper, Karl: Logik der Forschung, Berlin 2007. genannt) S. 3.
Oliver Neumann Popper, Lakatos, Feyerabend
vorschlägt, Theorien zwar als nicht verifizierbare, wohl aber falsifizierbare Aussagen anzusehen. 7
Die nachfolgende Hausarbeit soll zunächst die wissenschaftliche Methodologie, wie sie Karl Poppers Logik der Forschung 8 beschreibt, dargestellt werden. Anschließend soll die wie von Imre Lakatos in Falsifikation und die Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme 9 beschrieben mit der von Popper verglichen werden. Beide sind Verfechter des Falsifikationismus und liegen insofern eng beieinander. Beide sind sich einig, dass es eine wissenschaftliche Methodologie gibt. Dagegen wendet sich u.a. Paul K. Feyerabend in seinem Werk Wider den Methodenzwang 10 direkt an Lakatos und beschreibt es als einen „Brief an einen Freund“ 11 Welche Kritik übt Feyerabend nun an der Methodologie Poppers und Lakatos‘?
2. Wissenschaftliche Methodologie
Die wissenschaftliche Methodologie erwuchs aus der praktischen oder angewandten Logik und beurteilt die Vorgehensweise eines empirischen Wissenschaftlers. 12 Es geht hierbei also darum, wie etwas erfahren wird. Seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Regeln formuliert, die empirischwissenschaftliches von nichtwissenschaftlichem Vorgehen abgrenzt. 13 Die
7 Popper, Karl: Logik der Forschung. Berlin 2007. S. 3.
8 Popper, Karl: Logik der Forschung, 11. Aufl., Mohr Siebeck, Tübingen 2005. (Nachfolgend Popper, Karl, Logik der Forschung. Tübingen 2005 genannt)
9 Lakatos, Imre: Falsifikation und die Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme,
in: John Worral und Gergory Currie (Hrsg.): Kritik und Erkenntnisfortschritt, Vieweg,
Braunschweig 1974. (nachfolgend Lakatos, Imre: Falsifikation 1974 genannt).
10 Feyerabend, Paul: Wider den Methodenzwang, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1986. (Nachfolgend Feyerabend, Paul: Wider den Methodenzwang. 1986. genannt)
11 Feyerabend, Paul: Wider den Methodenzwang. 1986. S. 11.
12 Vgl. Ritter, Joachim u.a. (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 5, Schwabe, Basel und Stuttgart 1971ff.. S. 1379-1386.
13 Ebd. S. 1379-1386.
Oliver Neumann Popper, Lakatos, Feyerabend
Erkenntnisse u.a. Freges, Wittgensteins und Russels auf dem Gebiet Logik und Mathematik waren hierfür ausschlaggebend.
2.1 Das Problem der Induktion
Ausgangspunkt für Poppers Methodologie ist das Problem der Induktion. „Als induktiven Schluss […] pflegt man einen Schluß von besonderen Sätzen, die z.B. Beobachtungen, Experimente usw. beschreiben, auf allgemeine Sätze, auf Hypothesen oder Theorien zu bezeichnen. Nun ist es aber alles andere als selbstverständlich, daß wir logisch berechtigt sein sollen, von besonderen Sätzen […], auf allgemeine Sätze zu schließen“ 14 Beispielhaft gibt er hier an, dass viele Beobachtungen von weißen Schwänen nicht dazu führen dürfen zu behaupten, dass alle Schwäne weiß seien. 15 Popper sagt, dass empirische Wissenschaft an dieser Induktionsproblematik allein schon deshalb scheitert, indem wir versuchen müssten, den allgemeinen Satz (den wir ja induktiv aus besonderen Sätzen gewonnen haben) als empirisch gültig darzustellen. 16 In diesem Fall tauchen aber sofort dieselben Fragen wieder auf, die zu seiner Einführung Anlass gegeben haben. 17 „Wir müßten ja, um das Induktionsprinzip zu rechtfertigen, induktive Schlüsse anwenden, für die wir also ein Induktionsprinzip höherer Ordnung voraussetzen müßten usw. Eine empirische Auffassung des Induktionsprinzips scheitert also daran, daß sie zu einem unendlichen Regreß führt“. 18
Es ist für Popper demnach unmöglich, empirische Wissenschaft und das Induktionsprinzip zu vereinbaren. Im schärfsten Widerspruch zu allen induktionslogischen Versuchen entwickelt Popper seine Methodologie und kennzeichnet diese selbst als „Lehre von der deduktiven Methodik der Nachprüfung“ 19 . 20
14 Popper, Karl: Logik der Forschung. Tübingen 2005. S.3.
15 Vgl. Popper, Karl: Logik der Forschung. Tübingen 2005. S.3.
16 Vgl. Popper, Karl: Logik der Forschung. Tübingen 2005. S.5.
17 Vgl. Popper, Karl: Logik der Forschung. Tübingen 2005. S.5.
18 Popper, Karl: Logik der Forschung. Tübingen 2005. S.5.
19 Popper, Karl: Logik der Forschung. Tübingen 2005. S.6.
20 Vgl. Popper, Karl: Logik der Forschung. Tübingen 2005. S.6.
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