Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 3
Vom Verwalter zur geistlichen Autorität 4
und wieder zurück zum Verwalter mit geistlichen Aufgaben 5
Das Episkopat - ein attraktives Amt 6
Augustinus , Bischof von Hippo Regius im Vergleich 9
Aristokraten auf dem Bischofssitz 10
Der Bischof als Richter, Rechtsbeistand, „defensor“ 11
Armen - und Krankenversorgung und
Speisung der Bevölkerung 13
Milit ärische Aufgaben 14
Versorgung von Freikauf von Gefangenen 16
Steuerverwaltung und - Einzug 17
Die Kehrseite der Medaille 18
Fazit 19
Literatur - und Quellenverzeichnis 20
2
Einleitung
Jede Gemeinschaft braucht einen Anführer. So auch die katholischen Kirchengemeinden in der alten Kirche. War in der frühkirchlicher Zeit die Anführerschaft von mehreren mehr oder weniger geeigneten Menschen übernommen worden, nicht nur von einem Einzelnen 1 , wurde mit wachsender Christenzahl der Ruf nach einem einzigen Führer laut. Dieser sollte gleichsam predigen, Eucharistie feiern, neue Geistliche lehren und ins Amt einführenhierfür entwickelten sich auch gewisse Weiherituale wie Handauflegung - als auch die wirtschaftlichen Geschicke der Gemeinde führen und im kirchlichen Bereich Recht sprechen. Es entwickelte sich das Monepiskopat - jenes Modell nach dem ein einziger Mann einer Stadt mit ihren Teilgemeinden vorstand und als Bischof die ihm anvertraute Kirchengemeinde lenkte.
Natürlich ist ein neues Amt gewissen Änderungen unterworfen, ebenso wie die persönliche Struktur und intellektuellen 2 und geistlichen-theologischen Voraussetzungen der Amtsinhaber.
Mit den sich ändernden Aufgabenbereichen und Persönlichkeitsprofilen eines Bischofs zwischen der Spätantike und dem Frühmittelalter, wissend um die Vagheit beider Zeitbegriffe 3 , möchte ich mich im Folgenden beschäftigen. Als Vergleich wird ein kurzer Ausflug in die Biographie des Kirchenvaters Augustinus (13.11.354 Thagaste - 28.4.430 Hippo Regius) 4 dienen. Als weiterer Eingrenzungsbereich soll die Westkirche gelten.
1 Bei Gerhard Müller, Horst Balz, Gerhard Krause (Herausgeber): Theologische Realenzyklopädie. 36 Bände. De Gruyter, Berlin 1976-2004, 1615 ist die Rede von einer „kollegialen Gemeindeleitung“.
2 Allein sollten die Kandidaten dieses Amtes in der Lage sein zu lesen, was wohl nicht immer vorausgesetzt werden konnte. Vgl. Eva Elm, Die Macht der Weisheit, Brill 2003, 167.
3 Ich schließe mich der verbreiteten Annahme an, die Spätantike beginnt mit der Machtübernahme des römisches Kaisers Diokletian. Den Beginn des frühen Mittelalters sehe ich mit dem beginnenden 6. Jahrhundert vollzogen. Vgl. freie Enzyklopädie vom 28.02.07 „Spätantike/Frühmittelalter“.
4 Vgl. H. D. Betz u.a. (Hrsg.): Religion in Geschichte und Gegenwart, Band I, Mohr-Siebeck, Tübingen 1998-2005 (4. Aufl.).
3
Vom Verwalter zur geistlichen Autorität…
Für die Untersuchung der Aufgaben des Bischofs in der Zeit zwischen Spätantike und frühen Mittelalter scheint es sinnvoll, zunächst dem griechischen Begriff dieses Amtes auf die Spur zu gehen. Evpi,skopoi - so lautet der Begriff für Bischöfe in der altgriechischen Sprache.
Evpi,skopoi (griechisch) oder episcopus (in der ins Lateinische übertragenen Form) - dieser Begriff bezeichnete in der ursprünglichen Wortbedeutung keinesfalls geistliche Würdenträger. Evpi,skopoj war vielmehr die Bezeichung für Vereinsfunktionäre, in der Regel für deren Vorsitzende 5 .
Noch profaner ist eine weitere Nebenbedeutung des Wortes evpi,skopoj: Es bezeichnet: Aufseher, Wächter, Kassenwarte und Schatzmeister. Wer also ein evpi,skopoj war, diente in erster Linie als Beamter im Kommunalwesen, häufig in beaufsichtigender Funktion. In diesem Kontext wurde der Begriff evpi,skopoj - auch in den frühen christlichen Gemeinden benutzt 6 . Die frühen Gemeinden spürten bald den Bedarf eines Verwalters des Gemeindeeigentums, des Geldes der Gemeinschaft und einen Aufsichtsbeamten über die Prediger und anderen geistlichen Dienste. Gleichsam sollten die evpi,skopoi auch die Gemeinde und ihr Wirken nach außen hin vertreten und repräsentative Aufgaben wahr nehmen, auch gegenüber Vertretern der weltlichen Gemeinde und gegenüber dem herrschenden Adel.
Als sich mit der Zeit das Monepiskopat entwickelte - die Präsenz je eines einzigen Bischofes pro Stadt - entwickelte sich erst langsam auch die Bedeutung des Wortes fort, hin zur Bezeichnung eines Würdenträgers, der nicht nur administrative Aufgaben hatte, sondern vielmehr auch die Gemeinde in
5
Nach Erich Ziebarth, Das griechische Vereinswesen, Stuttgart 1896 und Franz Poland, Geschichte des greichischen Vereinswesens, Leipzig, 1909. Zitiert nach: Wilhelm Gessel „Die Spätantike Stadt und ihr Bischof“ in Bernhard Kirchgässner (Hsg.) „Stadt und Bischof“, Sigmaringen, 1988, 14, 15.
6 Vgl. Eva Elm, Die Macht der Weisheit, Brill 2003, 20, 21.
4
spiritueller Form, als Vorsteher in der Eucharistie und allen anderen geistlichen Fragen, leitete.
… und wieder zurück zum Verwalter mit geistlichen Aufgaben
Möglicherweise liegt in dieser Entwicklung des Bischofsamtes von der Verwalter-und Repräsentanten-Tätigkeit hin zum pastoralen Dienst auch die Begründung, weshalb sich dieses Amt mit der Spätantike auch wieder mehr und mehr - neben den pastoralen Tätigkeiten - zu einem Amt rück-entwickelte, dass Verwaltungs-, Organsisations- und andere weltliche Aufgaben zu übernehmen hatte.
Bedingt durch den Zerfall des römischen Reiches, ausgelöst durch die Völkerwanderung und einige verlorene Schlachten seitens der Römer 7 , verlor die weltliche Macht an Autorität. Der römische Staat wurde immer häufiger seinen Aufgaben nicht mehr gerecht; die Bewohner der Städte (civitates) sehnten sich nach einer Autorität, die sie einerseits verwalten und führen sollte, andererseits auch als Ansprechpartner dienen sollte, bei auftauchenden Schwierigkeiten (Rechtsstreitigkeiten, Armut u.a.). Da mit dem Zerfall des römisches Reiches auch Bildungsmöglichkeiten zurück gingen und gleichsam die weltliche Verwaltungsbeamten vielerorts nicht mehr im üblichen Umfang tätig waren, verblieb als einzige Autorität der civitates der Bischof zurück. Er war wohl - im Gegensatz zu Königen und anderen Autoritäten - auch greifbar und einigermaßen volksnah.
Die Menschen konnten an ihn heran treten und ihre Anliegen formulieren. Dieser konnte seine Autorität und die Würde seines Amtes nutzen und leichter an den König herantreten, als ein einfacher Bauer oder Schuhmacher 8 . Dennoch muss klar sein, dass dieses Privileg des persönlichen Kontaktes zwischen Bischof und König nicht allen Bischöfen gegeben war. Bischöfe in entlegenderen Civitates hatten vermutlich genauso wenig die Möglichkeit beim König vorzusprechen, wie auch das Volk.
7 z.B. Adrianopel 378.
8 Über die Kommunikation zwischen adeligen Mächtigen und den Bischöfen wird im Laufe dieser Arbeit immer wieder gesprochen werden.
5
Das Episkopat: Ein Attraktives Amt
Durch den Zerfall des Römisches Reiches und den Schwund der Autorität der weltlichen Amtsträger 9 , wie zum Beispiel der im Frankenreich weit verbreiteten „comes“ 10 , einem kommunalen, kaiserlichen Statthalter und Verwaltungsbeamten - teils auch mit militärischen Rechten ausgestattet -beginnt sich das
Bischofsamt - wir haben bereits davon gehört - zu einem überaus attraktiven Amt zu entwickeln. Einem Amt, das Macht und Ansehen verspricht.
Sicherlich war es auch ein relativ luxuriöses und entbehrungsarmes Leben, das ein Bischof in dieser Zeit führen konnte. Ein Bischofshaus stand in der Regel schon zur Verfügung, Askese war ein gern gesehenes, schmückendes Beiwerk im Bischofsamt, wurde aber keineswegs von allen praktiziert oder verlangt. Ähnliches galt für den Zölibat, der sich erst viel später entwickelte. 11 Wohl gab es immer wieder Strömungen innerhalb der Kirche, die das ehelose Leben der Bischöfe als Ziel ansahen, doch gab es nicht zu viele, die auf die Leibeslust verzichteten. Darüber hinaus sorgte die Gemeinde für das finanzielle Auskommen des Bischofs, üppige Schenkungen, die ebenfalls zur weiteren Verwaltung dem Bischof zufielen 12 und - obwohl sicherlich auch für die Gemeinde eingesetzt 13 - doch wieder Ansehen und Reichtum auch des Bischofs steigerten, war er es doch, der die Ortskirchen so populär machte, dass einzelne Gemeindemitglieder sie überhaupt als für Schenkungen würdig erachtete. Somit steigerten auch diese Schenkungen die in solcher Größe erfolgten, dass sie die Kirche bald zum Großgrundbesitzer machte nochmals Ansehen und Attraktivität des Bischofsamtes. Gleichsam sorgte der Reichtum der Kirche natürlich auch für mehr Akzeptanz seitens der weltlichen Herrscher. Obendrein ermöglichte die finanzielle Konstitution der Kirche derselben auch die Schaffung von Kultur in
9
Vgl. Eva Elm, Die Macht der Weisheit, Brill 2003, 169.
10 www.mittelalter-genealogie.de vom 07.03.2007.
11 ca. 5 Jahrhundert nach Chr. gemäß Betz, H. D. u.a. (Hrsg.): Religion in Geschichte und Gegenwart, Band I, Mohr-Siebeck, Tübingen 1998-2005 (4. Aufl.), Bischof kirchengeschichtlich, 1616.
12 Prinz, Friedrich, Die bischöfliche Stadtherrschaft im Frankenreich, 5.
13 Der Bischof verteilte die Schenkungen usw. auch an die Armen
6
Arbeit zitieren:
Marc Weyrich, 2007, Aspekte im Wandel des bischöflichen Amtes von der Spätantike bis zum frühen Mittelalter, München, GRIN Verlag GmbH
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