1.Einleitung
1.1. Einführung in die Thematik
Neue Technologien wie das Internet ermöglichen einerseits die Vernetzung von Unternehmen über geografische Grenzen hinweg, aber auch zwischen den Mitarbeitern innerhalb eines Unternehmens. 1 Durch die schnell voranschreitende logistische Vernetzung der Welt müssen Unternehmen flexibel und anpassungsfähig sein. Im globalen Wettbewerb steigt der Konkurrenzdruck mit der Folge, dass sich Unternehmen auf Kernbereiche innerhalb ihrer unternehmerischen Wertschöpfung konzentrieren müssen. Die Beschaffung ist ein Bereich, der sehr stark vom Einsatz der modernen Kommunikations- und Informationstechnologien profitiert. Daraus resultieren neue Modelle für Einkauf und Beschaffung. Diese Ansätze bedeuten für den strategischen und operativen Einkauf große Chancen in Bezug auf ihre Effizienz. Die umfassende Palette der geschäftlichen Anwendungsmöglichkeiten wird unter dem Begriff Electronic Business, E-Business zusammengefasst. Die internetbasierte Form der Beschaffung wird als Electronic Procurement bezeichnet. E-Procurement ist eines der zentralen Themen im Beschaffungsmanagement: „Das Thema E-Procurement ist seit seiner Entstehung inzwischen vor allem bei großen Unternehmen zu einem Reifegrad gelangt, der den Einsatz von E-Procurement zu einer Standardvorgehensweise im Einkauf macht.“ 2 Im Vordergrund stehen dabei in der Literatur Kosten- und Zeiteinsparungen durch Automatisierung und Verkürzung von Prozessabläufen.
1 Vgl. Arthur Andersen Business Consulting (2001) S.1
2 Stoll, Patrick (2008) S.1
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1.2. Aufbau und Zielsetzung des Assignments
In diesem Assignment werden zunächst die Begriffe Einkauf und Supply Chain erläutert. Dann wird der zentrale Begriff E-Procurement und die Entwicklung des E-Procurement erörtert. Anschließend wird der Begriff E-Procurement in sein Umfeld eingeordnet und abgegrenzt. Darauf aufbauend werden Gründe für den Einsatz und die Voraussetzungen für die Einführung von E-Procurement beschrieben. Anschließend werden die Auswirkungen von E-Procurement auf die Bestände und Prozessgeschwindigkeit in der gesamten Supply Chain analysiert. Auf EDV- seitige, technische Hintergründe wird im Rahmen dieser Arbeit verzichtet. Das Assignment endet mit einer kritischen Betrachtung und einem Ausblick.
2. Grundlagen und Abgrenzung der Begriffe
2.1. Begriff und Aufgaben des Einkaufs
Da die Wirtschaftspraxis mit dem Begriff Einkauf lediglich die operativen Tätigkeiten des Versorgungsvorganges im Unternehmen bezeichnete, verbreiterte die Betriebswirtschaftslehre ihre Funktionspalette durch Begriffe wie Beschaffung und Materialwirtschaft. 3 Zur Aufgabe der Beschaffung (engl.: procurement) gehören alle Aktivitäten für die sichere und kostengünstige Versorgung eines Unternehmens (strategisch und operational) mit den benötigten Produktionsfaktoren, hauptsächlich Roh-, Hilfs-, und Betriebsstoffe sowie Halbfertigfabrikaten und Handelswaren. 4 In der Materialwirtschaft wird eine hohe Wirtschaftlichkeit erreicht, wenn die Ressourcen und Optimierungsbestrebungen gebündelt und dort eingesetzt werden, wo der Einsatz sich am meisten lohnt. Zu diesem Zweck
3 Vgl. Arnolds, Hans., Heege, Franz, Tussing, Werner (1996) S. 21
4 Vgl. Jung, Hans (2006) S.314
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gruppiert man die zu beschaffenden und zu lagernden Materialien in Ka-tegorien von großer und geringer Bedeutung mit Hilfe von zwei Analysemethoden: Die ABC-Analyse gruppiert die Güter nach ihrem Wert, die XYZ-Methode nach der Prognostizierbarkeit ihres Bedarfs. Dabei haben A-Güter einen hohen Anteil am Gesamtwert (ca. 80%), jedoch einen geringen Anteil an der Gesamtzahl (ca. 20%) aller zu beschaffenden Güter, bei C-Gütern verhält es sich andersherum (ca. 5% zu 70%). X-Güter sind gut prognostizierbar, Y-Güter mittelgut und Z-Güter schwer. Die Kombination aus der ABC- und XYZ-Analyse erlaubt den bestmöglichen Einsatz der materialwirtschaftlichen Aktivitäten um so dem Optimum näher zu kommen. 5
2.2. Begriff Supply Chain
„Unter einer Supply-Chain versteht man die Gesamtheit aller Geschäftsprozesse, die zur Befriedigung der Nachfrage nach Produkten oder Serviceleistungen erforderlich sind.“ 6 In einer Supply Chain wird die gesamte Versorgungskette, vom Einkauf der eigenen Rohstoffe über die Weiterveredelung bis zur Entsorgung bzw. Recycling abgebildet. Das Supply Chain Management fokussiert auch auf die Logistik eines Unternehmens, sowohl im Beschaffungsbereich, als auch auf Absatztseite. Im Rahmen dieser Arbeit steht der Lieferanten-seitige Blick auf die Supply Chain im Vordergrund, also im Beschaffungsbereich.
2.3. Begriff und Entwicklung des E-Procurement
Die Begriffe um E-Procurement leiten sich aus den englischsprachigen Begriffen des Einkaufs ab: „procurement“ für Beschaffung und „e“ für „electronic“. E-Procurement unterstützt den Beschaffungsprozess mit
5 Vgl. May, Dietrich (1998) S. 16f.
6 Berning, Ralf (2000) S.6
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Einsatz elektronischer Werkzeuge und umfasst sowohl strategische als auch operative Beschaffung:
„E-Procurement unterstützt die strategische und operative Beschaffung derart durch elektronische Hilfsmittel, dass der Beschaffungsprozess im Hinblick auf die Kenngrößen Prozesskosten und Prozessergebnis optimal wird.“ 7
Ende der neunziger Jahre hat sich der Business to Business (B2B) Handel grundlegend gewandelt: Internet Online-Shops/Portale gaben die ausschlaggebende Stimulation und Richtung für den B2B Handel. Jedoch wurden diese Systeme als uneffizient in den Hintergrund gedrängt: kein Einkäufer wollte unzählige Shops der Anbieter durchsurfen um nach geeigneten Produkten zu suchen und vergleichsfähige Angebote zu finden. In den Jahren 1997/98 entstand ein regelrechter Boom an neuen Applikationen von Softwareanbietern für die elektronische Beschaffung. In dieser Zeit wurden elektronische Kataloge der Shops im Einkauf in reverser Art in Form eines Multilieferantenkatalogs eingesetzt, um die Katalogdaten mehrerer Anbieter in einheitlicher Art und Weise zu bündeln. Große Unternehmen konnten aufgrund ihrer Einkaufsmacht bestehende und neue Lieferanten auffordern, ihre Waren und Dienstleistungen in die jeweiligen Formate der Multilieferantenkataloge einzuordnen. 8
2.4. Einordnung und Abgrenzung des Begriffs E-Procurement Wie schon in der Einleitung beschrieben, umfasst E-Business die Unterstützung der Prozesse und Beziehungen zwischen Geschäftspartnern, Mitarbeitern und Kunden durch elektronische Medien. E-Business schließt die Teilstrategien für E-Commerce, E-Procurement und E-Organisation (rein innerbetrieblich) ein. E-Commerce ist der Teil des E-Business, der sich auf vertriebliche Aktivitäten bezieht. Als Geschäftspartner kommen Privatpersonen (Business to Consumer: B2C) und ande-
7 Stoll,Patrick (2008) S.2 und Stoll, Patrick (2007) S.17
8 Vgl. Nenninger, Michael & Lawrenz, Oliver; (2002) S.2
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Arbeit zitieren:
Sigrun Gindorff, 2008, Analyse der Wirkung des E-Procurement auf Bestände und Prozessgeschwindigkeit in einer Supply Chain, München, GRIN Verlag GmbH
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